Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
227.468
10
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12.08.2020 2.033
 
Kapitel 90: Ausgang 3

Tytus atmete ein und aus...um gegen das unregelmäßige, gefährliche Pochen in ihm anzukämpfen. „Gut. Dann werde ich jetzt keine Zeit verlieren.“ Äußerlich war es unmöglich, ihm den Kampf anzusehen, der in ihm tobte, während er eine Unauffällige, eilends zusammengestellte  Tasche und eine Handvoll kleiner Gegenstände entgegennahm und mit scheinbar lässigen und routinierten Gesten inspizierte. Die Augen des Balkroniden aber flogen mit hoher, von einem grässlichen Drang getrieben, über die Anzeigefläche des Data-Pads...ZEKOM recherchierte mit Lichtgeschwindigkeit in allen ihm zur Verfügung stehenden Datenspeichern...die Administrator Atlayne womöglich an den unterschiedlichsten Orten vor den Augen der Öffentlichkeit versteckt hatte...Die Informationen über Erix Benado waren reichlich, nicht zu vergleichen mit einer der Polizeiakten, die sich 73-X-0 hatte einverleiben können...Herkunftsort: Shuntooine, Mittlerer Rand...Alter: 52 Standardjahre...Senator aus dem Kabinett von Kanzler Valorum...Tytus hob anerkennend lächelnd eine teleskopartige, hauchdünne Klinge aus der Tasche und versteckte die tödliche Waffe in seinem Uniformkragen, während sich in seinem Kopf zeitgleich zwei Bilder ausbreiteten...das von Senator Erix Benado und das...des Chefadministrator der Blue Destiny, Doktor Sarsku´arun´fluzzasd, genannt Ku´arun... Parteiprogramme... Initiativen... Wahlergebnisse... Sonderausschüsse... Tytus ging langsam zur Tür, während er mit unmerklich zitternden Fingern einen Hochleistungsscanner an seiner Ärmelnaht befestigte und dem Droiden dabei kurz zunickte. Hobbys, Aufenthaltsorte, Kontaktpersonen, Zitate... „Viel Erfolg, Agent R-00“, schnarrte der Droide hinter ihm, während Tytus sich zwang, den Raum mit schnellen, sicheren Schritten zu verlassen...er sah sich um...der Gang war leer...und dunkel... Politische Interessen, Motivationen...Tytus sog langsam Luft in seine Lungenflügel, während er eine Reihe von Codezylindern, kleinen, unauffälligen Schlüsseln in seine Taschen schob...dazu ein Gerät zur Verwirrung republikanischer Lichtschranken und Scanner...und ein kleiner Chip, dessen Funktion auf den ersten Blick nicht ersichtlich war...doch dessen kleine, beinahe unsichtbare Kamera auf der Oberseite bei näherem Hinsehen Bände sprach. Tytus sah sich abermals im Gang um...denn er hörte Schritte...jemand näherte sich...Er zwang sich zur Ruhe...unterdrückte den in ihm aufkeimenden, seit langem eigentlich erstickten Instinkt...und versuchte krampfhaft, die Bilder des Chefadministrators aus seinem Kopf zu vertreiben...schließlich war ER hier...ER konnte ihn sehen...ER wusste, was er tat...wohin er ging...und mit Sicherheit auch, was er dachte...die Bilder aus dem Spiegelraum schossen Tytus in den Kopf, während er das Data-Pad sinken ließ und scheinbar zielstrebig in Richtung der Koordinationszentrale der Sphäre Null ging, von der aus er auf direktem Wege in sein Einsatzgebiet vordringen würde...doch was war sein Einsatzgebiet? Erix Benado war verschwunden...untergetaucht...an keinem Ort zu lokalisieren, selbst durch ZEKOM nicht...doch das Treffen mit Senator Bail Organa durfte unter keinen Umständen stattfinden...unter Keinen Umständen...Tytus wusste, dass er sich konzentrieren musste...er brauchte all seine Fähigkeiten...hier und jetzt...und nicht in der schlimmsten Zukunft, die er sich ausmalen konnte...er spürte, wie all das, was er sich geschworen hatte...all das, was er sich in Mühevoller und Kräftezehrender Arbeit erkämpft hatte, unter der Last der grauenhaften Bilder zusammenbrach...er dachte an Speedy...und den Jedi-Padawan Nik...und an alle anderen Jedi und Klone, die an dem Ort festgehalten wurden, den Destination als OPERON bezeichnete... er versuchte, seinen Weg zu sehen...einen Ausweg aus der Ausweglosigkeit...und zwang sich gleichzeitig, an etwas zu denken, das womöglich noch viel wichtiger war...und dann...urplötzlich und mit unglaublicher Brutalität, riss ihn eine ihm wohl bekannte Stimme aus seinen Gedanken.

„Agent R-00?“ Tytus schreckte hoch, als er die Gestalt sah, die sich ihm mit schnellen Schritten durch die Finsternis näherte. „Ich meine, Mister Ravelish. Ich wähnte nicht, sie hier anzutreffen. Sollten sie nicht eigentlich bei den von Mister Canodair angeordneten Tests sein?“ Tytus schluckte, während er instinktiv ein gewinnendes, schmales Lächeln aufsetzte, das er von seinem Gegenüber ebenso erwartete...weil er es vor sehr langer Zeit schon einmal in dieser Form gesehen hatte. „Commodo...Verzeihung. Admiral Serygait. Es freut mich, Sie wiederzutreffen“, sprach er instinktiv, während er spürte, wie der Schweiß auf seine Stirn trat. Serygait aber reagierte genau so, wie er es sich erhofft hatte...und lächelte geradezu freundschaftlich, bevor er sich kurz umsah und dann mit gedämpfter Stimme sprach: „Ganz meinerseits, Agent. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es so ernst meinen, nach ihrem Verschwinden auf Vhaloq.“ „Und ich hätte nicht gedacht, dass Sie es wirklich vollbracht haben, Rishi und Kamino...und damit den Rest der Republik zu retten. Ich nehme an, sie sind also meinetwegen befördert worden, wie sie es sich gewünscht haben?“ Tytus achtete genau auf die Reaktionen seines Gegenübers, während er seinen Weg ungehindert fortsetzte und der schmaläugige Admiral sich mit einem lockeren Schmunzeln neben ihm einreihte. „Wenn sie so wollen. Ich wusste von Anfang an, dass in Ihnen großes Potenzial steckt...das sie nun mit Sicherheit nutzen werden. Auch wenn ich es mir in diesen Räumen nur sehr ungerne eingestehen möchte, so weiß ich, dass die Sphäre Null über noch keine interne Abhöranlage verfügt...und kann ihnen deswegen meinen Dank aussprechen.“ „In welcher Form?“, fragte Tytus, während er in der Ferne die gedrungene Gestalt von C-00 erblickte, der an einer mobilen Terminalstation herum schraubte... Der Admiral ließ die Mundwinkel für einen kurzen Augenblick eiskalt sinken, bevor er mit leiser, geradezu säuselnder Stimme sprach: „In Form dessen, dass ich dem Rest des Aufsichtsrates nichts von dem preisgebe, was man mir berichtet hat. Sie wissen schon...Vhaloq...“ Tytus verzog keine Miene, während er innerlich zu Eis erstarrte...und instinktiv hauchte: „Das ist vielleicht das beste, Admiral Serygait.“ „Ja...Nicht wahr...Ihr Posten ist Ihnen doch ebenso wichtig wie mir der meine...Ich...danke Ihnen für das Gespräch, Mister Ravelish, aber nun sollten Sie ihre Ausbildung fortsetzen.“ Tytus sah mit einem zwanghaften Lächeln zu Admiral Andomyun Serygait herüber...und taxierte den Flottenoffizier mit aller Macht...während er abschließend hauchte: „Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung, Admiral.“  Mit einem aufmunternden Nicken verschwand Admiral Serygait in einem keinen, provisorisch eingerichteten Büro, das mit einer doppelt verriegelten Durastahltür gesichert war...und verriegelte diese mit einem dumpfen Klacken von innen.

Im Inneren der Sphäre Null war es totenstill, während Agent Ravelish auf C-00 zutrat, der außer ihm die einzige Person im Inneren des Koordinationsraumes war...dessen Gesicht aber noch immer von einer undurchsichtigen Maske verschleiert war. Tytus kniff ein letztes Mal kurz die Augen zusammen, dann sah er auf sein Chronometer...auf ZEKOM und seine Missionsbeschreibung...und kam direkt zur Sache: „C-00. Erbitte Öffnung von Ausgang 3 im Senatsgebäude.“ „C-00 schaute auf, erkannte den Agenten und nickte kurz, bevor er vor Tytus´ Augen das Sicherheitsprogramm T.E.S. aktivierte und einen Durchgangsslot autorisierte. „Ausgang 3 wird in 5 Minuten geöffnet. Die Zeit ist also begrenzt“, sprach C-00 und wandte sich wieder seiner Arbeit zu, während sein von einer Kutte verhüllter Arm auf eine Treppe deutete, die hinter dem zweiten Terminalkreis durch einen Durchlass an der Wand führte, an dem in diesen Sekunden eine Umbaranische Wache erschien. „Gut. Teilen sie Mister Canodair mit, dass ich mit der Exekution seines Befehls begonnen habe“, hauchte Tytus Ravelish, bevor er sich mit schnellen Schritten auf den Weg zur Treppe machte. C-00 sah noch einmal kurz auf, bevor er hauchte: „Wie ihr befehlt, Agent.“ Für einen kurzen Moment sah sich auch der Balkronide noch einmal um...und sah für den Bruchteil einer Sekunde dabei zu, wie C-00 wieder hinter dem Terminal verschwand...bevor er die Treppe ansteuerte, über die zwei der schweigsamen, umbaranischen Wachen ihm entgegen kamen, gefolgt von zwei schwebenden Lastendroiden, auf denen eine vertikale, mit allerhand technischem Gerät versehene Liege montiert war...bei der es sich nur um eine hochmoderne Foltermaschine handeln konnte. Er registrierte die beiden Wachen, wissend, dass diese über seinen ersten Auftrag in Kenntnis gesetzt worden waren, bevor er die Treppe hinauf durch den Durchlass in der Wand in einen noch unmöblierten Eingangsraum gelangte, dessen schwer gepanzerte Tür weit geöffnet war und ihm den Weg in einen langen, schwach erleuchteten Gang wies...in den Gang, der in mitten in das wohl wichtigste Gebäude der gesamten galaktischen Republik befördern würde...in das Senatsgebäude...Tytus setzte einen Fuß vor den anderen und ging nach einigen Schritten in ein dem joggen ähnliches Tempo über...während er das Data-Pad erneut aktivierte...er spürte, wie sich seine Gedanken im Laufen entspannten...wie jeder Meter, der zwischen ihn und die Sphäre Null kam, seinen Kopf herunter kühlte...was seltsam war...war die Sphäre Null für ihn doch nun eine Art Heimat...doch er wusste, woran es lag...während er langsam wieder die Kontrolle über seine Gedanken zurück erlangte...ER war der Grund...Destination war der Grund...Tytus biss die Zähne zusammen...und bezwang die Angst, die er gespürt hatte...er selbst hatte die Kontrolle, das sagte er sich wieder und wieder, während seine Augen erneut über die Daten von Erix Benado huschten...der Senator...war ein bekennender Pazifist, der Anfangs sogar gegen den Eintritt der Republik in den Krieg mobil gemacht hatte...jemand, der Friedensverhandlungen mit den Separatisten für die beste Lösung gehalten hatte...ein Scharfer Kritiker von Kanzler Palpatine und Senator Canodair...das Problem lag also auf der Hand...und war vorprogrammiert gewesen, seitdem Erayn Canodair die Rede im Plenarsaal gehalten hatte...Und auch wenn sich Tytus noch nicht erschloss, worin das Sicherheitsleck der RSB-Gründer bestanden hatte, konnte er sich die nächsten Schritte des Pazifisten bereits denken...Meter um Meter rannte er den Gang hinauf, der an einigen Stellen Abzweigungen hatte, die auf seiner Karte der Sphäre Null noch nicht vermerkt worden waren...und jeden Meter, den Tytus zurücklegte zwang es sich tiefer nachzudenken...und erlangte seine Fähigkeiten mehr und mehr zurück...Auch wenn er noch nicht wusste, was ihn im Senatsgebäude erwarten würde, waren die ersten Schritte seines bevorstehenden Attentats bereits mehr als klar. Was würde ein Senator tun, der von einer bislang noch unbekannten Quelle erfahren hat, dass vor den Augen der Öffentlichkeit verschlossen etwas erschaffen wurde, das weder der Legalität, noch seiner politischen Agenda entsprach? Bail Organa war zweifelsohne der Schlüssel...und die Position des wortgewandten Senators von Alderaan war eindeutig in der Datenbank vermerkt: Audienzzeit. Position des Büros auf Ebene 56. Tytus schüttelte jedoch im Laufen den Kopf...Für Erix Benado war es viel zu riskant, Bail Organa während der Audienzzeit aufzusuchen. Bei einer Audienz, das konnte Tytus dem Senatsprotokoll entnehmen, waren immer auch Vertreter der Senatswachen und meist auch andere Senatoren zugegen, was die Übergabe derartig brisanter Informationen unmöglich machte. Tytus hatte das Ende des Ganges erreicht...das aus einer offenen Fahrstuhltür bestand. Die weibliche Stimme von T-E.S. erklang: „Agent R-00. Verifiziert. Slot offen. Bitte eintreten.“ „Verstanden“, sprach Tytus in ein Mikrofon und betrat die Fahrstuhlkabine, während über das Data-Pad alle digitalen Verbindungen des Senatsgebäudes in Form von Zahlenströmen liefen...nein...auch die Benutzung eines der vielen internen Kommunikationssysteme fiel für Senator Benado flach, denn diese liefen alle durch eine zentrale Schnittstelle im Distrikt des Obersten Kanzlers. Mit der Möglichkeit, dass eine Organisation wie die RSB diese Schnittstelle kontrollierte und abhörte, war für Erix Benado zu rechnen. Während der enge, vermutlich aus einem Raumschiff ausgebaute Fahrstuhl Tytus Ravelish mit unglaublicher Geschwindigkeit in die Höhe katapultierte zog dieser fieberhaft weitere Schlüsse, während er sich zeitgleich in seine auf dem Data-Pad kurz zusammengefasste, vorgefertigte Tarnidentität einarbeitete...Erix Benado konnte also unmöglich auf eine der konventionellen Kommunikationsformen zurückgreifen...musste also eine subtilere Variante zur Übermittlung der Informationen wählen? Doch welche? Tytus berechnete den Senator eiskalt...seine Verbündeten waren nämlich allesamt Senatoren, die von den unterschiedlichsten Planeten stammten...laut der Datenbank mindestens Senatorin Padmé Amidala von Naboo, Senator Onaconda Farr von Rodia und Senatorin Mon Mothma von Chandrilla. Sie alle verfügten über private Residenzen, Privatschiffe und private Attachés. Doch was hatten diese Senatoren nebst Senator Bail Organa, was kein anderer Senator hatte...und was somit auch nicht über eine der zentralen Informationssysteme lief? Ein Kontakt? Einen Treffpunkt? Während der Fahrstuhl die letzten Etagen hinaufschoss öffnete Tytus die Akten der fünf Senatoren und vollzog einen Abgleich synchron verlaufender Datenfragmente...gleicher Informationen...und rechnete die insgesamt 1745 Übereinstimmungen in den Akten mit 6 zufällig ausgewählten anderen Mitgliedern des Senats sowie mit dem Obersten Kanzler und Senator Canodair gegen...und noch ehe sich die Tür öffnete...war die Anzahl gleicher Datenfragmente...auf ein einziges gesunken.
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