Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
227.468
10
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12.09.2020 2.070
 
Kapitel 103: Das Drehkreuz von Serenno

Schon seit mehreren Stunden zitterten die Augen von Administrator Scarth Atlayne. Es war ein zittern, das der ehemalige Flottenadministrator der Republik nur zu gut kannte, ja, das ihn regelrecht verfolgte. Es kam immer dann, wenn er es nicht gebrauchen konnte. Nach drei schlaflosen Nächten und zusammengerechnet mehr als 40 Stunden vor diversen Bildschirmen. Nach Haarsträubenden Ereignissen und Hacker-Angriffen, nach harten, stundenlangen Gesprächen und Koordinationseinsätzen, in denen Atlayne die Wichtigkeit seiner vielen Konzentrationssteigernden Implantate wertzuschätzen gelernt hatte. Doch das Zittern seiner Augen, das Flackern seines Blickfeldes, das war es, was ihm diese Wertschätzung zeitgleich wieder nahm, denn es zeigte ihm, dass er noch immer ein Mensch war. Ein sterbliches, kränkelndes, altes Wesen, das sein Leben lang versucht hatte, sich selbst in einer Riesigen Blase unsterblich zu machen. Doch er war es nicht. Noch nicht. Noch trug er nur Implantate im Kopf...und einen selbst entwickelten Datenanzug...und noch existierte eine Datei über ihn selbst in seinem eigenen Archiv. Ein Toter, wenn man es genau nahm. Ein von einem unerreichbaren Ziel besessener Programmierer, dessen Algorithmen es noch nicht geschafft hatten, das Wissen ihres Vaters zu überbieten. Erayn Canodair sah Atlayne das ein ums andere Mal an, als wolle er ihm mit seiner stets emotionslosen Art sagen, dass es keine Umstände machte, wenn Atlayne sich eine Auszeit gönnte, zumindest für einige Minuten oder eine halbe Stunde, in der Atlayne seinen Kopf sprichwörtlich abschalten und einige das Unterbewusste reinigende Programme genießen konnte. Doch jedes Mal hatte Atlayne seinen umbaranischen Verbündeten mit einem harten Blick abgestraft, einem Blick, der zu Canodair passen musste. Ein Blick, der ihm alles sagte, was er wissen musste...und das immer wieder. Denn Canodair hatte es verdient, genau wie all die anderen so genannten Revolutionäre und Retter, die sich zur Gründung der RSB zusammengefunden hatten. Sie alle waren Patrioten, schillernde Persönlichkeiten im Lichte der Republik. Möchtegern-Helden, die Atlayne in den letzten Jahren regelrecht zu hassen gelernt hatte. Während die Elfte Stunde der Operation anschlug und noch immer kein einziges Signal von den Feldagenten zur Sphäre Null durchgedrungen war, sah der Administrator Canodair mit schmalen Augen an und hauchte: „Was hält sie noch hier? Gehen sie nicht auch davon aus, dass innerhalb der nächsten drei Stunden nichts passieren wird?“ Canodair sah von seinem Sesselintegrierten Computer auf...dachte einen Moment nach...und sah Atlayne für einen kurzen Augenblick fest in die Augen, bevor er nickte und sich vom „Thron“ erhob. Mit langsamen Schritten trat er auf den alten Mann zu und dabei an den Controllern vorbei, die bereits in der dritten Schicht Wache hielten. Atlayne sah auf, aber reagierte nicht weiter, während der Umbaraner mit sichtlich müden Augen auf seinen Uniformgekoppelten Computer deutete und hauchte: „Ich glaube, das hier reicht aus. Sollte irgendetwas auffälliges geschehen, eine Anomalie, dann rufen sie mich sofort. Sie sind verwundert, dass ich Ihnen das Kommando so einfach überlasse, nicht wahr?“ Atlayne presste die faltigen Lippen zusammen und lehnte sich zurück, während Canodair erneut auf seinen Bildschirm deutete und hauchte: „Ich vertraue unseren Agenten blind. Und das sollten sie auch. Schließlich ist es nicht ihre Technik, die uns zum Sieg führen wird.“ „Sondern?“ Canodair wollte bereits gehen, doch hielt inne und sah den alten Mann eiskalt an. „Sondern das, was uns überdauert. Unsere Taten, Atlayne.“ Der Administrator spitze die Lippen und zischte: „Ganz vorsichtig, Erayn.“ Der Umbaraner trat einen Schritt zurück, während hinter ihm eine schnelle und zielstrebige A-00 einen Posten bezog: „Was wollen sie mir dadurch mitteilen, Administrator?“ Atlayne beugte sich vor und sah von Canodair weg...in die Leere der Hologramme, die durch den Raum flogen, bevor er erwiderte: „Dein Plan ist nicht allmächtig. Er ist naiv, und das weißt du. Oder ist es wirklich unmöglich, dass jemand uns sabotiert hat?“ „Jemand? Wenn meine Gedanken stumpfsinnig sind, warum kennen ihre keine Details?“, fragte Erayn Canodair eiskalt...während seine Augen zu zittern begannen...weil er wusste, was Atlayne beabsichtigen konnte... Doch der Administrator erwiderte nur mit einem boshaften zischen: „Selbst wenn ich es wüsste, wärst du der letzte, dem ich meinen...Verdacht...mitteilen würde. Denn du weißt, dass du eine Schlange bist...und stehst nicht dazu.“ Mit einem Kopfschütteln wandte sich Scarth Atlayne von seinem Wegbereiter ab...das RSB...war schließlich seine Idee gewesen.

Tytus sah weiter und weiter in die Leere der kalten Finsternis hinein, die ihn und die anderen beiden Agenten umgab. Wieder und wieder konnte er die Stimme in seinem Kopf nachhallen hören, mit der er gesprochen hatte. Die Stimme seines Jokers. Der Person, die Tytus beim ersten Mal aus schierer Verzweiflung kontaktiert hatte...doch von der er nun wusste, dass sie es ernst meinte...dass sie eine Chance war...ein Verbündeter, ein Lichtblick...Er hatte oft und lange in den letzten Minuten und Stunden an das gedacht, was er wusste...und was er noch wissen musste. Er hatte sich all jene bildhaft vorgestellt, die seinen Weg begleitet und gefördert hatten...und die ihn für sich zu gewinnen versucht hatten. So deprimierend und niederschmetternd es war...Tytus konnte sich keine Chance zu Recht legen. Die Zeit der selbst kreierten Isolation, des schützenden Vakuums würde in wenigen Minuten abrupt enden, weshalb Tytus sich entschieden hatte, seine ganze Konzentration, soweit es auch nur möglich war, dem zu widmen, was unmittelbar bevor stand und von dem die anderen beiden Agenten natürlich nichts ahnen konnten. Er hatte sich mehrmals vergewissert, dass die Eisengreif noch immer durch den Hyperraum flog, während er jede in ZEKOM vorhandene Information über Serenno und die Lieferketten der Separatisten mehrmals und bis ins kleinste Detail durchgearbeitet hatte. Ihr Zwischenstopp galt als eine der Hauptwelten im separatistischen Hoheitsbereich, gut vernetzt und doch für republikanische Flotten beinahe unerreichbar. Serenno war laut ZEKOM nicht nur ein kulturelles Zentrum und ein florierender Warenumschlagplatz, sondern auch die Heimatwelt und Residenz des separatistischen Patriarchen Count Dooku. Eine Welt, auf der der separatistische Gedanke nicht nur ein Mittel zum Zweck war, sondern gelebt wurde...was für Tytus eine mehr als schaurige Vorstellung war. Ebenso schaurig wie die Tatsache, dass die Flotte der Separatisten wie ein drohender Schatten über Serenno hing und somit alles und jeden sehen und hören konnte. Es war eine schwindelerregende Vorstellung, dass es nicht mehr möglich war, direkten Kontakt zur Sphäre Null aufzubauen...und somit die Hilfsmöglichkeiten ab jetzt minimal waren...während die Sorge um ein mögliches, vorzeitiges Scheitern der Mission in der Sphäre Null steigen musste...doch Tytus ließ dies kalt...denn er wusste, wer in der Sphäre Null das Kommando hatte...und dass dieser jemand sein volles Vertrauen in ihn und die anderen Agenten setzte. Deswegen hatte man die Rüstungen auch so gut ausstatten lassen...denn die Möglichkeit eines Druckverlustes im Container war in die minutiösen Planungen der Operation eingeflossen...ebenso wie die Ankunft auf Serenno...und die bestenfalls schnelle und komplikationslose Weiterreise. Tytus dachte jedoch noch einmal an alle Möglichkeiten...alle Eventualitäten...alle möglichen Störfaktoren...wie konnte die Übergabe und die Transitzeit auf Serenno ablaufen? Würde der Frachter die Oberfläche des Planeten erreichen, um auf einem planetaren Dock zu landen? Mehr als wahrscheinlich, da der Frachter jetzt, nach Verlassen des Hyperraumes merklich stark abbremste...so stark, dass die Trägheitskompensatoren an der Unterseite des Schiffes schockwellenartige Energiestöße absonderten...die Tytus mit den hochempfindlichen Sensoren seiner wieder eingeschalteten Rüstung spüren konnte, während er zeitgleich alle Störsender einschaltete, die sein Rucksack zu bieten hatte...sollte er seine Partner wecken? Nein. So war das Risiko eines auffälligen Lebensformen-Scans geringer, denn im schlafenden Zustand waren Galy Anilex und Lados Stridor zumindest von der neuronalen Aktivität her gesehen den Aalen in ihren Tanks erstaunlicherweise sehr ähnlich. Tytus schaute auf...er schaute zum abgeschalteten Belüftungssystem des Containers und erkannte einen kleinen Beutel, der oberhalb der Ventilatoren angebracht war...ein kleines Detail, dass seine Theorie unterstrich...die Theorie, dass die Scann-Prozeduren von Serenno dem Aufsichtsrat bekannt waren...was für Tytus nur einen Grund haben konnte...in den Daten von ZEKOM tauchten nämlich keinerlei Details über die Sicherungsmaßnahmen des Planeten auf...im Gegenteil. Sie wurden als unbekannt, unberechenbar und nicht untersucht beschrieben...und doch hatte der Aufsichtsrat Vorkehrungen getroffen...weil einer von ihnen mehr wusste...und sein Wissen geschickt gestreut hatte. Langsam und noch immer tonlos hangelte sich Tytus am Regal vorbei zu den Aalen und ließ sich hinter ihnen auf den Boden gleiten, sodass er auf der Höhe von R-02 und R-04 waagerecht im Raum lag...und im Schatten der Aale keine Auffälligkeit gegenüber der Scanner darstellen würde...und diese Scanner, das meldete sein Abschirmfeld...wurden genau jetzt aktiviert...und kamen, wenn Tytus sich richtig bezogen auf die Eisengreif orientierte, von der Backbordseite...und waren etwa auf der gleichen Höhe aktiviert worden...Tytus kombinierte schnell: Da der Frachter noch keine Anzeichen eines Atmosphärenfluges aufwies und sich somit noch im All, wahrscheinlich sogar in nächster Nähe von Serenno befand, musste der Winkel des Scanners bedeuten, dass dieser von einem Raumschiff oder einer Raumstation aus aktiviert worden war...Was konnte nun als nächstes kommen? Er musste weiter kombinieren...und versuchen, an Informationen zu kommen...während sein Blick auf seine noch immer schlafenden Partner fiel...und auf den Ventilator, hinter dem eine Tüte mit Schlafmittel darin angebracht worden war... Was er kombinierte, waren zwei Dinge, beide eng mit einander verwoben. Wer auch immer diesen Container vorbereitet hatte, hatte von den Scannern über Serenno gewusst...hatte aber auch bewusst Einfluss auf die Psyche der Agenten nehmen wollen, indem er diese durch das Schlafmittel abgeschaltet hätte. Tytus begriff in den nächsten Sekunden, dass er noch mehr erfahren konnte...mit zitternden Händen aktivierte er das Gravitationsmessgerät seiner Rüstung...und verfolgte mit, wie die Zahl anstieg...und sich immer weiter dem Oberflächenwert von Serenno annäherte...wenn der Transit noch im Orbit von statten gehen würde, würde viel weniger Zeit vergehen als bei einem Containerumschlag am Boden. Auch das musste der Aufsichtsrat eingeplant haben, schließlich fand der Angriff von Admiral Serygait in einem ganz bestimmten Zeitfenster statt...somit wusste der Aufsichtsrat ganz genau, dass der Warenumschlag...Tytus sah auf den Gravitationsmesser, der plötzlich stagnierte...und ganz langsam wieder herunter ging...im All stattfinden würde. Blitzschnell dachte Tytus weiter, während er die Separatisten-Fregatte bereits bildlich vor sich sehen konnte...was wusste der Aufsichtsrat noch? Was war noch an Informationen unter den Mitgliedern gestreut worden? Informationen jedenfalls, die nur jemand haben konnte, der mit dem Prozedere auf Serenno ebenso vertraut war wie mit dem auf der Separatistischen Fregatte...in deren Hangar die Eisengreif schon wenig später mit einem leisen Poltern aufsetzte...er versuchte sich fieberhaft an die genauen Worte während des Missionsbriefings zu erinnern, doch das augenblicklich einsetzende, pfeifende Zischen der eindringenden Atemluft hinderte ihn schmerzlich daran, während durch den Ruck des Aufpralls von den Beinen gerissen wurde...doch die Prallfelder hielten ihn erneut von einem allzu lauten Aufprall ab. Allerdings sahen ihn nun zwei blinzelnde Augenpaare auf alarmierte Weise an...Funkverkehre wurden eingeschaltet, doch Tytus legte den Finger auf den Helm, dorthin, wo seine Lippen waren...und deutete auf den Boden...Galy Anilex kam als erste zu sich, wie sie es in ihrer Polizeikarriere oft hatte auf abrupte Weise tun müssen...sie sah Tytus in gebückter Stellung an der gegenüber liegenden Seite der Kapsel...der wild, gar panisch zu gestikulieren begann, während sie ihre Rüstung hochfuhr...und langsam verstand, wo sie waren...und was passieren konnte...und ohne den genauen Zusammenhang zu begreifen schaltete sie ihre externen Verbindungen instinktiv wieder ab...und bedeutete Raven, das gleiche zu tun, während Tytus sich den Helm mit zittrigen Händen absetzte...und ebenfalls alle externen Funktionen seiner Rüstung abschaltete. Der Aufsichtsrat musste nämlich in diesem Moment denken, dass sie weder bei Bewusstsein, noch mit aktiver Rüstung waren...und somit von ganz alleine durch das hindurch kamen, was ihnen bevorstand...und das Tytus gerade in diesem Moment in Form einer Droidenstimme hörte: „Hallo, Captain Tirkis. Wir beginnen mit der vorgeschriebenen Inspektion. Einheiten OOt-67 und OOt-68. Scanner einsetzen und ausschwärmen. Untersucht jede einzelne Kiste.“ Galy Anilex schaute Tytus halb fassungslos, halb verwirrt an...doch Tytus dachte bereits auf kühne Weise weiter, während er mit leisen Schritten zum Heck des Containers trat...und draußen bereits die metallischen Beine der Droiden erklangen... „Was machen wir jetzt?“, hauchte Galy Anilex tonlos, während Raven instinktiv zu seiner Waffe griff. Tytus sammelte all eine Gedanken...über die Vorgehensweise des Aufsichtsrates, die Personen, die von dieser Mission etwas wussten...und über den Grauen Mann und die Einflussbereiche von Destination...und dann gab er mit einem kühnen Blick zurück: „Wir warten einfach ab. Uns wird nämlich nichts passieren.“
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