Agent Ravelish - Im Dienste der Republik

GeschichteThriller, Sci-Fi / P16
OC (Own Character)
05.08.2019
08.10.2020
118
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10.09.2020 2.326
 
Kapitel 102: Die Stimme

Es wurde laut...und lauter. Immer mehr für den Flugbetrieb der Eisengreif wurden hochgefahren und gestartet, zunächst die Startrepulsoren und, dann die Atmosphärenstabilisatoren und Kontrolldüsen...und schließlich auch der Hauptgenerator, der die vermutlich bereits mehrere Jahrzehnte im Dienst befindlichen Schubdüsen mit Energie versorgte. Tytus Ravelish hatte die akustischen Sensoren seines ansonsten nahezu komplett schallisolierten Helmes bereits vor einiger Zeit auf ein Minimum zurückgefahren, als das Dröhnen alles und jeden auf dem Ladedeck des Frachters einhüllte und bis in jede noch so kleine Zelle durchrüttelte. Agent Lados Stridor war Tytus´ Vermutung nach bereits an Raumflüge gewöhnt, doch auf einem ungesicherten Ladedeck hatte auch er sich noch nie befunden. Agent Galy Anilex hingegen klammerte sich regelrecht an dem scheinbar leeren Regal fest, das man ihnen wohl nicht ohne Grund in den Container gebaut hatte...und atmete keuchend ein und aus. Die Sekunden verstrichen...und es wurde immer lauter und lauter...die Dezibel-Anzeige auf Tytus´ Armcomputer erreichte den roten Bereich, jenen, den kein lebendes Ohr überstehen konnte...während auch die Hitze im Container immer weiter zunahm... „Wie lange...wie lange dauert diese Startsequenz? Agent Ravelish?“ Tytus sah zu Anilex herüber, die Anstalten machte, aufzuspringen, doch Agent Raven hielt sie entschieden zurück...und teilte ihr mutmachende Worte über den Helmcomlink mit, die Tytus nicht hören konnte. „Das kann ich leider nicht sagen! Die Verbindung zur Sphäre Null ist abgerissen, also bleibt mir nur die internen Missionsdaten!“, sprach Tytus so ruhig es ging in seinen Helmcomlink, während seine gesamte Rüstung unter höchsten Belastungen zu ächzen begann...Der Frachter, so glaubte er zu fühlen, stieg mit maximaler Kraft durch eine langsam dünner werdende Atmosphäre...und vollzog dabei mehrmals kurze Kurswechsel um wenige Grad...warum, das konnte Tytus nicht sagen, nur vermuten...schließlich war dies ein Schmugglerschiff auf dem Weg zu einer nicht-republikanischen Welt. Eines, das es so eigentlich nicht geben durfte, ja, das gemeldet werden musste, es sei denn... Tytus verstand augenblicklich. Der Captain dieses Schiffes war nicht in ihre Mission eingeweiht, weshalb er selbst davon ausgehen musste, dass die Republik versuchen würde, die Eisengreif abzufangen...doch, und deswegen war der Datenverkehr zur Sphäre Null so unvermittelt abgebrochen, Administrator Atlayne und sein Team manipulierten vom Boden aus die Scanner der Planetaren Luftkontrollbehörde...was eine beeindruckende Demonstration der Macht der RSB wäre...doch für Tytus war es in erster Linie erschreckend...ja...ernüchternd, denn es bewies, dass im Fall der Fälle niemand nach Coruscant kam, ohne, dass es ein Mitglied des Aufsichtsrates bemerken konnte. Er presste die Lippen zusammen und dachte innerlich weiter, während ein Ruck durch das Schiff ging...und wenige Augenblicke später ein Markerschütternder Schrei durch Tytus´ Helm zuckte... Er fuhr herum...und sah einen seiner Partner, der Rüstung nach zu Urteilen war es Galy Anilex, die Kopfüber im Raum hing...und frei mit den Armen rudernd zur Decke hinauf trieb. Wenn seine Gedanken nicht derartig von seinem Ziel beherrscht gewesen wären, hätte er sich ein Grinsen nicht verkneifen können, während er selbst keine Probleme damit hatte, in der einsetzenden Schwerelosigkeit die Kontrolle zu behalten. Raven aber stieß sich zeitgleich instinktiv vom Boden des Containers ab, um in einer ungeübten, aber dennoch  effektiven Drehung seine Partnerin in der Luft zu fixieren. „Agent Anilex! Sind sie in Ordnung?“, hörte Tytus den Ferraner fragen, während er selbst langsam durch den Raum nach hinten in Richtung der Aale glitt, ahnend, dass in den nächsten Sekunden die ersten Gravitationsfelder aktiviert werden würden...und so kam es. „Ja. Ich glaube ja, Agent Stridor. Das ist diese Schwerelosigkeit, nicht wa...haaaaaaaa.“ Als Tytus das ziehen in seinen Stiefeln spürte, aktivierte er instinktiv die Prallfelder seiner Rüstung und feuerte durch die vibrierende Luft einen Kabelwerfer unter seine Partner, die augenblicklich zu Boden schossen...vom Seil aber stark abgebremst wurden. Tytus wiederum stemmte sich mit den Füßen in die Prallfelder, die seinen Sturz auf den Containerboden ebenfalls bremsten...sodass kein nennenswert verdächtiger Ruck durch den Aufprall der drei Agenten durch das Schiff ging...trotz, dass das Dröhnen in den letzten Sekunden stark nachgelassen hatte...und es sehr schnell immer leiser und leiser um die drei Agenten wurde. Während Galy Anilex ein erleichtertes Seufzen von sich gab und den anderen ein dankendes Nicken mit dem Helm zuwarf, hatte sich Tytus wieder auf die Beine gekämpft und war mit wenigen Schritten zu einer kleinen, bislang im Schatten des Regals beinahe unsichtbaren Anzeigetafel auf der Rückwand des Containers gehechtet. Ein Geräusch wurde nämlich immer lauter, je leiser die Triebwerke wurden... „Agent Ravelish? Haben wir es geschafft? Sind wir im All?“, erklang Ravens erleichterte Stimme in seinem Helm, während er eine Reihe vorgefertigter Nachrichten las, die ein Kontaktmann der RSB auf den Steuerungscomputer des Containers gespielt hatte...und hauchte währenddessen: „Ja. Wir sind im All...“ Er deutete nach oben...auf die Klimaanlage des Containers...aus der das beängstigende Geräusch, ein pfeifendes Zischen erklang...das den drei Agenten nach einander einen kalten Schauer den Rücken herunter laufen ließ... „Hat das Schiff keinen Sauerstoffvorrat?“, fragte Raven nach einem Augenblick der Stille, in dem Tytus wie elektrisiert auf den Computer gesehen hatte, dessen Bildschirm die ganze Zeit über flackerte...und den Raum seit der Aktivierung in ein gespenstisches Licht tauchte, in dem die Aale als Schatten an die Wände geworfen wurden. Die Stille war es, was den schaurigen Anblick des Raumes unerträglich machte...die Stille des Vakuums, der sie bis in den Hyperraum begleitete. Tytus durchbrach nach einer halben Ewigkeit diese Stille mit harter, eiskalter Stimme, während er mit leerem Blick den Bildschirm anstarrte: „Nein. Nur auf der Brücke und in den Mannschaftsräumen.“ Tytus hielt inne...kniff die Augen zusammen...und las erneut das, was er sich bereits mehrmals durch den Kopf hatte gehen lassen...Servicefunktionen des Containers. Hauptmenü. Temperaturregler. Gravitationsgenerator. Interner Sauerstoffregler und Lebenserhaltung. Aus. Ein. Standby. Tytus dachte wieder und wieder scharf nach...er sah eine Chance...das Vakuum...die Stille...und die Funkstille...die absolute Stille... die Stille, die er brauchte...dringend brauchte... „Aktiviert die Lebenserhaltung euer Rüstungen. Sie wurde für Momente wie diesen gemacht“, sprach Tytus und drehte sich dabei um die eigene Achse, während die anderen Agenten auf ihn zugeschwebt kamen...langsam...und nach einander. Nicht wissend, was er vorhatte...und was ihm wie ein Blitz durch den Kopf geschossen war. Es zischte derweil ein letztes Mal...dann war auch das letzte bisschen Luft aus dem Container gewichen. Ein Warnschild blinkte auf dem Bildschirm auf. Eines, das Tytus nicht verdecken konnte. „Sauerstoffgehalt der Luft unter 1 Prozent. Einschalten der Belüftungsanlage dringend empfohlen.“ „Es gibt eine Belüftungsanlage?“, fraget Galy Anilex instinktiv, während Tytus seine Hand über den Bildschirm legte. „Ja“, erwiderte er und deutete auf die Aale. „Mit ihr werden auch unsere Mitbewohner am Leben gehalten.“ „Warum nutzen wir sie dann nicht? Ich werde sie jetzt...“ Tytus schüttelte den Kopf, während er auf Ravens gewaltige Metallfaust deutete...und dann auf das Gerät an der Wand. Er selbst griff sich an den Rucksack...und aktivierte die elektrische Hüllenüberladung seiner Rüstung...um den kleinen Spionagedroiden von Destination kurzzuschließen. Dann hauchte er: „Wir werden die Luft anders beziehen. Über das Schlauchsystem der Aale. Die Zentrale Luftversorgung wird einem Unfall zum Opfer gefallen sein.“ Agent Raven hob den Kopf...und sah Tytus lange an...dann hauchte er: „Was für ein Unfall? Worauf wollen sie hinaus, Agent Ravelish?“ Tytus trat einen Schritt zurück und vergewisserte sich, dass der Funkverkehr zur Sphäre Null und zu allen anderen Einrichtungen heruntergefahren oder gekappt war, dann hauchte er: „Ich möchte, dass sie mir vertrauen. Das, was jetzt kommt, ist für das Gelingen unserer Mission von großer Wichtigkeit. Also. Nehmen sie ihre Faust...und zerstören sie diesen Computer.“ Lange blieb es wieder totenstill. Lange bewegte sich niemand, außer das Raumschiff selbst, das still und leise den Sprung in den Hyperraum vollzog...und lange arbeitete es in den Köpfen der anderen beiden Agenten. Doch Tytus trug die Insignien des Einsatzleiters...und beide Agenten hatten, was die offensichtliche Erfahrung und das Interne Wissen anging, Tytus augenscheinlich nichts voraus...und zeigten auch keine Anzeichen von Aggression, die sie Tytus gegenüber sofort verraten hätten...weswegen beide dem Balkroniden zunickten...und Raven sich unvermittelt gegen den Computer warf...und wieder Finsternis einkehrte. Tytus suchte den luftleeren Raum schweigend nach einer Überwachungskamera ab, während er die anderen Agenten bat, sich zu setzen, um den Sauerstoffverbrauch zu minimieren. Die Rüstungen hatten nämlich bei diesem Sauerstoffverbrauch Luft für mehr als 9 Stunden. 9 Stunden...die erwartete Flugzeit...die Tytus nun nutzen konnte. Er legte sich einen Plan zurecht, den er, nebst Erklärungen, Lügen und Ausreden nun in die Tat umsetzen konnte...und zwar keine Gewissheit, wohl aber Verbündete oder Feinde bringen konnte. Tytus atmete langsam, um kein Vertrauen zu verspielen. Er setzte sich mit den anderen im Dreieck und schaltete die digitalen Analysefunktionen seiner Rüstung ab, während Galy und Raven ihn keinen Moment
aus den Augen ließen. Was ging in ihren Köpfen vor? Was dachten sie über Tytus? Was wussten sie von ihm? Wer waren sie? All diese Fragen waren offen...und Tytus würde genau dort ansetzen: „Ich habe die Sauerstoffanlage und alle Externen Verbindungen abgeschaltet, damit niemand die Möglichkeit hat, unser Gespräch mit zu verfolgen. Nicht der Aufsichtsrat. Nicht das Team des Administrators. Niemand. Ich tue das nicht, um ihre Befehlsgewalt zu untergraben. Das wäre mir fremd und nicht zielführend. Nein. Ich weiß allerdings, wie viel gerade auf dem Spiel steht. Und wie wichtig unsere Mission ist. Und deswegen...halte ich es für lebenswichtig, wenn wir uns...ein wenig austauschen. Kennenlernen, wenn ihr versteht. Das ist eigentlich verboten, aus dem offiziell guten Grund der Anonymität, doch ich...bin weit gereist, um hier her zu kommen. Es war nicht leicht für einen Balkroniden wie mich zu einem Kämpfer im Dienste der Republik zu werden. Und ich musste lernen, wie wichtig vertrauen ist.“ Tytus schaute durch sein abgeschaltetes Helmvisier in die Finsternis, die einzig von einer analogen Lampe an seinem Arm mit einem düsteren, kalten Zwielicht gefüllt wurde...und sah durch die ebenfalls abgeschalteten Visiere der anderen deren Gesichter...die ihn mit großen Augen ansahen...und in seine von Wehmut und Stolz gleichermaßen geprägten Augen blickten... Agent Raven senkte den Kopf...Galy Anilex setzte innerlich zu einer Flucht an...dann aber sahen sich die drei wieder an. Sie dachten an das gleiche. An die Mission. An Die Republik. Agent Raven schluckte...dann nickte er: „Ja. Das klingt vernünftig. Ich...weiß...was ein Team zu sein hat. Was es bedeutet.“ Tytus sah ihn genau an, während er langsam und bruchstückhaft erzählte. Er sprach von seiner Heimat, wie er noch nie über sie gesprochen hatte, über ein Team, in dem er früher gekämpft und das er bei einem Einsatz verloren hatte...Galy nickte nur...bevor sie ihre Wahrheit kundtat, dass ein Team der Ansicht der Polizei nach nicht auf Freundschaft beruhte, sondern auf Hierarchie. Dass dies aber unmöglich der Wille der Republik sein konnte und dass sie all jenen folgen würde, die dies verstanden. Während die Temperaturen im inneren des Containers langsam weit unter Null gingen, ja, sich erste Eiszapfen an den Rändern der leicht beheizten Tanks bildeten, begriff Tytus, dass er Personen vor sich hatte, denen er trauen konnte. Personen, die nicht in dem Käfig des Terrors hingen, in dem er sein tödliches Schachspiel spielte. Es waren die Idealisten, die Freiwilligen, ja, die Helden, die die Republik brauchte und von denen Tytus einer sein wollte...aber nicht konnte. Denn er war Agent-7, Häscher von Destination, Todbringer der Republik. Lügner und Sünder. Er lebte nur für ein Ziel. Und er sah keinen anderen Weg, als die beiden Agenten anzulügen...denn sie konnten nicht wissen, wer er war. Und was er vorhatte. Was aus dieser Mission werden würde, wenn sie auf Gveu-Tecion angekommen waren. Naiv waren sie nicht. Nein. Wären sie naiv, hätte Tytus ihnen die Wahrheit gesagt, hätte sie für sich arbeiten lassen. Doch sie waren es nicht. Der ehemalige Ferranische Kommandomarine Raven und die polizeilich top-ausgebildete, Missionserprobte Agentin Anilex waren ihm ebenbürtig, vielleicht noch effektiver als er. Und deswegen blieb sein Mund der Wahrheit gegenüber verschlossen. Stunden vergingen, in denen die Agenten die nächsten Schritte der Mission planten und sich symbolisch auf diese einschworen. Dann irgendwann, als alles gesagt worden war, wurde es still...und die Helmfunkverbindungen wurden abgeschaltet. Tytus sah zu, wie erst Raven und dann auch Galy Anilex die Augen schloss, um die letzten Stunden vor Serenno auszuruhen...und den verbliebenen Sauerstoff in den Rüstungen nicht unnötig zu verbrauchen. Dann, als er sicher war, dass sie schliefen, griff Tytus an seinen Rucksack...und zog einen Langstreckentransmitter heraus. Er dachte lange nach, bevor er ihn aktivierte...und vergewisserte sich mehrfach, dass er nicht gesehen wurde, doch er musste nun jede Sekunde nutzen, die er hatte. „Tytus? Bist du das?“, hörte er die Stimme an seinem Ohr, während der Transmitter in seiner Hand leicht vibrierte. „Ja.“ „Ich dachte, man hört dich ab, wohin du auch gehst“, hauchte die Stimme. „Ich habe Vorkehrungen getroffen. Wir können reden.“ „Ich habe leider nicht viel Zeit. Aber sag. Weißt du es?“ Tytus schüttelte den Kopf, während er unentwegt seine beiden Partner anschaute. „Ja. Ich weiß es.“ Die Stimme klang tonlos, während sie so leise es ging hauchte: „Aber du hast Angst.“ „Ich kann es schaffen. Ich weiß auch wie. Und sobald ich von dieser Mission zurückgekehrt bin, werde ich dem ein Ende bereiten.“ Die Stimme atmete tief durch, dann hauchte sie: „Konzentriere dich auf die Mission. Ich kümmere mich um das, was danach kommt.“ „Ihr wisst Bescheid?“, fragte Tytus resignierend. „Ich habe eine Vermutung, um was es dir geht. Und ich tue, was ich kann.“ „Seid vorsichtig. Er ist überall. Er hört alles und sieht alles“, hauchte Tytus... „Das ahnte ich bereits. Deswegen wünsche ich dir Glück. Möge die Macht mit dir sein, mein Freund.“ Tytus atmete tonlos ein und aus, während die Stimme in seinem Ohr erstarb...und seine Hand in die Kälte des Raumes hinunter glitt...er sah zu seinen Agenten...seinen Partnern, die starr wie Eisstatuen in der Dunkelheit hingen...und hauchte leise in sich hinein: „Das...soll nicht umsonst gewesen sein.“
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