Beast Beneath The Moonlight

KurzgeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
05.08.2019
29.09.2019
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"Schlecht geschlafen?"

fragte er mit verschränkten Armen und sein Blick schien dabei dunkler als die Brühe in Chuuyas Tasse. In seinem Nacken stellten sich sämtliche Härchen auf.

"Könnte man so sagen."


««««««««««»«»«»«»«»«»»»»»»»»»»

Diese tiefen dunklen Blicke warf Dazai ihm in letzter Zeit immer häufiger zu und wie er jetzt bemerkte, als der heiße Kaffee ihm währenddessen die Lippen zu verbrühen drohte, hatten sie auch an Länge gewonnen.
Als er diesen Gedanken zu Ende führte, hatte sich bereits jedes Härchen an seinem Körper aufgestellt und ließ ihn frösteln. Aber es war kein unangenehmes Frösteln, sondern ein solches, das man verspürte, wenn man einen richtig guten Beatdrop oder trommelfellzerreißenden Scream zu hören bekam.
Chuuya senkte schnell den Blick, bevor seine Gänsehaut von Dazais scharfen Augen entdeckt werden konnte. Er atmete einmal tief durch, aber es war Dazai, der seine Stimme erhob:

"Hab ich mir schon gedacht. Du bist dann immer so schrecklich schlecht gelaunt. Morgenmuffel."

"Du hast leicht reden."

Er legte den Kopf bloß schief.

"Dich verfolgt kein Dämon in deinen Träumen und übernimmt die Oberhand, sobald du in einen zu tiefen Schlaf gleitest."

Obwohl bei den Schatten unter Dazais Augen schwer zu sagen war, ob er des nachts nicht auch von etwas heimgesucht wurde.
Doch Dazai nickte bloß. Gleichgültig oder so als wären das keinerlei neue Nachrichten.

"Du bist heute so wortkarg. Gibt es schlechte Neuigkeiten oder warum bist du hier?"

"Könnte man so sagen."

Chuuya verdrehte die Augen, hätte ihn für dieses Papageienverhalten aber auch genauso gut strangulieren können. Letztendlich entschied er sich jedoch dafür seine leere Tasse nach Dazai zu werfen. Dieser tat einen knappen Schritt zur Seite, sodass das Keramik beim Auftreffen auf die Küchenzeile zerschellte. Natürlich, warum sollte er sich auch die Mühe machen sie zu fangen?
Er stöhnte bloß und massierte sich die Schläfen bis er merkte, dass Dazai dort stand und ihn anstarrte wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Dann zog er plötzlich einen Mundwinkel in die Höhe und näherte sich. Unter seinen Sohlen knackten die Scherben.

"Was für ein süßes kleines Seufzen. Das hab ich gar nicht von dir erwartet."

"Das war kein Seufzen, sondern ein Stöhnen, weil du mir diese Arbeit da drüben mit Leichtigkeit hättest ersparen können."

"Glaub mir, das war es nicht. Deine Lungen und deine Stimmbänder sind zu weit stärkerem fähig als das,"

flüsterte er im Gegensatz zu dem was er sagte, in Chuuyas rechtes Ohr. Die Gänsehaut war mit einem Schlag zurück und Dazais Worte puderten ihm die Wangen leuchtend rot.
Heute schienen die beiden Seiten Dazais Medaille auf seltsame Weise ineinander zu verschwimmen.

"Halt die Klappe!"

"Aber du hast mich beinahe umgebracht."

"Mit der Tasse? Mach dich nicht lächerlich."

Er stand auf und stieß Dazai dabei die Lehne seines Stuhls in den Unterbauch, sodass dieser etwas atemloser entgegnete:

"Nein, beim-"

Das Handy in seiner Hosentasche fing an einen schrecklich schrillen Ton von sich zu geben und Dazai ging seufzend ran. Er legte erst dann wieder auf, als Chuuya bereits damit fertig war die Scherben von seinem Fußboden aufzukehren und zu entsorgen. Als er wieder aufschaute, schien sowohl Dazai Osamu als auch das dämonische Wunderkind aus seiner Küche verschwunden zu sein. An ihre Stelle war ein um zehn Jahre gealterter Mann getreten, der ein Gesicht machte wie zehn Tage Regenwetter. Zumindest schien es so.
In Wirklichkeit aber waren die tiefen Furchen in seinem Gesicht keine des Alters, sondern des Ärgers und der Sorge. Stress und Druck warfen Schatten über Dazais fahle Wangen und lasteten schwer auf seinen Schultern. Chuuya konnte es sehen und es faszinierte ihn. Diese Verletzlichkeit war so roh und selten, dass es ihm die Sprache verschlug. Nie hatte er so menschlich ausgesehen, nie war er in solche Reichweite getreten. Denn ob Tag oder Nacht, Dazais Markenzeichen war die Unantastbarkeit.
Umso mehr erschrak es ihn, als er Dazai beim bandagenumwickelten Handgelenk fasste, als dieser sich wortlos zum Gehen abwandte. Dazai hielt inne und sein müder Blick hing an den Fingern, die sich um sein Handgelenk geschlossen hatten. Unter normalen Umständen hätte einer von ihnen seine Hand so schnell zurückgezogen, wie nur irgendwie möglich. Ganz so als hätte man sie auf eine heiße Herdplatte gelegt. Aber was war schon normal? Sie taten es beide nicht, sondern versuchten einander mit Blicken zu duellieren, bis sich Dazai wieder seiner Pflicht bewusst wurde.

"Ich muss jetzt. Es gibt wieder Probleme mit nicht bei der Mafia registrierten Schmugglerschiffen."

"Und was war mit dem, weswegen du so früh hier warst?"

"Darüber sprechen wir später."

"In der Mafia existiert kein später oder morgen. Du könntest noch in der nächsten Sekunde tot zu Boden gehen."

Chuuya erhielt ein schon beinah belustigtes Schnauben zur Antwort.

"Ich bin nicht so leicht totzukriegen."

"Du siehst aber schon sehr danach aus."

Dazais Lippen kräuselten sich. Sie waren trocken, spröde und geschwollen. Und dann diese Augen, er konnte sie nicht oft genug erwähnen. Leere. Absolutes Nirvana, obwohl er sie auf Kommando zum Leuchten bringen konnte und obwohl sie dies manchmal auch ganz ohne Kommando taten, wann immer Dazai eine Möglichkeit geboten wurde ihm das Leben schwer zu machen.
Aber nicht nur dann. Chuuya hatte sie auch schon heimlich Aufleuchten sehen, wenn Dazai dachte, er wäre unbeobachtet. Aber er fragte sich, warum es immer nur das war und warum er diese Zuneigung nicht einfach von seinen Augen auf seine Lippen übertrug und aussprach.
Natürlich tat er das nicht, weil er Angst hatte. Oh, Dazai war so viel menschlicher, als er dachte und so viel verletzlicher vor Chuuya, als es ihm lieb gewesen wäre. Und er war ein Hornochse, indem er sich nicht nahm, was er begehrte, sondern es entschieden von sich schob. Dabei wäre es so einfach. So lächerlich einfach. Den Unterschied konnten nur 3 einfache Worte machen.

"Ich liebe dich."

Es rutschte ihm einfach so raus. Er wusste nicht mal, ob das, was er gesagt hatte, der Wahrheit entsprach, aber er fühlte sich sogleich viel leichter. Ganz so, als wäre eine Last von seinen Schultern gefallen. Vielleicht war es aber auch nur der Schreck, der sie beide zugleich durchfuhr. Der Schreck, der nichts im Vergleich zu dem Blitz war, der in dem Moment seine Wirbelsäule hinunterschoss, sein Herz und seinen Magen zum kribbeln brachte und seine Beine weich werden ließ, als Dazai seinen Arm zurück an sich zog, Chuuya damit zu ihm nach vorn riss und ihre Lippen aufeinandertrafen.
Es war ein Feuerwerk aus zurückgehaltenen Gefühlen, welches solange geschmort hatte und nun zwischen ihren Lippen explodierte. Jede Bewegung schickte neue Funken hinunter in das Zentrum ihrer Gefühle, das sie anspornte weiter zu machen, bloß nicht aufzuhören, sich nicht zu trennen, nicht länger töricht zu sein und es zu ignorieren. Und sie gehorchten, fühlten und schmeckten einander und es hätte etwas völlig Neues sein und sie in seiner überwältigenden Großartigkeit lähmen sollen. Aber das tat es nicht, oder wenn überhaupt nur für den ersten längsten Moment. Aber dann kamen Chuuya die Bewegungen seiner Lippen und dieses Gefühl so schrecklich vertraut vor. Die Selbstverständlichkeit mit der sie sich ineinander fügten und die Leichtigkeit mit der sie einander koordinierten fühlten sich gut an, aber keineswegs neu.

Chuuya erinnerte sich, dass dies nicht das erste Mal war, dass sie sich küssten und auch nicht das elfte, zwölfte oder zwanzigste Mal. Und die Erinnerung kam zurück wie ein Vorschlaghammer, der dem Kuss mit nur einem Hieb alle Leidenschaft und Unschuld austrieb.
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