Entscheidung über Leben und Tod

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Anthony J. Crowley Erzengel Gabriel Erziraphael Gott
04.08.2019
15.09.2019
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Guten Morgen meine Lieben,
es ist Sonntag und hier kommt ein neues Kapitel für euch. Da der Tag am See viel zu harmonisch war, muss jetzt wieder etwas emotionaleres passieren. Das Leben besteht schließlich aus Höhen und Tiefen.
Ich hoffe ihr werdet mich dafür nicht erschlagen und findet es trotzdem ansprechend.
Dank ein paar Kommentaren zu einem anderen Projekt, habe ich jetzt auch mit deutlichen Absätzen gearbeitet, damit ihr es besser lesen könnt. Ich hoffe das ist so in Ordnung.
Nun wünsche ich euch aber noch einen schönen Sonntag und Freude am neuen Kapitel.
Liebe Grüße vom kleinen Werwölfchen ;)


..........


Ihr freies Wochenende war leider viel zu schnell wieder vorbei. Der Klinikalltag hatte wieder voll und ganz Besitz von ihnen ergriffen.

Raphael saß bereits mit einem Kakao im Aufenthaltsraum, als Anthony in den Raum kam und sich dann grinsend zu seinem Freund setzte.
„Guten Morgen.“
„Guten Morgen Engel. Es war ein so tolles Wochenende, vor allem der Samstag.“ schwärmte Anthony während Raphael zustimmend nickte.
„Ja das stimmt. Ich muss heute in die normale Behandlung, Anweisung vom alten Erz.“
„Na ja, ich sitze heute wohl den ganzen Tag in der Pathologie. Bisher sind noch keine Euthanasien angemeldet.“
„Ok, ich werde dann mal, wir sehen uns spätestens in der Mittagspause.“ Ein letztes freundliches Winken und verschwunden war der Blonde.

Die Zeit schien nur so zu kriechen, denn es war nicht wirklich was los in der Sprechstunde. Als es dann endlich gegen Mittag ging, stieg ein gewisse Vorfreude in Raphael auf, es war jedoch nicht wegen dem Essen, sondern viel mehr wegen einem gewissen Tierarzt. Auch wenn er sich das nicht eingestehen wollte.
Freudig schlenderte er zum Aufenthaltsraum, nur um dann betrübt festzustellen, dass sich dort kein roter Haarschopf zu ihm drehte. Er setzt sich für eine Weile an einen kleinen Tisch, doch als nach 10 Minuten immer noch kein Dr. Crowley zu sehen war, stand er auf und ging in Richtung Pathologie.

Vorsichtig öffnete er die Tür und spähte in den Raum. Weiter drin sah er Anthony durch eine halb offene Schiebetür, der sich gerade über einen Tisch beugte. Er stahl sich in den Raum, um dann an der Schiebetür stehen zu bleiben.
„Hey, hast du nicht auf die Uhr geschaut?“ fragte er und Anthony sah unglücklich zu ihm rüber.
„Doch, aber ich habe noch was Wichtiges zu tun. Wenn du möchtest, kannst du gerne her kommen.“
Das ließ sich Raphael nicht zweimal sagen und begab sich zu dem Sektionstisch. Darauf lag eine frisch gestorbener Katzenwelpe, es waren noch keine Anzeichen des Todes zu sehen.

„Was ist mit ihr passiert.“
„Das ist eine Katze aus einer Zucht. Alle Kitten sind apathisch und inappetent. Sie ist vorhin verstorben und wurde uns vom Haustierarzt vorbei gebracht. Jetzt soll so schnell wie möglich herausgefunden werden, was sie haben.“
„Kann ich dir helfen?“
„Sehr gerne. Dort hinten findest du Plastiküberzieher.“ Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen und er zeigte auf die Wand neben der Schiebetür, wo ein Rollwagen mit Schutzkleidung zu finden war. Mit Plastikkittel und Handschuhen trat Raphael zurück an den Tisch.

„Die Anamnese und äußerliche Adspektion habe ich schon fertig. Das Blut ist schon zur Untersuchung im Labor. Wir können anfangen sie zu häuten.“ Sie nahmen sich beide ein Skalpell und ritzten die Haut um die Beine an, während Anthony das Fell abzog, hielt Raphael die Katze fest. Anthony machte sich zu jedem Schritt Notizen, das Fell und die Haut waren ohne besonderen Befund, genauso wie die Muskeln die nun zu sehen waren.

Er machte weiter und führte mit einer sicheren Hand das Skalpell. Raphael beobachtete erstaunt, wie geschickt und auch konzentriert sein Kollege bei seiner Arbeit war. Auf eine gewisse Art und Weise hatte er ihn schon immer bewundert, er war sich sicher, dass er diese Arbeit nicht auf lange Zeit durchgehalten hätte.

Mit einer Knochenschere durchtrennte er die Rippen und öffnete so Brustkorb. Der Bauchraum wurde ebenfalls mit zwei Schnitten, wie bei einem Kreuz, geöffnet. Es folgte die Sichtung der intakten Organe in der Katze. Doch auch hier war von außen nichts zu erkennen. Sie machten sich nun beide daran die einzelnen Organsysteme aus dem Tier zu entfernen und ordentlich auf dem Tisch zu drapieren.

„Hier Engel, ich schenke dir mein Herz.“ sagte Anthony plötzlich und reichte Raphael das kleine Herz mit einem vorsichtigen Lächeln, ohne wirklich darüber nachgedacht zu haben, was ihm da gerade raus gerutscht war. Im gleichen Augenblick versetzte er sich schon eine gedankliche Schelle, doch der andere nahm ihm das Herz mit einem Schmunzeln ab und legte es zu den anderen Organen.

Der kleine Körper lag nun komplett ausgeweidet vor ihnen und mit einer neuen Notiz wurde vermerkt, dass es keine Auffälligkeiten gab.
„Jetzt wird es interessant. Am besten wir schauen uns die einzelnen Organsysteme zusammen an, zwei sehen mehr als einer.“

Als erstes wurde die Lunge angeschnitten, gefolgt von dem Herzen, doch auch hier wurden keine pathologischen Befunde festgestellt.
Als nächstes folgte der Harn- und Geschlechtstrakt. Von der kleinen Gebärmutter ausgehend, arbeiteten sie sich zur Blase und schließlich über die Harnleiter zu den Nieren vor. Da weiteten sich das erste Mal ihre Augen, als sie das Mark und die Rinde der Nieren beurteilten.
„Das sieht nicht normal aus, jetzt bin ich mal auf die Nierenwerte aus dem Labor gespannt. Kannst du mal am Computer gucken, ob da schon was angekommen ist?“ fragte Anthony seinen Kollegen, während er sich interessiert über die kleinen Nieren beugte und die Veränderungen notierte.
Raphael zog sich seine Handschuhe aus und ging zum Computer herüber.
„Ja hier ist schon was. Also Kreatinin ist vollkommen in Ordnung, aber du wirst es nicht glauben. Der Harnstoff ist verändert.“
„Okay, wie hoch? 100?“ Anthony runzelte verwirrt die Stirn als Raphael den Kopf schüttelte.
„Über 300, nicht mehr messbar.“ Dem Rothaarigen fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er sich betrübt zu dem unkenntlichen Körper wendete.

„Was ist bloß mit dir passiert?“
„Meinst du es könnte eine Vergiftung sein? Ich meine wenn das alle Kitten haben, könnte das eventuell etwas sein, was die Leute zu Hause haben.“ vermutet Raphael und trat mit neuen Handschuhen zurück an den Tisch.
„Vielleicht.“

Sie machten mit dem Verdauungstrakt weiter, angefangen mit der Speiseröhre, über den leeren Magen laufend, bis sie dann begannen den Darm der Länge nach zu öffnen. Der Darminhalt sah seltsam grünlich aus und war eher flüssig mit einigen festeren Bestandteilen. Sie lehnten sich beide gleichzeitig über den winzigen Darm und wären fast mit ihren Köpfen aneinander gestoßen, als sie die Partikel begutachteten.
„Sieht aus wie Pflanzenfasern.“ sagte Anthony und fischte einige Stücke heraus, um sie dann in einer Schüssel mit Wasser zu waschen.
„Ich glaube du hast recht. Guck mal, das orangene sieht aus wie ein Blütenblatt.“ ergänzte Raphael und zog es aus dem Wasser.
„Sie haben eine Pflanze angefressen die zu einem Nierenversagen geführt hat. Wir müssen schnell handeln.“
„Ich kümmere mich darum. Ich bestelle die Leute zur Entgiftung der Kitten und werde noch ein paar Fragen stellen.“ Während er sprach, eilte Raphael zur Tür und riss sich den Plastikkittel vom Leib. Anthony sah ihm voller Hoffnung hinterher und machte sich dann daran, die restlichen Untersuchungen durchzuführen und den Bericht zu vervollständigen.

Am späten Nachmittag war er endlich fertig und ließ sich erschöpft auf einen der Hocker fallen. Er hatte alles gereinigt und der Bericht lag fertig auf dem Schreibtisch der Abteilungsleiterin. Betrübt starrte er auf seine Knie, sodass er das leise Klopfen gar nicht hörte. Raphael öffnete vorsichtig die Tür und sah seinen Freund auf dem Hocker sitzen. Langsam ging er zu ihm und legte dann seine Hand auf dessen Kopf. Völlig erstaunt blickte Anthony auf, doch als er seinen Freund sah, konnte er wieder ein wenig lächeln.

„Wie ist es gelaufen?“ fragt er und hatte etwas Angst vor der Antwort.
„Die Familie ist gleich gekommen. In unserem Gespräch hat sich dann herausgestellt, dass die Kitten wahrscheinlich Lilien angeknabbert haben. Wir haben sie sofort an den Tropf gehängt und angefangen sie zu stabilisieren. Eine hat es leider nicht geschafft, aber die anderen drei konnten wir retten. Und das deinetwegen.“ Aufmunternd wuschelte Raphael durch die roten Haare. Er wusste, dass sich Anthony für vieles sofort die Schuld gab, umso glücklicher war er, als dieser sich dankend an seinem Arm festhielt und ihn drückte.

„Feierabend. Kommst du mit?“ fragte der Blonde und durchbrach die entstandene Stille.
„Geh ruhig schon, ich möchte mich noch in Ruhe umziehen.“ antwortete er und ließ den Unterarm seines Freundes los.
„Gut, dann bis morgen.“ Raphael verabschiedete sich und winkte zum Abschluss von der Tür aus.

Kaum hatte er jedoch den Raum verlassen, verschwand das Lächeln in Anthonys Gesicht und Tränen flossen heiß seine Wangen herunter. Er wusste, dass es nicht seine Schuld war, dennoch fühlte er sich schrecklich, da er den Tod des zweiten Katzenwelpen nicht verhindern konnte.
Seine Depression nagte schwer an ihm, doch immer wenn sein Kollege in seiner Nähe war, hatte er das Gefühl dass sie von ihm weggesperrt wurde.
Raphael hatte ihm Trost gespendet, doch er hätte sich gewünscht, dass er ihn einfach in den Arm genommen und nie wieder losgelassen hätte.
Denn langsam kroch die Depression wieder aus ihrem Kerker hervor.
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