Entscheidung über Leben und Tod

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Anthony J. Crowley Erzengel Gabriel Erziraphael Gott
04.08.2019
27.02.2020
60
83949
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Na ihr Lieben,
jetzt geht es in die nächste Runde. In diesem Kapitel darf Dr. Crowley sich unter Beweis stellen, mal sehen wie er sich schlägt. Ich hoffe es gefällt euch.
LG Werwolflink :)


..........


Ein weiterer anstrengender Tag nahm seinen Lauf, alle hatten viel zu tun. Es ging langsam aber sicher dem späten Abend entgegen, viele Mitarbeiter waren bereits im Aufbruch oder schon zu Hause, nur noch die Nachtschicht war in der Klinik.
Raphael war einer von ihnen und wurde gerade nach draußen zu den Ställen gerufen, eine Kuh hatte Schwierigkeiten beim Kalben.

Zur gleichen Zeit kam eine aufgeregte Familie in der Klinik an, ihre Boxerhündin lag schwer atmend auf der Seite. Sie war seit drei Stunden in der Geburt und nichts passierte. Im Röntgen stellte ein junger Assistenzarzt fest, dass ein Welpe quer vor der Öffnung des Geburtskanals lag. Jetzt musste schnell gehandelt werden, denn im Ultraschall sah man, dass die Herzfrequenz der Welpen immer schlechter wurde.

Anthony saß gerade im Aufenthaltsraum und genoss die Stille, als eine Durchsage durch die Räume dröhnte.
„Dr. Crowley bitte sofort in den OP 3.“ hörte man die Stimme der Leiterin. Anthony schaute verdutzt an die Decke wo der Lautsprecher hing, OP 3 war für Kaiserschnitte, Dr. Engels Gebiet.
„Das muss ein Irrtum sein.“ flüsterte er eher zu sich, als zu irgendjemandem.
„Dr. Crowley sofort!“ Ein starke Betonung lag auf dem „sofort“ und so sprang der Angesprochene erschrocken auf und eilte in Richtung OP.

„Wo ist Engel?“ fragte er, als er vor den Helfern zum Stehen kam.
„Im Stall, eine Schwergeburt bei einer Färse mit einem ET Kalb.“ antwortet ihm eine junge Frau, die ihn total ungehalten entgegen starrte.
„Und was soll ich jetzt machen?“ fragte er verdutzt und mit weit aufgerissenen Augen.
„Den Kaiserschnitt.“ kam die knappe Antwort und die Blicke der Helfer fielen auf den Boxer hinter ihnen.
Anthony schluckte schwer als er sich schlendernd zum Hund bewegte. Dieser war bereits vom Assistenzarzt vorbereitet worden, einleitende Narkose, gefolgt von der Intubation. Über den Tubus wird die weitere Inhalationsnarkose laufen. Ein Venenkatheter für den Tropf und die Schmerzausschaltung lag bereits, jetzt wurde die Hündin nur noch rasiert und desinfiziert.
„Sie müssen sich fertig machen.“ forderte eine Helferin ihn auf und führte ihn zum Waschbecken.

Er wusch seine Hände sorgsam und desinfizierte sie gewissenhaft, dann kam auch schon der steril eingepackte, durchsichtige Plastikkittel. Mit spitzen Fingern wurde er ihm über gezogen und am Rücken zugemacht. Jetzt kam eine weitere Helferin mit den Handschuhen, ebenfalls eingeschweißt.
Während er so da stand und sich anziehen ließ, dachte er zurück an seine Studienzeit und sein praktisches Jahr.
„Du weißt wie das geht, du hast es nur schon sehr lange nicht mehr gemacht, aber du weißt was du zu tun hast.“ murmelte er leise vor sich hin, ohne dass ihn jemand hören konnte.
„Schuhe!“ kam eine kurze, harsche Ansage.
Anthony blickte nach unten, mit seinen Schuhen durfte er den OP natürlich nicht betreten, aber musste man ihm ausgerechnet die weißen Clogs von Dr. Engel hinstellen, die mit den Enten darauf, das war so peinlich.
Er schlüpfte hinein und schlurfte mit angewinkelten und erhobenen Händen zum OP-Tisch, auf den gerade die Hündin gelegt wurde.

Er fühlte sich völlig fehl am Platz, unter dem Plastikkittel sahen sie seinen dunkelblauen Kittel, während alle anderen in ihren strahlend weißen Sachen da standen.
Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn, doch dank der OP-Maske konnte niemand diese sehen.
Erwartungsvolle Gesichter blickten ihm entgegen, er wusste nicht ob sie erwarteten, dass er einen Fehler machen würde. Doch darüber durfte er nicht nachdenken, es galt diesen Hund zu operieren und die Welpen gesund ins Leben zu holen.

„Skalpell und Pinzette.“ war sein erster Befehl und sofort wurde ihm das gewünschte Besteck gereicht.
Langsam schnitt er in die Haut, ganz vorsichtig floss das dunkelrote Blut aus der Wunde.
Mit seiner Pinzette griff er nach den Seiten und präparierte sich die Haut von der Bauchmuskulatur ab. Dann griff er mit der Pinzette in den Muskel und bedeutete der Helferin, das gleiche auf der anderen Seite zu tun. Langsam hoben sie die Bauchdecke nach oben und dann folgte der nächste Schnitt in der Mittellinie.
Ein kleines Loch war zu sehen und darunter die prall gefüllte Gebärmutter. Die Bauchfellschere führte, geschützt durch zwei Finger, den Schnitt weiter nach unten. Er hob die Gebärmutter vorsichtig an und dann wurde alles mit Kompressen ausgekleidet. Das Skalpell glitt ganz sanft durch das weiche Gewebe und dann erschien eine Fruchtblase.

Nun fingen Dr. Crowleys Hände doch an zu zittern, als er nach der Blase griff. Zaghaft zog er daran, bis endlich ein kleines Bein zu sehen war. Er befreite es und half dem ersten Welpen auf die Welt.
Die Helferin klemmte die Nabelschnur ab und schnitt sie durch, während Anthony vollkommen glücklich dieses kleine Wunder in seinen Händen hielt, es zappelte und fing dann an zu quietschen, als er ihm die Nase ausstrich. Eine weitere Helferin nahm ihm den Welpen ab und kümmerte sich liebevoll.

Laut Röntgenbild waren es insgesamt drei Welpen, fehlten also noch zwei und so massierte er solange das eine Gebärmutterhorn, bis der nächste Welpen durch das Loch flutschte und kurz nach ihm auch noch der letzte. Die Gebärmutter sah gut aus, sie würden sie zweischichtig mit einem dünnen Faden verschließen und sie dann drin lassen.
Ein letzter Blick flog über die Bauchhöhle, auf der Suche nach Blutungen, aber zum Glück war nichts zu finden. Es wurde gespült und danach wurde der Bauch wieder Schicht für Schicht verschlossen.

Es war ein berauschendes Gefühl, eine gut laufende OP vor ihm und das Fiepen der jungen Seelen hinter ihm.
„Gut gemacht Doktor.“ lobten ihn die Helfer als es endlich geschafft war.
Die Hündin wurde in eine bewachte Aufwachbox gebracht und so konnte Anthony nun ganz gelassen in den Aufenthaltsraum gehen und sich der Dinge klar werden, die ihm gerade passiert waren.
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