Blutige Erinnerung

von Tatu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.08.2019
09.10.2019
20
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Kapitel 8


Baby

Dean/Dylan

Seit meinem Gespräch mit dem Psycho-Doc ist eine Woche vergangen. Die Albträume kamen und gingen, doch ich muss ehrlich sagen, dass mich die Worte von Mr. Riddick ein wenig beruhigt haben. Wenn er meint, dass ich keine Gefahr darstelle, wird das wohl stimmen. Trotzdem schrecke ich jedes verdammte Mal aus dem Schlaf, wenn ich einen blutigen Traum habe.
Langsam finde ich mich mit meinem Schicksal ab, was bleibt mir auch anderes übrig? Ich hatte heute ein Erlebnis, dass mich sogar etwas Hoffnung schöpfen lässt. Sarahs Auto ist nicht angesprungen und sie bat mich, mal unter die Motorhaube zu gucken. Das war so vertraut, dass ich das Gefühl hatte, als hätte ich das schon häufig in meinem Leben gemacht. Nachdem ich dann das Problem beheben konnte, war mir klar, dass ich wusste, was ich tat.
Sarah war von dem Ergebnis dermaßen angetan, dass sie gleich bei der Werkstatt im Ort nachfragen wollte, ob ich dort mal zur Probe arbeiten könnte. Während sie also jetzt telefoniert, wasche ich ihren Wagen, damit man die eigentliche Farbe wieder erkennen kann.
Soeben stürmt sie aus dem Haus und ruft schon auf dem Weg zu mir: „Dylan, du kannst morgen vorbeigehen und zeigen, was du drauf hast!“
Ich lächele ihr zu. Sie ist so niedlich, wenn sie sich freut, und ich bemerke, dass sich in mir ein wohliges Gefühl breitmacht.

~*~


Mr. Peters war sehr zufrieden mit meinen Fähigkeiten und nun habe ich seit einer Woche einen Job als Kfz-Mechaniker. Die Arbeit macht mir Spaß und gibt mir das Gefühl, endlich wieder Fuß zu fassen.
Am liebsten arbeite ich an den alten Modellen. Heute rollte mit dem Abschleppwagen ein 67er Impala auf den Hof. Nachtschwarz und wunderschön. So einen hätte ich auch gerne. Der Besitzer hat ihn wirklich gut in Schuss gehalten. Leider konnte ich ihm das nicht sagen, da ich gerade an einem 68er Ford Mustang gearbeitet habe.
Aber nun bin ich fertig und freue mich schon darauf, dem Impala unter die Haube zu gucken. Mal sehen, ob der Motor auch so gut gepflegt ist, wie der Rest.
Ich trete an den Chevy heran und streiche mit der Hand über die angedeutete Heckflosse. Eine solche weiche, ästhetische Linie findet man nicht an vielen Autos. Der 67er ist das Schmuckstück unter den Impalas. Die Vorgänger hatten zu viel Heckflosse und die Nachfolger sind zu schlicht.
Woher weiß ich sowas? Offenbar habe ich mich früher mit Oldtimern befasst.
Mr. Peters sagte, der Wagen würde nur noch im Schneckentempo vorwärtsrollen. Und hätte irgendeine Flüssigkeit verloren, die der Besitzer nicht einordnen konnte. Ich steige ein und lasse mich in die weiche Lederbank sinken. Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und atme den Duft von Leder und vergangenen Zeiten ein. Ein merkwürdiges Gefühl von Heimat überkommt mich. Ich drehe den Zündschlüssel und der Motor röhrt los. Der Sound des V8 lässt mein Herz höher schlagen. Er klingt wie Musik in meinen Ohren. Ich lege den Hebel auf D, da der Wagen ein Automatikgetriebe hat, und trete vorsichtig auf das Gaspedal. Der Wagen bewegt sich nur wenige Inches vorwärts. Viel zu langsam. Ich schalte auf Parken und drehe den Schlüssel wieder ab. Kurz überlege ich, steige aus und öffne die Motorhaube, wo mir ein glänzender Motorblock entgegenstrahlt. Wie ich es mir erhofft habe, hat der Besitzer also auch den Motor liebevoll gepflegt. Ich suche nach dem Leck, aus dem diese undefinierbare Flüssigkeit gekommen sein konnte. Es würde schon helfen, wenn ich wüsste, ob sie ölig war oder wässrig. Allerdings entdecke ich keinerlei Hinweise auf eine undichte Stelle.
Mein Chef und ein Kollege helfen mir, den Wagen auf eine Hebebühne zu rollen, damit ich einen Blick unter das Auto werfen kann.
Und da sehe ich es. Es tropft aus den Getriebeschläuchen. Ich kann den Riss deutlich erkennen.
„Mr. Peters, haben Sie Getriebeschläuche für den Impala in der Werkstatt?“, erkundige ich mich.
„Da musst du mal im Lager nachgucken. Ich glaube da habe ich ein paar passende.“
Das Glück ist mir hold und ich finde nach wenigen Minuten welche, die in Frage kommen. Nach einer Stunde habe ich den Impala repariert und das Getriebeöl wieder aufgefüllt. Als ich ihn von der Hebebühne herunterhole, kann ich ihn tatsächlich fahren. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Als würde er zu mir gehören. Hätte ich das Geld, ich würde versuchen, dieses Prachtstück dem Besitzer abzukaufen. Aber die Flocken, die der Wagen wert ist, werde ich in den nächsten Jahren wohl nicht zusammenbekommen.

~*~


In dieser Nacht träume ich von dem Impala. Ich sitze hinter dem Steuer. Vor mir die lange, sich im Horizont verlierende Straße, an den Seiten unendliche Weite und rechts von mir sitzt ein Fremder mit längeren Haaren. Der Traum wirkt so real und das Gefühl, das der Wagen in mir auslöst, wahnsinnig vertraut. Der Mann neben mir schweigt. Wer ist er? Kenne ich ihn? Oder spielt mir mein Gehirn einen Streich und es ist bloß irgendein Kerl, den ich irgendwo mal gesehen habe? Aber warum ist er dann hier mit mir im Wagen?
Ich wache auf. Es dauert einen Moment, bis ich wieder weiß, wo ich bin. Ächzend setze ich mich auf und wische mir mit der Hand übers Gesicht. Ich fühle mich aufgewühlt. Als ob mir jemand etwas Wichtiges genommen hätte. Na ja, ich habe meine Erinnerung verloren. Die ist wichtig.
An Schlaf ist nicht mehr zu denken, deshalb stehe ich auf, um mir ein Glas Whiskey einzuschenken. Den kann ich mir ja nun leisten, da ich Geld verdiene.
Die bernsteinfarbene Flüssigkeit riecht rauchig, mit einem Hauch von Karamell. Ich schließe die Augen und genieße das Aroma. Das Glas leicht hin- und herschwenkend, beobachte ich, wie sich der Whiskey leicht schlierig an der Glaswand verteilt. Ich nehme den ersten Schluck und lasse den 12 Jahre alten Brand in meinem Mund seinen vollen Geschmack entfalten. Ich schmecke Honig und Karamell. Der sanfte Abgang hinterlässt in meine Speiseröhre ein warmes Gefühl. Die Wärme breitet sich bis in meinen Magen aus und es fühlt sich gut an. Ich trinke das Glas aus und schenke mir nach. Nach dem dritten Glas verspüre ich eine wohltuende Müdigkeit und gehe zurück ins Bett.

Scheinbar bin ich gleich eingeschlafen und habe den Rest der Nacht durchgeschlafen, denn ich wache auf und werde von der Sonne geblendet, die durch einen Schlitz im Vorhang scheint.
Ich freue mich schon, zur Arbeit zu gehen und den Impala wiederzusehen.
Als der Besitzer kommt, staune ich. Es ist der Sohn von Sheriff Marlow. Ich hätte nicht gedacht, dass ein  junger Kerl, wie er, ein solches Auto fährt. So kann man sich irren.
„Hallo“, sage ich und wische mir die ölverschmierten Hände an einem Lappen ab. „Gehört wirklich Ihnen der Impala? Oder ist es der Ihres Vaters?“
„Nein, es ist meiner.“
„Ich möchte Ihnen zu diesem erstklassigen Wagen gratulieren. Halten Sie ihn normalerweise in Schuss?“
Der junge Mann grinst mich an und meint: „Ich habe ihn erst seit ein paar Wochen, aber der Vorbesitzer hat sich anscheinend aufopferungsvoll um das Auto gekümmert. Was stimmte denn nicht mit ihm?“
„Einer der Getriebeschläuche war gerissen.“
Er sieht mich lange an und nickt dann. Ich habe das Gefühl, dass der Wagen ziemlich schnell nur noch Schrottwert haben wird, denn dieser Kerl hat keine Ahnung von Autos. Und weiß gar nicht zu schätzen, was er da für einen Oldtimer hat.
Wehmütig beobachte ich, wie der Impala vom Hof rollt.

Als ich an diesem Abend nach Hause komme, dusche ich und gehe anschließend rüber zu Sarah, da wir wieder gemeinsam kochen wollen.
Ich betrete ihr Haus und höre bereits ihre Stimme aus dem Wohnzimmer.
„Nein, er ist nicht gefährlich, nun beruhige dich doch ... ja natürlich nicht ... Aber irgendwer muss ihm doch helfen ...“
Ich gehe weiter den Flur hinunter in Richtung Wohnzimmer. Sie scheint zu telefonieren, aber mit wem? Geht es um mich?
„Sally, ich weiß ... aber stell dir mal vor, das wäre dir passiert und keiner würde dir helfen ... ja, du bist eine Frau, na und?“
Schweigen.
„Das ist doch Blödsinn, nur weil er ein Mann ist, verurteilst du ihn schon, etwas Böses zu tun ... Nein, Sally, ich leg jetzt auf, er müsste eh gleich nach Hause kommen.“
In dem Moment entscheide ich mich, durch die Wohnzimmertür zu treten und sie zu begrüßen.
„Hi."
„Tschüss ... ja, ich halte dich auf dem Laufenden.“ Und zu mir gewandt meint sie: „Hallo, wie war dein Tag?“
„Gut. Was war das? Probleme?“, erkundige ich mich.
„Ach, nicht der Rede wert. Das war meine Freundin Sally. Sie macht sich Sorgen, dass du mir was antun könntest.“
„Sarah, wenn es dir lieber ist, ziehe ich aus. Ich kann das verstehen.“
„Kommt nicht in Frage. Ich habe dir versprochen, dass du hier wohnen kannst und ich stehe zu meinem Wort. Ich habe schließlich keine Probleme mit dir und ich glaube auch nicht, dass du mir was antun würdest.“
„Ich hoffe, du hast recht.“
Sie lächelt mich an und meint: „Ich habe eine gute Menschenkenntnis und die sagt mir, dass du ein guter Mensch bist.“
Ich nicke und wünsche mir mehr als alles andere, dass sie recht behält.
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Ihr Lieben,
vielen Dank für den neuen Favoriteneintrag und die Reviews. Ich habe mich wieder riesig darüber gefreut.
Liebe Grüße
Eure Tatu
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