Blutige Erinnerung

von Tatu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.08.2019
18.09.2019
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Ihr Lieben,
Heute mal vorweg.
Ich denke, Ihr habt Euch schon gefragt, was unser lieber Sam in der ganzen Zeit getan hat und wie es ihm so ohne Dean ergeht.
Nun, das wird mit diesem Kapitel geklärt. Ich hoffe, es gefällt Euch.

Außerdem möchte ich mich für das weitere Sternchen, den Favoriteneintrag und die tollen Reviews bedanken, die mich immer sehr glücklich machen.
Liebe Grüße
Eure Tatu

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Kapitel 7


Sorgen

Sam

Also, langsam mache ich mir Sorgen um Dean. Vor zwei Wochen haben wir uns gestritten und seitdem ist er verschwunden. Er geht nicht ans Telefon und meldet sich auch nicht von sich aus. Unser Streit ging um Mom, oder besser gesagt um meine Haltung zu ihr und ihrer Entscheidung.
Sie teilte uns mit, dass sie mit den britischen Männern der Schriften kooperiert.
Ich hätte Mom am liebsten geschüttelt! Einfach nur, damit sie begriff, was sie falsch machte. Sicher meinte sie es nicht böse; sie ist unsere Mutter. Aber meine Eingeweide haben sich schon zusammengezogen, als sie uns mitteilte, dass sie mit den Feinden zusammenarbeitet. Es kam mir wie Verrat vor. Am Anfang war ich fassungslos und es tat mir weh, doch im Gegensatz zu meinem Bruder versuche ich, auch die andere Seite zu verstehen.
So allmählich begreife ich, warum sie es tut. Sie ist der Ansicht, dass sie gemeinsam in der Lage sind, Monster auszurotten und die Welt dadurch zu verbessern. Auch für Dean und mich, damit wir ein sicheres und erfülltes Leben führen können.
Dean hingegen akzeptiert nicht, dass ich sie nicht aus meinem Leben streichen will. Er war dermaßen gekränkt und verletzt, dass er sie hochkant aus dem Bunker geschmissen hatte. Und das wiegt schwer, da er sehr an unserer Mutter hängt. Er konnte sie nicht einmal mehr Mom nennen, sondern sprach sie bei ihrem Vornamen an.
Wir haben uns also gestritten, weil Dean nicht begreifen konnte, dass ich für niemanden Partei ergriffen habe. Er hat mir an den Kopf geworfen, dass ich nie einen eigenen Standpunkt vertrete, und stattdessen mein Fähnchen nach dem Wind hänge. Aber ich sehe das nicht so. Ich denke nun mal nicht nur schwarz und weiß, wie er. Wann immer Dean eine Meinung hat, ist es verdammt schwer, ihn davon abzubekommen. Wenn nicht unmöglich. Er macht sich keine Gedanken darüber, wie es dem anderen gehen könnte. Es gibt für ihn nur richtig oder falsch, wobei er seine Ansicht für korrekt hält.
Okay, um fair zu bleiben, gebe ich zu, dass er manchmal etwas Zeit braucht, um nochmal über einige Sachen nachzudenken. Dann ist er durchaus im Stande, Größe zu zeigen und einzuräumen, dass er Unrecht hatte.
Das hatte ich insgeheim auch diesmal erhofft. Doch Dean schweigt. Ich habe viele Male versucht, ihn anzurufen, aber es springt sofort die Mailbox an. Ich weiß nicht, wie oft ich ihm schon draufgesprochen habe. Ich dachte, dass er früher oder später mal zurückrufen oder zurückkehren würde, allerdings habe ich mich wohl geirrt. Er scheint entweder sehr lange Zeit zu brauchen oder es ist etwas passiert. Mein Gefühl sagt mir, dass ihm irgendetwas zugestoßen ist. Und dieser Gedanke verursacht ein Zusammenkrampfen meines Magens.
Leider weiß ich nicht, wohin er gefahren ist und so habe ich keine Ahnung, wo ich nach ihm suchen soll.
Als Erstes werde ich Cas anrufen. Der ist zwar nicht mehr fähig, Dean zu orten, aber er wäre eine große Hilfe, bei der Suche nach meinem Bruder.
Ich wähle seine Nummer. Nach dem zweiten Tuten nimmt er ab.
„Sam, es ist gut von dir zu hören. Wie geht es dir und Dean?“, vernehme ich die Stimme des Engels aus meinem Handy schallen.
„Er ist schon über eine Woche verschwunden und ich sorge mich um ihn. Hast du was von ihm gehört?“
„Nein, bereits seit einer Weile nicht.“ Cas hört sich besorgt an.
„Das habe ich befürchtet. Wir hatten einen Streit und er hat überstürzt den Bunker verlassen. Ich nehme an, er ist blind drauf losgefahren, ohne zu wissen, wohin.“
„Wie kann ich helfen, Sam?“, fragt der Engel.
„Ich weiß es nicht. Mir bleibt nur noch eine Möglichkeit. Ich kann Jody oder Donna anrufen und sie bitten, Deans Handy zu orten. Danach melde ich mich nochmal bei dir.“
„Ja, in Ordnung.“

Jody klingt überrascht, als sie das Gespräch annimmt.
„Sam, wie schön, dass du dich meldest. Geht es euch gut?“
„Hallo Jody. Nein, das heißt, ich bin mir nicht sicher. Dean ist seit einer guten Woche abgetaucht und so langsam befürchte ich, dass ihm etwas passiert ist.“
„Was meinst du mit abgetaucht?“ Argwohn liegt in ihrer Stimme.
„Wir hatten einen Streit und er ist abgehauen.“
„Oh Sam, worum ging es denn diesmal?“ Ich höre Bedauern.
„Um unsere Mom. Sie arbeitet mit den britischen Männern der Schriften zusammen und wir hassen diese, weil die versucht haben, uns umzubringen. Außerdem hat Mom es uns verheimlicht. Aber ich denke, sie ist ja immer noch unsere Mutter. Dean sieht das anders. Er hat sie aus dem Bunker geschmissen und ist jetzt sauer, dass ich mich angeblich nicht für eine Seite entscheide, vorzugsweise für seine.“
„Dean hat eure Mutter rausgeschmissen?“
„Ja, er war derart wütend, dass er nichts mehr mit ihr zu tun haben möchte.“
„Aber sie bedeutete ihm doch so viel.“
„Es war immer sein Wunsch, dass sie wieder bei uns ist. Allerdings hatte er sich das anders vorgestellt, vermute ich.“
„Kann ich verstehen. Jedoch gleich den Kontakt abzubrechen ...“ Sie schweigt kurz und sagt nachfolgend: „ Na gut, was kann ich denn für dich tun? Soll ich sein Handy orten?“
„Das wäre super. Ja.“
„Ich bin gerade unterwegs, aber ich melde mich in einer halben Stunde wieder. Dann bin ich im Büro.“
„Alles klar. Danke.“

Jody hält ihr Versprechen und meldet sich nach vierzig Minuten.
„Also, ich habe die letzte Ortung seines Handys ausfindig gemacht. Die war in Fairmont, West Virginia, die ist jedoch schon eine Woche alt. Außerdem habe ich im Strafregister nachgesehen, ob er vielleicht verhaftet wurde oder ein Ticket für zu schnelles Fahren bekommen hat. Zusätzlich habe ich überprüft, ob es in der Nähe einen Unfall zu der entsprechenden Zeit gab. Aber das war alles negativ. Ihn als vermisst zu melden, rate ich dir ab. Es könnten alte Straftaten, die mit ihm in Verbindung gebracht werden, wieder auftauchen und das FBI erneut auf den Plan rufen. Ich denke, es wäre besser, wenn du vor Ort nach ihm suchst. Ich will ja nicht unken, aber ich empfehle dir, auch die Krankenhäuser abzuklappern, ob jemand eingeliefert wurde, zu dem Deans Beschreibung passt.“
Ich stöhne.
„Danke Jody. Das hat mir eine Menge Arbeit erspart, allerdings bin ich jetzt genauso schlau wie vorher.“
„Ich wünschte, ich wäre imstande, mehr zu helfen. Melde dich, falls du meine Hilfe wieder brauchst. Und natürlich, wenn du ihn gefunden hast.“
„Mache ich. Ich werde mich gleich auf den Weg nach Fairmont begeben. Bis dann.“
Okay, jetzt habe ich wenigstens einen Ort, wo ich mit meiner Suche nach Dean anfangen kann. Was mir jedoch Sorgen macht, ist die Tatsache, dass Deans Handy seit einer Woche nicht mehr angeschaltet war. Das passt nicht zu ihm und lässt mich Schlimmes befürchten.

Ich packe ein paar Sachen zusammen und breche mit einem der Oldtimer aus dem Bunker in Richtung Morgantown auf, damit ich möglichst schnell vor Ort bin, um die Suche nach Dean zu starten. Die Fahrt wird mich schon alleine sechzehn Stunden kosten.

~*~


Mir fallen die Augen zu. Ich habe gerade das Schild Indianapolis passiert. Mist, immer noch Indiana. Aber es hilft nichts, ich muss anhalten. Allerdings nächtige ich im Wagen, damit ich nicht zu viel Zeit verliere. Ein paar Stündchen Schlaf sollten reichen, um die Müdigkeit zu verjagen. Ich mache es mir auf der Fahrerbank so bequem wie möglich und merke, wie mich die Erschöpfung einholt.

Als ich aufwache, ist es noch dunkel. Ich steige aus dem Wagen, fröstele leicht und strecke meine schmerzenden Glieder. Ich atme die frische Morgenluft ein und hole mir einen Kaffee von der Tankstelle. Schon allein der Duft ist belebend. Das heiße Gebräu ist stark und vertreibt die restliche Müdigkeit, sodass ich mich wieder fit fühle und die Reise fortsetze.

~*~


Gegen zehn Uhr erreiche ich Fairmont. Das erste Motel, das auf dem Weg in die Stadt liegt, ist meine Endstation.
Den Typ mit dem Schnauzbart, hinter dem Empfangstresen, frage ich: „Ich suche nach diesem Mann.“ Ich krame mein Handy hervor und zeige ihm ein Bild von Dean. „Haben Sie ihn gesehen?“
Der Mann fasst sich an seine Nickelbrille, schiebt sie höher und beäugt das Foto auf dem Display. In mir keimt die Hoffnung, aber dann schüttelt er den Kopf.
„Nein, den habe ich noch nie gesehen. Tut mir leid, wer ist denn das?“
„Mein Bruder. Er ist verschwunden.“
„Das tut mir leid. Fragen Sie doch mal bei der Polizei nach.“ Ehrliches Bedauern schwingt in seiner Stimme mit.
„Das werde ich machen. Gibt es hier ein Krankenhaus?“, erkundige ich mich.
„Ja, an der Fairmont Avenue. Sie können es nicht verfehlen.“
„Danke.“

Ich beziehe das Motelzimmer. Es ist nur eins unter vielen. Nichts Besonderes. Die übliche abscheuliche Tapete, der gleiche verfilzte Teppich und die geläufige durchgelegene Matratze erwarten mich.
Da es noch früh genug ist, fahre ich zum Krankenhaus, um mich dort nach Dean zu erkundigen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir wünsche, dass ich ihn hier finde, oder es vorziehe, weiterhin nach ihm zu suchen.

Zuerst frage ich am Empfang, dann in der Notaufnahme. Leider, oder zum Glück, bleibt der Erfolg aus. Keiner hat meinen Bruder gesehen.

In meiner Verzweiflung rufe ich Cas an und bitte ihn, mich zu unterstützen. Ich nenne ihm meine Koordinaten und er taucht binnen Sekunden vor mir auf.
„Wo soll ich suchen?“, fragt er mich. Als ob ich wüsste, wo wir anfangen.
„Ich habe keine Ahnung, Cas. Am besten fragen wir an den Tankstellen, den Supermärkten und Motels in der Umgebung nach.“
„Gut, da ich teleportieren kann, nehme ich mir die weiter entfernten Lokalitäten vor. Du kümmerst dich um den näheren Umkreis.“
„Hört sich nach einem guten Plan an.“
Ich bin Cas dankbar, für seine pragmatische Art. ich selber bin zu aufgewühlt, um sachlich zu denken.
An der Tankstelle in Fairmont befrage ich den Mann an der Kasse: „Hallo, ich suche meinen Bruder.“ Ich halte das Foto auf meinem Handydisplay hoch und fahre fort: „Haben Sie ihn in der vergangenen Woche gesehen?“
Der Kerl schüttelt den Kopf: „Nein, tut mir leid.“
„Vielleicht erinnern Sie sich eher an seinen Wagen, er fährt einen schwarzer 67er Impala.“
Der Tankwart zieht seine Stirn in Falten und die Augen zusammen. Als Nächstes sagt er: „Nein. Allerdings arbeite ich nur die Tagschichten. Eventuell hat ihn mein Kollege gesehen. Kommen Sie doch in drei Stunden wieder, dann beginnt seine Schicht.“
Innerlich sacke ich zusammen, wie viele negative Antworten werde ich wohl noch bekommen? Ich nicke und verabschiede mich. Ich werde seinen Rat befolgen und in drei bis vier Stunden zurückkommen. Inzwischen klappere ich die Lebensmittelläden hier in der Umgebung ab. Ich glaube, ich habe auch ein weiteres Motel gesehen.

~*~


Nach einer erfolglosen Suche treffen Cas und ich uns zwei Stunden später erneut im Motelzimmer. Jetzt bleibt mir nur noch, den Tankwart der Nachtschicht zu befragen. Ich klammere mich an diesen Strohhalm, wie ein Tiefseetaucher an seinen restlichen Sauerstoff.

Der schlaksige Mann begrüßt mich lächelnd und guckt sich das Bild von Dean lange an.
„Nein, an den kann ich mich nicht erinnern, sorry.“
„Er fährt einen schwarzen Chevrolet Impala, 67er Jahrgang.“
„Also, einen solchen Wagen habe ich vor vier Tagen hier gesehen. Aber der Besitzer sah anders aus. Viel jünger und asiatisch. Sorry.“
„War er in Begleitung?“
„So viel ich weiß, nein. Sorry“
„Danke.“ Wenn ich noch einmal ,sorry‘ höre, flippe ich aus.
Ich steige in meinen Wagen, schließe die Augen und atme tief ein und aus. Es ist zum Verzweifeln, das war mein einziger Hinweis und ich hatte all meine Hoffnung in diese Suche nach Dean gelegt. Ich fahre mit Cas zurück zum Motel. Erstmal brauche ich eine Mütze voll Schlaf und morgen überlege ich, wie ich weiter vorgehen kann.
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