Blutige Erinnerung

von Tatu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.08.2019
16.10.2019
21
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Kapitel 13


Nächtliche Qualen

Unlustig stochere ich in dem Essen auf meinem Teller herum. Der Appetit ist mir vergangen und noch immer gehen mir die beängstigenden Bilder nicht aus dem Kopf. Ist das so, wenn man den Verstand verliert? Ich habe keine Ahnung.
„Was ist mit dir, Dylan? Du bist ganz blass und scheinst keinen Hunger zu haben“, reißt mich Sarah aus meinen Gedanken und sieht mich mit großen Augen an. „Schmeckt es dir nicht?“
„Mir geht es nicht gut. Ich glaube, ich gehe ins Bett“, antworte ich und erwidere ihren Blick.
„Okay, ich komme gleich nach.“
Ich hebe abwehrend die Hände.
„Sei mir nicht böse, aber ich werde im Gästehaus schlafen. Ich will dich nicht anstecken, falls ich etwas ausbrüte.“
„Bist du sicher, dass das alles ist?“
Ich kann ihren kummervollen Blick kaum ertragen, also stehe ich auf und drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Ja, ich brauche lediglich eine Mütze voll Schlaf. Morgen geht es mir bestimmt wieder besser.“

Im Gästehaus nehme ich mir eine Flasche Wasser mit ins Schlafzimmer, ziehe mich aus und falle aufs Bett. Hoffentlich habe ich recht, dass am Morgen wieder alles gut sein wird.
Jedoch merke ich schnell, dass ich nicht zur Ruhe komme. Die Erinnerung an meine blutigen Hände, das rote Duschwasser und die Erscheinung im Wald, lassen mich nicht los. Sobald ich die Augen schließe, sind sie da. Nach einer Stunde Herumwälzen kapituliere ich und setze mich im Bett auf. Mit zitternden Händen fahre ich mir übers Gesicht. Es geht nicht anders, ich brauche jetzt einen Whiskey, also begebe ich mich in die Küche. Dort hole ich eins der Kristallgläser und die Flasche, die daneben steht, aus dem Schrank. Ich schraube den Verschluss ab und gieße mir einen Doppelten ein, dabei steigt mir der leicht scharfe, doch angenehme, Geruch in die Nase. Mit der Flasche in der einen Hand und dem Glas in der anderen schlurfe ich hinüber zum Sofa, wo ich mich niederlasse. Nachdem ich die Flasche auf dem Tisch abgestellt habe, greife ich zur Fernbedienung des Fernsehers. Irgendetwas Stumpfsinniges wird bestimmt laufen. Nach ein paarmal hin- und herschalten, lande ich auf einem Action-Kanal. Das ist genau das, was ich jetzt brauche. Viel Krach, wenig Handlung und nicht zu vergessen – Alkohol.
Ich nehme einen großen Schluck von dem guten Brand und sofort macht sich die wohltuende Wärme in mir breit.
Schon während ich das zweite Glas leere, fühle ich mich um einiges wohler. Meine Sinne sind leicht betäubt, und meine Gedanken habe aufgehört zu kreisen. Noch ein dritter Whiskey und ich kann vielleicht sogar schlafen. Ich merke bereits, dass meine Lider schwer werden und mein Verstand dem Film nicht mehr zu folgen vermag.

Wieder bin ich im Wald, doch diesmal ist etwas anders. Ich bin anders. Vor mir im Dickicht sehe ich den Sohn des Sheriffs. Gerade frage ich mich, was er in diesem Teil des Waldes zu suchen hat, als er sich zu verwandeln scheint. Es sieht aus, als würden ihm riesige Fledermausflügel aus dem Rücken wachsen. Er nimmt eine geduckte Haltung an und der Körper wird massiger. Sein Kopf bekommt Auswüchse und erinnert mich an ein Krokodil. Vor ihm sehe ich eine tote Frau liegen. Er lehnt sich vor und beißt zu, dann reißt er ein Stück von seinem Opfer heraus.


Ich schrecke hoch.
Hektisch setze ich mich auf und verhindere gerade noch, dass ich von der Couch falle. Mir läuft der Schweiß über die Stirn und den Nacken, mein Herz pocht gegen meine Rippen, als wenn es herausbrechen wollte. Ich kann mein Blut durch die Adern fließen hören und spüren. Es fühlt sich an, als ob es brodeln würde. Meine Atmung ist schnell, wie nach einem Sprint.
Mit wenigen Blicken erfasse ich die Situation. Anscheinend bin ich auf dem Sofa eingeschlafen und hatte einen Albtraum. Der Fernseher läuft immer noch. Godzilla kämpft gerade mit King Kong.
Langsam aber sicher erinnere ich mich. Ich habe von dem Monster aus dem Wald geträumt. Doch diesmal sah ich, dass es vor der Verwandlung der Sheriffsohn war. Der Traum fühlte sich derart real an, als ob ich das wirklich schon erlebt hätte. Na ja, irgendwie habe ich das ja auch, nur eben etwas anders. Das Gefühl, das sich in mir breitmachte, während ich träumte, lässt mich nicht los. Es war so vertraut, als wäre das für mich eine vollkommen normale Situation, allerdings empfand ich anders. Ich war schwermütig und wütend, aber trotzdem mutig und entschlossen. Ich habe mich eigenartig leer gefühlt und doch voller Zorn und Enttäuschung. Der Schmerz und die Trauer, die mich im Traum beherrscht hatten, rollen über mich hinweg und ich kann nicht anders, als zu heulen. Mein Körper wird durch unkontrollierte Schluchzer geschüttelt. Gott, was bin ich für eine Memme. Nachdem ich mich etwas beruhigt habe, ist die Leere immer noch präsent. Ich kippe mir einen weiteren großzügig eingeschenkten Whiskey hinter und taumele zurück zum Bett.

Die restliche Nacht schien ich geschlafen zu haben, denn als ich aufwache, ist es schon zehn Uhr und die Luft im Schlafzimmer hat sich bereits aufgewärmt. Hinter meiner Stirn spüre ich ein unangenehmes Pochen und meine Augen brennen und tun weh. Die Haut um die Augenhöhlen fühlt sich geschwollen an und die Trägheit einer durchzechten Nacht umklammert mich wie ein Schraubstock.
Mühsam setze ich mich auf den Bettrand und vergrabe meinen Kopf in den Händen. Scheiße, habe ich Kopfschmerzen.
Ein viel zu lautes Krachen der Vordertür lässt mich zusammenfahren.
„Schatz?“
Sarah.
„Bist du noch im Bett?“
„Mhm.“ Besser nicht reden, dann sind die Schmerzen einigermaßen auszuhalten.
„Mein Gott, das riecht hier ja, wie eine ganze Destillerie. Hast du getrunken?“, fragt sie entsetzt und ihr Blick sagt mir, wie wenig ihr das gefällt.
„Hatte Albträume“, nuschele ich und selbst diese wenigen und leisen Worte lassen den Schmerz in meinem Kopf aufjaulen.
„Meine Güte, Dylan, warum kommst du dann nicht rüber zu mir?“
Ich hauche: „Wollte dich nicht stören.“
„Du weißt doch, dass du immer zu mir kommen kannst. Trinken ist keine Hilfe, es macht nur alles schlimmer!“
Ihre Stimme wird lauter, ich glaube, sie bemerkt das gar nicht. Aber ihre Worte schrillen in meinem Schädel. In meiner Not halte ich mir die Ohren zu und ächze: „Lass mich allein, meine Rübe zerplatzt gleich. Ich bin nicht in Stimmung für Diskussionen.“
„Das hast du dir selbst zuzuschreiben und es tut mir nicht ein bisschen leid, dass du jetzt die Quittung für dein Besäufnis bekommst.“
Sie macht auf dem Absatz kehrt und eilt zur Tür. Das Rumsen, dass sie beim Zuschlagen verursacht, schickt einen Schmerz, wie ein Messerstich durch meinen Kopf.
Herrje, musste das sein?
Ich schleiche mehr, als dass ich gehe, um in die Küche zu kommen. Irgendwo in einer der Schubladen müssen Aspirin sein, also wühle ich in diesen herum, bis ich die erlösenden Pillen gefunden habe. Ich werfe mir zwei davon ein und trinke ein Glas Wasser hinterher, nur um danach wieder im Bett zu verschwinden.
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Ihr Lieben,
die Begegnung im Wald hat Dean/Dylan ganz schön zugesetzt und nun hat er auch noch Sarah verärgert. Wie es weitergeht werdet ihr am Mittwoch erfahren.

Vielen Dank für die tollen Reviews, ihr habt mir die Tage damit versüßt.
Ich wünsche Euch einen schönen Sonntag.
Liebe Grüße
Eure Tatu
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