Blutige Erinnerung

von Tatu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.08.2019
16.10.2019
21
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Kapitel 11


Monster

Ich schlage die Lider auf und strecke mich wohlig. Ein Sonnenstrahl schummelt sich durch den zugezogenen Vorhang und taucht das Schlafzimmer in ein warmes Licht. Winzige Staubkörnchen tanzen im Strahl der Sonne. Verschlafen lasse ich meinen Blick durch Sarahs Zimmer gleiten, über violette Wände und Gardinen in Altrosa, die den Raum gemütlich wirken lassen, auch wenn ich diese Farbtöne nicht unbedingt zu meinen Favoriten zähle. Sie passen jedoch zu Sarah. Die Möbel sind in Weiß gehalten, aber nicht in diesem neumodischen Chic, sondern im Landhausstil, passend zu diesem Haus. An dem breiten Gemälde auf der gegenüberliegenden Wand bleibe ich hängen. Die Sanddünen mit Gras und dem dahinter gelegenen Meer, das Schaumkronen trägt, vermitteln mir immer ein Gefühl der Freiheit.
„Hey Schatz, ich fahre gleich zur Arbeit. Willst du noch liegenbleiben?“, fragt Sarah, die neben mir liegt.

Seit einem Monat sind wir jetzt ein Paar. Ich wohne zwar weiterhin im Gästehaus, aber schlafe meistens bei ihr im Bett.
Sie ist einfach wunderbar. Ich fühle mich wohl in ihrer Gegenwart. Sie lässt mir meine Freiräume und stellt keine großen Ansprüche an mich, die ich zur Zeit sowieso nicht erfüllen kann.
„Mhm, ich glaube schon“, brumme ich, lege einen Arm um sie und gebe ihr einen Kuss. Heute ist Samstag und ich habe frei, da Mr. Peters meint, ich müsste Überstunden abbummeln.
Sie lacht: „Du Brummbär, komm, lass mich aufstehen. Der Laden schließt sich nicht von alleine auf.“
„Okay. Ich mache dir Frühstück, während du duschst und dich anziehst.“
Ich strecke mich noch einmal, werfe die Decke zurück und schwinge mich aus dem Bett. Dann ziehe ich mir eine Jogginghose und ein T-Shirt über.
„Oh, wie komme ich denn zu der Ehre?“ Sarah zieht die Augenbrauen hoch und lächelt.
„Ich dachte, ich verwöhne dich mal.“
„Hört sich gut an. Machst du Pancakes?“
Sarah liebt Pancakes und die kann ich auch recht gut.
„Klar.“
Ich gehe hinunter in die Küche, um mich ans Werk zu machen. Aus den Küchenschränken krame ich die benötigten Utensilien.

„Hmh, das duftet ja himmlisch“, höre ich hinter mir, während ich am Herd stehe. Sarah schlingt ihre Arme von hinten um mich und legt ihren Kopf auf meinen Rücken. Ich liebe es, wenn sie dies tut.
Da die Pancakes fertig sind, nehme ich sie aus der Pfanne und lege sie auf die beiden Teller, die ich schon bereitgestellt habe. Nun drehe ich mich um und umarme Sarah ebenfalls. Sie drückt mir zärtlich einen Kuss auf die Lippen und sagt anschließend: „Ich liebe dich, Dylan.“
Mir rinnt eine angenehme Gänsehaut über den gesamten Körper. Das hat sie noch nie gesagt, doch es macht mich glücklich.
„Ich liebe dich auch“, erwidere ich und küsse sie inbrünstig. Es fühlt sich richtig an, und in mir regt sich mehr. Ich würde sie nur allzu gern ins Schlafzimmer tragen und dort über sie herfallen. Leider muss sie in einer viertel Stunde zur Arbeit, also setzen wir uns an den Tisch und ich schenke Kaffee ein.
„Ich werde gleich Joggen fahren.“ Ich habe tatsächlich in den letzten Wochen das Laufen für mich entdeckt. Ich habe keine Ahnung, ob ich das auch schon früher toll fand, oder nicht, aber es tut mir gut.
„Wo willst du denn laufen?“
„In den Wäldern hinter Cascade, als ich neulich dort entlang fuhr, sah ich einige Wanderpfade. Das ist mal eine Abwechselung zu der üblichen Strecke, die ich immer nehme.“
„Hört sich gut an. Da oben gibt es hunderte von Trails, zur Auswahl. Denk aber bitte daran, dein Handy mitzunehmen, nicht dass du verloren gehst“, rät mir Sarah, steht auf und gibt mir einen Kuss auf die bärtige Wange. Vor drei Wochen habe ich entschieden, mir einen Vollbart wachsen zu lassen. Er gefällt mir sehr gut, und ihr scheinbar auch. Meine Haare trage ich allerdings noch genauso kurz, wie an dem Tag, als ich zu mir kam.
„Na klar. Ich glaube, ohne Navi wäre ich da aufgeschmissen.“, beruhige ich sie.
„Okay, dann wünsche ich dir viel Spaß, beim Gegend erkunden. Ich muss jetzt los.“
Sie verlässt das Haus und kurze Zeit später sehe ich sie in ihrem Wagen das Grundstück verlassen. Ich räume ab und ziehe mir dann meine Sportkleidung an.

Ungefähr fünf Meilen hinter Cascade fahre ich in einen kleinen Waldweg und parke meinen Wagen.
Ich habe mir von meinem ersten Monatsgehalt einen alten 74er Dodge Challenger gekauft. Er war eigentlich schrottreif, als er bei Mr. Peters auf dem Werkstattgelände abgestellt wurde. Doch ich habe mit meinem Chef verhandelt, dass ich ihm 500 Dollar für die alte Kiste gebe und ihn mir mit alten Ersatzteilen aus der Werkstatt und vom Schrottplatz wieder aufbereite.
Ich nehme mir die Wasserflasche, stelle die Karten App auf meinem Handy ein und laufe los.

Nach einer halben Stunde erreiche ich eine Weggablung. Unentschlossen, welchen Weg ich einschlagen soll, sehe ich mich um. Ich krame mein Handy hervor, um nachzusehen, wo die beiden Pfade hinführen. Gerade habe ich mich für eine Route entschieden, als ich eigenartige Geräusche vernehme. Es klingt nach einem Knacken und ich bin der Meinung, Schmatzen zu hören. Wo kommt das nur her? Ich versuche, durch Horchen herauszubekommen, aus welcher Richtung die Töne kommen und folge ihnen auf leisen Sohlen. Ich will das Tier ja nicht verschrecken, das sich gerade sein Frühstück gönnt. Denn ich bin mir sicher, dass es ein Tier sein muss. Wahrscheinlich ein Puma oder ein Wolf, beide sind hier beheimatet. Ich hatte auch erst überlegt, ob es überhaupt sicher in den Wäldern ist, aber der Sheriff hat mich beruhigt, als er sagte, dass es bisher keine ihm bekannten Angriffe gab.
Die Geräusche werden lauter und vor mir erkenne ich, durch die Büsche schon ein paar wage Umrisse. Das muss ein großes Vieh sein. So lautlos, wie möglich, schleiche ich näher heran und erstarre.
Was zum Teufel habe ich da vor mir? Es hat mir die Rückseite zugewandt. Ich erfasse riesige fledermausartige Flügel, die auf dem Rücken der Kreatur zusammengefaltet sind. Es ist nackt oder hat kurze Haare, das ist nicht genau zu sehen, aber die Grundfarbe ist grau. Es frisst ein Beutetier, das vor ihm auf dem Boden liegt und reißt just in diesem Moment ein Stück ab. Es hebt den Kopf, um besser schlucken zu können, nehme ich an. Mir stockt der Atem. Das Gesicht gleicht dem, eines Krokodils, das Maul ist groß und hat genauso viele gefährliche Zähne. Mein Kopf scheint auf einmal leer zu sein und alles in mir schreit: LAUF! Doch ich bin unfähig, mich zu bewegen. Entsetzt sehe ich erneut zu dem Opfer und merke, wie mein Herz kurz aussetzt und sich Hitze in meinem Körper ausbreitet. Meine Atmung beschleunigt sich und ich werde von einem Zittern erfasst. Vor dem Monster, denn das ist es gewiss, liegt der Torso einer Frau.
Endlich arbeiten mein Gehirn und Körper wieder zusammen und ich schleiche mich eilig und genauso leise, wie ich gekommen bin, wieder davon. Als ich meine, genügend Abstand zwischen mich und das Ungetüm gebracht zu haben, renne ich um mein Leben. Ich will nur zurück zum Wagen und diesen grausamen Ort verlassen.

Endlich erreiche ich den Challenger. Mit zittrigen Händen öffne ich die Fahrertür, schiebe mich hinters Lenkrad und stecke mit großen Schwierigkeiten den Schlüssel ins Zündschloss und drehe ihn fahrig herum. Der Motor brummt. Ich lege den Rückwärtsgang ein und drücke mit meinem Fuß etwas zu doll auf das Gaspedal. Anfangs drehen die Räder auf dem Schotter durch, doch dann rollt der Wagen zurück. Mit einem zu heißen Reifen schieße ich in Richtung Masontown.
Was habe ich da gesehen? Ist das eben wirklich passiert, oder habe ich mir das nur eingebildet? Es kommt mir alles total surreal vor.
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Ihr Lieben,
nun hat Dylan/Dean also das Monster gesehen, aber die Erinnerung scheint immer noch nicht zurück zu sein.  Wie er mit dieser Begegnung umgeht, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.

Ich möchte mich hier wieder für die neuen Favoriteneinträge, den Stern und die tollen Reviews bedanken. Ihr seid spitze und macht mich sehr glücklich damit. Tausend Dank.
Eure Tatu
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