Blutige Erinnerung

von Tatu
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester OC (Own Character) Sam Winchester
04.08.2019
16.10.2019
21
34450
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Ihr Lieben,
schön, dass Ihr Euch für meine neue Geschichte interessiert.
Ich hoffe, dass sie Euch gefällt und würde mich über Rückmeldungen freuen.

Ein ganz lieber Dank geht wieder an Maja32, die auch diese Geschichte betagelesen und mir einige Tipps und viel Motivation gegeben hat. Du bist einmalig, fühl Dich geknuddelt.

Die Geschichte ist fertiggestellt und ich werde voraussichtlich sonntags und mittwochs veröffentlichen.

Spoilerwarnung: Mitte bis Ende Staffel 12.

Genug der vielen Worte, viel Spaß beim Lesen.
Eure Tatu

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Kapitel 1


Was ist passiert?

Dean

Verdammt, ich habe es verloren! Wo ist es bloß hin?
Eben noch jagte ich einem Kalimutan hinterher, aber nun ist es weg.
Diese Monster sind auf den Philippinen beheimatet. Doch wegen der Globalisierung hat sich das Exemplar in den Wäldern von Morgantown, in West Virginia verirrt.
Kalimutane ernähren sich von Jungfrauen. Eine Berührung von ihnen reicht aus, um eine Art Stromschlag zu bekommen. So viel ist mir bekannt. Allerdings konnte ich nicht in Erfahrung bringen, ob das alles ist. Das ist eine Spezies, von der Sam und ich vorher nie gehört haben.

Tja, Sam. Der fehlt mir hier, aber ich bin zur Zeit nicht gut auf ihn zu sprechen.
Dieser verdammte Mistkerl entscheidet sich nie für eine Seite. Jetzt nimmt er unsere Mutter in Schutz, weil die für die Saftärsche der britischen Männer der Schriften arbeitet. Ich meine, ausgerechnet Sam! Offensichtlich hat er vergessen, dass die uns umbringen wollten! In mir brodelte es nur so vor Wut, tut es noch. Ich ertrage seinen Anblick und die Nähe von ihm nicht mehr. So habe ich eine Tasche gepackt und bin mit meinem Baby soweit wie möglich weggefahren.
Das ist jetzt sechs Tage her. Inzwischen bin ich auf diesen Fall gestoßen und habe beschlossen, dass eine Jagd genau das ist, was ich brauche.

In den letzten Monaten sind sechs Jungfrauen verschwunden. Alle stammten aus dieser Umgebung.
Das ist schon ungewöhnlich. Ich frage mich, wie man wissen konnte, dass es tatsächlich Jungfrauen waren. Zwar sind sie laut ihren Eltern jeden Sonntag in die Kirche und in irgendeinen Keuschheitsclub gegangen, den die Frau des Priesters leitet. Aber meine Erfahrung sagt mir, dass das nicht unbedingt etwas zu bedeuten hat.
Alle Opfer verschwanden am Tag nach ihrem 21. Geburtstag. Das war auffällig.
Erst hatte ich gedacht, dass die Ehefrau des Priesters das Monster sei, weil sie die Vermissten als letzte gesehen hatte. Aber sie lebt seit zwanzig Jahren hier in diesem Kaff. Dann wären mit Sicherheit mehr Jungfrauen verschwunden.
So habe ich weiter ermittelt. Dabei habe ich entdeckt, dass vor vier Jahren der Sheriff von Masontown mit Frau und philippinischen Adoptivsohn hierhergezogen war, dieser Sohn wurde vor etwas mehr als sechs Monaten 21. Das konnte doch bestimmt kein Zufall sein.
Allerdings lebt dieser offenbar nicht mehr bei seinen Eltern, sondern in Morgantown in einer Wohnung nahe der Universität, an der er studiert.
Ich bin ihm gestern bis in diesen Wald hier gefolgt und beobachtete, wie er sich in seine wahre Gestalt verwandelte.
Was ich gesehen habe, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Auf jeden Fall große Flügel, ähnlich einer Fledermaus. Und ein langes, spitz zulaufendes Maul mit einer Menge scharfer Zähne. Erinnerte mich irgendwie an ein Krokodil.
Fürs Erste hatte ich genug Informationen. Ich bin zurück ins Motel gefahren, um dort ausgiebig zu recherchieren. Dabei bin ich auf dieses Monster gestoßen.
Der Kalimutan tötet seine Opfer mit einem Stromschlag, den es ihnen mit seinen langen Klauen der Vorderpfoten verpasst. Anschließend vertilgt es sein Futter mit wenigen Bissen. Der Magen und das Monster selbst sind fähig sich extrem auszudehnen. Wie man es normalerweise nur bei Schlangen kennt. Zwölf Jungfrauen muss es verspeisen, bis es in der Lage ist, sich fortzupflanzen. Die Weibchen müssen die gleiche Anzahl Jünglinge fressen.

Nun bin ich also wieder hier und jage dieses Mistvieh. Ich hatte Glück, dass ich es auf Anhieb wiedergefunden habe.
Laut Überlieferung tötet man es mit einem Titandolch, getränkt in das Blut eines Ritters, direkt ins Herz. Dabei ist wichtig, dass der Kalimutan vollständig in seine Monstergestalt verwandelt ist. Na, ich denke, das ist sinnlos, da es keine Ritter mehr gibt. Ich werde es demnach mit dem Titandolch ohne Blut versuchen. Was kann schon schiefgehen? Ich bin schließlich keine Jungfrau, also wird es mich sicher nicht verspeisen. Und ein bisschen Risiko ist im Augenblick genau das, was ich brauche. Nicht immer diesen erst ausführlich durchdachten Scheiß, den Sam so oft von sich gibt. Nein, heute wird mal wieder auf die bewährte alte Dean-Tour gejagt. Volles Risiko. Erst schießen, dann fragen. Improvisieren. Hat früher auch funktioniert!

Plötzlich höre ich hinter mir ein Rascheln. Ich wirbele herum und werde mit einem heftigen Hieb zu Boden geschmettert. Ich suche Halt und schlage zu, aber das Vieh ist stärker. Mein Gott, wie das stinkt. Ekelerregend, nach verfaultem Fleisch.
„Putz dir mal die Kauleiste, sonst wird das nichts mit der Fortpflanzung!“, stoße ich mit zusammengepressten Zähnen hervor. Bloß nicht anmerken lassen, dass ich unterlegen bin.
Mit seinem Fauchen und Zischen erinnert mich das Biest einmal mehr an einen Drachen. Es fährt die langen, gebogenen Klauen aus. Ich glaube, das ist mein Ende. Es wird mich aufspießen, auch wenn es mich nicht fressen will. Ich zweifele keinen Augenblick daran, dass die Krallen gleich in meinen Körper gerammt werden. Ich kann es nicht verhindern. Hilflos schließe ich die Augen und warte auf den Tod. Ein Zucken durchfährt mich am Kopf, wie ein Stromschlag.

~*~


Ich wache auf. Meine Augen sind noch geschlossen. Mein Rücken schmerzt. Ich frage mich, warum das so ist. Was habe ich denn gestern, vor dem Schlafengehen getan? Ich kann mich nicht erinnern. Es riecht erdig und modrig nach Wald und die Vögel zwitschern unermüdlich. Unter meinen Händen spüre ich etwas Weiches. Fasst sich eigenartig an. Feucht und kurzhaarig. Ich schlage die Augen auf und starre auf saftiges Grün. Blätter? Wieso? Wo bin ich?
Meinen Kopf durchzucken Blitze des Schmerzes. In meinem Mund hat sich ein pelziger Geschmack breitgemacht. Die Zunge klebt mir am Gaumen. Ich schlucke ein paar Mal und befeuchte die Lippen. Etwas zu Trinken wäre jetzt wohltuend, aber ich scheine nichts bei mir zu haben. Mühsam stehe ich auf und sehe mich um. Ich bin in einem Wald. Und das haarige Ding war das Moos am Waldboden, auf dem ich lag. Deshalb sind meine Klamotten wahrscheinlich auch klamm.
Was mache ich hier?
Wie spät ist es eigentlich?
Ich blicke auf mein linkes Handgelenk und stelle fest, dass ich keine Uhr trage. Entweder hatte ich nie eine getragen oder sie ist mir gestohlen worden.
Ich schlage mir den Schmutz von meiner Kleidung.
Warum habe ich hier am Boden gelegen und geschlafen?
Ich bin verwirrt.
Und weswegen vermag ich nicht zu sagen, ob ich normalerweise eine Uhr trage?
Und nun wird mir eine Sache schlagartig bewusst: Ich weiß nicht, wer ich bin!

Hektisch renne ich los, ohne zu wissen, wohin. Aber irgendetwas sagt mir, dass ich aus diesem Wald raus muss. Ich irre eine halbe Ewigkeit kopflos durch die Gegend, in der Hoffnung, irgendwann den Waldrand zu erreichen. Als ich auf einen Bach stoße, schöpfe ich mir mit den Händen etwas Wasser und trinke es, als wäre ich am Verdursten. Verdammt, ist das eine Wohltat.
Nachdem ich ein paar Hände voll getrunken habe, ist mein Durst gestillt und ich laufe weiter. Wie lange? Keine Ahnung.

Endlich erreiche ich die letzten Bäume. Vor mir erstreckt sich eine ebene Fläche. Ich weiß nicht, ob das eine Wiese ist oder Ödland. In der Ferne erkenne ich eine Straße. Gut, die werde ich entlanggehen. Ich habe zwar keine Ahnung, in welche Richtung ich laufen muss, doch ich nehme mir vor, meinem Instinkt zu folgen, der hat mich schließlich auch aus dem Wald geführt. Aber kann ich im Augenblick wirklich auf irgendetwas vertrauen? Warum, verflucht, weiß ich nicht, wer ich bin? Ich fühle erneut, die Panik in mir aufsteigen. Mir wird ein bisschen schwindelig und ich bekomme Schweißausbrüche. Ich muss mich beruhigen. Zwinge mich, ruhig einzuatmen und lange auszuatmen. Das wiederhole ich eine Zeitlang. Gut, es scheint zu helfen. Mir geht es wieder etwas besser.
Ich durchsuche meine Taschen. Erst die Hosentaschen, dann die meiner Jacke. Nichts! Ich habe weder irgendwelche Papiere, noch irgendetwas anderes bei mir, was mir verrät, wer ich bin. Wurde ich ausgeraubt und daraufhin bewusstlos von den Mistkerlen in diesem Wald abgelegt? Das würde erklären, warum mein T-Shirt an manchen Stellen kaputt ist.
Aber wäre das nicht zu riskant? Die Täter konnten ja schließlich nicht wissen, dass ich mich nicht erinnern werde.
Ich versuche, erneut in mich zu gehen, ob mir doch irgendetwas wieder einfällt. Aber da ist absolut nichts!
Frustriert laufe ich zur Straße und folge ihr in Richtung Sonne. Erscheint mir irgendwie sinnvoll, keine Ahnung, warum.

Endlich sehe ich die ersten vereinzelten Häuser in der Ferne. Na, Gott sei Dank. Ich erreiche das Ortsschild. Willkommen in Masontown, West Virginia, Einwohnerzahl 546, lese ich.
Okay, jetzt bin ich zumindest im Bilde, wo ich bin. Aber was fange ich damit an? Kann ich klingeln und meine Misere erzählen? Was habe ich zu verlieren?
Ich gehe auf das erste Haus zu. Es ist ein großzügig geschnittenes Farmhaus mit Scheune, Stallungen und Arbeitsgeräten sowie einem Trecker auf dem Grundstück. An der Tür bleibe ich stehen und drücke auf die Klingel. Ein schriller Ton erschallt in dem Haus. Ich warte. Es duftet nach Sonntagsbraten. Jemand scheint gerade Mittag zu kochen, vermute ich, da die Sonne hoch am Himmel steht.
Eine Frau mit blonden Haaren, deren Schläfen grau durchzogen sind, öffnet die Haustür. Sie hat eine blaue Schürze umgebunden, an der sie ihre Hände abwischt. Die Fliegengittertür lässt sie geschlossen.
Sie sieht mich skeptisch von oben bis unten an und sagt dann: „Wir geben nichts. Suchen Sie sich einen anderen Dummkopf!“
Mit einem gewaltigen Krachen fällt die Tür vor mir wieder ins Schloss.
Fassungslos starre ich auf die geschlossene Tür. Na, das kann ja heiter werden, wenn die Leute mich nicht mal zu Wort kommen lassen.
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