Geschichten aus Eberron

GeschichteAllgemein / P12
03.08.2019
18.08.2019
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Vor rund zweihundert Jahren, als die Fünf Nationen noch im Königreich von Galifar vereint waren, wurde ganz Khorvaire unerwartet von einer schrecklichen Plage heimgesucht. All jene unglücklichen Seelen die den Fluch der Werbestie in sich trugen verfielen von einem Tag zum anderen in eine verstörende Raserei gegen alles und jeden die nicht zu ihresgleichen gehörten. Werbären, Wereber und abscheuliche Werdachse machten die Wälder für Druiden und Waldläufer ebenso tödlich wie für Holzfäller, Köhler und Jäger; selbst die tapferen Firbolgs und furchtlosen Zentauren mussten in Scharen fliehen.  Die Bauern, Viehzüchter und Handwerker waren in ihren eigenen Dörfern nicht mehr vor Überfallen durch Werwölfe, Werfüchse und Werkatzen sicher, während auf den Straßen die Händler und Kesselflicker von ihnen gehetzt wurden. Selbst in den Städten trieben die Werratten ihr Unwesen und attackierten die Leute des Nachts in den Gassen. Schlimmer noch, jeder der vor ihnen gebissen wurde und überlebte verfiel gleichermaßen jener Raserei, so dass die Ungetüme ihre Anzahl in beängstigender Schnelligkeit steigern konnten. Der sogenannte Werbestien-Krieg war eine schreckliche Zeit, in welcher viele Helden sich durch Mut und Selbstlosigkeit einen Namen machten, aber in der selbst auf Seiten der guten Sache so manche Gräueltat und Ungerechtigkeit begangen wurde.

Doch heute wollen wir eine Geschichte aus den Eldeen-Weiten erzählen, in deren riesigen Wäldern viele Schlachten jenes Krieges geschlagen wurden. Dort kämpften die einheimischen Druiden, Waldläufer, Clan-Krieger und Bauernmilizen im Bündnis mit den Soldaten, Paladinen und Klerikern der Silbernen Flamme, welche ihnen zu Hilfe geeilt waren.

Nun gab es unter den Druiden der Wächter des Waldes einen, der diesen Kampf für Unrecht hielt. Es ist nicht überliefert ob er ein Mensch war oder ein Halbelf oder ein Ork oder was sonst. Manch sagen jener Druide wäre in einer Stadt geboren und erst spät in seinem Leben zu den Wächtern gestoßen. Andere meinen er hätte gerade sein ganzes Leben in den Wäldern verbracht und nie eine Stadt besucht. In jedem Falle versammelte dieser Druide eines Tages andere seines Ordens um sich und sprach: „Wie können wir guten Gewissens den Kampf gegen die Werbiesten unterstützen? Sind sie nicht die auserwählten Champions der Natur? Halb Tier und halb vernunftbegabte Rasse, wer symbolisiert besser den Ausgleich zwischen Wildnis und Zivilisation? Darum sage ich, dass wir sie gewähren lassen müssen, denn gewiss ist ihr Wirken im Sinne der natürlichen Ordnung. Wenn die recht Balance wiederhergestellt ist werden sie schon wieder friedlich werden.“ Da schüttelten die anderen Druiden die Köpfe und antworteten: „Selbst wenn die Saat der Werbestie kein magischer Fluch ist, der wider die Natur geht, so kann die derzeitige Zerstörungswut der Werbestien nicht im Sinne der Natur sein. Sie morden oder infizieren jeden der ihnen begegnet und bald schon wird in diesen Wäldern nicht anderes mehr leben als sie selbst. Wir werden nachforschen was sie so angriffslustig macht, doch bis wird es herausgefunden haben werden wir die Einwohner der Weiten verteidigen. Das Leben von Unschuldigen kann nicht als bedeutungslos abgetan werden, nur weil wir die Gründe der Angreifer nicht verstehen.“  Der Druide jedoch schalt seine Brüder und Schwestern als Abtrünnige und kehrte dem Orden den Rücken. Er hatte beschlossen auf eigene Faust seine Botschaft unter all jenen zu verbreiten, die ihm zuhören wurde.  

Bald kam der Druide zu einem Heerlager der Silbernen Flamme. Er stellte sich dort auf das Podium des Predigers und verkündete: „Ihr alle hier seid Fremde in diesen Landen und versteht daher wenig von dem was hier geschieht. Begreift, dass euer Feldzug alles nur schlimmer macht und niemanden hilft.  Die Werbestien, die ihr hier ihren Heimatwäldern wie tollwütige Hunde abschlachtet sind immer noch denkende, fühlende Geschöpfe. Gebietet eure Silberne Flamme nicht Respekt vor allem Leben und Mitgefühl mit den Bedrängten? Lasst ab von ihnen und kehrt nach Thrane zurück, damit wir hier in den Weiten in Ruhe einen Weg finden können Frieden mit den Werbestien zu schließen.“ Als die Krieger der Silbernen Flamme solches aus dem Mund des Druiden hörten brach in ihren Rängen unwilliges Gemurmel aus, aber dann erhob einer ihrer Kleriker die Stimme.  „Wir respektieren den Glauben der Druiden und die Tatsache, dass sie mehr über die Bewohner der Wälder wissen als wir“, sagte der Kleriker. „Doch ebenso wahr ist, dass wir auf Bitten der Bewohner der Weiten hier sind und keinesfalls aus leichtfertigen Gründen gekommen. Was die Werbestien angeht, so benehmen sie sich leider wie tollwütige Hunde und lassen uns daher wenig andere Wahl als sie zu töten. Ich habe in mehreren Gefechten gegen ihresgleichen laut ausgerufen, dass wir verschonen wollen wer sich uns ergibt und sie beschworen dem Frieden eine Chance zu geben.  Doch alle Appelle an die Vernunft und das Mitgefühl der Werbestien waren vergebens, selbst die wenigen die wir lebend fangen konnten blieben feindselig. Daher scheint es mir als wüssten wir mehr über diesen Krieg als du, Druide.“

Verärgert verließ der Druide das Heerlager und beschloss sich an die einfachen Bauern der Eldeen-Weiten zu wenden, bei denen Druiden im höchsten Ansehen standen. Als er das nächste Dorf erreicht hatte, rief er die Bauern auf dem Markplatz zusammen und predigte: „Die Angriffe der Werbestien sind ein Zeichen der Natur, dass eure Art zu leben sie lange genug geschändet hat. Daher beschwöre ich euch, verlasst eure Häuser und beginnt wieder auf die alte Weise zu leben, wie eure Vorfahren es vor tausenden von Jahren taten. Nur so könnt ihr eure Harmonie mit der Natur wiederherstellen und ihren Zorn beschwichtigen.“ Die Bauern staunten und starrten den Druiden an, bis der Älteste von ihnen antwortete: „Ich verstehe nicht viel von der Natur und den Werbestien, aber ich weiß zumindest, dass auch ihr Druiden von unseren Ernten mit lebt. Wie sollen wir ohne Landwirtschaft und Viehzucht all die Menschen in den Städten und Dörfern ernähren? Würden wir nur noch Jagen und Sammeln, dann hätten wir vor dem Herbst die Wälder kahlgefressen und würden im Winter wie die Fliegen sterben. Es macht einfach keinen Sinn für mich, was du da sagst.“

Als der Druide sah, dass die Bauern seinen Anweisungen nicht folgen würden, zürnte und beschloss die Wandler aufzusuchen. Da sie den Werbestien ähnlich waren, glaubte er bei ihnen auf offene Ohren zu stoßen. Als er auf wandernden Stamm von Wandlern traf und von ihnen höflich empfangen wurde, erklärte er sogleich: „Es herrscht ein Krieg, aus dem ihr euch nicht heraushalten könnt. Die Werbestien sind eure Anverwandten und solltet in diesem Kampf zusammenstehen. Als Kinder der Natur…“ Doch bevor der Druide weitersprechen konnte, wurde er von wütenden Rufen und Knurren der Wandler unterbrochen. „Ein solcher Narr hat uns hier gerade noch gefehlt!“, rief der Mondsprecher des Stammes wütend. „Die Werbestien sollen unsere Anverwandten sein? Pah! Wenn sie uns nicht attackieren, dann schieben ihre Morde uns in die Schuhe und hetzen damit die anderen Rassen gegen uns auf! Also nimm deinen schlechten Ratschlägen und pack dich!“

Der Druide zürnte über eine solche Behandlung und entschied, dass nur die Werbestien selbst zu schätzen wissen würden, wie er sich für sie einsetzte. So wanderte er in die tiefen Wälder, bis er auf eine in der Sonne dösende Werkatze stieß. Vor dieser verbeugte er sich ehrerbietig und sprach: „Verehrtes Kind der Wildnis, ich respektiere, dass euer Kampf gerecht ist. Leider wollte keiner der Verblendeten da draußen es sonst begreifen und so kann ich kein Mitleid mehr für sie empfinden. Daher, beiße mich und mache mich zu einem eurer Art, damit ich mit euch für die Natur kämpfen kann.“
„Hoho“, lachte Werkatze als sie das hörte. „Du zollst mir erst Respekt und stellst dann Forderungen an mich? Du glaubst wir Werbestien wären auf einen wie dich angewiesen, wo doch jeder denn wir beißen für uns kämpft? Nein, ich sehe keinen Grund warum ich so einen Tölpel unseren Reihen haben wollte. Doch andererseits bin ich gerade ein wenig hungrig und da kommst du mir gerade recht.“   Kaum hatte die Werkatze das gesagt, sprang sie den erschrockenen Druiden an, zerriss ihn und tat sich an seinem Leichnam gütlich.  Nur den Kopf des Toren ließ sie übrig und klemmte ihn in eine Astgabel, den Krähen zum Fraß. Dort wurde er später gefunden und in einer Geistbeschwörung verwendet, so dass die Welt erfuhr was letztlich aus dem närrischen Druiden geworden war.

Mehr gibt es daher nicht über ihn zu erzählen, doch es bliebt zu hoffen, dass alle die seine Geschichte gehört haben ihre Lehren daraus ziehen und ihren eigenen Kopf besser zu nutzen wissen.
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