Mein Anker

von xSarax3
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
03.08.2019
13.08.2019
4
6879
6
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Dieses Kapitel
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Danke für eure tollen Reviews :) hier geht es dann mit dem bis jetzt längsten Kapitel weiter :)
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Klaas

Müde wollten Alex, Thomas und ich uns gerade ins Bett legen, da wir es schon zwei Uhr morgens haben und wir tatsächlich bis gerade unterwegs waren, als wir aus Jokos Zimmer ein sehr lautes und panisches „NEIN“ gehört haben.

Das war tatsächlich das erste mal in fast zwei Wochen, dass ich meinen Mitbewohner so schreien gehört habe, sofort sind wir zu Joko ins Zimmer gelaufen und haben einfach die Tür geöffnet und da habe ich gesehen, wie er schweißnass hochgeschreckt ist und sich panisch umgeguckt hat.

Da Alex und Thomas ihn nicht beruhigen konnten, habe ich sie an die Seite geschoben und habe Joko in meine Arme gezogen und tatsächlich hat er seinen Kopf an meine Schulter gelegt
„Komm schon Joko, alles ist gut. Du bist zu Hause und atme bitte langsam ein und aus.“

Das ist das erste mal, in der Zeit wo er bei mir wohnt das er so nah bei mir war, er redet zwar mit uns doch wenn er nicht bei seinem Arzt oder im Krankenhaus ist oder bei seinem Therapeuten, ist er immer in seinem Zimmer alleine.

Ich hoffe, dass das alles bald ein Ende hat mit diesen Alpträumen. Ich meine, ich habe es heute zwar erst mitbekommen wie das ist mit den Alpträumen, doch man merkt ihm an das er sie regelmäßig hat. Denn Morgens ist er so oft erschöpft und ausgelaugt. Als ich gemerkt habe, dass er endlich wieder vernünftig atmet, habe ich ihn langsam los gelassen.

Doch kaum war ich etwas weiter weg von Joko, hat er sich stur ins Bett gelegt, als hätte er gerade realisiert, was gerade passiert ist. Gequält hat er mich angeguckt.
„Es tut mir so leid, ich wollte euch nicht wecken.“

„Hast du nicht, wir sind gerade erst nach Hause gekommen, leg dich hin und schlaf noch etwas.“ Tatsächlich hat er sich wieder hingelegt und als ich mir sicher war, dass er schläft bin ich mit den anderen raus gegangen. Während Thomas sich in das freie Gästezimmer hingelegt hat, sind Alex und ich ins Bett gegangen und nach unserem Gute Nacht Kuss auch sofort eingeschlafen.

Irgendwann bin ich wegen meiner vollen Blase wach geworden und habe mich sofort aus Alex‘ Armen befreit und bin auf Toilette gegangen. Kaum war ich nach dem Hände waschen wieder in meinem Zimmer, habe ich gesehen, dass Alex wach ist und das Thomas sich zu uns gesellt hat.

„Ey Jungs, macht mal Frühstück, ich habe Hunger.“ Lachend haben wir Thomas angeguckt und haben uns in die Küche begeben, doch plötzlich sind wir stehen geblieben, denn Joko steht am Herd nur in Jogginghose ohne Shirt und die Jogginghose sitzt total tief.

Auch wenn mein Freund hier steht, ist mir bei diesem Hammer Körper nichts anderes übrig geblieben, Joko so hart peinlich angestarrt, ich kann echt froh sein, dass ich nicht sabbern muss. Als ich realisiert habe, was ich hier tue, habe ich meinen Kopf geschüttelt und habe zu den anderen beiden geguckt, denn ja wie soll es auch anders sein, starren sie Joko ebenfalls an.

Da Joko es jederzeit bemerken kann, habe ich die beiden gegen den Arm geboxt und schon haben sie aufgehört. Ich kann Alex nicht mal sauer sein, dass er Joko angestarrt hat, denn erstens habe ich das auch und zweitens alter, dieser Kerl hat echt einen sehr geilen und muskulösen Körper, einmal 8 Jahre in der Bundeswehr und man hat den geilsten Körper der Welt.

Nachdem wir uns alle unter Kontrolle hatten, haben wir uns an den bereits reichlich gut gedeckten Tisch gesetzt. Als Joko uns bemerkt hat, hat er das Rührei und den Bacon auf vier Teller verteilt und hat sich zu uns gesetzt.

„Guten Morgen, ich wollte euch heute Frühstück machen, weil es mir wegen heute Nacht immer noch peinlich ist. Ich wollte nicht das ihr es mitbekommt. Und heute Mittag wollte ich für alle kochen, weil ich gestern Einkaufen war, als ihr weg wart und mir langweilig war. Ich hoffe Kartoffeln mit Schnitzel und Buttergemüse ist ok? Also nur wenn ihr Lust habt, ich wollte mal ausnahmsweise nicht alleine im Zimmer hocken, ich will euch aber auch nicht auf die nerven gehen.“

Schon habe ich ihm meine Hand vor den Mund gedrückt.
„Also ich habe eh nichts vor und lasse mich gerne von dir bekochen und dann können wir reden und Alex hat soweit ich weiß auch nichts vor.“ Schon konnte man von Thomas ein „Ich auch nicht hören“ lachend haben wir uns angeguckt und dann habe ich das erste mal Joko lachen gehört. Ich wusste gar nicht das er so einsam ist.

Da mir seine Worte nicht aus dem Kopf gegangen sind, habe ich Joko beim Essen beobachtet. Und ja es ist wirklich so, ich habe es auch schon erwähnt, aber wenn er nicht seine Ärzte sieht ist er alleine im Zimmer, ich habe noch gar nicht seine Freunde kennen gelernt, ich hoffe er weiß das er seine Freunde hier her bringen kann oder?

„Joko kann ich dich was fragen?“
„Alles Klaas, ich habe keine Geheimnisse.“
„Wieso bringst du nicht mal deine Freunde hier her? Ich meine du weißt hoffentlich, dass sie hier willkommen sind? Ich habe nichts dagegen und dann bist du auch nicht so alleine.“ Schon hat er seine Gabel auf den Teller gelegt und hat etwas traurig geguckt.

„Ich habe hier niemanden mehr, ich hatte nur Freunde, weil Leons Freunde meine Freunde sind, zumindest habe ich das immer gedacht, doch nachdem er mich ersetzt hat, wollen sie wohl auch nichts mehr mit mir zu tun haben und ja, deswegen hocke ich immer im Zimmer, aber wenn ihr mal alleine sein wollt, dann sagt mir das und ich gehe ins Kino oder so.“ Schulterzuckend hat er wieder angefangen zu Essen.

„Was? Ich will dich nicht los werden, ich würde mich freuen, wenn wir Freunde werden würden. Ich mag dich, du bist wirklich total nett und wenn du mich auch nett findest, spricht ja eigentlich nichts dagegen oder?“ Jetzt hat er seinen Kopf geschüttelt.

„Ich hab immer das Problem, dass ich denke, dass ich mich irgendwem aufdränge wenn ich mich mit jemanden anfreunden will, in der Bundeswehr ging es ganz einfach, wir hatten alle das gleiche Ziel und da waren wir alle Freunde sogar Familie und das war immer sehr schwer für uns, wenn jemand getötet wurde und wenn wir dabei waren, war es am schlimmsten.“

Langsam hat er weiter gegessen und für mich ist es unvorstellbar was Joko bis jetzt alles erlebt hat. Nicht nur das er einfach von seinem Mann ersetzt wurde. Und dann hat er im Krieg immer wieder Freunde verloren die wie eine Familie geworden sind, vor allem dann, wenn man Jahrelang füreinander da war.

„Hast du viele Freunde fallen gesehen?“
„Sehr viele, deswegen habe ich auch diese Alpträume, vor allem habe ich immer diesen einen penetranten Traum, ein Junge stellt uns eine Falle, mein bester Freund stirbt und ich werde auch erschossen und dann schrecke ich hoch.“

„Kann es sein, dass es das letzte ist, was du erlebt hast, bevor du wieder nach Deutschland gekommen bist?“
„Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht was passiert ist. Denn jedes mal wird mir die Knarre an den Kopf gehalten und offensichtlich ist mein Kopf in Ordnung, jedenfalls wurde mir nie in den Kopf geschossen, nein mein Bein ist kaputt und deswegen verstehe ich das nicht.“

„Und dieser Traum lässt dich immer so schreien?“ Nickend hat er in sein Brötchen gebissen.
„Was sagt deine Therapeutin oder dein Therapeut dazu?“
„Das ich das geschehene so verarbeite und der letzte Traum keine Ahnung irgendwas muss da ja passiert sein, ich meine ich kann ja nicht mehr bei der Bundeswehr arbeiten.“

Jetzt habe ich meine Schultern gezuckt.
„Wir werden was für dich finden, wenn du wieder arbeiten kannst. Dann hast du auch wieder was zu tun. Darf man das eigentlich fragen? Also bist du böse wenn ich dich frage ob du viele Menschen hast sterben sehen?“

„Fragen kannst du mich alles, ich bin dir nicht böse und es ist gut mit jemanden darüber zu reden, der nicht mein Therapeut ist, ja ich habe sehr viele Freunde sterben sehen. Weil man immer zu zweit oder dritt durch die Gegend gelaufen ist. Es ist schrecklich zu sehen, wenn jemand mit dem du gerade gesprochen hast und der plötzlich in sich zusammensackt. So einfach auf dem Boden fällt. Dann kannst du nicht trauern oder so, denn bevor du das richtig realisiert hast, scannst du deine Umgebung ab, um zu gucken wer es war, oder wo es war. Und dann musst du schießen wenn du denjenigen gefunden hast.“

Krass, also für mich wäre das nichts.
„Sag mal was hast du davon, wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme, wir uns einfach unterhalten und zusammen Abends essen? Denn die beiden Idioten neben mir sind auch nicht immer da und dann können wir uns näher kennen lernen.“

Plötzlich hatten seine Augen so ein schönes strahlen.
„Wirklich? Das würdest du wirklich wollen? Ich will mich wirklich nicht aufdrängen.“
„Das tust du nicht sonst hätte ich dir das ja niemals angeboten.“
„Dann nehme ich das Angebot an, du musst Abends nur nach Hause kommen und dann hast du frisch gekochtes Essen zu Hause.“

Jetzt musste ich schmunzeln.
„Du musst nicht für mich kochen.“
„Mach ich gerne, ich kann nicht viel helfen und das bekomme ich hin.“ Tatsächlich waren wir beide so im Gespräch vertieft, dass ich persönlich die Anwesenheit von Thomas und Alex vergessen habe und erst wieder erinnert wurde, dass sie hier sind, als Alex mir einen Kuss auf die Wange gegeben hat, den Rest haben wir dann auch in Stille aufgegessen.

Nachdem Frühstück haben Alex und Thomas den Tisch freiwillig abgeräumt und sauber gemacht, ich habe mich auf die Couch gesetzt und habe Joko hinterher geguckt als dieser wieder gegangen ist. Seufzend habe ich wahr genommen, dass die beiden sich zu mir gesetzt haben.

Glücklich habe ich mich an meinen Freund gelehnt der freudig seine Arme um mich geschlungen hat, ich weiß nicht wie lange wir hier saßen und einfach nur Fernsehen geguckt haben. Doch gegen 12:30 Uhr ist Joko mit einem Hoodie in die Küche gegangen und hat angefangen die Schnitzel selber zu panieren und dann zu braten.

Irgendwann muss Joko wohl so warm geworden sein, dass er das Fenster erst geöffnet hat und sich danach seinen Hoodie aus zuziehen. Da die Schnarchnasen neben mir eingeschlafen sind habe ich mich zu Joko gestellt.

„Wie viel Schnitzel soll ich machen?“
„Also ich esse höchstens zwei, Alex zwischen zwei und drei, Thomas wohl auch und dann deine Anzahl.“
„Ich mach einfach für jeden drei, dann kann man die zum Abendbrot noch mal essen, entweder auf einer Scheibe Brot oder wenn Essen übrig bleibt damit.“

Lächelnd habe ich Joko dabei zugeguckt wie er die letzten drei Schnitzel in die Pfanne gepackt hat, die Kartoffeln, die er nebenbei geschält und angemacht hat, hat er mit einem Messer aufgepickt, um zu gucken ob die schon gar sind.

„Welche Soße esst ihr dazu? Ich hab helle und Bratensoße im Angebot.“
„Lass mich helle Soße machen, ich mach die gerne.“
„Danke für deine kleine Hilfe.“ Lachend habe ich die Soße gemacht, während Joko die heiße Pfanne ausgespült hat. Als dann auch das Buttergemüse fertig war, habe ich den Tisch gedeckt und habe mit Joko die Töpfe auf den Tisch gestellt.

„Heute Abend sind wir alleine, die anderen pennen bei sich zu Hause wegen Arbeit und so, hast du Lust mit mir einen Film zu gucken? Die beiden gehen ich glaub gegen 17 Uhr nach Hause.“
„Meinst du Kino oder hier?“ Schon hat er seinen Kopf so süß etwas gekippt.“
„Lass uns ins Kino gehen, danach mal gucken, ich muss morgen um 12 Uhr im Salon sein.“
„Gut ich freue mich, war schon lange nicht mehr im Kino.“

Grinsend habe ich Joko kurz umarmt, ehe er sich hingesetzt und ich die anderen beiden geweckt habe. Stumm haben wir gegessen und bei Joko konnte ich wirklich endlich ein Lächeln erkennen. Nach dem Essen hat er sich mit dem Handy zu uns gesetzt und hat irgendwelche Spiele gespielt.

Punkt 17 Uhr sind Alex und Thomas gegangen. Joko hat sich umgezogen und schon haben wir uns um 19 Uhr auf dem Weg ins Kino gemacht. Wir beide haben uns für einen Horrorfilm entschieden, natürlich auch für einen Eimer Popcorn, aber zwei Colas. Kaum saßen wir auf unsere Plätze habe ich Jokos Krücken vor mir auf den Boden gelegt, natürlich so, das keiner gestolpert ist.

Nach einer gefühlten Ewigkeit hat der Film endlich angefangen. Ohne was zu sagen, haben wir nach und nach in diesem Eimer gegriffen. Wir beide waren so vertieft in dem Film, dass ich richtig zusammen gezuckt bin, als sich unsere Hände berührt haben. Joko konnte ich es ansehen, dass es ihn unangenehm ist, denn danach hat er nur noch seine Cola getrunken, zumindest so lange bis ich ihm den Popcorn Eimer auf den Schoß gestellt habe.

Nach dem Film, in dem wir eine der wenigen waren, die nicht gekreischt haben, haben wir uns auf dem Weg zu mein Auto gemacht. Im Auto hat Joko mich angeguckt.
„Danke für den tollen Abend, ich hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß und konnte tatsächlich endlich mal alles andere vergessen.“

„Hey, dafür sind Mitbewohner und hoffentlich bald Freunde doch da, ich mag es nicht das du so alleine bist, obwohl du ein herzensguter Mensch bist und wenn die Scheidung dann durch ist, gehen wir feiern und finden dann schon den richtigen für dich. Das verspreche ich dir.“

„Danke Klaas.“ Schon hat er mir einen kleinen Kuss auf die Wange gehaucht, es war so leicht, dass ich es fast nicht gespürt habe. Als Joko sich angeschnallt hat, sind wir wieder nach Hause gefahren, wo wir uns noch etwas zu essen aufgewärmt und bei mir im Zimmer gegessen haben, da wir uns entschieden haben, etwas Netflix zu gucken und da Joko das nicht hat, haben wir es uns in meinem Bett gemütlich gemacht.

Nach drei Filmen, haben wir unser Geschirr in die Spüle gestellt. Da Joko kein Wasser mehr im Zimmer hat, habe ich ihm mehrere Flaschen ans Bett gestellt, weil er seitdem er hier wohnt nichts am Bett stehen hat, wenn er Durst bekommt.

Gerade als ich aus dem Zimmer gehen wollte, hat Joko einmal kurz „Warte“ gerufen. Verwundert bin ich stehen geblieben
„Hast du morgen Lust auf eine Reisgemüse Pfanne mit Hähnchen.“
„Gerne.“ Lachend bin ich nach einem „Gute Nacht“ ins Bett gegangen und bin auch relativ schnell eingeschlafen.
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