Am Rand des Wahnsinns

von Eol
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
03.08.2019
20.08.2019
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Legolas saß neben seinem Patienten und hielt ihm weiter die Hand, obwohl dieser es nicht einmal mitbekam.
Thranduil war noch immer bewusstlos.
Plötzlich hörte er, wie jemand die Wohnung betrat und er sprang auf.
Wohnte noch jemand hier? War Thranduil vielleicht verheiratet?
Nein, das bestimmt nicht. Er wirkte einfach nicht wie ein liebender Ehemann. Außerdem hatte es keinerlei Frauenbekleidung in dem begehbaren Kleiderschrank gegeben.
Er überlegte noch, was er tun sollte, wenn es ein Einbrecher war, als sich die Schlafzimmertür öffnete und ein groß gewachsener Mann mit langen, blonden, leicht gelockten Haaren und einer Brille mit schwarzem Rand das Zimmer betrat.
„Wer…“
„Legolas? Mein Name ist Thingol. Wir haben telefoniert.“, unterbrach der Mann ihn, bevor er an das Bett herantrat und sich setzte.
Legolas beobachtete ihn, er wusste ja nicht, wer dieser Mann war, warum er eigentlich gekommen war.
Thingol streckte einen Arm aus und berührte mit seiner Hand Thranduils Wange.
„Hey…“, sagte er, doch Thranduil reagierte nicht.
„Er ist bewusstlos. Ich glaube, die Schmerzen sind einfach zu stark.“, sagte Legolas leise.
Der Mann sah ihn über seine Schulter hinweg an. „Wieso bist du hier? Wer bist du?“, fragte er kalt.
„Ähm…er…wurde angeschossen und er wurde in das Krankenhaus gebracht, in dem ich arbeite. Er hat sich heute Nachmittag selbst entlassen und drei Stunden später stand er auf einmal vor meiner Haustür.“, erklärte Legolas.
„Bist du nicht ein bisschen zu jung, um Arzt zu sein?“, fragte der Mann.
„Ich bin Krankenpfleger.“, entgegnete Legolas.
Der Mann sah ihn noch einen Moment an, musterte ihn von oben bis unten, dann wandte er sich wieder an Thranduil.
„Er braucht was gegen die Schmerzen.“, sagte er leise und strich mit den Rückenseiten seiner Finger langsam über Thranduils Wange.
„Normale Schmerzmittel reichen nicht. Ich bräuchte Morphium oder so.“, erwiderte Legolas und trat neben das Bett.
„Schreib auf, was du brauchst, ich besorge es.“, sagte Thingol, ohne seinen Blick von Thranduil zu nehmen.
„Also erstens ist es kurz nach Mitternacht und zweitens bin ich, wie gesagt, kein Arzt. Ich darf ihm solche Medikamente gar nicht geben. Er muss in ein Krankenhaus, aber er weigert sich.“, erklärte Legolas.
Thingol hob er den Blick und sah den jungen Pfleger. „Aber du könntest es ihm verabreichen, wenn ich welches besorge?!“
War das eine Frage oder eine Feststellung?
„J-ja, aber…“
„Niemand wird davon erfahren. Also los…“ Der Mann sah noch einmal zu Thranduil, dann stand er auf.
Legolas zögerte. Wo wollte dieser Mann um diese Uhrzeit Betäubungsmittel besorgen? Das konnte doch nicht legal sein.
Der Mann schien kurz davor zu sein, die Geduld zu verlieren. Er trat an Legolas heran und zu ihm hinunter. Seine Augen waren kaum mehr als Schlitze.
„Jetzt hör mal zu! Du bist hier, um ihm zu helfen, als sag mir endlich, was du dafür brauchst.“, sagte er drohend.
Legolas schluckte. Er hatte eine Gänsehaut, er spürte den Atem des Mann es auf seinem Gesicht.
„Thingol…lass ihn!“
Zwei Augenpaare wanderte sofort zu dem Verletzten. Thranduil war aufgewacht und sah die Beiden an.
„Thran…“ Thingol trat wieder neben das Bett.
Thranduil sah ihn kurz an, dann wandte er seinen Blick zu Legolas. „Bitte…ich brauche deine Hilfe.“
„ICH WILL WISSEN, WAS HIER LOS IST!“, schrie Legolas plötzlich. Diese Situation, die beiden Männer…das machte ihn Angst.
Thranduil atmete ein paar mal tief durch. „Thingol ist mein Bruder. Wir Beide arbeiten für den selben…Mann.“ Thranduil konnte kaum sprechen. Thingol  ließ die Hand seines Bruders los und ging auf Legolas zu. Auf einmal wirkte er jedoch nicht mehr kalt, sondern vielmehr besorgt. „Bitte hilf ihm. Thranduil ist alles, was ich von meiner Familie noch habe.“
Unsicher sah Legolas zwischen den Beiden hin und her. Und schließlich nickte er.
„Ich werde versuchen, ihm zu helfen, aber ich bin noch in der Ausbildung und…“
„Sag mir, was du brauchst.“, bat Thingol ihn noch einmal und dieses Mal klang es fast wie ein Flehen.
„Ich schreib Ihnen eine Liste. Gibt’s hier irgendwo Papier und einen Stift?“, sagte Legolas.
„In der Küche.“
Legolas eilte aus dem Zimmer und warf die Tür hinter sich zu.
Für einen Moment schloss er die Augen und atmete tief durch.
„Was tue ich hier eigentlich?“, fragte er sich. Er sah noch einmal zu der verschlossenen Schlafzimmertür, bevor er in die Küche ging und den Zettel schrieb.
Damit ging er zurück ins Schlafzimmer und drückte ihn Thingol in die Hand.
„Ich will nicht wissen, wie Sie diese Dinge jetzt besorgen, ich will auch nicht mehr wissen, was hier eigentlich los ist. Ich werde ihm helfen und danach verschwinde ich hier.“, sagte er. Er war müde und erschöpft, seine Hände zitterten und er hatte rasende Kopfschmerzen, doch er wusste, dass er nun nicht gehen durfte. Wenn er das tat, würde Thranduil sterben.

Eine Stunde später betrat Thingol das Schlafzimmer wieder. Die kleine Lampe neben dem Bett brannte und tauchte das Gesicht seines Bruders in ein warmes Licht. Er trat an das Bett und erst jetzt sah er, dass Legolas auf der anderen Seite des Bettes am Boden saß. Er hatte den Kopf auf die Matratze gelegt und schlief, während er Thranduils Hand, in der die Braunüle steckte, hielt.
Thingol streichelte seinem Bruder kurz über den Kopf, dann hockte er sich neben Legolas.
„Hey!“, sagte er leise.
Langsam öffnete Legolas die Augen.
„Ich hab hier die Sachen.“, sagte Thingol und reichte dem jungen Pfleger eine Tasche.
Legolas erhob sich und inspizierte den Inhalt der Tasche.
Neben neuem Verbandsmaterial, Spritzen, einem Blutdruckmessgerät, einem Stethoskop und Desinfektionsmittel befanden sich tatsächlich kleine Fläschchen mit medizinischen Betäubungsmittels darin.
„Können Sie ihn wecken?“, fragte er Thingol.
„Ja.“
Zunächst musste Legolas wissen, wie Thranduils Zustand wirklich war. Er konnte zwar nicht viel tun, doch zumindest konnte er den Blutdruck seines Patienten nun überwachen.
Und der war tatsächlich viel zu niedrig.
„Ich brauche noch eine Infusion.“, sagte Legolas und sofort folgte Thingol der unausgesprochenen Aufforderung, sie zu holen.
„Wie geht’s Ihnen? Brauchen Sie etwas gegen die Schmerzen?“, fragte der junge Pfleger seinen Patienten.
Thranduil war kaum ansprechbar, doch das leichte Nicken zeigte Legolas, wie schlecht es seinem Patienten gehen musste.
„Hier ist die Infusion.“ Thingol hielt dem Pfleger die Flasche hin, doch der schüttelte den Kopf.
„Tauschen Sie sie aus. Einfach den Schlauch von der leeren Flasche abziehen und in die neue schieben.“, sagte Legolas, während er sich daran machte, eine Spritze mit dem Schmerzmittel aufzuziehen.
Als Thingol fertig war, mischte Legolas das Medikament mit der Infusionsflüssigkeit.
„Gleich sollte es Ihnen besser gehen.“, sagte er zu seinem Patienten, während er noch einmal dessen Blutdruck überprüfte.
„Wenn du willst, kannst du jetzt ein wenig schlafen. Ich passe auf Thranduil auf.“, sagte Thingol. Er hatte bemerkt, wie erschöpft Legolas war.
„Wissen Sie, wie man den Blutdruck misst?“, fragte der Pfleger.
„Zeig’s mir.“, entgegnete Thingol.
Thranduil war wieder eingeschlafen, er bekam nicht mit, wie Legolas Thingol die Funktion des Blutdruckmessgeräts demonstrierte.
„Ok, hab’s kapiert.“, sagte Thingol schließlich. „Gleich nebenan ist ein Gästezimmer, da kannst du schlafen.“
Legolas stand auf und ging zur Tür. „Holen Sie mich, wenn sich der Blutdruck zu sehr verändert. Und vergessen Sie nicht, sein Herz und seine Lunge zu überwachen.“, sagte er noch, bevor er das Zimmer verließ.
Er betrat das Gästezimmer und sah sich um. Es war nicht ganz so luxuriös ausgestattet, wie das Masterschlafzimmer, doch das Bett sah wirklich bequem aus. Er verschloss die Tür hinter sich, so fühlte er sich wenigstens ein bisschen sicherer, und schaltete das Licht aus.
Dann setzte er sich auf die Bettkante und seufzte leise. In was war er hier nur hineingeraten?
Er ließ sich nach hinten fallen und starrte in die Dunkelheit. Er versuchte eine Erklärung für all das zu finden, doch er merkte schnell, dass seine Gedanken immer träger wurden und sobald er die Augen schloss, schlief er ein.

Tbc.
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