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Kekse – One-Shots und Drabbles

von Redlum
Kurzbeschreibung
SammlungHumor / P16 / Gen
03.08.2019
15.05.2023
54
62.307
59
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Dieses Kapitel
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01.01.2020 1.670
 
„Süßer die Glocken nie klingen, als zur Weihnachtszeit!" Keksy ging vorsichtig durch die stockdunkle Finsternis. Blöder Drache! Gerade hatte sie auf der Weihnachtsfeier ihr Solo zum Besten geben wollen, da war sie auch schon in der Speiseröhre dieser schuppigen Fressmaschine gelandet. Ruhig, ermahnte sie sich, diese Drachen folgten auch nur ihren natürlichen Instinkten, also kein Grund, sich aufzuregen. Sie schloss die Augen, atmete dreimal tief ein und aus und wandte eine altassasinische Entspannungstechnik an, die sie sich im Alter von zehn Stunden selbst beigebracht hatte. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie in ein gleißend blendendes Licht. „Äh ...“

„Oh Sorry“, sagte eine Stimme hinter dem Licht und richtete, wie Keksy im nächsten Moment bemerkte, eine Taschenlampe auf sich selbst, einen weiteren Keks. „Hallo, ich bin Rotkekschen. Nett deine Bekanntschaft zu machen, die letzten Monate war es recht einsam hier drin.“

„Keksy Sue“, stellte sich Keksy vor und schaute recht entsetzt. „Du bist schon Monate hier?“

Rotkekschen nickte. „Ich komme aus der Zukunft im Auftrag von Krötenkönig Manfred I. und wollte eigentlich diese Verrückte töten, aber dabei hat sich Biene, meine Doppelagentendrachin gegen mich gewandt und im entscheidenden Moment verschlungen.“

„Drachin?“, fragte Keksy nach. „Ist Drache nicht ein geschlechtsneutraler Begriff?“

Rotkekschen stockte. „Echt? Das ist momentan dein größtes Problem?“

„Nun ja, man muss da schon genau sein …“

„Wie kommst du denn eigentlich hier her?“, wollte Rotkekschen wissen, welche wirklich nicht den Nerv hatte, sich über Grammatik zu unterhalten.

„Weihnachtsfeier“, entgegnete Keksy. „Ich wollte gerade Süßer die Glocken nie klingen in der Helene-Fischer-Version zum besten geben, als …“

„Ach, das war der Lärm gerade!“, unterbrach Rotkekschen Keksy. „Ich dachte Biene hätte gerade eine Trillerpfeife verschluckt.“

„Also wirklich!“ Keksy stemmte die Zacken in die Hüfte und rief sich im stillen ein himalaynisches Beruhignungsmantra ins Gedächtnis. „Ich bin ausgebildete Tenörin!“

„Heißt dass nicht Tenor?“

„Äh …“

„Ja nervig, nicht?“, fragte Rotkekschen. „Statt uns mit grammatikalischen Spitzfindigkeiten auseinander zu setzen, sollten wir uns lieber zusammenschließen um gemeinsam gegen unsere Feinde vorzugehen.“

„Feinde?“

„Na, die Kellerianer da draußen! Die Krötenjäger, Zeichnerinnen und Drachendresierer!“

„Also sooo schlimm sind die jetzt auch wieder nicht“, versuchte Keksy etwas zu intervenieren.

„Ach echt? Du wurdest bei denen immer nett und zuvorkommend behandelt?“

„Na ja, diese Spooky hat mich vor ein paar Wochen versehentlich zu den Hsyperic-Oyalanern, einem recht unbekannten Eingeborenenstamm in den Regenwäldern Südneuguineas verschickt, als sie mir die Keksverpackungs- und Versandabteilung gezeigt hat. Gott sei dank kann ich fließend Hsyperic-Oyalanernisch sprechen, sonst hätte es blöd ausgehen können. Aber so war es mehr eine kleine Seesightingtour. Und war wie gesagt nur ein Versehen.“

„Ja, klar …“

„Was machst du eigentlich noch genau hier?“, wollte Keksy das Thema wechseln. „Du bist seit Monaten hier? Hättest du nicht längst auf natürlichem Weg diesen Drachenkörper verlassen müssen?“

„Wenn ich gewollt hätte ja“, nickte Rotkekschen. „Aber ich weiche dem Kaka immer aus. Hier drinnen ist der ideale Platz um Plan C in die Tat umzusetzen.“

„Plan C?“

„Na, die Verrückte, die in dieser Zeit noch Katla heißt, ins Jenseits zu befördern. Ein Plan war sie mit einem Waschbecken zu erschlagen, was leider daneben ging, und ein weiterer die erwähnte Gartenhüttenfalle, bei welcher ich in diesem Magen gelandet bin.“

„Und Plan C ist jetzt …?“

Rotkekschen grinste übers ganze Gesicht. „Pass auf, das ist genial und narrensicher. Diese Drachen fressen alles, was ihnen vor die Schnauze kommt.“ Zum Beweis ließ Rotkekschen das Taschenlampenlicht durch den Magen wandern, in dem allerlei Krimskrams lag. „Wir bauen daraus eine Bombe und zünden diese hier im Drachen, wenn die Verrückte in der Nähe ist.“

„Dann gehen wir aber auch mit drauf.“

„Opfer müssen gebracht werden.“

Keksy verdrehte die Augen und besah sich dann einige der Gegenstände, die in unmittelbarer Nähe lagen. Eine Quietscheente, zwei Radiergummi, ein Totenschädel, Kaugummi, verschimmelter Pizzarand, sieben Schrauben, fünf linke und ein rechter Socken, ein Taschenmesser, ein einzelner Gummistiefel, ein Miniatureifelturm, welcher vielleicht mal fürs Bookshelf gedacht gewesen war und ein geschmückter Christbaum. „Und aus den Sachen willst du eine Bombe bauen?“

„Nicht ich.“ Rotkekschen schüttelte den Kopf. „Aber du!“

„Ich?!“

„Na du bist doch die Schlauere von uns beiden“, meinte Rotkekschen. „Du kannst singen, Grammatik, Qualadingsbums …“

„Hsyperic-Oyalanernisch.“

„Genau. Da sollte das doch für dich ein Klacks sein.“

„Nun … zugegeben“, meinte Keksy vorsichtig, „ich habe da schon je einen Doktortitel in angewandter Chemie und Astrophysik und außerdem alle Folgen von MacGyver gesehen. Sowohl von der alten, als auch von den neuen Serie …“

„Also?“

Keksy verdrehte die Augen. „Ja, es ist ein Kinderspiel aus all dem da eine Bombe zu bauen.“

„Wunderbar!“ Rotkekschen klatschte begeistert einmal laut auf.

„Daraus wird aber nichts.“

„Hä? Du hast doch gerade eben gesagt, dass du daraus eine Bombe bauen kannst.“

„Können schon, aber nicht wollen.“

„Und wieso bitte schön nicht?“

„Weil es falsch ist“, erwiderte Keksy. „Ich habe einen sehr guten, moralischen Kompass.“

„Oh mein Gott!“ Rotkekschen verdrehte die Augen. „Wir Ks müssen zusammenhalten! Kekse und Kröten an die Macht!“

„Was ist mit Katla? Die fängt auch mit K an.“

Rotkekschen stutze kurz. „Ausnahmen bestätigen die Regel.“

„Ich habe das Gefühl, du biegst die die Wahrheit immer so zurecht, wie es dir gerade in den Kram passt.“

„Gar nicht!“ Rotkekschen streckte Keksy die Zunge raus. „Hör zu, ich komme aus der Zukunft und weiß …“

„Und gerade deswegen darfst du hier nichts anstellen!“, unterbrach Keksy Rotkekschen. „Du bringst sonst das ganze Zeitkontinuum durcheinander!“

„Ach ne?“ Rotkekschen verdrehte die Augen. „Was glaubst du, warum ich hier bin?“

„Und weißt du was dabei alles passieren kann?“, versuchte Keksy Rotkekschen zur Besinnung zu bringen. „Es reicht schon, wenn du nur auf einen Schmetterling trittst und …“

„Ich habe aber nicht vor auf einen Schmetterling zu treten! Ich … oh.“ Rotkekschen sah auf den Gummischmetterling, auf den sie gerade versehentlich getreten war. „Siehst du? Nichts passiert. Quark erat demonstrandum. Dann können wir ja jetzt bedenkenlos die Bombe bauen.“

„Quod.“

„Was?“

Quod, nicht Quark.“

Rotkekschen runzelte die Stirn. „Bist du sicher? Ich glaube, ich habe beides schon gehört.“

Keksy schnappte sich einen Liegestuhl, den sie unter ein paar Achatschnecken entdeckt hatte und machte es sich bequem.

„He, was machst du da?“, wollte Rotkekschen wissen.

„Auf jeden Fall keine Bombe bauen. Wie hattest du eigentlich vor, die fertig zu stellen, wenn ich nicht gekommen wäre?“

„Mit Geduld“, erwiderte Rotkekschen. „Einfach warten, bis Biene eine Bombenbauanleitung verschluckt oder jemanden, der eine Bombe bauen kann. Hat ja jetzt schon Mal so halb geklappt. Aber mit etwas mehr Geduld wird das schon noch.“

„Na dann viel Glück.“ Keksy lehnte sich zurück, schloss die Augen und wurde von einem Rumpeln überrascht, welches einige neue Gegenstände in den Magen spülte.

Unter diesen kämpfte sich ein Keks nach oben und sah sich neugierig um. „Hier ist es aber groß!“, stellte er erstaunt fest.

„Du bist ja auch in einem Drachenmagen“, entgegnete Rotkekschen. „Und ein Drachenmagen ist wie eine TARDIS.“

Keksy nickte. „Innen größer als außen.“

„Wirklich?“ Der Keks sah sich mit großen Augen weiter um, dann klatschte er sich plötzlich an seine oberen Zacken, als sein Blick wieder auf Rotkekschen und Keksy fiel. „Wie unhöflich von mir! Darf ich mich vorstellen? Keks Norris ist mein Name.“

„Keksy Sue.“

„Rotkekschen. Sag mal, kannst du zufällig Bomben bauen?“

„Aus den Sachen hier?“ Keks Norris deutete um sich und blickte dann stolz Rotkekschen an. „Viel besser! Keks Norris kann sogar ohne Bombe explodieren!“

„Echt? Toll! Zeig doch mal!“

„Oh nein! Stopp! Aus! Cut!“, ging Keksy dazwischen. „Ich glaube es wird langsam Zeit von hier zu verschwinden.“ Mit diesen Worten zog sie eine Dose Bohneneintopf und einen Dosenöffner unter ein paar Bookshelf-Drachenfiguren hervor.

Rotkekschen schnappte nach Luft. „Das wagst du nicht!“

Keksy grinste breit, während sie die Dose öffnete und den Inhalt langsam auf den Boden des Drachmagens schüttete. Rotkekschen wollte zur Seite hechten und sich etwas zum festhalten suchen, wurde aber von einem doppelten Kara-Fu-Tritt von Keksy auf den Boden befördert. Im nächsten Moment gab es ein riesiges Getöse. Eine heftige Drachenblähung erfasste die drei Kekse und entließ sie nach einer kleinen Rutschpartie durch den Drachendarm wieder in die Freiheit. Die drei rappelten sich auf und sahen Biene hinterher, die gerade den Raum verließ, in dem es nicht sehr angenehm roch.

„Also Keks Norris hätte das auch ohne Bohneneintopf gekonnt“, sagte Keks Norris und klopfte sich ab.

„Klasse! Ich hoffe jetzt bist du zufrieden!“, giftete Rotkekschen Keksy an.

„Ja, irgendwie schon“, gab diese zu.

„Egal.“ Rotkekschen wandte sich an Keks Norris. „Du sagtest, du kannst auch ohne Bombe explodieren?“

„Kinderspiel.“ Keks Norris streckte die Brust heraus, hielt die Luft an und wurde langsam blau.

„Sag mal, kannst du auch … äh … mit nur einer ganz kleinen Explosion explodieren?“, fragte Keksy schnell.

Keks Norris machte ein Daumen-hoch-Zeichen.

„Halt! War…!“ Rotkekschen wollte dazwischen gehen, aber da gab es schon ein ganz kleines Puff! und Keks Norris zerfiel in tausend kleine Brösel. „Verdammt!“ Rotkekschen wirbelte zu Keksy herum. „Du … du … Arg! Ich werde so lange weiter Pläne schmieden, bis einer davon funktioniert! Und wenn es das letzte ist, was ich tue!“

„Der letzte Satz war jetzt aber von Gagamel aus der Schlumpfzeichentrickserie geklaut“, stellte Keksy fest.

Rotkekschen warf Keksy noch einen letzten vernichtenden Blick zu und verließ dann sauer aufstampfend den Raum.

Keksy sah auf den Bröselhaufen, welcher sich, wie von Geisterhand langsam zu bewegen begann. Nach und nach setzten sich die einzelnen Brösel wie ein Puzzle zusammen und plötzlich stand, als wäre nichts gewesen, wieder Keks Norris vor ihr und grinste sie an: „Keks Norris kann sich aus seinen Bröseln selbst wieder zusammensetzen.“

„Ganz toll“, stöhnte Keksy.

„Hey“, Keks Norris sah sich um, „wo ist denn dieses Rotkekschen? Die wollte doch noch eine heftigere Explosion sehen, oder?“

„Die ist schon weg“, sagte Keksy schnell. „Äh … sag mal … du hast nicht zufällig irgendwann Hsyperic-Oyalanernisch gelernt oder?“

„Nein.“ Keks Norris schüttelte den Kopf.

„Wunderbar! Komm, dann muss ich dir unbedingt die Keksverpackungs- und Versandabteilung zeigen!“

„Äh, okay.“ Keks Norris runzelte die Stirn und folgte dann langsam Keksy Sue, die schon vorausgeeilt war und deshalb nicht mehr hörte, wie er hinterherschob: „Keks Norris kann auch Hsyperic-Oyalanernisch ohne es vorher lernen zu müssen …“
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