Kekse – One-Shots und Drabbles

von Redlum
OneshotHumor / P12
03.08.2019
21.09.2019
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„Halt! Stopp!“

Ich hielt inne, verharrte mit dem Prinzenrollenkeks, von welchem ich gerade abbeißen wollte auf halbem Weg zwischen Verpackung und Mund und sah mich verwirrt um, von woher die Stimme gekommen war. Aber rings um mich herum war niemand zu sehen. Ich war hier mutterseelenallein. Hatte ich mir die Stimme eingebildet? Vermutlich. Ich näherte den Keks wieder meinem Mund als ich erneut einen Aufschrei hörte: „Nein! Nicht!“

Verwundert sah ich den Keks an. „Keks?“

„Ja wer denn sonst? Siehst du außer uns hier noch jemanden?“

Etwas sprachlos sah ich mich, nur zur Sicherheit, noch einmal um und blickte dann wieder auf den eingeritzten, natürlich bewegungslosen, Prinzen auf dem Keks. „Ähm … nein … es ist nur so …“

„Seit wann Kekse reden können?“

„Äh … ja.“

„Ich bin kein gewöhnlicher Keks“, vertraute mir der Prinzenrollenkeks an. „Ich wurde verflucht, damit ich aussehe wie ein Keks, rieche wie ein Keks und schmecke wie ein Keks.“

„Du bis also ein verwunschener Keks …?“ Ich kratzte mich, angesichts dieses ungewöhnlichen Gesprächs am Kopf. „… Keks?“, schob ich noch nach, weil ich nicht wusste, wie ich ihn sonst nennen sollte.

„Oh, wie unhöflich von mir“, sagte der Prinzenrollenkeks. „Ich bin Manfred. Hi.“

„Hi Manfred“, erwiderte ich automatisch. Ob da Drogen in den Keksen waren? Andererseits war der Keks in meiner Hand der erste den ich heute essen wollte, also wohl nein.

„Gut, eines vornweg –  indem wir uns jetzt miteinander bekannt gemacht und begrüßt haben, haben wir jetzt eine engere Verbindung zueinander aufgebaut und deine leichteste Option, den ganzen Spuk hier zu beenden, indem du mich aufisst, ist damit vom Tisch.“

Ich starrte Manfred an. Verdammt, kannte dieser Keks mich gut.

„Oder? Das siehst du doch auch so?“, schob er mit leichter Panik in der Stimme nach. „Also sei brav, und leg mich ab.“

Ich sah mich ein weiteres mal unauffällig um, ob sich hier nicht vielleicht doch irgendwo ein Bauchredner versteckt hielt, aber wenn der nicht genauso klein war wie Manfred, was das ganze noch komplizierter gemacht hätte, als es sowieso schon war, dann wohl eher nicht.

„Hallo? Erde an da oben! Einmal ablegen bitte!“

„Ja ja, schon gut“, sagte ich und legte Manfred neben die Prinzenrollenverpackung. „Wer hat dich denn verflucht?“

„Dass waren diese Leute aus der Fanfiktion.de-Redaktion! In einem Moment bin ich noch kein Keks und plötzlich, Puff, habe ich eine Schokoladenfüllung in meiner Mitte!“, sprudelte Manfred sofort hervor, wohl, um mit möglichst vielen Informationen, die Bindung zwischen uns noch zu stärken, damit ich auch ja nicht auf die Idee käme, ihn doch noch zu essen. Wobei die Erwähnung der Schokoladenfüllung dabei eher nicht so hilfreich war. Was auch Manfred klar zu werden schien, da er sofort hinterher schob: „Mit einer ganz schrecklichen Schokoladenfüllung. Schmeckt überhaupt nicht. Bäh! Ich habe vorhin mal an mir geleckt und musste mich sofort übergeben.“

Entsetzt nahm ich sofort die Prinzenrollenpackung hoch um einen Blick in diese zu werfen. Wenn da Kekskotze drin war, konnte ich die restlichen Kekse auch entsorgen.

„Metaphorisch gesprochen, natürlich!“

Erleichtert, aber immer noch etwas skeptisch – ich würde jeden einzelnen Keks vor dem essen, aufs gründlichste in Augenschein nehmen müssen – legte ich die Packung wieder zur Seite. „Und warum wurdest du verflucht?“, wollte ich wissen. Bisher war mir noch nichts negatives von Fanfiktion.de zu Ohren gekommen.

„Die brauchen neuerdings Kekse“, erwiderte Manfred, „Kekse, Kekse, tonnenweise Kekse! Mehr Kekse, als man irgendwo auftreiben kann und deshalb werden jetzt sogar unschuldige Individuen wie ich in Kekse verwandelt! Aber ich konnte fliehen. Konnte mich in der Prinzenrollenverpackung verstecken und mich mit einem unglaublich durchtriebenen, gut durchdachten Fluchtplan in Sicherheit bringen. Den auszuführen würde aber zu lange dauern und du würdest ihn mir sowieso nicht glauben.“

Ich dachte zwar nicht, dass mir dieser Fluchtplan so viel unglaubwürdiger vorkommen würde, als der Rest, den mir Manfred bis jetzt erzählt hatte, aber ich ging vorsichtshalber nicht darauf ein. „Und jetzt? Bist du jetzt für immer ein Keks und auf der Flucht vor hungrigen Mäulern? Und wenn du es schaffst nicht gegessen zu werden, fängst du dann irgendwann an zu schimmeln?“

„Schimmel? Verdammt! Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht“, gab Manfred zu. „Wenn dass hier vorbei ist, musst du unbedingt einen Beschwerdebrief an FF.de schreiben. Die sollen gefälligst Salzkörner statt Kekse als Währung einführen! Salzkörner schimmeln nicht und die gibt es wie Salz im Meer!“

„Sand am Meer“, verbesserte ich Manfred automatisch.

„Ist beides im Überfluss vorhanden“, klugscheißerte Manfred.

Toll, da hatte ich unter Millionen Prinzenrollenkeksen nicht nur den einen erwischt, der angeblich verflucht war, sondern auch noch einen, der das letzte Wort haben musste. Aber gut, irgendwo hatte er mit seiner Aussage ja auch recht, musste ich zugeben. „Und kann man diesen Fluch auch irgendwie brechen?“, wechselte ich das Thema, um ihm nicht auch noch laut recht zu geben.

Manfred neigte leicht einen seiner Randzacken, was wohl ein nicken symbolisieren sollte. „Mit einem Kuss wahrer Liebe werde ich wieder entflucht.“

„Ein Kuss wahrer Liebe?“, fragte ich etwas verwundert, angesichts dieses Klischees, nach.

„Jup. Las es uns gleich versuchen! Nachdem du mich ja jetzt schon so gut kennst, musst du mich einfach lieben!“

So überzeugt wie Manfred von dieser Tatsache war ich zwar nicht, aber immerhin war er ja irgendwie gerade ein Prinzenrollenkeks, von daher konnte ein Kuss wahrer Liebe meinerseits ja vielleicht doch funktionieren … Vorsichtig führte ich Manfred zu meinem Mund, nicht um ihn wie zuvor anzuknabbern, sondern um ihm einen dicken Schmatzer in die Mitte zu geben. Einen kurzen Moment verharrte ich noch, dann schloss ich die Augen und tat es! Ich küsste den Keks und unmittelbar danach gab es einen kleinen Puff, und Manfred war plötzlich – eine Kröte!

„Na endlich!“, quakte die Manfred-Kröte und betrachtete zufrieden seine Schwimmhäute. „Alles wieder beim alten! Ich bin dir zu tausend Dank verpflichtet! Mach es gut, Adios, auf wiedersehen, Tschau!“ Mit diesen Worten hüpfte er schnell von meiner Hand und entfernte sich, wohl aus Angst, ich hätte neben meiner Vorliebe für Kekse auch etwas für die französische Küche übrig.


Wie sich später herausstellen sollte, hatte der Kuss wahrer Liebe doch nicht hundertprozentig funktioniert, da ich für Tiefkühlpizzen noch etwas mehr empfinde als für Prinzenrollenkekse. Manfred war deswegen nicht komplett in seine ursprüngliche Gestalt zurückverwandelt worden und musste sein restliches Leben als Werkeks verbringen. Was bedeutete, dass er sich immer während einer Vollmondphase in einen Keks verwandelte und erst beim nächsten Sonnenaufgang wieder eine Kröte wurde, worüber er sich bitterlich bei mir beschwerte. Aber hey! Er wollte ja unbedingt sofort den Kuss haben, bevor er sich zuvor weitreichender über mich informiert hatte, also selbst schuld!

Und die Moral von der Geschichte? Checkt eure Kekse am besten bevor ihr sie unbesonnen esst, nicht dass ihr zufällig auch einen entkommenen FF.de-Keks in der Hand haltet ohne es zu ahnen …
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