Er würde mich doch niemals lieben

von Zyves
GeschichteFantasy / P18 Slash
01.08.2019
22.08.2019
6
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Ich zog meine Jacke aus und hängte sie an der Garderobe auf, Lex ging in die Küche und holte zwei Gläser mit Blut. Mal wieder reichte er mir ein Glas. Diesmal sagte ich nichts und trank es schweigen. Also standen wir da, sahen uns über die Glasränder in die Augen während wir das Blut tranken. Es beruhigte mich etwas, wobei sein Blick es eigentlich schon wieder komisch machte. Ich brach schließlich den Augenkontakt ab und brachte mein Glas wieder in die Küche.
„Josh, können wir vielleicht trotzdem noch einmal ganz in Ruhe über alles reden?“, fragte er und ich atmete tief durch, ehe ich mich im Schneidersitz aufs Sofa setzte.
„Ich weiß, dass dir das gerade zu viel ist und du durcheinander bist. Glaub mir, ich bin es auch, ich hätte nicht erwartet das es sich jetzt so entwickelt“, sagte er als er sich neben mich setzte und ich schloss kurz die Augen um mich zu sammeln. „Wie hättest du denn gedacht, dass es sich entwickelt?“, fragte ich schließlich. „Ich weiß es nicht, aber ich hätte gerne gewartet bist du… noch etwas älter bist und vielleicht ein paar Erfahrungen gesammelt hast“ Ich wusste nicht wie ich seine Worte auffassen sollte, ich schwankte zwischen er fand mich doch zu jung und dem rationaleren Part, dass er der Meinung sein könnte es wäre einfach sinnvoller, wenn ich schon etwas Erfahrung gesammelt habe und nicht noch in einer Findungsphase steckte.
Als ich nicht direkt antwortete, fügte er noch schnell hinzu: „Also ich meine, dass es für dich und mich gerade irgendwie schwierig ist. Ich sehe dich absolut nicht als Kind, zur Hölle auf keinen Fall, aber du bist eben noch in der Pubertät und hast dich selber noch nicht gefunden und es wäre wohl besser, wenn du deine eigenen Erfahrungen sammelst, mit jemandem... der nicht schon fast alles erlebt hat. Ich wollte immer, dass du deinen eigenen Weg findest und nicht nur meinem Weg folgst, daher wollte ich mich eigentlich zurückziehen, bis du von dir alleine aus merkst, dass zwischen uns etwas sein könnte“ „Und was, wenn ich das nie bemerkt hätte?“, fragte ich und er zuckte mit den Schultern. „Dann hätte ich wohl nach einigen Jahrzehnten einen Versuch gestartet“ Das sah ihm dann doch ähnlich. Ich verstand was er meinte, auch wenn es mir immer noch unwirklich vorkam.
„Seit wann hast du Gefühle für mich?“, wollte ich wissen, es kam mir einfach komisch vor aufgrund meines Alters. Was konnte er schon von mir wollen? „Kann ich nicht genau sagen, es ist jetzt nicht so, dass ich aufgewacht bin und dachte, dass ich in dich verliebt sei. Mir ist einfach vor ein paar Monaten aufgefallen, als ich bemerkt hatte, dass du auch schwul bist, dass mir nicht wohl dabei war, wenn du jemand anderen ansiehst. Nenn mich eifersüchtig und egozentrisch, aber ich mag es einer deiner Mittelpunkte zu sein und als mir aufgefallen ist, dass du Adrian auf diese Weise magst... Da wurde ich schon fast wütend“, gestand er und ich musste meine Miene beherrschen um nicht zu schmunzeln. Es war irgendwie süß und ich fühlte mich geschmeichelt, doch ich hatte diesen Zweifel im Nacken, warum sollte er mich mögen. Wie er schon sagte, ich hatte keine Erfahrung und war noch jung, zu jung um mit einem schon lange ausgewachsenen Vampir auszugehen.
„Was magst du denn bitte an mir? Ich hab doch wirklich nichts zu bieten“, sagte ich leicht zerknirscht und er lächelte mich amüsiert an. „Du hast mehr zu bieten als du jemals glauben wirst und ich werde es jetzt nicht aufzählen, denn du wirst es mir eh nicht glauben“ „Aber...“ „Nein nichts aber, egal welche dummen Zweifel in deinem Kopf rumspuken ignoriere sie“, meinte er und ich sah ihn genervt an. „Das sagt sich so leicht“, nuschelte ich und ich sah wie sich sein Kiefer anspannte und er dann tief einatmete. „Okay, ich komme jetzt einfach mal, direkt wie ich nun mal bin, zu ein paar Kernfragen“ Ich nickte nur unsicher.
„Du magst mich und findest mich attraktiv“, er sagte es eher als wäre es eine Tatsache und keine Frage, doch ich bejahte es dennoch. „Wenn ich jetzt jünger wäre, in deinem Alter, würdest du dann etwas Ernstes mit mir anfangen wollen?“, die Frage war komisch, denn wäre er in meinem Alter, hätten wir sehr wahrscheinlich keinen Kontakt und ich hätte bei dem ersten Wort, dass er mit mir gewechselt hätte, die Flucht ergriffen.
„Das kann ich so doch nicht beantworten“, antwortete ich schließlich und er seufzte und verdrehte die Augen. „Okay, denk jetzt mal nicht so viel nach, rein nach Gefühl, Anziehung was auch immer du willst, hättest du Interesse an... einem Date. Machen wir es einfach ein simples Date“ Ich stellte es mir komisch vor, ein Date mit Lex, den ich schon so lange kannte. Allerdings hatten wir uns auch geküsst und das hatte sich überhaupt nicht komisch angefühlt. Ich spürte bei der Erinnerung an den Kuss, wie mein Körper anfing zu kribbeln. „Ja“, es war ein kurzes Wort und doch schien es Lex ziemlich glücklich zu machen. Er lächelte schon fast etwas selbstgefällig. „Also was wollen wir morgen machen?“ „Ich bin morgen mit Adrian verabredet, das hab ich dir schon zig mal gesagt, der Tag steht seit Wochen“, sagte ich und er guckte mich unzufrieden an. „Stimmt, ihr wolltet in die Stadt. Wir können doch ein Doppeldate draus machen“, er suchte er eine Lösung zu finden und ich betrachtete ihn zweifelnd. „Ich glaube, du verdrängst gerade, dass ich Gefühle für Adrian habe, oder?“ „Und gerade deswegen ist es besonders wichtig, dass du keine Zeit mit ihm alleine verbringst“, behauptete er standfest und ich wusste nicht was ich dazu sagen sollte. „Können wir das spontan entscheiden? Adrian und Media werden mir morgen in der Schule eh schon auf die Nerven gehen“ Seine Augen leuchteten auf, als ihm etwas einfiel. „Du meintest vorhin, Adrian dachte du stehst auf mich, wie ist er eigentlich auf die Idee gekommen?“ „Keine Ahnung, ich war zu überfordert um zu fragen, wie er auf diesen Gedanken gekommen ist“, entgegnete ich und wollte gerade aufstehen, da packte er mich am Handgelenk und zog mich wieder zurück. „Würdest du bitte mal aufhören wegzulaufen?“
Ich zog mein Handy etwas ungelenkig aus meiner Hosentasche und hielt es hoch. „Ich wollte doch nur mein Handy ablegen“, sagte ich und legte es auf den Abstelltisch. „Oh...“ Nun verdrehte ich die Augen. „Ja außerdem kannst du mir das vorhin ja wohl wirklich nicht böse nehmen, du hast mich komplett überrumpelt“ „Das weiß ich, ich hab einfach nicht nachgedacht“, seufzte er und ich sah ihn fragend an. „Muss ich jetzt häufiger damit rechnen, dass du mich halb überfällst, weil du nicht nachdenkst?“ „Wenns dich so stört, kannst du es mich ja dazu manipulieren es bleiben zu lassen“, grinste er und ich verzog die Miene. „Du weißt genau wie sehr ich das hasse“, murrte ich und sein Grinsen wurde weniger. „Du weißt, dass es nicht gesund für dich ist, so auf Kriegsfuß mit deiner Gabe zu sein, oder? Ja sie hat einige Nachteile, für dich und ist moralisch ziemlich verwerflich, aber es wird dich kaputt machen, wenn du so damit weiter machst. Ich habe dich, zwar gestern beim Training extra provoziert, aber du hast sie aus Wut benutzt, das darf dir nicht passieren, ansonsten passiert irgendwann etwas, dass du wirklich bereuen wirst und damit das nicht passiert musst du sie annehmen und trainieren“ Es war selten das Lex mich belehrte und so ernst war, weshalb ich es besonders wichtig nahm, auch wenn es mir nichts Neues war. Anton sprach seit Monaten von fast nichts anderem.
„Ich weiß“, seufzte ich mit nach hinten gelegtem Kopf und fläzte mich damit so richtig schon aufs Sofa. Ich war kaputt und fühlte mich kraftlos. Lex sah mir wohl, an dass ich keine Lust mehr hatte zu reden und schaltete den Fernseher ein. „Was wollen wir gucken? Wir haben schon ewig keinen Filme Abend mehr gemacht“ Stimmt, früher hatten wir mindestens einen Tag die Woche nur damit verbracht uns Filme oder eine Serie anzuschauen und uns dabei mit Süßigkeiten zu bewerfen. Wir brauchten zwar keine Menschennahrung, aber da Lex und ich geborene Vampire waren konnten wir zumindest welche essen. Sie brachten uns zwar nichts, aber es schmeckte trotzdem. „Mir egal, ich passe wahrscheinlich eh nicht auf“ Er sah mich noch einen Moment lang an und machte dann Shadow Hunter an, ich hatte von der Serie noch nicht viel gehört, allerdings wusste ich, dass es ein schwules Pärchen geben sollte, Sunny hatte mal von den Beiden geschwärmt… Da bei fiel mir etwas auf und ich sah Lex an.
„Du suchst oft Serien oder Filme auf wo Schwule dabei sind“, stellte ich fest und er zuckte mit den Schultern. „Ich kann mich da eben gut hineinversetzten und immer nur Heteros sind doch langweilig, außerdem kann ich auch einfach auf die Straße gehen, wenn ich da welche knutschen sehen wollte“ Seine Mimik sagte mir irgendetwas und ich konnte nicht genau sagen was es war. Lex trug normalerweise seine Gedanken auf der Zunge, doch diesmal schien er sich zurück zu halten. Ich nahm die Fernbedienung und pausierte. „Was ist los?“, fragte ich also und er sah mich leicht verwundert an. „Es ist nichts“, er wirkte wirklich überrascht aber das ertappte aufzucken war mir nicht entgangen. Ich wusste zwar das Lex ein hervorragender Schauspieler sein konnte, mit einem richtigen Pokerface, allerdings war es bei mir ausgeschaltet, dass hatte er mir irgendwann mal versprochen und sich seitdem auch daran gehalten.
„Komm schon, dich betrübt etwas“, bohrte ich weiter nach und er wirkte tatsächlich etwas traurig. „Ich hab mich nur gerade an etwas erinnert“ Ich beließ es dabei, anscheinend wollte er wirklich nicht darüber reden, ich hatte zwar das Bedürfnis ihn irgendwie zu trösten, doch ich war nicht gut in so etwas. Er blinzelte ein paar Mal und lächelte mich dann beruhigend an. „Ist schon okay, dass kommt wohl mit dem Alter“, witzelte er und ich sah ihn mit hochgezogener Braue an. „Du bist gerade mal etwas über 100. Wie soll das dann erst in ein paar Jahrhunderten werden?“ Er grinste. „Dann spielt das ganze keine Rolle, weil du dann genauso bist“ Ich wollte etwas erwidern, doch Lex schlang seine Arme um mich und ließ sich nach hinten aufs Sofa fallen, sodass er lag und ich auf ihm drauf. In einer Hand hatte er scheinbar die Fernbedienung, denn die Folge lief weiter. Mein Herz schlug etwas schneller und ich wusste nicht was ich tun sollte. Die Position war unbequem, aber ich wollte auch nicht direkt weg. Es hatte etwas Beruhigendes an sich, etwas Sicheres so mit ihm da zu liegen. Nachdem ich ein paar Sekunden gegrübelt hatte, was ich nun tun sollte, versuchte ich eine für mich bequeme Position zu finden. Zum Schluss lag ich dann mit dem Kopf auf seinem Arm in der Löffelchenstellung und sein anderer Arm war um mich geschlungen. „Du kannst doch gar nichts sehen“, murmelte ich und er lachte leise. „Ich hab die Serie schon gesehen, ich brauchs nicht sehen, außerdem hab ich hier genug zu erkunden“, hauchte er in mein Ohr und sein freier Arm strich meinen Oberkörper entlang um in Hüftgegend unter den Saum zu schlüpfen und sich fingerkreisend wieder nach oben zu arbeiten. Ich presste die Zähne zusammen um keine Reaktion zu zeigen.
„Ist das so?“, fragte ich im Versuch unbeeindruckt zu wirken, doch leider war ich keiner der Vampire, die ihren Herzschlag kontrollieren konnten, das sollte ich mir vielleicht mal aneignen. Seine Hüfte presste sich gegen meinen Hintern seine Hand glitt durch mein T-Shirt an mein Kinn um es in seine Richtung zu drehen. Er biss mir leicht ins Ohr, ich versuchte ein Stöhnen zu unterdrücken, was nur dafür sorgte, dass ich kurz dem Atem anhielt. Ich hätte auch stöhnen können, Lex wusste auch so, dass das nicht spurlos an mir vorüber ging.
„Ja und du bist ganz schön empfänglich“, schnurrte er, ich sagte nichts und versuchte ihn und seine Hand zu ignorieren. Was wirklich nicht einfach war, da es sich einfach unglaublich gut anfühlte. Überall wo seine Hand meinen Körper entlang fuhr, fuhren mir Schauer durch den Körper und es kribbelte, aber er seine Hand blieb bei meinem Oberkörper. Manchmal glitt er zwar einen Zentimeter unter den Saum meiner Hose, aber nie mehr. Ich wusste nicht, ob ich froh sein sollte oder nicht, dass ich eine Jeans anhatte. Die Jeans war zwar unglaublich unbequem mit einem Ständer, aber in einer Jogginghose wäre es nur zu sichtbar. Nicht dass ich mir Hoffnung machen brauchte, dass Lex nicht ganz genau wusste was in mir vor sich ging. Er hatte genug Erfahrung um an meinem Geruch die Hormone raus zu lesen. „Du sagst, wenn es dir zu viel wird“, flüsterte er und ich nickte. Ich vertraute meiner Stimme nicht. Ich konnte aber nicht anders als ihn dafür zu bewundern, dass er das so seelenruhig durchzog und dabei so einfühlsam war. Ich spürte, dass er auch erregt war, aber davon ließ er sich absolut nichts anmerken. Er war die Ruhe selbst und schien es einfach zu genießen mich zu halten und zu… necken.
„Lex?“, fragte ich nach einiger Zeit. „Hmmm?“, sein Brummen wirkte entspannt und glücklich. „Wie kommt es, dass es nicht komisch ist?“, das war eine Frage, die sich in meinen Kopf gebrannt hatte. Wie konnte es sein, dass obwohl es komisch hätte sein müssen es, nur komisch war, wenn er mich nicht berührte? „Ich weiß nicht, vielleicht weil es einfach so sein soll“ „Glaubst du an so etwas?“, fragte ich leicht überrascht und er küsste meinen Nacken. „Ich glaube, dass wir uns zu sehr von der Gesellschaft einreden lassen, was normal und was komisch ist. Wir übernehmen immer mehr Denkstrukturen der Menschen und vergessen dabei, dass wir anders sind. Unsere Instinkte sagen uns besser wer zu uns passt und gleichzeitig haben wir kein Problem mit dem Alter. Ja, jetzt mag es nach außen noch komisch wirken, aber in zwei Jahren würde es schon anders aussehen. Bei den Menschen ist das anders, wenn wir Menschen wären, dann wäre ich jetzt wohl in den 40zigern und selbst wenn du 25 wärst und ich damit um die 50 wäre es komisch. Aber das gibt es bei uns nicht. Ich glaube es ist erst komisch, wenn wir es zerdenken. Dein Alter, mein Alter. Das spielt keine Rolle. Ja ich hab dich aufwachsen sehen, aber viele Vampire haben das bei ihren Partnern gesehen, vielleicht nicht so direkt, aber dafür kenne ich dich besser als es jeder andere tut. Ich war schon ein paar Mal in meinem Leben verliebt, aber es hat sich noch nie so angefühlt. Noch nie so bedeutend und richtig. Ich verstehe, wenn das für dich nicht so ist, aber ich für meinen Teil glaube, dass ich zu dir gehöre“
Seine Worte hallten in meinem Kopf wieder und wieder und wieder. Er hatte recht, ich sollte aufhören darüber nachzudenken und meinen Gefühlen zuhören und die sagten auch mir, dass das alles andere als falsch war und wenn ich so in seinen Armen lag und mich die Gefühle für sich vereinnahmen, dann waren das Kribbeln was ich in Adrians Nähe gespürt habe nichts dagegen. Als wäre, als wäre das nur ein Crush und das mit Lex viel mehr. Vielleicht lag das daran, dass ich Adrian nie so nah gekommen bin, andererseits war mir von Anfang an der Gedanke Adrian, zum Beispiel, zu küssen komisch vorgekommen.
„Es fühlt sich für mich auch richtig an“, gab ich schließlich zu und er zog mich noch enger in seine Arme und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. „Du hast keine Ahnung wie froh ich bin das zu hören“, seine Stimme war gedämpft und sein warmer Atem streifte meinen Nacken. Wir lagen noch eine gewisse Zeit so da, ehe mein Blick auf die Uhr fiel. Ich brummte unzufrieden vor mich hin und löste mich aus seiner Umklammerung. „Ich sollte schlafen gehen, ansonsten krieg ich morgen noch richtig Ärger von Vitus“ „Du kannst auch bei mir…“ Ich unterbrach ihn bei seinem Angebot. „Wenn ich bei dir mit im Bett schlafe, kriege ich kein Auge zu, dass wird auch so schon schwierig“ Zwar wirkte er erst etwas zerknirscht nickte dann aber. Lex stand ebenfalls auf und drückte mir einen Kuss auf die Wange. „Dann schlaf gut“
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