Vergangene Fehler

von NOS26
GeschichteAllgemein / P12
FC Bayern München FC Schalke 04
01.08.2019
02.12.2019
44
55038
5
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Am nächsten Nachmittag hieß es dann Abschied nehmen. Marita und Peter waren zu Nele gekommen, um sich ebenfalls von ihrem Sohn zu verabschieden. Kurz bevor Manuel sich mit seinem Leihwagen auf den Weg zum Flughafen machen wollte, klingelte es an der Tür. Nele ging zur Tür und öffnete. Marcel stand vor der Tür.
"Marcel? Was machst du denn hier?"
"Hey Nele... Also ich... Ich wollte noch einmal mit Manuel reden."
"Okay. Dann komm rein. Die anderen sind im Wohnzimmer."
Marcel ging ins Wohnzimmer und Nele folgte ihm. Luca saß auf Manuels Schoss und hatte sich an ihn gekuschelt. Seine Augen waren rot vom Weinen. Marcel ging hinter Manuel her und streichelte Luca über den Kopf.
"Hey Kleiner!" Dann stellte er sich neben die beiden. "Manuel, können wir kurz reden?"
Manuel schaute seinen Bruder überrascht an, nickte aber. Als er Luca neben sich setzten wollte, wehrte Luca sich.
"Nein. Ich will bei dir bleiben.", sagte er und fing wieder an zu weinen.
Manuel ließ sich nicht irritieren und setzte ihn neben sich auf die Couch, damit er selber aufstehen konnte. Manuel und Marcel gingen in Neles Schlafzimmer. Als die beiden das Wohnzimmer verlassen hatten, setzte Nele sich neben Luca und nahm in in den Arm.
"Luca, beruhige dich ein bisschen. Manuel und Marcel wollen nur mal in Ruhe miteinander reden. Sie kommen gleich wieder."
"Aber... Aber... Papa fährt... doch... gleich...", schluchzte Luca.
Nele seufzte und gab Luca einen Kuss auf den Kopf. Sie drückte ihn an sich.

In Neles Schlafzimmer:
"Was ist los Marcel?"
"Ich wollte einfach nur noch mal in Ruhe mit dir reden, bevor du wieder fährst."
"In Ordnung. Schieß los!"
"Ich hasse und verachte dich weiterhin für das, was du damals getan hast. Ich will, dass du das weißt."
Manuel schaute vor sich auf den Boden und nickte sachte.
"Aber du bist auch mein Bruder. Ich habe dich die letzten Jahre genauso vermisst, wie alle anderen auch. Mir wird es zwar wahrscheinlich noch länger schwer fallen, zu akzeptieren, dass Nele das anscheinend alles so vergessen kann oder dir verzeihen kann oder was auch immer. Vielleicht werde ich es auch nie akzeptieren. Auf jeden Fall kommt es mir komisch vor, wie ihr beiden mit einander umgeht. Aber ich finde es gut, dass du wieder gekommen bist. Für uns alle. Für Mama, Papa und mich. Aber vor allem für Luca und Nele. Luca hätte schon längst einen Vater gebraucht. Und ich hoffe, du kannst Nele in Bezug auf Luca unterstützen und entlasten. Denn auch wenn in den letzten Jahren Gregor da war, war das nicht das Gleiche. Er ist eben nicht Lucas Vater. Das bist du Manuel. DU ganz allein. Und ich hoffe nur für dich, dass du es nicht noch einmal versaust und ab jetzt für die beiden da bist. Egal was kommt und egal ob es nochmal schwierig werden sollte."
Manuel hob seinen Kopf wieder und schaute seinen Bruder an.
"War das alles?"
Marcel nickte und schaute Manuel in die Augen. Diese waren leicht gerötet. Er hatte wohl versucht seine Tränen zu unterdrücken, was ihm anscheinend nicht so ganz gelungen war.
"Ich will Nele nicht mehr weh tun. Ich will sie nicht mehr alleine lassen. Ich will für sie da sein. Wir wissen beide noch nicht, wie es weiter gehen wird. Es wird nicht leicht werden, das ist uns beiden klar. Aber wir wollen es probieren."
"Habt ihr euch überhaupt keine Gedanken über eine, eure, gemeinsame Zukunft gemacht?"
"Nicht wirklich. Sie sagt, dass ich ihr Zeit lassen soll und dass sie erst einmal hier bleiben will. Sie meinte, dass Luca ja hier in die Schule käme und sie ihren Job hier hätte. Außerdem will sie nicht, dass Luca alle Menschen, die ihm wichtig sind hier so einfach zurück lässt. Ich habe ihr gesagt, dass ich mir auch wieder einen Verein hier in der Nähe suchen könnte, aber das wollte sie auch nicht. Sie meinte, ich sollte nicht meine Karriere wegen ihr und Luca aufs Spiel setzten."
"Du würdest in München wirklich alles für die beiden aufgeben?"
"Ja. Ich habe ihr einmal alles kaputt gemacht. Sie musste wegen mir so viele Opfer bringen. Irgendwann bin ich auch mal dran."
"Aber wenn die es nicht will, solltest du es lassen. Ansonsten könnte es sein, dass sie ziemlich sauer wird."
Manuel nickte nur.
"Und sonst habt ihr über nichts gesprochen. Pläne, Wünsche, Träume?"
"Das einzige, was sie gesagt hat ist, dass sie kein Kind mehr mit mir haben möchte. Und das obwohl wir damals nie wollten, dass Luca ein Einzelkind bleibt."
"Also ich würde jetzt auch nicht als erstes an Kinder denken, wenn ich mich gerade wieder annähern würde."
"Es ging ja auch nicht um jetzt. Sondern einfach um irgendwann. Wenn das irgendwann mit uns wieder besser läuft und wir evtl wieder zusammen wohnen und eine richtige Familie sind. Aber sie meinte irgendwie, dass es dann einen Grund weniger für mich gäbe wieder abzuhauen."
"Sie kann dir eben nicht mehr vertrauen. Und wer weiß, ob sie das überhaupt irgendwann wieder kann. Ich könnte sie verstehen, wenn dieses Misstrauen bestehen bleiben würde."
Manuel nickte. "Ich auch. Ich habe einfach zu viel kaputt gemacht."
Dann ging Marcel auf Manuel zu und nahm ihn in den Arm. Nach kurzem Zögern erwiderte Manuel die Umarmung.
"Ich würde mich auf jeden Fall freuen, wenn wir uns bald wieder sehen würden."
Dann lösten die beiden sich von einander.
"Ich werde dich vermissen Brüderchen."
"Ich dich auch. Aber ich denke, ich muss mal wieder zu Luca. Dem geht es nämlich heute echt nicht gut."
Die beiden verließen das Schlafzimmer und gingen wieder ins Wohnzimmer. Dort war Luca immer noch am weinen. Nele hatte die ganze Zeit, während Manuel und Marcel im Schlafzimmer geredet hatten, versucht ihn wieder zu beruhigen. Leider erfolglos. Als Luca Manuel sah, sprang er auf und rannte zu ihm. Manuel nahm ihn auf den Arm und drückte ihn an sich.
"Nicht weggehen... Bitte nicht wieder weggehen..." Das war das einzige, das Luca von sich gab.
Manuel blickte hilfesuchend zu Nele. Aber dich zuckte nur mit den Schultern.
"Ich komme wieder Luca, versprochen."
"Nicht weggehen..."
Manuel streichelte ihm über den Kopf. Dann stand Peter auf.
"Manuel, du solltest so langsam. Du fährst ja auch noch etwas zum Flughafen und musst den Wagen noch abgeben."
Manuel nickte und lies Luca runter. Hockte sich vor ihn und wurde von Luca sofort wieder umarmt.
"Luca, ich muss jetzt langsam fahren. Sobald ich zuhause bin rufe ich dich an. Und morgen rufst du mich an, bevor du ins Bett gehst und erzählst mir, was du den ganzen Tag mit der Mama gemacht hast."
Luca regte sich nicht und sagte nichts. Manuel stand auf und Luca klammerte sich an sein Bein. Manuel sah sich hilfesuchend um. Marcel kam ihm zur Hilfe und hob Luca hoch. Manuel gab ihm noch einen Kuss auf den Kopf und verabschiedete sich von ihm. Dann verabschiedete er sich auch von Marcel und bedankte sich noch bei ihm. Nele und seine Eltern begleiteten ihn noch zum Auto.
"Mach's gut mein Junge und melde dich, wenn du zuhause bist." Marita nahm ihren Sohn in den Arm und drückte ihm noch einen Kuss auf die Wange.
Auch Peter nahm ihn in den Arm. "Melde dich mal wieder." Dann klopfte er ihm noch auf die Schulter.
Nun wendete Manuel sich Nele zu. Die beiden standen voreinander und sahen sich an. Manuel zog sie in seine Arme.
"Du rufst an, wenn irgendwas ist oder wenn ihr irgendwas braucht."
Nele nickte.
"Und ihr ruft abends an, damit ich noch mit Luca reden kann."
Wieder nickte Nele.
Dann löste Manuel die Umarmung und schaute sie an.
"Ich werde dich vermissen. Aber ich komme so bald wie möglich wieder zu euch."
Nele kamen die Tränen. Manuel wischte sie ihr weg.
"Hey... Nicht weinen. Luca sagst du, er soll aufhören und du fängst hier jetzt an." Manuel musste etwas grinsen und auch Nele fing an zu grinsen.
Dann schauten die beiden sich wieder an und küssten sich. Irgendwann beendete Manuel den Kuss.
"Ich muss jetzt los. Ich melde mich später."
Nele gab Manuel noch einen kurzen Kuss und streichelte über seine Wange. Dann ging sie ein paar Schritte zurück. Manuel ging zum Auto, stieg ein, winkte noch einmal und fuhr dann weg.