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Endlich Perfekt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
24.01.2022
910
1.099.781
138
Alle Kapitel
2.634 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.01.2022 1.268
 
Hallo ihr Lieben,
hattet ihr eine gute Woche? Für mich geht es nun langsam aber sicher auf den Endspurt des Semesters zu und ich habe kaum noch eine freie Minute. Ich hoffe, dass ich trotzdem so schnell wie möglich eure Reviews beantworten kann.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Carlisle gab sich wirklich viel Mühe, mir etwas über das richtige Lernen zu vermitteln.

Er hatte offenbar wirklich viel recherchiert, denn er legte mir aktuelle Studien vor und erklärte mir, wie ich diese für mich nutzen könnte. Außerdem stellte er mir unterschiedliche Techniken vor. Besonders legte er mir die sogenannte Pomodoro-Technik ans Herz, da hier Pausen fest eingeplant waren. Offenbar sorgte er sich noch immer, dass ich zu viel tat und zu wenig auf meinen eigenen Körper hörte. Ich versuchte wirklich, ihm bestmöglich zuzuhören, obwohl es mir wirklich schwerfiel, gedanklich nicht abzudriften.

„Hier, ich habe dir die einzelnen Techniken und Tipps noch mal aufgelistet, damit du das jederzeit nachlesen kannst“, meinte Carlisle abschließend und reichte mir einen Stapel zusammengetackerter Blätter. Dankbar nahm ich diesen an und wollte mich schon erheben, als Carlisle mich zurückhielt.

„Wie du siehst, sind wir zeitlich noch lange nicht am Ende der Sitzung angekommen. Ich habe Verständnis dafür, wenn dir heute nicht danach ist zu reden. Dennoch möchte ich, dass du die verbliebene Zeit sinnvoll nutzt und zwar, indem du dich entspannst. Möchtest du etwas malen oder wäre dir vielleicht eine Fantasiereise lieber?“

Tatsächlich hatte ich bisher noch nie von einer sogenannten Fantasiereise gehört. Carlisle erklärte mir, dass das eine Art geführte Meditation war, die der Entspannung diente. Man durchlebte dabei in Gedanken eine bestimmte Geschichte an einem besonderen Ort. An sich klang das wirklich spannend und ich sagte zu, mich darauf einzulassen.

Carlisle holte mir eine Decke, damit ich mich bequem auf das Sofa legen konnte und kehrte kurz darauf mit einem CD-Player und einer CD zurück. Er bereitete alles vor und wies mich dann an, eine gemütliche Position zu finden und die Augen zu schließen. Neugierig wartete ich auf die ersten Töne. Die Stimme der Frau, die durch die Meditation führte, war wirklich angenehm. Ich konnte ihren Ausführungen richtig gut folgen und sah die Szenerie, die sie beschrieb, vor meinem inneren Auge aufsteigen. Überraschenderweise hatte diese Geschichte auch gar keinen therapeutischen Ansatz, wie ich es anfangs vermutet hatte. Es ging um eine zauberhafte Insel und um einen Delfin, den man im Wasser traf. Am Ende wurde man wieder zum Ausgangspunkt zurückgeführt und eine leise Musik beendete die Meditation.

Langsam öffnete ich die Augen. Tatsächlich fühlte ich mich entspannter als zuvor und auch nicht mehr ganz so traurig. „Wie hast du die Fantasiereise erlebt? Hat sie dir gefallen?“, erkundigte sich Carlisle neugierig. „Ja, es war eine völlig neue Erfahrung, aber das hat mir wirklich gut gefallen. Vielen Dank“, erwiderte ich lächelnd. „Ich bin mir sicher, dass du im Internet noch viele weitere kostenlose Versionen von Fantasiereisen findest. Dann kannst du auch Zuhause spontan eine solche Meditation machen. Natürlich kannst du dir aber auch jederzeit diese CD ausleihen“, bot er zuvorkommend an. Es überraschte mich wirklich, dass mir diese kurze Auszeit weitergeholfen hatte, aber ich würde es nicht hinterfragen. Dafür hatte es mir zu gut getan. Ich wollte den Moment nicht wieder durch meine eigene Unsicherheit zerstören.

Kurz darauf war auch schon das Abendessen fertig. Carlisle stellte mich heute ganz schön auf die Probe. Ich wusste ja, welche Mahlzeiten für die einzelnen Tage vorgesehen waren, aber das hatte ich dann doch irgendwie verdrängt. Die Sahnesauce auf meinem Teller machte mir Angst. Ich versuchte, sie so gut wie möglich von meinen Nudeln tropfen zu lassen, aber leider zeigte sich Carlisle hier nicht so gütig wie sonst. „Bella, mir ist bewusst, was du gerade versuchst. Ich würde dich bitten, dich an die Regeln zu halten und zu versuchen, über deine Grenzen hinauszugehen“, ermahnte er mich sanft.

Es war alles andere als einfach, seiner Bitte nachzukommen. Ich fragte mich, ob es überhaupt irgendwann leichter werden würde oder ob das Essen auf ewig ein Kampf für mich bleiben würde. Aber irgendwie schaffte ich es. In den letzten Monaten hatte ich mich darin geübt, mich zu überwinden und Anas Stimme auszublenden. Es wurde nicht leichter, aber das Verlangen, mich danach zu übergeben oder zu bestrafen wurde weniger. Ob es nur daran lag, dass ich wieder gesund werden wollte, konnte ich nicht sagen, aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mir diese Entwicklung nicht gefiel.

Am Abend überzeugten mich die Cullens, zumindest noch kurz zu bleiben und mit ihnen den Film fertig zu schauen, denn Alice für mich aufgenommen hatte. Am Freitag waren wir ja leider nicht dazu gekommen, ihn ganz anzuschauen. So blieb ich auch nicht zu lange, sodass Charlie hoffentlich auch kein Problem damit hatte. Es war so schön, unbeschwert Zeit mit den Cullens zu verbringen. Sie waren einfach so warmherzig und es war eine Wohltat, einfach ich sein zu können. So war ich jedes Mal fast etwas traurig, wenn ich in meinen Transporter stieg, um nach Hause zu fahren. Vielleicht würde ich später gleich noch eine solche Fantasiereise machen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Erst begrüßte ich Charlie, der wie immer vor dem Fernseher saß und trank. Es widerte mich an, dass er einfach nicht sah, was er sich damit antat. Außerdem schien das Bild der Medien, das diese von Alkoholikern zeichneten, mich in meinem Denken mehr zu beeinflussen, als ich ursprünglich angenommen hatte. Ich schrieb meinem Vater viel mehr schlechte Eigenschaften zu. Er war für mich plötzlich nicht mehr erschöpft nach einem langen Arbeitstag, sondern faul. Ich konnte ihn gar nicht mehr so sehen wie früher und das stimmte mich traurig. Er war doch trotz allem noch mein Vater. Der Mann, bei dem ich früher meine Sommerferien verbracht hatte und bei dem ich zum ersten Mal ohne Stützräder gefahren war.

Seufzend verdrängte ich den Gedanken, ehe ich noch tiefer in die Melancholie abrutschte. So eine Stimmung konnte ich mir nicht erlauben, denn ich brauchte nun meine volle Konzentration, um Jessicas Lektüre zu lesen. Ich hatte nicht mehr viel Zeit, wenn ich das bis Donnerstag fertig haben sollte. Außerdem hatte ich noch nicht mal einen einzigen Satz notiert.

Ich las, bis Carlisle am Abend mit dem Antidepressivum zu mir stieß. „Muss das sein? Ich bekomme davon eh nur Kopfschmerzen“, klagte ich. Ich musste jetzt einfach leistungsfähig sein. „Ich würde es gerne noch bis Sonntag ausprobieren, dann setzen wir das Präparat um“, versicherte mir Carlisle, ehe er mich wieder alleine ließ.

Eigentlich war ich mit der Lektüre schon fast fertig, aber leider hatte ich heute noch einiges zu tun. Neben Jessicas Hausarbeit hatte ich ja auch noch meine eigenen Hausaufgaben zu erledigen und außerdem würden wir am Donnerstag eine wichtige Klausur schreiben. Leider hatte ich bisher noch nicht wirklich die Zeit gehabt, mir den Stoff anzuschauen. Seufzend blickte ich auf den Berg an Arbeit, den ich in meinen Hausaufgabenheft notiert hatte. Wie sollte ich das nur alles schaffen?

Ich beendete die Lektüre und versuchte, meine Hausaufgaben in Rekordzeit zu erledigen. Danach überflog ich den Lernstoff und legte mich endgültig ins Bett. Trotzdem war es schon kurz nach halb drei Uhr morgens. Es hatte nichts gebracht, mich so zu beeilen. Der folgende Tag würde nach dieser Nacht ganz sicher furchtbar anstrengend werden.

Wenigstens hätte ich am Nachmittag kein Therapiegespräch bei den Cullens. So könnte ich den Tag so produktiv wie möglich gestalten. Carlisles Lerntipps klangen zwar gut, aber bei einer Sache war ich mir sicher: Pausen könnte ich mir auch später nicht erlauben.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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