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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
Alle Kapitel
2.534 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.10.2021 1.255
 
Hallo ihr Lieben,
hoffentlich geht es euch allen gut und ihr hattet einen schönen Samstag. Gemeinsam mit meiner Familie habe ich heute noch mal das tolle Wetter genossen und einen Spaziergang durch den Residenzgarten gemacht.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Auch die restlichen Stunden verliefen nicht besser.

Ganz im Gegenteil. Je weniger ich mir anmerken ließ, desto waghalsiger und verletzender wurden die Worte, die ich von den anderen zu hören bekam. Es kostete mich meine ganze Selbstbeherrschung, nicht einfach in Tränen auszubrechen und aus der Schule zu rennen. Am liebsten würde ich diesen Ort nie wieder betreten. Wie konnten Menschen so gemein sein?

Vor allem hatte ich ihnen ja auch gar nichts getan! Wenn überhaupt hätten doch eigentlich nur Jessica und ihre Clique das Recht, gemein zu mir zu sein, nicht aber die gesamte Schule. Also, wenn ihre Geschichte überhaupt wahr gewesen wäre.

Selbst die jüngsten Schüler hatten davon mitbekommen. Hier gab es zwar wenige, die sich trauten, offen gegen mich zu schießen, aber ein paar waghalsige gab es dennoch. Ihre Worte trafen mich allerdings nicht so sehr wie die der zahlreichen größeren Schüler, die in ihren Formulierungen viel perfider und verletzender waren.

Zwischendurch erinnerte ich mich immer wieder krampfhaft an Carlisles Formulierung, dass auch dieser Schultag irgendwann vorbei wäre. Ich zählte Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, bis es endlich zum Schulschluss klingelte. Schon in den letzten Momenten des Unterrichts hatte ich meine Sachen eigepackt, damit ich nun sofort von diesem grauenvollen Ort verschwinden konnte. Ich stürmte fast aus dem Klassenzimmer. Jessica lächelte mir nur schadenfroh zu. Es überraschte mich, dass sie diese Gelegenheit ausließ, um mir noch einen reinzuwürgen, aber ich dachte mir nichts dabei. Hauptsache, ich wäre so schnell wie möglich an meinem Transporter und von hier verschwunden.

Auf dem Weg zu meinem Auto hörte ich wieder das Tuscheln und Lachen. Ganz genau zu wissen, dass es in diesen Gesprächen um mich ging, schmerzte. Früher hatte ich das zwar auch manchmal vermutet, aber ich hatte es eben nicht sicher gewusst und mich damit ablenken können, dass ich meist unter dem Radar blieb und sich das Gespräch bestimmt um etwas anderes gedreht hatte. Leider konnte ich das heute nicht mehr.

Ich runzelte die Stirn, als ich näher kam. Was war das? Als ich langsam die schwarzen, krakeligen Buchstaben entziffern konnte, entfuhr mir ein verzweifeltes Schluchzen. „Thief Swan“ - schon wieder. Probehalber fuhr ich mir dem Finger über die Farbe. Sie war schon getrocknet. Keine Chance, das noch abzubekommen.

„Na Swan, gefällt dir dein neuer Anstrich?“, höhnte plötzlich Blake, der mit ein paar Freunden die Szene beobachtet hatte. Es würde mich nicht wundern, wenn er dafür verantwortlich wäre. „Lass mich in Ruhe“, zischte ich wütend und schloss meinen Transporter auf. Dafür musste ich ihm aber leider meinen Rücken zuwenden. Plötzlich wurde ich so hart an die Türe meines Autos gepresst, dass es mir die Luft aus den Lungen presste. Meine eh schon malträtierten Finger ließen mich vor Schmerz aufzischen. „Merk dir nur gut, was da steht. Hier wird es jedenfalls keiner vergessen“, lachte Blake und im nächsten Moment war ich wieder frei. Ohne mich noch mal umzublicken stieg ich ein, drehte den Schlüssel im Schloss und fuhr eilig vom Parkplatz.

Erst jetzt konnte ich die aufkommenden Gefühle etwas an mich ranlassen. Ich entschloss mich, zu einem Waschplatz in der Nähe zu fahren. Vielleicht würde ich mit etwas Glück die Schrift doch noch entfernen können. So konnte ich nämlich heute Abend nicht nach Hause zu meinem Vater zu fahren. Der Gedanke durchzuckte mich, auf dem Weg einfach mein Auto gegen einen Baum zu fahren. Dann hätte ich praktisch zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mein Auto wäre weg und ich mit etwas Glück ebenfalls.

Dennoch fuhr ich weiter an den Waschplatz und schickte sogar Carlisle eine kurze Nachricht, dass ich noch kurz etwas zu erledigen hatte. In dieser Zeit könnte ich mich auch vielleicht noch etwas sammeln. Bei den Cullens würde ich dann also vielleicht nicht sofort in Tränen ausbrechen.

Ich warf den ersten Dollar in das Gerät und begann, mit einem Hochdruckreiniger mein Auto abzuspritzen. Nichts tat sich. Auch als ich nochmals Geld einwarf, um ein spezielles Reinigungsmittel verwenden zu können, bleib die Farbe haften. Bestimmt hatten sie eine Sprühdose verwendet. Leider kannte ich mich mit diesen Dingen gar nicht aus, aber ich hatte gehofft, mit dem Waschen zumindest etwas erreichen zu können. Frustriert seufzte ich und hängte die Geräte wieder zurück.

Ich starrte auf die krakeligen schwarzen Buchstaben und mir kamen unweigerlich die Tränen. Alles, was ich in der Schule hatte zurückhalten müssen, brach nun aus mir heraus. Die Schrift verschwamm vor meinen Augen und ich umarmte mich selbst. Der Tag war einfach zu viel für mich gewesen.

„Hier steckst du also.“ Carlisles Stimme war so sanft wie eh und je, aber ich hörte den seelischen Schmerz nur zu deutlich heraus. Er wusste, was heute alles passiert war. Oder zumindest den Großteil davon. Hatte Alice es ihm erzählt? Als ich mich zu ihm drehte, erkannte ich ihn nur schemenhaft. Die Tränen wollten einfach nicht aufhören zu fließen. In einer hilflosen Geste hielt ich mir die Hände vors Gesicht, um wenigstens nicht ganz so verzweifelt zu wirken. In der nächsten Sekunde spürte ich, wie Carlisle ganz sachte und vorsichtig seine Arme um mich legte. Erschöpft ließ ich mich an seinen kalten Körper sinken.

„Ich will nie wieder in diese Schule zurück. Ich kann das nicht aushalten“, schluchzte ich. Alleine die Vorstellung, dass ich noch mehr als die Hälfte des Jahres so zubringen müsste, ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen und mich erzittern. Lieber würde ich sterben, als das Tag für Tag erleben zu müssen. Diesmal meinte ich es ernst. „Wir reden später darüber und finden eine Lösung“, versprach Carlisle. Aber gab es dafür überhaupt eine Lösung? „Ich brauche gar keinen Abschluss“, fügte ich noch hinzu, aber diesmal reagierte er nicht darauf.

Wir standen eine ganze Weile so da, bis sich das schlechte Gewissen in mir breitmachte und ich langsam einen Schritt zurückging. Diese Schwäche durfte ich mir gar nicht erlauben. „Wir fahren erst mal in ein Fachgeschäft und besorgen eine passende Farbe. Rosalie wird sich später um dein Auto kümmern. Sie kennt sich gut damit aus. Dann fahren wir nach Hause und du kannst mir in Ruhe erzählen, was sich heute alles zugetragen hat“, schlug Carlisle vor. Wie selbstverständlich nahm er mir meinen Schlüssel ab und führte mich zur Beifahrerseite, um mir beim Einsteigen zu helfen.

Ich lehnte meinen Kopf an die kühle Fensterscheibe und starrte teilnahmslos hinaus, während Carlisle sich um alles kümmerte. Als er im Laden alleine die richtige Farbe auswählte, hatte ich noch nicht mal aufgeblickt. Ich war viel zu sehr in der Mischung aus Schmerz und abgrundtiefer Verzweiflung gefangen. Hatte Carlisle nicht irgendein Medikament, das diese Gefühle vertreiben konnte? Es zermürbte mich und machte mich fertig. Ich wusste nicht, wie ich weitermachen sollte, würde sich daran nichts ändern.

Erst am Haus der Cullens wurde ich mir meiner Umgebung wieder gewahr. Als Carlisle die Autotüre für mich öffnete, ließ ich mich schwer von meinem Sitz gleiten. Carlisle stützte mich auch, als ich beinahe umgeknickt wäre. Gerade fehlte mir einfach die Kraft, um überhaupt irgendetwas zu tun.

„Ich glaube, dass Alice dir ein Bad einlassen wollte, damit du erst mal etwas entspannen kannst. Wäre dir das recht?“ Teilnahmslos nickte ich. Es war mir egal. Nichts würde mir in dieser Situation wirklich weiterhelfen können.

Nichts, außer einer Klinge.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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