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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
Alle Kapitel
2.534 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
10.10.2021 1.316
 
Hallo ihr Lieben,
hoffentlich konntet ihr das Wochenende über etwas entspannen und neue Kraft tanken. Bestimmt könnt ihr morgen dann auch voller Energie in eine neue Woche starten.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Carlisle. Immer wieder Carlisle.

Mein Blick fiel auf das zusammengerollte Handtuch, das er bei sich hatte. „Du hast mir mal in einem Gespräch erzählt, dass dir das eigentlich ganz gut geholfen hast und da du aktuell nichts geeignetes zu finden scheinst, habe ich mir gedacht, dass dir das vielleicht weiterhelfen könnte“, erklärte er mit einem wissenden Blick auf meine Kiste.

In mir kam der Impuls hoch, sein Angebot abzulehnen und zu behaupten, dass alles in Ordnung war und ich keinerlei Skill brauchte. Ich kämpfte dagegen an. Das wäre schließlich schon wieder gelogen und die Cullens hatten die Wahrheit verdient. „Danke“, murmelte ich also und ging ihm einen Schritt entgegen, um etwas peinlich berührt das Handtuch entgegen zu nehmen.

„Das ist ja fast kalt“, bemerkte ich überrascht, als ich es an mich nahm. „Ist es das? Verzeih, ich wollte es nur nicht zu heiß machen“, erwiderte Carlisle sofort und ich merkte ihm an, dass er das nicht nur so sagte. Probehalber legte ich das Handtuch auf meine Haut. So würde es mir ganz sicher nicht helfen. „Wollen wir zusammen nach unten gehen? Dann kannst du mir zeigen, wie man es richtig macht. Dann kann ich beim nächsten Mal sogar eine echte Unterstützung sein“, fügte Carlisle zum Ende hin leicht scherzhaft hinzu. Ich erwiderte sein Lächeln und ging voran in die Küche. Zum Glück begegneten wir niemanden. Dann hätte ich das Handtuch vermutlich versteckt und so getan, als wäre ich wegen etwas ganz anderem dort. Es war mir nach wie vor schrecklich unangenehm, mich nicht besser unter Kontrolle zu haben. Warum musste ich auch nur so auf die Skills angewiesen sein?

Während wir warteten, dass das Wasser zu kochen begann, musterte mich Carlisle unauffällig. „Willst du mir vielleicht erzählen, warum du nun den Drang verspürst, dich selbst zu verletzen?“, fragte er nach einer Weile. „Hast du nicht vorhin erst gesagt, dass du eigentlich schon weißt, was das Problem ist?“, konfrontierte ich ihn mit seinen eigenen Worten. „Vielleicht wollte ich dich auch einfach nur etwas aus der Reserve locken? Ich kann mir natürlich denken, dass es etwas mit den Zahlen auf der Waage zu tun hat, aber ich weiß es eben nicht sicher, weil es hier um dich geht. Nur du kannst Licht ins Dunkel bringen“, spielte er schließlich den Ball zurück zu mir. Mein Blick huschte zum Wasserkocher. Warum dauerte das auch so lange?

Carlisles Nachfrage erschien mir trotz allem aufrichtig. Vielleicht war das auch der Grund, warum ich ihm überhaupt antwortete. „Ich... Natürlich wusste ich, dass ich insgesamt schon eine ganze Menge zugenommen habe, aber bis ich das… die Zahlen gerade eben gesehen habe, hatte ich nie realisiert, wie nah ich deinem Ziel schon gekommen bin. Ich weiß, dass ich mich darüber eigentlich freuen sollte und ich will ja auch mein normales Leben wiederhaben, aber trotzdem…Und das Ergebnis dann im Badezimmerspiegel zu sehen… Ich kann mich gerade einfach selbst nicht ertragen“, seufzte ich. Es fiel mir äußerst schwer, die Worte laut auszusprechen, aber kaum war das geschafft, fühlte ich mich wieder besser. Vermutlich lag es daran, dass ich sah, wie sehr Carlisle meine ehrlichen Worte schätzte.

„Ich kann nachvollziehen, dass das erschreckend für dich war, vor allem weil ich glaube, dass du dich in der letzten Zeit nicht besonders intensiv mit dir selbst auseinandergesetzt hast. Dir hat nicht gefallen, was du im Spiegel gesehen hast?“ Ich spürte, dass Carlisle eigentlich noch tiefer in das Gespräch einsteigen wollte, aber glücklicherweise zeigte ein klackendes Geräusch nun an, dass das Wasser fertig aufgekocht war.

Erleichtert nahm ich den Wasserkocher an mich und legte das Handtuch ins Spülbecken, um es mit der kochenden Flüssigkeit zu übergießen. Carlisle trat einen Schritt näher an mich heran, um genau beobachten zu können, wie ich vorging. „Man muss noch kurz warten“, erklärte ich. Der Wasserdampf stieg in Schwaden nach oben. Würde ich das Handtuch jetzt an mich nehmen, würde ich mich verbrennen. An sich eine verlockende Vorstellung, aber hier direkt neben Carlisle würde das wohl so oder so nicht funktionieren. Lobend nickte Carlisle und schien ganz froh zu sein, dass ich diesen Skill nicht dazu missbrauchte, mir doch noch in irgendeiner Form Erleichterung zu verschaffen.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dich nach oben begleite?“, erkundigte er sich vorsichtig. Er schien zu wissen, dass mir das gegen den Strich ging. Warum sollte ich ihn dabei auch mitnehmen? Ich stellte meine Frage laut und wartete gespannt auf Carlisles Antwort. Diese Momente waren für mich schließlich schon schwer genug. Warum sollte ich ihm erlauben, das mit anzusehen? „Es geht darum, dass du dich in schweren Situationen immer zurückziehst und Hilfe von dir stößt. Ich denke, dass es gerade aber ganz hilfreich sein könnte, wenn du nicht alleine bleibst“, erklärte Carlisle. Dennoch vermutete ich, dass er dadurch noch viel mehr über mich erfahren würde. Seufzend nickte ich, behielt mir aber vor, diesen Versuch jederzeit abbrechen zu können, wenn es mir zu viel wurde.

„Ich will auch gar nicht reden, nur für dich da sein, wenn du das möchtest und dir helfen, egal wie“, versicherte er mir beruhigend, als wir die Stufen nach oben gingen. Derweil wechselte ich das Handtuch in meinen Händen hin und her. Es war noch ziemlich heiß und würde mir daher hoffentlich schnell etwas Linderung verschaffen. Als wir jedoch gemeinsam in meinem Zimmer standen, bereute ich meinen Mut plötzlich. Wie sollte ich das hinbekommen? Ich würde mich doch auch nicht einfach vor Carlisle verletzen, also warum dann das? Außerdem war es für mich immer noch ein Zeichen von Schwäche, diese Skills anzuwenden. Sie waren ein Zeichen dafür, dass ich es ohne einen gewissen Schmerz eben nicht schaffte, meinen Alltag zu bestreiten.

„Kannst du dich vielleicht umdrehen?“, bat ich Carlisle mit wackeliger Stimme. Sofort leistete er meiner Bitte Folge und ich drehte mich meinerseits um. So wirkte es so, als wäre er gar nicht hier. Schnell zog ich meinen Ärmel nach oben, damit das Handtuch nicht schon wieder kalt werden würde. Entschlossen drückte ich es auf meine Haut und konnte nur mit großer Anstrengung ein schmerzvolles Aufstöhnen vermeiden. Ich musste das Handtuch wieder hochnehmen, bevor ich es erneut auf meinen Unterarm drückte. Es tat gut, den heißen Schmerz zu spüren und zu sehen, wie sich meine Haut beinahe sofort rötlich färbte. Ein letztes Mal presste ich das Handtuch ganz besonders lange auf meine Haut, bis ich es nicht mehr aushalten konnte. Danach war die Macht dieses Skills tatsächlich auch schon verflogen.

Etwas peinlich berührt drehte ich mich wieder zu Carlisle um und zog meinen Ärmel wieder nach unten. Ich räusperte mich und mit einem liebevollen Blick wandte sich Carlisle mir zu. „Darf ich noch etwas bei dir bleiben und dir beistehen?“, bat er mich vorsichtig und ich nickte. Nun war seine Bitte weniger schlimm für mich. Nur diese düsteren Momente teilte ich ungerne. „Was willst du nun machen?“, erkundigte sich Carlisle. Ein trauriges Lächeln huschte über meine Züge. Er dachte wirklich, dass ich nun in der Lage war, auch nur irgendetwas zu tun und mich dadurch am besten sogar noch von diesem Verlangen abzulenken. Er hatte keine Ahnung.

„Ich… werde mich einfach in mein Bett kuscheln“, antwortete ich und tat, was ich angekündigt hatte. Carlisle schlug glücklicherweise nichts anderes vor, sondern akzeptierte, wie ich damit umging. Ich hüllte mich sitzend in meine Decke ein und starrte aus dem Fenster. Minuten vergingen, ohne dass ich auch nur ein Wort verlor.

„Weißt du, manchmal fühlt es sich so an, als würde es nie besser werden. So wie gerade, als ich die Zahlen gesehen habe. Und das Schlimmste in diesen Momenten ist, dass ich weiß, dass ich trotzdem weitermachen muss...“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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