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Endlich Perfekt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
20.01.2022
906
1.094.551
138
Alle Kapitel
2.622 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.10.2021 1.237
 
Hallo ihr Lieben,
vielen lieben Dank für eure tollen Rückmeldungen zum gestrigen Kapitel! Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut! Hattet ihr denn heute einen schönen Samstag?
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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„Bella“, stieß Carlisle emotional aus und nahm meine Hände in seine. „Niemals würde ich dich wegen eines Rückfalls wegstoßen. Wir haben doch von Beginn an festgehalten, dass es Tage geben wird, an denen es dir schlechter geht. Das ist ein ganz normaler Teil des Prozesses. Nur weil du gerade eine schwere Phase durchmachst, wird dich niemand abweisen. Ganz im Gegenteil: Ich wäre nun gerne ganz besonders für dich da, damit du genau die Unterstützung bekommst, die du gerade brauchst“, betonte er bedeutungsschwer.

„Aber…“, stotterte ich. Es kam mir einfach so unglaublich vor, dass er wirklich derart viel Geduld für mich aufbringen konnte. „Nichts aber. Bella, Rückschläge sind vollkommen normal. Deswegen brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen“, betonte er erneut. „Ich habe aber doch so viel falsch gemacht“, wandte ich vorsichtig ein. Zwar wollte ich Carlisle nicht vom Gegenteil überzeugen, aber es wunderte mich einfach, dass er so verständnisvoll war trotz der ganzen Dinge, die in den letzten Tagen vorgefallen sind.

„Das ist eben gerade eine schwierige Phase für dich und das ist okay. Bitte lass mich einfach für dich da sein und hinterfrage es nicht, in Ordnung?“ Zögerlich nickte ich. So ganz traute ich der Situation zwar nach wie vor nicht, aber es klang recht vielversprechend. Vielleicht würde ich ja wirklich ohne größere Konsequenzen aus dieser Sache gehen.

Carlisle wiederholte seine Bitte, mich nun erst mal zu wiegen und nachdem er mir versichert hatte, dass das Ergebnis nichts an seiner Einstellung ändern würde, fügte ich mich. Trotzdem war es mir heute wieder besonders unangenehm nur in dem luftigen Bademantel vor ihm auf die Waage zu steigen. Hoffentlich wäre es nicht allzu schlimm. Nicht, dass Carlisle seine Meinung dann doch noch mal änderte.

„Mach dir keine Sorgen“, beruhigte mich Carlisle. Nichtsdestotrotz stellte ich mich heute zum ersten Mal seit Langem wieder mit dem Gesicht zur Waage. Ich musste das Ergebnis sehen, damit ich einschätzen konnte, wie Carlisle reagieren würde. Wenn es sehr schlimm war, wüsste ich wenigstens Bescheid und könnte es dann besser verstehen, wenn er mich anders behandeln würde. „Bist du sicher, dass du das Ergebnis sehen möchtest? Nicht, dass dich die Abnahme dazu verleitet, wieder in alte Muster zu verfallen“, regte Carlisle an, aber ich schüttelte eisern den Kopf und stieg mutig auf die Fläche.

Ich sah die Zahl und ich wusste auch, dass ich abgenommen hatte, aber es fühlte sich nicht so an. Ganz im Gegenteil. Eine derart hohe Zahl hatte ich noch nie dort gesehen. Auch nicht, als ich gerade erst begonnen hatte, auf mein Gewicht zu achten.

„Ich…“, setzte ich an, verstummte aber. Der Schock trieb mir die Tränen in die Augen. Eilig huschte ich von der Waage und zurück ins schützende Badezimmer. Ich drehte den Schlüssel im Schloss, um mir etwas mehr trügerische Sicherheit zu erkaufen. Wie konnte es nur sein, dass mich diese Zahl nun so überrumpelte? Carlisle legte doch Wert darauf, dass ich einen Überblick über mein Gewicht hatte. Es sollte doch eigentlich keine Überraschung für mich sein, aber es tat ungeahnt weh. Ich versuchte, das Bild aus meinem Kopf zu verbannen. Schon jetzt fragte ich mich, ob ich mich nicht vielleicht getäuscht hatte und doch vielleicht eine niedrigere Zahl auf dem Display gestanden hatte. Hatte ich wirklich schon so viel zugenommen?

Ängstlich suchte ich zum ersten Mal seit Wochen mein eigenes Spiegelbild. Natürlich hatte ich zugenommen, trotz allem. Ich… ich sah einfach fürchterlich aus. Mein Gesicht war total aufgedunsen und sofort wurde mir wieder schlagartig bewusst, warum ich in der letzten Zeit den Blick in den Spiegel derart vermieden hatte. Ich war meinem – oder besser gesagt Carlisles – Ziel schon recht nah. Oder hatte ich es sogar schon überschritten?

„Bella?“, hörte ich Carlisles fragende Stimme auf der anderen Seite der Badezimmertüre. Er klang besorgt. „Schon gut, ich komme sofort“, antwortete ich heiser und versuchte derweil krampfhaft, die Tränen zurückzudrängen. Ich durfte jetzt nicht schwach werden. „Ist alles in Ordnung?“, hakte Carlisle nach. „Ja, alles gut. Ich brauche nur noch einen kurzen Moment“, antwortete ich hektisch und begann, mich endlich wieder umzuziehen und diesen grauenvollen Körper zu verhüllen. Was hatte ich mir nur angetan?

Im Spiegel übte ich noch kurz mein Lächeln, ehe ich die Türe öffnete. Wie zu erwarten begegnete mir dabei sofort Carlisles investigativer Blick. Er sagte nichts, aber ich merkte ihm an, dass er jede noch so kleine Bewegung meinerseits genau beobachtete. Gemeinsam begaben wir uns wieder zurück in die Bibliothek und setzten uns einander gegenüber.

„War das Ergebnis für dich überraschend?“, erkundigte sich Carlisle. Er schien zu wissen, dass etwas nicht stimmte. „Nein, also eigentlich sollte ich es ja wissen…“ Meine Stimme verlor sich. Jedes Wort war zu viel, zu anstrengend. Wie…? Es warf mich noch immer aus der Bahn, dass ich tatsächlich schon so viel wog. „Vielleicht ist das so, aber ich denke, dass dich das gerade trotzdem sehr beschäftigt. Was geht dir durch den Kopf? Ich glaube nicht, dass alles okay ist“, hakte Carlisle nach. Ich mochte es nicht, wenn er meine Antworten Lügen strafte. Ja, es war gar nichts okay, aber ich wusste gerade doch selbst nicht mal, was ich überhaupt denken sollte.

„Kann ich gehen? Ich… würde das gerne erst mal für mich selbst durchdenken“, murmelte ich leise. Ich sah Carlisle an, wie wenig er diese Momente mochte. Manchmal dachte ich mir, dass er es insgeheim bereute, mir damals diesen Ausweg zugesichert zu haben. „Du weißt, dass ich es nicht gutheiße, wenn du alles mit dir alleine ausmachen willst, aber ich werde dich nicht zwingen zu bleiben. Ich will nur nicht, dass du jetzt Sport machst.“ „Aber warum nicht?“ Sport wäre immerhin eine gute Möglichkeit gewesen mir ein besseres Gefühl zu verschaffen. „Weil ich mir denken kann, wo das Problem liegt. Ich werde dich jetzt nicht in alte Muster zurückfallen lassen Bella. Wir können reden oder du kannst die Skills anwenden oder auf deine eigene Art damit umgehen. Aber du wirst weder hungern noch Sport machen. Ich werde nicht zulassen, dass du deswegen wieder tiefer reinrutscht. Wir schaffen das, versprochen.“

Ich wusste nicht, was ich darauf überhaupt erwidern sollte, also nahm ich einfach nur schnell meinen Kaffee an mich und verschwand so schnell es mir möglich war aus diesem Raum. Irgendwie war er eh viel zu klein. Mir schien die Luft wegzubleiben. Ich wollte mich erst mal einfach nur in meinem Zimmer verkriechen, um mir etwas Zeit zu geben, diese neue Situation zu verstehen.

Ich wog also tatsächlich schon so viel. Ich hatte mir nicht nur eingebildet, dass ich derart viel zugenommen hatte. Das lag also nicht an meiner verschobenen Wahrnehmung oder Körperschemastörung, wie Carlisle es bezeichnete.

Diese Tatsache war für mich kaum zu ertragen, aber ich wusste einfach nicht, was ich jetzt tun sollte. Sport oder Selbstverletzung wären nun das Mittel meiner Wahl gewesen, um schnell etwas Linderung zu erfahren, aber logischerweise war das raus. Ich musste eine andere Möglichkeit finden. Frustriert kramte ich in der Kiste mit meinen Skills, aber keiner der Gegenstände schien mich nun besonders anzusprechen. Wie es aussah, war ich nun auf mich alleine gestellt.

Ein Klopfen an meiner Türe ließ mich herumfahren. „Willst du es vielleicht mal damit probieren?“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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