Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
Alle Kapitel
2.534 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
08.10.2021 1.381
 
Hallo ihr Lieben,
herzlich willkommen zum 800. Kapitel! Ist das nicht eine unglaubliche Zahl? Als ich mit dieser Geschichte begonnen habe, hätte ich nie gedacht, dass wir es zusammen so weit schaffen würden. Von Herzen vielen Dank für eure tägliche Unterstützung, sei es in Form von Klicks oder Reviews! Der Austausch mit euch bedeutet mir so viel und ich bin so dankbar, euch alle an meiner Seite zu haben. Ich hoffe, dass ihr mich noch lange auf diesem Weg begleitet!
Nun wünsche ich euch aber ganz viel Spaß beim Lesen!

**************************************************************************


Rosalie entschied schlussendlich nach einem kurzen Telefonat mit mir, dass es kein Problem wäre, wenn ich bis morgen früh mit dem Essen wartete, solange jemand bei mir blieb. Am liebsten wäre es mir zwar gewesen alleine leiben zu können, aber ich konnte nachvollziehen, dass es nicht ging. Immerhin durfte ich überhaupt mein eigenes Ding machen.

Rosalie hatte mir extra noch mal am Telefon versichert, dass sie Carlisle nichts erzählen würde, sodass ich das morgen selbst erledigen konnte. Ich hoffte, dass er dann auch etwas milder reagieren würde. Jasper und ich verbrachten anschließend noch einen ganz schönen Abend zusammen.

Am nächsten Morgen erklärte ich ihm, dass ich erst bei den Cullens frühstücken würde. Zähneknirschend duldete Jasper meine Entscheidung, verlangte aber, dass er fahren würde. Darauf konnte ich mich guten Gewissens einlassen.

Am Haus der Cullens angekommen verließ er mich, damit ich selbst auf Carlisle zugehen konnte und er nicht gleich Verdacht schöpfen würde. Als ich aber im Wohnzimmer stand, war ich mir plötzlich gar nicht mal mehr so sicher, ob ich ihn überhaupt einweihen wollte. Vielleicht würde ich das ja auch ganz einfach alleine wieder in den Griff bekommen.

„Hast du schon gefrühstückt?“, erkundigte sich Carlisle nach einer kurzen Begrüßung. Insgesamt war er nicht sonderlich überrascht von meinem Auftauchen, daher schloss ich, dass Jasper ihm bereits erzählt haben musste, dass Charlie unser gemeinsames Wochenende vergessen hatte. Ehe ich etwas dagegen tun konnte, antwortete ich: „Ja, habe ich. Danke.“ Mir fiel erst auf, dass ich schon wieder gelogen hatte, als es schon längst zu spät war.

„Ich mache mir mal einen Kaffee“, stotterte ich in der Hoffnung, mich dann etwas sammeln zu können. Was war nur los mit mir? Eigentlich war ich doch gekommen um ehrlich zu sein und nun hatte ich mich gleich schon wieder in die nächste Lüge verstrickt. Der Kaffee lief gerade gut duftend in die Tasse, als ich Schritte hinter mir zum Stehen kommen hörte. Ich spürte bereits, wie mein Kreislauf unter dem Hunger zu leiden begann, daher drehte ich mich möglichst langsam zu Carlisle um. Nicht, dass er meine Desorientiertheit und meinen Schwindel sofort bemerken würde. Ich hatte mir vorgenommen, ihm selbst davon zu erzählen.

„Bella, darf ich dich etwas fragen?“, bat mich Carlisle. Sofort schrillten bei mir alle Alarmglocken. Irgendetwas stimmte nicht. Carlisle schien etwas zu wissen. Nur was? Erschrocken nickte ich. Meine zitternde Stimme würde ihm sofort verraten, dass er auf der richtigen Spur war. „Als ich heute Morgen deinen Smoothie in den Kühlschrank gestellt habe, war darin noch dein gestriges Mittagessen zu sehen. Alice meinte, dass du abends mit Charlie kochen wolltest, aber ich habe nur einen Pizzakarton auf der Anrichte gefunden. Einen einzigen.“ Eigentlich musste Carlisle gar nichts mehr sagen. Ich war so was von geliefert. Unsicher suchte ich nach den richtigen Worten. „Das… Ich…“

„Bella wollte genau das mit dir besprechen“, schaltete sich plötzlich Jasper ein, der in diesem Moment in der Küche auftauchte. Carlisle bedeutete ihm weiterzureden. „Bella hat mich gestern angerufen und war ziemlich aufgelöst wegen der Sache mit Charlie. Sie hat mir in dem Zug auch erzählt, dass sie diese Tendenzen bemerkt hat, sich aber nicht dagegen wehren konnte und es einfach immer wieder passiert ist.“ Jasper schenkte mir einen fragenden Blick und ich deutete ein knappes Nicken an. Er sollte nur alles erzählen, wenn Carlisle dann vielleicht nicht allzu sauer wäre. „Sie wollte es dir lieber selbst sagen, aber nicht gestern. Bella hatte Angst, damit deine Geduld überzustrapazieren. Nach dem Desaster mit ihrem Vater wollte sie das nicht riskieren“, merkte er noch an, bevor er einen Schritt zurücktrat und damit subtil andeutete, dass er alles Nötige gesagt hatte.

„Okay, das kann ich verstehen. Wollen wir uns darüber vielleicht an einem geeigneteren Ort weiter unterhalten?“, schlug Carlisle diplomatisch vor. Natürlich war mir direkt bewusst, dass er damit auf die Bibliothek anspielte. Ich nickte, warf noch einen letzten, ängstlichen Blick hinüber zu Jasper und ging dann langsam mit meiner Kaffeetasse die Treppen nach oben. Viel schneller hätte ich so oder so nicht gehen können. Meine Welt begann zu schwanken und sich zu drehen. Vermutlich war es gar nicht mal so schlecht, dass Jasper darauf bestanden hatte zu fahren.

Als ich mich auf das Sofa fallen ließ, erschrak ich. Beinahe hätte ich mich daneben gesetzt. Natürlich bemerkte ich auch Carlisles Blick. Es fühlte sich so an, als würde ich versuchen, etwas Verbotenes wie Alkohol getrunken zu haben vor ihm zu verheimlichen, obwohl es offensichtlich war. Dennoch wollte ich nicht zugeben, dass ich wieder gehungert hatte.

„Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid“, begann ich. Für einen Moment überlegte Carlisle, was er darauf erwidern sollte. „Warum hattest du das Bedürfnis, nicht zu essen?“, fragte er schließlich. „Ich wollte die Kontrolle zurück. Jessica hat alles aus der Bahn geworfen und ich hatte es noch nicht mal in der Hand, das Problem zu lösen. Ich hatte das Gefühl, dass ich nichts richtig machen kann und alles, was in meinem Leben geschieht, von anderen bestimmt wird. Wie meinem Vater oder Jessica… oder euch“, antwortete ich kleinlaut.

„Hast du versucht, irgendwie dagegen anzukämpfen?“, erkundigte er sich. Carlisle wollte offenbar auf etwas ganz Bestimmtes hinaus, aber ich konnte mir noch nicht erklären, was. „Ich… nicht wirklich“, seufzte ich. Dann fiel mir aber etwas ein. Vielleicht würde das helfen: „Zumindest nicht, was das Essen betrifft. Aber ich… Es hatte sich so ein Druck aufgebaut und mit dem neuen Igelball und den frischen Wunden… Aber ich habe aufgehört und Jasper angerufen, obwohl ich dafür nach unten in die Küche musste“, fügte ich noch hinzu. Vielleicht wäre Carlisle wirklich gnädig. Er wirkte so… anders. So ernst.

„In Ordnung. Ich würde sagen, wir wiegen dich erst mal und dann schauen wir weiter.“ „Nein“, rutschte es mir heraus. Wiegen? Jetzt?! „Warum nicht? Spricht etwas dagegen?“ Ich wusste schon, worauf Carlisle anspielte, aber das war es nicht mal. „Ich…“ Mir fiel nichts ein, was ich nun auf seine Nachfrage erwidern konnte. „Bella? Möchtest du mir noch etwas sagen?“ „Ich habe nichts getan!“, protestierte ich. „Ich verstehe nicht, warum du dich so dagegen sträubst. Sollte dir das Wiegen nach dem Hungern nicht leichter fallen?“ Ich verstand, wie Carlisle darauf kam, aber es stimmte nun mal nicht. Oder zumindest nicht in dieser Situation. Gerade wollte ich am liebsten einfach im Erdboden versinken. Warum ausgerechnet heute?

„Heute ist ja aber doch gar nicht Mittwoch“, führte ich kleinlaut an. Carlisle setzte sich wieder. „Bella, irgendetwas stimmt hier nicht. Es wäre mir wirklich lieber, wenn du es mir jetzt sagen würdest“, sagte er und legte dabei etwas seiner ärztlichen Strenge in seine Stimme. Er war vollkommen auf dem Holzweg, aber ich könnte ihn vermutlich nicht davon abbringen, ohne die Karten offen auf den Tisch zu legen. Wieder musste ich alles riskieren. Sonst hätte ich gleich verloren.

„Aarrrgh“, stieß ich aus und raufte mir die Haare. „Du verstehst es einfach nicht!“, brach es aus mir heraus. „Ich weiß doch selbst, dass ich bestimmt einiges abgenommen habe – ich bin doch nicht blöd. Und ich weiß auch, dass das falsch ist. Und, dass ich in den letzten Wochen einfach viel zu viel falsch gemacht habe. Erst am Dienstag bin ich im Krankenhaus gelandet. Natürlich nimmst du das nicht auf die leichte Schulter. Und wenn du jetzt auch noch siehst, wie sehr ich in meine alten Muster zurückgefallen bin, ist es einfach zu viel. Ich will nicht, dass ich deswegen alles verliere. Ich verspreche dir, dass ich das wieder hinbekomme. Aber bitte, bitte stoß mich deswegen jetzt nicht weg. Bitte, Carlisle.“

Ich blickte ihn an, Tränen schwammen in meinen Augen. Ich hatte schon wieder alles kaputt gemacht. Und vielleicht hatte ich mit dieser Offenbarung auch meinen letzten rettenden Strohhalm zerstört.



**************************************************************************

Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast