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Endlich Perfekt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
23.01.2022
909
1.098.467
138
Alle Kapitel
2.633 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.10.2021 1.262
 
Hallo ihr Lieben,
hattet ihr bisher eine gute Woche? Ich finde es toll, wieder an der Uni zu sein und mit den ganzen Projekten zu beginnen. Irgendwie ist es aber auch echt ungewohnt, plötzlich wieder mit so vielen Menschen zusammen zu sein.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Schnell huschte ich wieder nach oben und verkroch mich in meinem Zimmer. Ich hoffte darauf, dass Jasper möglichst schnell kam. Ich wusste nicht, ob ich es noch lange aushalten könnte, ohne mich selbst in irgendeiner Form zu verletzen.

Mühevoll versuchte ich, mich irgendwie von diesen Gedanken abzulenken. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Jasper hier ankommen würde und ich mich gerade verletzt hatte. Ich zählte einfach die Sekunden und betete, dass Jasper so schnell wie möglich hier wäre.

Zweihundertvierundvierzig, zweihundertfünfundvierzig, … Ein Rütteln am Fenster ließ mich aufblicken. Endlich! Erleichtert sprang ich aus meiner kauernden Haltung auf und lief Jasper entgegen, um ihm das Fenster zu öffnen. Sofort zog mich Jasper in eine beschützende Umarmung. Er schien schon zu spüren, dass etwas ganz und gar nicht so lief, wie es sollte.

„Was ist passiert? Ist etwas vorgefallen?“, erkundigte er sich besorgt. Ich wusste noch nicht mal, was ich antworten sollte. Es tat einfach so weh, dass mein Vater unser gemeinsames Wochenende einfach vergessen hatte. „Kannst du mir bitte helfen? Ich schaff das einfach nicht mehr“, schluchzte ich verzweifelt. „Komm, wir setzen uns erst mal und reden. Was ist denn überhaupt los?“, meinte Jasper und führte mich langsam zum Bett. Er schien sich erst mal ein genaues Bild von der Situation machen zu wollen, ehe er sich dazu äußern würde. Irgendwie verständlich. Dennoch benötigte ich erst mal seine Gabe, um überhaupt mal wieder einen klaren Kopf fassen zu können. „Kannst du erst mal…?“, deutete ich an.

Jasper sah aus, als hätte er auf etwas ausgesprochen Saures gebissen. „Ich versuche es schon, aber deine Emotionen sind einfach viel zu stark.“ Kapitulierend nickte ich. Dann musste ich es also so schaffen. „Ich… Es geht einfach alles den Bach runter. Ich mache alles kaputt“, schniefte ich. „Wie…?“ Jasper schien den Zusammenhang nicht zu verstehen. „Ich sollte eigentlich froh sein, dass Emmett und Carlisle diese Katastrophe abwenden konnten, aber ich…“ Seufzend brach ich ab. Mir ging so viel durch den Kopf, dass ich erst mal meine Gedanken ordnen musste.

„Es ist nicht nur die Sache mit Charlie, sondern generell. Ich merke, dass ich dabei bin, alles zu verlieren“, führte ich zusammenhangslos fort. Ich erklärte die Sache mit Charlie erst mal nicht weiter. Irgendwie war es mir nun doch peinlich, dass mich mein Vater vergessen hatte. Bestimmt würde Jasper denken, dass es an seinem Alkoholproblem lag, aber bestimmt hatte mein Vater einen triftigen Grund für sein Verhalten. Es musste einfach so sein!

„Ich spüre, dass es wieder so wird wie früher. Ich… ich habe noch nichts gegessen und anstatt, dass ich Carlisle einweihe, lüge ich Alice an, um irgendwie damit durchzukommen. Und dann will ich den Schmerz wegnehmen und bin drauf und dran, Carlisles Arbeit zunichte zu machen.“ Langsam schien Jasper zu verstehen, wo mein Problem lag. „Ich finde es gut, dass du erkannt hast, dass etwas nicht so läuft, wie es sollte. Denkst du nicht, dass es nun vielleicht gut wäre, den Kreis zu durchbrechen und mit Carlisle darüber zu sprechen? So nimmst du den Druck raus und machst dich nicht davon abhängig“, überlegte er. Ich war ihm dankbar, dass er nicht sofort verlangte, dass ich aß. Das würde sicherlich noch früh genug passieren.

„Nein, ich kann auf keinen Fall mit Carlisle sprechen!“, protestierte ich vehement. „Irgendwann verliert auch er mal seine Geduld und dann bin ich ganz alleine“, schluchzte ich. Das erinnerte mich zu sehr an die gegenwärtige Situation mit meinem Vater. „Hey, was ist denn los?“, fragte Jasper besorgt nach und zog mich in seine Arme. Dieser plötzliche Umschwung musste ihm verraten haben, dass mehr hinter der Sache steckte. „Charlie wollte das Wochenende mit mir verbringen. Aber er hat mich einfach vergessen und arbeitet, als wäre nichts passiert“, platzte es aus mir heraus. „Ich will nicht Carlisle auch noch verlieren, weil ich es wieder nicht schaffe!“

Für einen Moment nahm mich Jasper nur in den Arm und tröstete mich. „Du wirst Carlisle nicht verlieren, das weißt du…“, begann er, aber ich unterbrach ihn. „Aber auch seine Geduld ist auch nicht grenzenlos!“ „Das mag sein, aber er sieht doch, wie schwierig die Situation für dich im Moment ist. Ich bin mir sicher, dass er dafür Verständnis hat.“ Jasper redete noch eine ganze Weile auf mich ein, ehe ich zustimmte, Carlisle morgen von diesen Tendenzen zu berichten. Er musste mir versprechen, dass zumindest er mich nicht verlassen würde, wenn mir Carlisle doch den Rücken kehren würde. Obwohl Jasper mir versprach, dass es nicht so kommen würde, sagte er dennoch zu. „Versprichst du es? Ganz sicher?“ Er nickte und mir blieb gar nichts anderes übrig, als ihm zu glauben.

„Wollen wir gleich fahren?“, schlug Jasper vor, aber ich schüttelte den Kopf. „Ich brauche erst mal etwas Zeit alleine, um das alles zu verarbeiten und mich darauf vorzubereiten“, lehnte ich ab. „Bella, bei allem Respekt: Ich denke nicht, dass du nun alleine bleiben solltest. Außerdem solltest du nun wirklich dringend etwas essen.“ „Nein!“, widersprach ich heftig. Etwas Gesellschaft könnte ich vielleicht ja gerade noch ertragen, aber ich wollte nun keinesfalls etwas essen.

„Aber du brauchst Nährstoffe. Du musst doch Hunger haben.“ „Ich werde nichts essen, Jas, egal wie lange du auf mich einredest“, versicherte ich ihm. Außerdem spielte es gar keine Rolle, ob ich Hunger hatte oder nicht. Ich würde nichts essen. Nur über meine Leiche.

„Erklärs mir. Ich werde dich nicht einfach so hungern lassen“, verlangte er stur. Ich stöhnte auf. Warum konnte ich nicht einfach mein Ding machen? Zähneknirschend teilte ich diesen Teil meiner Wahrheit mit ihm, wohlwissend, dass er sonst wahrscheinlich keine Ruhe geben würde. „Das ist das Einzige, was ich gerade noch kontrollieren kann. Jessica hat mein ganzes Leben aus den Angeln gerissen. Auf meinen Vater kann ich auch nicht zählen. Ich will… oder ich darf mich gerade nicht… Also ich kann den Druck nicht abbauen. Ich muss das jetzt durchziehen, wenn ich nicht komplett die Kontrolle verlieren möchte“, öffnete ich mich.

„Das… Ich kann dich verstehen, obwohl das natürlich keine optimale Lösung ist. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was wir nun machen sollten. Aber ich denke, dass es vielleicht besser ist, als ein kompletter Kontrollverlust.“ Aufgewühlt raufte er sich die Haare. „Ach, ich weiß auch nicht!“ Beruhigend legte ich ihm eine Hand auf den Arm. „Schon okay“, versuchte ich, ihm etwas Sicherheit zu geben. „Nein, gar nichts ist okay. Ich will nicht irgendeinen Fehler machen, wenn ich dir nun erlaube zu hungern. Aber es ist auch falsch, dich in die Selbstverletzung zu treiben!“

Plötzlich bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich hatte nicht mal daran gedacht, dass ich Jasper mit meiner Bitte um Unterstützung in eine solche Lage bringen könnte. „Es tut mir leid. Hätte ich doch bloß nichts erzählt…“, entschuldigte ich mich kleinlaut. Was hatte ich nur getan?

„Nein, das muss dir nicht leid tun. Ich finde es stark, dass du dir Hilfe suchst, aber ich will eben auch nichts falsch machen… Darf ich das vielleicht kurz mit Rosalie besprechen? Sie wird Carlisle bestimmt nichts sagen und kann mir aber eine medizinische Einschätzung geben.“ Ich ging kurz in mich, aber vermutlich hatte ich gar keine andere Wahl, wenn ich zumindest den Hauch einer Chance haben wollte, meinen Willen durchzusetzen.

„Wenn es sein muss.“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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