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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
Alle Kapitel
2.534 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
06.10.2021 1.293
 
Hallo ihr Lieben,
heute hatte ich meine erste richtige Vorlesung in Präsenz seit dem Beginn der Pandemie. Irgendwie war es ungewohnt, in den Fluren so viele Menschen zu sehen, aber ich muss sagen, dass mir das Flair auch echt gefehlt hat.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Überglücklich fiel ich den Cullens erneut um den Hals. Mit dieser Aussicht fielen plötzlich so viele Ängste und Sorgen von mir ab. Das war einfach so ein großartiges Gefühl! „Ich danke euch von ganzem Herzen!“, meinte ich überschwänglich. Vielleicht würde doch noch alles gut werden. Gerade sah es zumindest so aus.

Wir unterhielten uns noch etwas zu viert, ehe sich zumindest Emmett und Carlisle auf den Weg nach Hause machten. Alice wollte eigentlich noch bleiben, aber ich wollte nicht wieder diesen Stress haben, sich dann ganz schnell verabschieden zu müssen, wenn mein Vater kam. Außerdem würde es ja eh gar nicht mehr lange dauern, bis er schließlich hier war.

„Das geht schon in Ordnung, Alice. Bestimmt ist Charlie beim Einkaufen und wurde aufgehalten. Ich mache mir dann mein Mittagessen warm und heute Abend werde ich einfach selbst nach dem Plan kochen“, erklärte ich ihr. Dabei versuchte ich, das alles so einfach wie möglich klingen zu lassen. Das wäre es zwar ganz sicher nicht, aber ich brauchte gerade einfach noch etwas Ruhe. Außerdem würde es bestimmt wirklich nicht mehr lange dauern, bis Charlie hier auftauchen würde.

„Wenn was ist, rufst du an, ja?“, verlangte Alice, als ich sie irgendwann davon überzeugt hatte, dass sie mich ohne größere Bedenken alleine lassen konnte. Ich erinnerte sie daran, dass Carlisle mir alle Nummern aufgeschrieben hatte und versprach ihr, anzurufen sollte es mir schlecht gehen. Schließlich umarmten wir uns noch kurz und dann war ich auch schon wieder alleine.

Seufzend blickte ich aus dem Fenster. Es war merkwürdig, dass Charlie nicht hier war. Eine SMS schreiben konnte ich ihm leider auch nicht, da mein Handy ja vermutlich nicht mehr zu retten war. Allerdings wollte ich nun auch nicht einfach losfahren, um es reparieren zu lassen. Wenn Charlie nämlich nach Hause käme – und das wäre sicherlich jeden Augenblick der Fall – könnte ich vergessen, dass er mir glauben würde. Bestimmt wäre er sauer, dass ich so spät kam. Nun war ich extra schon so früh losgefahren, da wollte ich es nicht auf den letzten Metern noch vergeigen.

Zwischendurch überlegte ich, mir mein Mittagessen warm zu machen, aber ich entschied mich doch dagegen. Ich wusste, dass das nicht gut war und ich eigentlich dringend etwas essen sollte, aber ich konnte mich einfach nicht dazu aufraffen. Vielleicht hätte Carlisle ja Verständnis dafür. Immerhin würde ich ja heute Abend eine richtige Mahlzeit zu mir nehmen und sogar kochen. Und wenn er nicht nachfragte, brauchte ich es ihm ja auch nicht zu erzählen.

Notgedrungen beschäftigte ich mich den ganzen Nachmittag über mit kleinen Dingen, die im Haushalt anfielen und schon lange liegengeblieben waren. Anschließend bereitete ich mich sogar etwas auf die Schule vor, obwohl ich nun eigentlich wirklich keine Lust hatte, mich mit dem Thema zu beschäftigen.

Es dämmerte und es wurde dunkel. Müde döste ich auf der Couch vor mich hin. Erst um kurz nach Acht Uhr abends hörte ich, wie ein Auto in die Auffahrt fuhr. Plötzlich war ich wieder hellwach und sprang auf. „Dad?“, fragte ich sorgenvoll, als ich in den Flur trat. „Bella, da bist du ja“, begrüßte mich mein Vater freundlich. „Wo bist du gewesen?“, fragte ich entgeistert nach, als er keine Anstalten machte zu erklären, warum er nicht eher gekommen war. „Auf der Arbeit. Ich habe an diesem Wochenende Dienst. Warum? War irgendetwas?“

Seine Worte versetzten meinem geschundenen Herzen einen schmerzvollen Stich. Ob etwas war? Er hatte mir versprochen, dass wir uns zusammen ein schönes Wochenende machen würden. Bestimmt hatte er sich dann auch für morgen nicht freigenommen. Ich war ganz umsonst hergekommen. Mein eigener Vater hatte mich vergessen.

„Kann ich dann morgen noch mal zu den Cullens fahren?“, presste ich hervor und versuchte, die Tränen zurückzuhalten. Es brachte nichts, Charlie nun deswegen ein schlechtes Gewissen zu machen. Am Ende würde er deswegen nur noch mehr trinken und das war nun wirklich das Letzte, was ich damit erreichen wollte. Außerdem war es ja auch gar nicht so schlimm. Immerhin hatte ich so die Zeit gehabt, mich um den Haushalt zu kümmern. Aber so, wie es aussah, würde Charlie noch nicht mal das bemerken.

Mein Vater erlaubte mir, zu den Cullens zu fahren. Wenigstens etwas. „Gibt es schon etwas Neues wegen der Sache mit Jessica?“, erkundigte ich mich, aber mein Gegenüber verneinte. Noch hatte sie die Anzeige also nicht zurückgezogen. Hoffentlich würde sich hier noch etwas tun. Wenn am Montag nicht klargestellt wäre, dass ich nichts mit alldem zu tun hatte, würde dieser Schultag und alle, die noch kommen würden, zur absoluten Hölle werden. Ich wollte noch nicht mal dran denken.

Mit der Aussage, dass ich bereits gegessen hatte verzog ich mich nach oben in mein Zimmer. Jetzt hatte ich schließlich auch keine Lust mehr, mir mit meinem Vater irgendein Spiel im Fernsehen zu verfolgen und dabei mit ansehen zu müssen, wie er immer mehr Bier in sich hineinschüttete. Vielleicht hätte ich das nach einem schönen gemeinsamen Tag sogar ertragen können, aber so nicht.

Mein Vater ahnte nicht mal, dass ich außer einem Bruchteil meines Frühstücks noch nichts zu mir genommen hatte. Er hinterfragte es nicht mal. Einerseits freute es mich, dass ich mein Ding durchziehen konnte, andererseits kränkte es mich, dass mein Vater sich so wenig dafür zu interessieren schien. Oder ignorierte er das Problem und die gesamte Thematik bewusst in der Hoffnung, dass sich alles in Luft auflösen würde?

Frustriert fegte ich die Kissen von meinem Bett. In mir war schon wieder so viel Wut. Wie sollte ich nur damit umgehen? Eigentlich sehnte ich mich jetzt nach Schmerz, der die seelischen Qualen überdecken würde, aber ich konnte nicht schon wieder schwach werden. Dann würden mich die Cullens wahrscheinlich gar nicht mehr aus den Augen lassen.

Schwermütig schleppte ich mich zu der Kiste mit den unterschiedlichen Skills. Lustlos kramte ich durch die einzelnen Optionen, aber nichts schien mir wirklich passend zu sein. Ein paar Mal rollte ich einen spitzen Igelball meine Arme auf und ab, aber es schien nicht wirklich zu helfen. Lediglich dort, wo meine Wunden noch nicht verheilt waren, zeigte der Skill Wirkung. Natürlich war mir bewusst, dass ich das eigentlich nicht tun sollte. Es war für Carlisle vermutlich eine Sache, dass ich dem Drang nicht immer widerstehen konnte, aber aktiv den Wundheilungsprozess zu stören wäre dann vielleicht doch zu viel. Seufzend schmetterte ich den Ball zurück in die Kiste. Dort war einfach nichts, was mir helfen könnte.

In einem letzten, verzweifelten Versuch holte ich die Murmeln aus dem kleinen Stoffsäckchen, packte sie in meine Turnschuhe und lief damit in meinem Zimmer auf und ab. Es tat weh und irgendwie half es auch, aber es wirkte eben nicht so richtig. Ich hatte mir mehr erhofft.

Dieser ganze Tag schien plötzlich verloren und das, obwohl die Cullens so tolle Erfolge für mich erzielt hatten. Die Tatsache, dass mein Vater mich einfach vergessen hatte, ließ all das verblassen.

Ich spürte, dass es passieren würde, wenn ich nun nichts unternahm. Ich wollte es tun, aber ich wusste, dass ich es nicht durfte. Nicht, dass Carlisle doch die Geduld verlor. Dann hätte ich niemanden mehr.

Frustriert kramte ich den Zettel mit den Handynummern der Cullens hervor und ging damit nach unten in die Küche. Ich rumorte etwas im Kühlschrank und wählte dabei Jaspers Handynummer. Nach ein paar Sekunden ging er ran. „Kannst du kommen?“, flüsterte ich ins Telefon und legte direkt wieder auf.

Mein Vater sollte von alldem nichts mitbekommen.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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