Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
06.05.2021
647
773.216
117
Alle Kapitel
2.131 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.04.2021 1.139
 
Hallo ihr Lieben,
ich habe leider ziemlich starke Kopfschmerzen, daher lege ich mich gleich ins Bett.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

**************************************************************************


Erst als ich realisierte, dass ich wirklich alleine war, ging mir auf, was ich eigentlich getan hatte.

Mir war immer noch alles zu viel, aber vielleicht hätte ich versuchen sollen, eine andere Lösung zu finden, als Carlisle und Jasper so vehement wegzuschicken. Immerhin hatte ich von Carlisle verlangt, dass er eine andere Lösung finden sollte. Wie konnte ich das überhaupt von ihm fordern, wenn ich mich doch selbst nicht daran hielt?

Seufzend spielte ich mit dem Saum meines Sweatshirts. Ich hatte es mal wieder ordentlich vergeigt.

„Bella. Mach auf.“

Die Stimme auf der anderen Seite der Türe ließ mich erschrocken zusammenzucken.

Rosalie. Aber was tat sie denn hier?

„Jetzt.“

Ihre Stimme war so fordernd und unmissverständlich, dass ich gar nicht daran dachte, ihrer Aufforderung nicht zu folgen. Eilig rappelte ich mich auf, ging zur Türe und drehte den Schlüssel. Umgehend riss sie die Türe auf. Rosalie schien alles andere als begeistert zu sein. Ich verstand ja nicht, warum sie sie geschickt hatten. „Endlich“, murmelte Rosalie genervt, als sie mir gegenüberstand. Obwohl sie sich Mühe gab unnahbar zu wirken, sah ich doch so etwas wie Erleichterung in ihrem Gesicht aufblitzen.

„Komm mit, du isst jetzt“, forderte sie und stolzierte die Treppen hinab in die Küche. Dort hörte ich, wie sie sich an der Mikrowelle zu schaffen machte. Dass sie überhaupt noch wusste, wie man ein solches Gerät bediente. Hatte es zu ihrer Zeit als Mensch überhaupt schon Mikrowellen gegeben?

Ich hingegen stand immer noch oben an der Schwelle zum Flur und wartete. Ich hatte mich eigentlich dazu entschieden, nicht zu essen. Carlisle hatte ja schon festgestellt, dass ich eigentlich doch etwas Hunger hatte, aber ich wollte einfach nicht essen. Wenn ich nun nachgab, würde ich ihm Recht geben und das wollte ich wirklich nicht tun.

Die Mikrowelle piepte und ich hörte, wie Rosalie in der Küche mit einem Teller hantierte. Noch immer hatte ich mich nicht dazu entschließen können, nach unten zu gehen. Sie würde wohl darauf bestehen, aber ich wollte diese Entscheidung selbst treffen können. Es war mir wichtig, nach dem ganzen Chaos wenigstens über diese Sache bestimmen zu können.

„Bella?“, hörte ich Rosalie fragend aus der Küche rufen. Ich war noch nicht mal dazu fähig, ihr zu antworten. Ich stand einfach nur da. „Hey“, meinte sie sanft, als sie plötzlich vor mir auftauchte. Es war merkwürdig, wie schnell sie umschalten konnte.

„Ich glaube, dass er dir gerade um die Kontrolle geht. Du denkst, dass Carlisle dir alles wegnehmen möchte und dein einziger Weg, wieder etwas Kontrolle zu bekommen, ist dein Essen zu verweigern. Ich verspreche dir, dass wir später einen Weg finden werden, damit du dich besser fühlst. Denn jetzt musst du erst mal essen. Überleg es dir. Jetzt ist es deine Entscheidung, aber nicht ewig.“

Dann verschwand Rosalie wieder nach unten, um mir etwas Raum zu geben. Ich war ehrlich schockiert, dass sie mich in diesem Moment so gut einzuschätzen wusste. Ich war mir nicht mal sicher, ob Carlisle diesen Aspekt vollends umrissen hatte. Rosalie aber hatte mit ihren Worten den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich fühlte, dass jedes einzelne ihrer Worte der Wahrheit entsprach. Bis sie es ausgesprochen hatte, war mir das noch nicht mal selbst bewusst gewesen.

Aber sie hatte Recht. Wenn ich nun noch weiter hier stand, überlegte und mich weigerte, wäre es nicht mehr lange meine Entscheidung. Da ich auch die letzten Tage nicht allzu gut gegessen hatte, würde Carlisle bestimmt nicht so lange zusehen, wie unter normalen Umständen. Es wäre wahrscheinlich sogar ziemlich schnell nicht mehr meine Entscheidung. Und damit hätte ich vollends die Kontrolle über mich und mein Leben verloren. Rosalies Aussage war schlau und gut durchdacht. Wenn ich etwas von der Kontrolle behalten wollte, musste ich mich nun dazu entscheiden zu essen. Ansonsten würde alles bloß schlimmer werden.

Seufzend kapitulierte ich und machte mich auf den Weg nach unten. Rosalie saß bereits am Küchentisch und blickte von einem Modemagazin auf, als ich eintrat. Ihre Füße ließ sie lässig über die Tischkante hängen. Obwohl sie dermaßen locker wirkte, strahlte sie zugleich mehr Eleganz und Anmut aus, als ich jemals besitzen würde.

Neben ihr stand ein Becher mit Blut auf dem Tisch. Sie würde das also wirklich durchziehen und mit mir essen. Widerstrebend nahm ich Platz und begann, das Mittagessen langsam in mich hineinzupressen. Es bereitete mir fast schon körperliche Schmerzen, aber ich klammerte mich verzweifelt an den Gedanken, dass nur diese Variante mir etwas Kontrolle zurückgab. Wenn ich mich weiterhin querstellte, würde ich nur mehr davon einbüßen müssen. Es war ein langer Kampf, aber nach etwa einer Stunde konnte ich das Besteck endlich auf den leeren Teller legen. Dass die Mahlzeit inzwischen längst kalt gewesen war, hatte mich nicht gestört. Heute schmeckte es mir nicht, da machte es auch keinen Unterschied, ob das Gericht nun warm oder kalt war.

Rosalie warf einen prüfenden Blick auf meinen Teller, sagte aber nichts dazu. Es überraschte mich, dass sie auch hier den geeigneten Weg fand. Ich hätte es vermutlich nicht ertragen können, wenn sie nun etwas dazu gesagt hätte. Selbst ein gut gemeintes Lob hätte bei mir womöglich nur noch mehr Wut ausgelöst. Manchmal dachte ich, dass noch nicht mal Carlisle das verstand. Daher wunderte es mich umso mehr, dass Rosalie den richtigen Umgang mit diesem Thema fand.

Sie und ich waren weit entfernt davon, beste Freundinnen zu werden. Sie hatte mir zwar erklärt, dass sie mich nicht hasste, sondern um mein menschliches Dasein beneidete, aber wirkliche Freundinnen waren wir nicht geworden. Wenn ich zurückdachte, waren wir noch nicht mal zu zweit shoppen gewesen. Wäre das eine Option? Oder würde es sich komisch anfühlen?

Ich verwarf den Gedanken und versuchte stattdessen, meine Gedanken wieder auf die Gegenwart zu fokussieren. Als Rosalie den letzten Schluck ihres Bechers genommen hatte, machte ich mich daran, unser Geschirr abzuspülen. Rosalie bot an, das zu übernehmen oder mir zumindest zu helfen, aber ich lehnte ab. Ich musste einfach die Spuren meiner Schwäche beseitigen. Dieser Teller musste gespült im Schrank verschwinden, damit ich nicht mehr die ganze Zeit daran denken musste, dass ich nun doch gegessen hatte. Es war meine Entscheidung gewesen, aber ich tat mir trotzdem noch schwer damit. Heute war einfach nicht mein Tag. Wenn ich jetzt das Geschirr abspülte, könnte ich mein Gewissen beruhigen und mich außerdem auch etwas erkenntlich zeigen.

„Ich habe dir versprochen, dass wir eine andere Möglichkeit finden“, begann Rosalie, nachdem ich fertig war. Sorgsam faltete sie ihre Zeitschrift zusammen und sah mich erwartungsvoll an. „Ich werde dir helfen. Sollen wir nach oben gehen?“

Zaghaft und auch etwas ungläubig nickte ich, bevor ich ihr nach oben folgte.



**************************************************************************

Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast