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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
21.04.2021
632
754.265
112
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2.094 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
07.04.2021 1.158
 
Hallo ihr Lieben,
das Wetter hat die Fahrt leider nicht ganz so angenehm gestaltet, aber ich bin trotzdem gut angekommen. Morgen muss ich ganz früh raus, von daher melde ich mich nur kurz.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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„Bella!“

Ich hielt nicht an, sondern hastete weiter die Treppe nach oben. „Wag es ja nicht! Lass mich einfach in Ruhe!“, verlangte ich außer mir.

In meinem Zimmer knallte ich die Türe hinter mir zu und drehte den Schlüssel im Schloss. So hätte ich wenigstens das scheinheilige Gefühl von Sicherheit. Dabei würde Carlisle wahrscheinlich trotzdem nicht so einfach aufgeben.

„Bella.“ Carlisle klopfte sanft, aber bestimmt gegen meine Zimmertüre. Ich würde ihm nicht aufmachen. Nicht jetzt und vermutlich auch nicht heute. Seine Worte hatten mich nicht nur wütend gemacht, sondern auch tief getroffen. Er wusste das. Ich hatte so lange gebraucht, um mich ihm mit solchen Dingen anvertrauen zu können. Diese Konsequenz hatte ich seit jeher gefürchtet und nun war sie eingetreten.

Noch bevor ich mich auf unsere gemeinsamen Gespräche eingelassen hatte, war es stets mein schlimmster Alptraum gewesen, dass Carlisle oder einer der Cullens sein Wissen gegen mich verwenden würde. Carlisle hatte mir zugesichert, dass er versuchen würde, eine andere Lösung zu finden. Wie gut das funktioniert hatte, spürte ich gerade am eigenen Leib. Im Moment schien alles verloren.

„Bella, willst du mir nicht kurz zuhören? Es tut mir leid, was ich gesagt habe. Ich weiß, dass ich erst eine andere Lösung finden wollte. Das werden wir auch, wenn es dir damit nicht gut geht. Aber lass uns bitte miteinander sprechen. Es tut mir leid.“ Ich wusste noch nicht mal, was ich darauf antworten sollte. Ich hatte darauf vertraut, dass wir nie an diesen Punkt gelangen würden. Es fühlte sich an wie Verrat. Ich war fürchterlich enttäuscht.

Da mir eh keine passende Erwiderung einfiel, schwieg ich einfach. Carlisle hatte zwar einen langen Atem, aber ich konnte auch Willensstärke beweisen. „Bella, bitte! Das ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine solche Situation und es tut mir aufrichtig leid. Es wird nichts dergleichen passieren.“ Obwohl ich noch nicht mal wusste, welche Reaktion ich mir gewünscht hatte, war das hier nicht die Richtige.

„Geh einfach“, murmelte ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. „Du kannst sicherlich verstehen, warum ich dabei ein schlechtes Gefühl hätte. Ich möchte dich nicht so aufgewühlt zurücklassen. In derartigen Situationen befürchte ich, dass du dich selbst verletzen könntest“, erwiderte Carlisle ruhig, aber seine Worte prallten an mir ab.

„Dann vertrau mir“, zischte ich wütend. Ich wusste genau, dass er sich wahrscheinlich nicht darauf einlassen würde, aber ich würde es ihm nicht zu leicht machen. Seine Worte hatten mich wirklich an einem wunden Punkt getroffen. So schnell konnte ich mich gar nicht wieder unter Kontrolle bringen.

„Ich schicke jemand anderen. Esme oder Jasper. Dann musst du nicht mit mir reden, aber es wäre wirklich besser, wenn du jetzt nicht alleine bleibst“, erklärte Carlisle diplomatisch und ich schnaubte wütend. Er stellte sich das alles viel zu einfach vor. Wer sagte denn, dass ich mich einem von ihnen anvertrauen würde?

„Esme steht auf deiner Seite“, zischte ich wütend. Sie würde zu ihrem Mann halten und obwohl ich ihr dafür keinen Vorwurf machte, war sie eben logischerweise keine geeignete Gesprächspartnerin. Eigentlich wollte ich aber generell mit niemandem reden. Ich teilte das Carlisle auch mehr als deutlich mit, aber er seufzte nur. Wahrscheinlich wäre das wieder ein Punkt, bei dem er sich über meinen Willen hinwegsetzen würde.

„Ich warte noch kurz hier, bis Jasper angekommen ist“, verkündete Carlisle. „Ich will aber nicht reden“, hielt ich pampig dagegen. „Das ist okay, aber ich möchte nicht, dass du jetzt alleine bleibst.“

Ich hatte eigentlich gedacht, dass mein Vertrauensbruch keine größeren Auswirkungen gehabt hatte. Jasper war so unfassbar verständnisvoll gewesen und keiner der Cullens war mir böse gewesen. Trotzdem spürte ich nun die Veränderung. Dabei war es ja auch gar keine schlimme Situation. Ich würde mir nichts antun – ich wollte bloß gerade nicht reden. War mir denn gar nichts mehr gegönnt?

„Es tut mir leid, Bella. Bis dann“, verkündete Carlisle nach einer Weile und ich hörte, wie sich seine Schritte von der Türe entfernten. Kurz darauf trat ein nicht ganz so schweres Paar Schuhe näher.

„Bella, hey. Ich bin’s, Jasper. Möchtest du mir vielleicht mal aufmachen?“, versuchte er es mit verständnisvoller Stimme. „Ich habe Carlisle schon gesagt, dass ich nicht reden möchte. Und ihr müsst euch auch keine Sorgen machen. Ich werde schon nicht durchdrehen und mir die Pulsadern aufschneiden“, zischte ich wütend. Ich hasste es, wenn mich alle so behandelten. Ja, ich tat manchmal unbedachte Dinge und ja, beim letzten Mal hatte ich mich nicht an mein Versprechen gehalten. Aber hatte ich denn nicht eine zweite Chance verdient?

„Ich kann verstehen, dass du verletzt bist…“, begann Jasper, aber ich unterbrach ihn wütend: „Ich bin nicht verletzt!“

Für einen Moment herrschte Stille, dann versuchte Jasper erneut, zu mir durchzudringen. „Bella, du weißt, dass ich spüren kann, was du empfindest. Und da erkenne ich Trauer, Schmerz, Verzweiflung und Enttäuschung.“ „Das geht dich nichts an. Das sind meine Gefühle“, erklärte ich abweisend.

Für mich war es an Tagen wie diesen besonders schwer zu ertragen, dass Jasper so direkt in mein Gefühlsleben blicken konnte. Ich hasste es, wenn er mir sagen konnte, was ich fühlte, obwohl ich mir manchmal selbst nicht sicher war. Und, dass er genau sagen konnte, wenn ich diesbezüglich nicht ganz offen war.

Ich konnte nicht genau sagen, welche Emotion da in mir handelte, aber ich tat etwas, mit dem ich selbst nicht gerechnet hätte. Es dauerte nur einen kleinen Moment, bis ich mich daran erinnert hatte, wie ich vorgehen musste. Zeit, meinen Einfall noch mal zu durchdenken, nahm ich mir nicht. Stattdessen handelte ich impulsiv. So, wie ich es in dem Moment wollte.

Mit einem tiefen Atemzug zog ich meine Gefühle wieder etwas mehr zu mir heran. So ganz wusste ich selbst nicht, was ich tun musste, aber ich spürte, dass es funktionierte. Vor allem merkte ich das an Jaspers unterdrücktem Fluch.

„Bella, tu das nicht!“, bat er lautstark, aber ich blieb standhaft. Das waren meine Gefühle. Jasper hatte kein Recht dazu, mich so in die Ecke zu drängen. Meine Gefühle gehörten mir. Ich hatte die Kontrolle.

„Geh einfach, Jasper“, erklärte ich bestimmt. Ich verstand selbst nicht, wie die Situation so eskaliert war. Eigentlich war ja alles relativ gut gegangen, bis ich mich dazu entschlossen hatte, es wie Charlie zu machen. Vielleicht lag es auch an meiner Müdigkeit, dass ich die Sachen nicht mehr abwog, sondern bloß noch handelte. Ich bereute es dennoch nicht. Es war mein Recht, meine Emotionen für mich behalten zu können. Niemand konnte mich dazu zwingen, sie so offen nach draußen zu tragen. Auch Carlisle und Jasper nicht.

Ich hörte erneut, wie Jasper fluchte und im nächsten Moment vernahm ich das Zuschlagen einer Türe.

Er war wirklich gegangen.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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