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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
06.05.2021
647
773.216
117
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2.131 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
06.04.2021 1.198
 
Hallo ihr Lieben,
hoffentlich seid ihr nach den Feiertagen wieder gut in die Schule/Uni/Arbeit gestartet. Bei mir gehen die Vorlesungen auch wieder los und ich werde mich morgen wieder auf den Weg zu meinem Studienort machen.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Mir war langweilig.

Ich war es schon so sehr gewohnt, dass bei den Cullens immer etwas los war, dass mich die Stille des Hauses nach ein paar Stunden regelrecht erdrückte. Dabei hatte ich mir wirklich größte Mühe gegeben, meine freie Zeit so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Zuerst hatte ich mich an meine Hausaufgaben gemacht und noch mal extra verifiziert, dass ich auch wirklich nichts vergessen hatte. Danach hatte ich sogar schon mal damit begonnen, den Stoff für die nächsten Prüfungen zu wiederholen. Sonderlich viel war zwar noch nicht zusammengekommen, aber wie sich gestern gezeigt hatte, war das noch lange kein Garant für Erfolg.  

Zur üblichen Mittagessenszeit klingelte plötzlich mein Handy. „Bella, hallo. Wie geht es dir?“, erkundigte sich Carlisle, als ich ans Telefon ging. „Gut danke und dir?“ Nach etwas Smalltalk kam Carlisle auch auf den Grund seines Anrufs zu sprechen: das Mittagessen. „Ich würde dir einfach deinen Rest von gestern vorbeibringen. Ich habe nachgesehen und das müsste mit der erforderlichen Kilokalorienanzahl übereinstimmen.“

„Aber ich habe noch gar keinen Hunger“, protestierte ich. Wenn Charlie das durfte, dann hatte ich auch das Recht dazu, erst dann zu essen, wenn ich auch wirklich hungrig war. „Hast du denn erst relativ spät gefrühstückt?“, erkundigte sich Carlisle verständnisvoll, aber ich schwieg. Das schien ihm aber genug zu verraten, denn er reagierte umgehend. „Alles gut, ich komme am besten einfach kurz vorbei, damit wir das persönlich klären können. Wir werden nicht gegen Charlies Auflagen verstoßen, aber ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir das nicht am Telefon besprechen.“

Anfangs wollte ich noch versuchen, ihm die Notwendigkeit dessen auszureden, aber mit jedem abwehrenden Wort wurde Carlisle nur noch fordernder. Schließlich beendete er die Diskussion außergewöhnlich autoritär und legte dann auf. Das hätte ich wahrscheinlich so oder so nicht verhindern können. Aber meine Argumente würden Carlisle bestimmt davon überzeugen, dass ich nicht essen musste. Wie gesagt, ich hatte einfach keinen Hunger. Was war schon dabei?

Carlisle wusste offenbar, dass mein Vater nicht zugegen war, denn er klingelte an der Türe. Theoretisch hätte ich das Geräusch einfach ignorieren können, aber ich öffnete trotzdem. Carlisle bat mich, mich mit ihm ins Wohnzimmer zu gehen und redete sofort los. „Bella, ich muss dir sagen, dass ich mir große Sorgen um dich mache. Die ganze Woche schon isst du äußerst wenig, nimmst ab und gestern warst du sehr zurückhaltend und traurig. Wenn ich dein Schweigen richtig interpretiert habe, hast du heute Morgen nicht gefrühstückt. Woran liegt es, dass du nicht essen möchtest? Ist etwas vorgefallen?“

„Nein, es ist gar nichts vorgefallen und du musst dir auch wirklich keine Sorgen machen. Ich habe nur einfach keinen Hunger und dann sollte ich ja auch eigentlich nicht essen müssen“, verkündete ich stark. Prinzipiell hatte ich Recht. Ich vermutete nur, dass es so einfach wohl nicht werden würde.

„Woher kommt dieses plötzliche Umdenken? Ganz zu Beginn war das auch ein Argument, das du genutzt hast. Seitdem habe ich es bis zum heutigen Tag nur noch äußerst selten gehört. Was hat sich nun geändert?“ Ich konnte nicht mit Gewissheit sagen, ob Carlisles Beobachtung der Wahrheit entsprach, aber grundsätzlich klang das nicht abwegig.

Ich entschloss mich dazu, Carlisle zu vertrauen und ehrlich zu antworten: „Charlie frühstückt auch nicht immer. Er sagt, dass er das nur tut, wenn er hungrig ist. Das sollte ich auch so entscheiden dürfen. Und gerade habe ich keinen Hunger.“ Ich sah etwas in Carlisles Augen aufblitzen, aber ich konnte nicht wirklich einordnen, was es war. Wut, Verzweiflung, Enttäuschung? Sorge?

„Prinzipiell sollte man sich nicht dazu zwingen, etwas zu essen, wenn man keinen Hunger verspürt. Man muss bedenken, dass dein Vater ein normaleres Verhältnis zu Essen hat als du. Außerdem glaube ich dir nicht, dass du keinen Hunger hast.“ Wie bitte? Mein schockierter Blick musste bereits alles gesagt haben, denn Carlisle legte umgehend nach: „Ich merke, dass du hungrig bist. Du hast dich dazu entschieden, es zu verdrängen. Kannst du dir erklären, warum?“ Eigentlich wollte ich gerade protestieren, dass er nicht wissen konnte, ob ich Hunger hatte oder nicht. Carlisle aber hob abwehrend die Hand. „Ich höre deinen Magen knurren. Unter anderem.“

Seufzend wandte ich den Blick ab. „Ich weiß nicht warum“, murmelte ich bedrückt. „Ist denn etwas vorgefallen, was dir den Eindruck gibt, dass du nicht gut genug bist? Dass du es nicht verdient hast zu essen? Etwas, was dich glauben lässt, dass du den Schmerz verdient hast?“ Carlisle hatte es geschafft, alleine durch seine Worte eine ganze Menge in mir loszutreten. So wie er es jetzt formulierte, fiel mir sofort eine Antwort auf seine Frage ein. Es musste wohl mit der vergeigten Klassenarbeit zusammenhängen. Eine andere Erklärung hatte ich nicht.

„Du hast eine Vermutung“, stellte Carlisle fest und in Momenten wie diesen hasste ich ihn dafür, dass er mich so gut lesen konnte. Ob er gleich auch noch erraten würde, was passiert war? „Ich möchte nicht darüber reden“, erklärte ich bedrückt. „Ich akzeptiere deinen Wunsch, Bella, aber ich denke nicht, dass das gerade von Vorteil ist. Ich sehe, dass etwas nicht stimmt. Du selbst solltest es an deinem Essverhalten merken.“

Er hatte ja auch Recht, aber es lag bestimmt auch nicht nur an der Klassenarbeit. Dafür war es die ganze Woche schon zu schlecht gelaufen. „Es ist einfach so viel und ich weiß nicht, ob es jemals besser wird“, brachte ich hervor. „Es wird besser werden, aber eben nur, wenn du deine Erfolge nun nicht aufgibst, Bella. Ja, im Moment ist es viel und es wäre mir lieber, wenn du das nicht durchmachen müsstest. Aber wir können es nicht ändern. Wir können nur beeinflussen, wie du damit umgehst.“

„Und was soll ich tun?“, fragte ich energisch. Es klang alles immer so einfach, wenn Carlisle das sagte. Ich sollte meinen Umgang mit der Situation ändern. Aber wie? Ich konnte nicht einfach die neue Regelung ignorieren und zu den Cullens fahren. Sollte mein Vater das nämlich mitbekommen, wäre ganz sicher die Hölle los.

„Zuerst möchte ich, dass du dein Mittagessen zu dir nimmst. Alle Mahlzeiten werden wir heute nicht mehr unterkriegen, aber ab jetzt wirst du den Rest des Plans einhalten. Morgen ebenso. Es wird immer jemand da sein, der dich dabei unterstützt“, erklärte Carlisle. „Und dann überlegen wir, was du denn heute gerne unternehmen würdest. Du sollst dein Wochenende trotz der aktuellen Regelung genießen können.“

An sich klang Carlisles Vorschlag noch nicht mal schlecht, aber etwas störte mich dennoch. Ich hatte sämtlichen Mut zusammengenommen, war ehrlich geblieben und hatte zugegeben, dass ich Hunger hatte, aber mich dennoch nicht überwinden konnte. Ehe ich darüber nachdenken konnte, was ich hier tat, schnellte ich hoch.

„Ich vertraue dir, sage dir was los ist und was tust du? Nimmst mir mein restliches bisschen Freiheit! Ich esse wann ich will, egal ob du mir rund um die Uhr jemanden an die Seite stellst oder nicht!“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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