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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
25.10.2021
819
984.025
133
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.11.2020 1.175
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, ihr hattet einen guten Start in die neue Woche. Bei mir ist soweit alles gut und ich freue mich nach dem anstrengenden Tag schon auf mein Bett.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Ich schaffte es tatsächlich einzuschlafen, denn als nächstes hörte ich Carlisles Klopfen an meiner Zimmertüre. Er teilte mir mit, dass es bald Essen geben würde und bat mich noch mal, nur langsam aufzustehen und nicht sofort aufzuspringen.

Seufzend zog ich mich auf meine Arme. Es war so surreal, was heute alles passiert war. Und gestern.

Aber irgendwie war Carlisle wohl wirklich nicht sauer. Ich vertraute ihm, aber irgendwie hatte ich dann doch nicht damit gerechnet, dass er wirklich gar nicht sauer oder enttäuscht wäre.

Gleichzeitig machte ich mir aber auch keine falschen Hoffnungen. Sicherlich war das noch der angenehmste Teil des Gesprächs gewesen. Ich wusste nicht, wann Carlisle wieder mit mir sprechen wollen würde, aber es war klar, dass es so kommen würde und dann würde er sicherlich auch andere Themen anschneiden. Zum Beispiel, warum ich niemanden angerufen hatte, was ich noch hätte tun können und wie ich mich in dem Moment gefühlt hatte. Dabei wollte ich das alles doch einfach nur vergessen.

Wie ein Häufchen Elend saß ich auf der Bettkante, als Jasper sich durch die Türe schob und vor mir in die Hocke ging. „Scheiß Tag, was? Alice hat mir erzählt, was los war, zumindest in groben Zügen. Sie war so besorgt, dass sie es nicht länger vor mir hätte verbergen können. Ich hoffe, du bist ihr nicht böse“, erklärte er mir fürsorglich. Aber ich könnte gar nicht sauer auf ihn oder Alice sein. Klar hatte sie mich damit genervt, dass ich das ganze Carlisle zeigen, bzw. erklären musste, aber irgendwie wusste ich ja, dass sie das alles nur zu meinem Besten getan hatte. Ich sah zwar noch nicht, inwiefern mir das nun helfen sollte, aber ich vertraute ihrem Urteil.

„Wollen wir nicht runtergehen?“, fragte Jasper und sah mir tief in die Augen. Es fühlte sich so an, als könnte er bis auf meine Seele blicken. Ich spürte diese Traurigkeit wieder in mir aufsteigen, die Verzweiflung. Ich fehlte Jasper mit meinem Blick an, dass er machen sollte, dass das aufhörte, aber er tat es nicht.

Als sich mein Blick langsam trübte, wusste ich, dass es nun eh keinen Sinn mehr hatte. Er würde eh nicht mehr eingreifen. Er würde es zulassen, dass ich fiel.

„Ich will das alles nicht mehr“, schluchzte ich und sackte vollkommen in mich zusammen.

Jasper schnellte nach vorne und umarmte mich. Ich ließ mich einfach in seine Arme sinken und vertraute darauf, dass er mich retten würde, wenn mir wieder alles zu viel werden würde.

„Jasper, wie soll alles jemals wieder gut werden? Es ist so aussichtlos“, schluchzte ich verzweifelt und ich genoss seine kühlen Hände, die beruhigend über meinen Rücken strichen.

„Du kannst das, ich weiß das“, begann Jasper. Ich musste ihm noch nicht mal sagen, dass das schwach war, denn kurz darauf hatte er sich noch mal gesammelt und begann mit sanfter Stimme auf mich einzureden. „Überleg mal, wie viel du schon geschafft hast. Gestern, als du dich selbst verletzt hast, hast du da auch gedacht, dass du nicht mehr weißt, wie es weitergehen soll?“ Für einen Moment beschwor ich die Erinnerung herauf, aber es war zu schmerzhaft. „In dem Moment habe ich gar nichts gedacht. Ich habe nicht mal wirklich gemerkt, wie ich es getan habe. Aber davor, ja. Ich wusste einfach nicht mehr, wie es weitergehen soll“, murmelte ich, wobei ich immer wieder von Schluchzern geschüttelt wurde.

„Aber obwohl es so aussichtslos war, hast du es bis hier her geschafft. Du hast Alice angerufen, dir helfen lassen und hast sogar mit Carlisle gesprochen. Trotz all der Hoffnungslosigkeit hast du das geschafft. Du kannst stolz auf dich sein und wenn das gerade nicht geht, weißt du vielleicht, dass du wie sonst auch kämpfen und weitermachen kannst.“

Ich wusste seine aufmunternden Wort wirklich sehr zu schätzen, aber so ganz drangen sie nicht zu mir durch. Es berührte mich nicht im Herzen. Alles schien durch einen Schleier zu mir durchzudringen, abgedämpft und matt. Jasper schien das zu spüren, aber er ärgerte sich nicht darüber. Er war einfach nur für mich da.

Irgendwann schaltete mein Gehirn wieder ein. Ich durfte keine Schwäche zeigen. Ich musste stark sein. Wenn ich das alles nun zu sehr an mich heranlassen würde, würde ich daran zugrunde gehen. Ich versteifte mich in Jaspers Armen und wollte mich von ihm lösen. Er ließ mich aber nicht.

„Nein, ich lasse nicht zu, dass du dich jetzt wieder zurückziehst. Du bist so stark, du machst das wirklich gut. Der Fehler ist, nun alles wieder zu verschließen. Nur wenn du deine Emotionen auch zulässt, kannst du darüber hinwegkommen“, erklärte Jasper. „Aber ich…“, wollte ich aufbegehren, aber Jasper zischte nur ein ruhiges „Shhhh.“

Ich hatte keine Kraft mehr, um ihm zu widersprechen. Es dauerte noch einen Moment, bis ich mich in seinen Armen wieder entspannen konnte. Jasper hielt mich noch für einen Moment fest und ließ mich dann los, wie ich es noch vor ein paar Augenblicken gewollt hatte.

„Danke, dass du da bist“, flüsterte ich bedrückt. „Jederzeit, Bella. Jederzeit.“
Langsam zog ich mich wieder auf mein Bett. Alles war so anstrengend geworden. „Soll ich dir dein Essen holen gehen?“, fragte Jasper und obwohl ich nicht essen wollte, nickte ich. Noch weniger wollte ich nämlich nun nach unten gehen und mit meinen verweinten Augen den restlichen Cullens begegnen.

Es dauerte nur einen kleinen Moment, bis Jasper mit einem kleinen Tablett zurückkam. Offenbar hatte Carlisle das schon für ihn vorbereitet. Manchmal vergaß ich, dass sie jeden Atemzug, jeden Schluchzer und vermutlich sogar jede einzelne Träne hören konnten. Die geschlossenen Türen und ihr menschliches Verhalten ließen mich vergessen, was sie eigentlich waren.

„Isst du bitte etwas?“, bat mich Jasper nach etwa zehn Minuten. Bisher hatte ich meine Nudeln nur angestarrt oder höchstens von einer Seite des Tellers zur anderen geschoben. „Richtig schlimm wird es erst, wenn du nun alles wegwirfst, was du dir bisher erarbeitet hast“, gab Jasper zu bedenken. Ich vermittelte ihm mit meinem Blick, dass mich das nicht interessierte, aber irgendwie nahm ich dann doch eine Gabel. Ich wusste nicht so ganz, ob er nicht vielleicht etwas damit zu tun haben könnte, aber ich versuchte einfach, mir deswegen keine Gedanken zu machen.

Irgendwo hatte er ja durchaus Recht. Wenn ich nun alles aufgab, müsste ich erneut durch diese Hölle gehen. Ich aß nicht, weil ich es wollte, sondern vielmehr, weil ich mich nicht erneut bis an diesen Punkt zwingen wollte. Gerade war mir zwar sonst alles egal, aber der Gedanke brachte schon die Verzweiflung zurück.

Viel mehr noch: Sollte ich nun das ganze Drama noch mal von vorne beginnen müssen, würde ich das niemals durchhalten können. Gerade fehlte mir einfach für alles die Kraft. Ich könnte nun nicht auch noch von vorne beginnen.

Ich musste weitermachen.

Irgendwie.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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