Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
20.09.2021
784
939.935
132
Alle Kapitel
2.402 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
22.11.2020 1.176
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, ihr hattet ein schönes Wochenende. Vielen lieben Dank für euer ganzes positives Feedback zum letzten Kapitel! Ich habe mich so sehr darüber gefreut! Trotzdem will ich noch mal betonen, dass ich wirklich jederzeit für euch da bin, wenn ihr reden wollt!
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

**************************************************************************


„Aber du musst dir keine Sorgen machen“, fügte ich schnell hinzu, als ich realisierte, was meine Worte wohl bei Carlisle ausgelöst haben mussten.

„Bella“, meinte er so liebevoll, dass ich ihm einfach in die Augen sehen musste. „Natürlich mache ich mir Sorgen um dich. Aber das kommt nicht, weil ich dir etwas nicht zutraue, sondern weil du ein Mitglied dieser Familie bist. Und in einer Familie sorgt man sich umeinander, verstehst du?“ Ich nickte und wandte den Blick danach gleich wieder ab.

„Ich schäme mich so“, flüsterte ich, noch bevor ich darüber nachdenken konnte, ob ich diese Emotionen überhaupt mit ihm teilen wollte. „Ich… Du… Ihr gebt euch alle Mühe, aber mir geht es einfach nicht besser…“

Carlisle tippte mir sanft unters Kinn und sorgte so dafür, dass ich erneut Blickkontakt aufnahm. „Du musst dich für gar nichts schämen. Mir und den anderen war klar, dass es nicht immer und auch nicht sofort bergauf gehen kann. Du hast bisher schon viel erreicht. Frag Rosalie, wenn du eine schonungslos ehrliche Meinung möchtest. Du musst dich nicht schämen, Bella, wirklich nicht! Du versucht es und du schlägst dich richtig gut.“

„Ich möchte einfach wieder normal sein“, murmelte ich und mir rollten schon wieder Tränen über die Wange. „Weißt du, einfach normal sein.“

„Was genau stellst du dir denn unter normal vor?“, fragte Carlisle sanft nach. „Ich will einfach, dass das alles nie passiert wäre. Ich will mich von dem Schmerz und der Trauer freimachen. Ich will wie die anderen Mädchen shoppen gehen, über Jungs quatschen und einfach gottverdammt das machen, worauf ich Lust habe. Selbst so etwas, wie in der Mensa essen! Einfach normal sein, ohne Probleme und Stress“, brauste ich auf, aber es war nicht Wut, die mich laut werden ließ. Es war die Verzweiflung über meine aktuelle Lage.

„Ich kann verstehen, dass du dir das wünscht und aktuell tust du sehr viel dafür, dass es wieder so werden kann. Aber es gibt nicht wirklich das “Normale“. Weißt du, jeder Mensch hat Sorgen, nur bei manchen sind sie größer und bei manchen eben kleiner. Vielleicht haben die anderen oberflächlich schon ihre Methoden gefunden, um damit umzugehen. Aber auch hier weiß man nicht, wie es hinter der Fassade aussieht, verstehst du? Ich will deinen Wunsch nicht klein reden, aber so etwas wie Normalität gibt es nicht, wenn du verstehst, wie ich meine“, erklärte mir Carlisle mit ruhiger Stimme.

Ich lauschte seinen Worten und sog sie in mich auf. „Aber Carlisle: Wenn es keine Normalität gibt, was soll ich denn dann anstreben?“, fragte ich verzweifelt. Wenn er mir nun noch mein Ziel nahm, wüsste ich gar nicht mehr, was ich noch mit meinem Leben anfangen sollte.

„Es gibt nur subjektive Normalität. Und die kannst du erreichen. Für dich sähe das so aus, bedenkenlos shoppen gehen zu können, in der Cafeteria zu essen und sagen zu können, dass die guten Tage überwiegen. Das ist doch etwas. Und daran können wir in Minischritten arbeiten. Du darfst nicht gleich zu viel wollen, immer eine Sache nach der anderen.“ So wie Carlisle es formulierte, klang es eigentlich ganz einfach. Zu einfach.

„Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Manchmal will ich es, aber an anderen Tagen kann ich mich nicht dagegen wehren, weißt du?“

„Aber du weißt, dass du es willst. Und mit der Zeit wirst du es immer öfter schaffen, dieser Seite nachzugeben, weil es das ist, was du unterbewusst schon lange willst. Vielleicht dauert es noch etwas, bis du deine ganze Energie dort hineinstecken kannst, aber das wird kommen. Du machst das ganz großartig Bella und es ist auch mal ganz normal, nicht immer die “richtige“ Seite zu wählen. Wir sind stolz auf dich, vergiss das nicht.“

Ich seufzte schwer und atmete tief durch: „Können wir ein andermal weitersprechen? Ich bin müde, Carlisle. Gestern habe ich zwar das Medikament genommen, aber ich bin einfach erschöpft.“ Umgehend nickte Carlisle: „Das ist überhaupt kein Problem. Ich werde dir eine Tablette zum Auffüllen geben, falls du in eine ähnliche Situation geraten solltest. Ich finde übrigens, dass du das heute großartig gemacht hast. Das war sicherlich nicht leicht und ich rechne dir das hoch an.“

„Danke, Carlisle, ich… Es hat echt gut getan, mit dir zu sprechen.“

Und das war noch nicht mal gelogen. Natürlich war es anfangs mega unangenehm gewesen und auch zwischendurch war es mir sehr schwer gefallen, meine Gedanken und Gefühle derart offen mit Carlisle zu teilen. Trotzdem fühlte ich mich nun nicht schutzlos und ausgeliefert. Vielmehr freute ich mich, dass ich es geschafft hatte, so offen mit ihm zu sprechen, denn ich fühlte mich nun wirklich besser, regelrecht befreit.

Grinsend umarmte ich Carlisle und genoss noch für ein paar Augenblicke das wohltuende Gefühl seiner beschützenden Umarmung. Ich hätte niemals gedacht, dass sich aus dem Chaos der vergangenen Nacht etwas so tolles entwickeln könnte. Ich war wirklich dankbar dafür, dass ich mich hatte überwinden können. Als ich kurz darauf in Carlisles beruhigtes und zufriedenes Gesicht sah, wusste ich auch, dass es nicht nur mir so ging.

Erschöpft ging ich nach oben und merkte, dass Carlisle mir folgte. Er hatte noch meine restliche Tasse Kaffee dabei und stellte sie auf meinem Nachttisch ab. „Ruhe dich ruhig noch etwas aus. Ich würde dich dann zum Abendessen wecken. Und steh bitte langsam auf. Das war sicherlich ein sehr anstrengender und nervenaufreibender Tag. Außerdem müssten dir von gestern noch ein paar Nährwerte fehlen, wenn ich mich nicht irre. Ich bin dir nicht böse, sei nur bitte einfach vorsichtig, okay?“

Ich versprach Carlisle, nicht sofort aus dem Bett zu springen, sobald ich von meiner kleinen Pause erwachen würde. So ganz glaubte ich allerdings eh nicht, dass ich wirklich schlafen könnte. In den letzten 24 Stunden war so viel passiert, dass ich noch gar nicht die nötige Zeit gehabt hatte, all das zu verarbeiten. All die Erinnerungen und Gesprächsfetzen wirbelten umher.

Ein Gefühl blieb jedoch aus: die Schuld. Carlisle hatte mir das Gefühl gegeben, dass er wirklich nicht sauer war und es sogar okay war, auch mal einen schlechten Tag zu haben. Er hatte bisher kaum ein Wort über meine Verletzung verloren und obwohl ich mir sicher war, dass in dieser Hinsicht noch etwas passieren würde, konnte ich mich darauf verlassen, dass Carlisle Verständnis für mich hätte.

Ich hatte mich ihm vollkommen geöffnet und würde es wie es aussah auch nicht bereuen. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich, aber keineswegs eine schlechte. Vielleicht würde ich es in Zukunft noch öfter wagen, aber dieses Gefühl war total surreal.

Ich hatte wirklich Mist gebaut, aber ich musste mich nicht dafür hassen. Stattdessen fühlte ich mich einfach nur… befreit.



**************************************************************************

Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch einen guten Start in die neue Woche!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast