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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
30.11.2020
490
589.894
100
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1610 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
21.11.2020 1.141
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, ihr hattet einen schönen Samstag. Heute Mittag habe ich etwas die Sonne genossen und einen langen Spaziergang gemacht. Das hat wirklich gut getan.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Carlisle kam beherzt einen Schritt auf mich zu und fing mich auf, als meine Füße die Last nicht mehr tragen konnten und einfach wegknickten.

Sofort klammerte ich mich an ihn. Er war mein Rettungsanker. Meine letzte Hoffnung. Wenn Carlisle mir nun nicht helfen könnte, dann könnte es niemand. Wenn er mich nun aufgeben würde, hätte alles keinen Sinn mehr.

Und so klammerte ich mich an ihn, wie an einen Rettungsring und schluchzte herzzerreißend. Es machte mir nichts aus, meine Verzweiflung so offen zur Schau zu stellen. Ich hatte nicht mehr die Kraft, meine Emotionen zurück zu halten und zu verstecken.

Nach einer Weile versuchte Carlisle, mich vorsichtig zur Couch zu führen. Mit zittrigen Knien und maßgeblich dank seiner Hilfe rettete ich mich dorthin. Meine ganze Kraft schien aus meinem Körper gewichen zu sein. Wie ein Häufchen Elend kauerte ich dort und sah vollkommen teilnahmslos dabei zu, wie sich Carlisle zu mir setzte.

Für einen Moment sahen wir einander nur an, unsere Körper einander zugewandt. Immer wieder wischte ich mir über die Augen, aber die Tränen wollten nicht versiegen. Mein Leben war ein einziger Scherbenhaufen und kein einziges Teil davon schien sich wieder zusammensetzen zu lassen.

„Darf ich mir deine Verletzung denn mal ansehen?“, bat mich Carlisle, aber ich schüttelte entschieden den Kopf. „Ich habe Alice angerufen und sie hat Rosalie mitgebracht. Sie hat sich darum gekümmert. Du musst dir das nicht anschauen, da bin ich sicher.“ Ich wollte nicht, dass er diesen Schnitt sah. Es war mir unangenehm genug, dass er überhaupt Bescheid wusste.

„Ich bin mir sicher, dass Rosalie ihr Bestes gegeben hat, aber bei so einer wichtigen Angelegenheit – und du bist ihr wichtig – würde sie immer wollen, dass ich noch einen Blick darauf werfe. Ist es nicht so?“, fragte er einfühlsam und ich nickte zerknirscht, ohne ihm in die Augen zu blicken. Es war manchmal äußerst ungünstig, dass er jeden von uns so gut einzuschätzen vermochte.

„Darf ich?“, fragte er erneut und deutete auf den Arm, den ich eng an meinen Körper gepresst hielt. „Ich gehe schon mal die notwendigen Sachen holen. Du kannst es dir in der Zeit überlegen“, kündigte er an und erhob sich. Er war schon auf halbem Weg zur Türe, als meine krächzende Stimme ihn zurückhielt: „Habe ich denn eine Wahl?“

Ich drehte mich nicht um, aber ich wusste, dass Carlisle stehen geblieben war und mich ansah. „Natürlich hast du das. Ich vertraue Rosalie, obwohl ich mich gerne selbst vom Heilungsprozess überzeugen würde.“ Mit diesen Worten verschwand er aus dem Raum und ich hörte es im Nebenzimmer rumoren. Kurz darauf saß Carlisle mir wieder gegenüber. Er hatte ein kleines Tablett mit Desinfektionsmittel, Verbandszeug und Tupfern dabei. „Darf ich?“

Erst als ich zaghaft nickte, schlüpfte Carlisle in die weißen Gummihandschuhe und begann dann, meinen Verband abzuwickeln. Bevor er die letzte Schicht der Mullbinde abzog, desinfizierte er sich nochmals die Hände. Er arbeitete immer sehr genau. Ganz vorsichtig entfernte er das Gewebe und hatte dann freie Sicht auf den Schnitt. Ich erschrak selbst, als ich es sah. Trotz Rosalies Arbeit sah man genau, dass die Wunde tief gewesen war.

„Das sieht eigentlich schon mal ganz gut aus. Ich nehme an, es hat lange geblutet?“, meinte Carlisle und ich hörte diese Neutralität in seiner Stimme, die mir deutlich zeigte, dass er nun eher als Arzt mit mir sprach. Trotzdem wusste ich genau, dass ich nicht nur ein Patient von ihm war.

„Ja… deswegen habe ich ja auch Alice angerufen. Es ist... anfangs nicht wirklich weniger geworden“, murmelte ich betreten. „Es war sehr mutig und sehr schlau von dir, Alice anzurufen. Du hast damit die richtige Entscheidung getroffen. Wenn du Glück hast, wird nur eine kleine Narbe zurückbleiben. Die Wundränder sehen sehr ungleichmäßig aus, von daher wird leider eine Narbe zurückbleiben. Womit hast du dich geschnitten?“, fragte Carlisle einfühlsam und seine gütigen Worte brachten mich dazu, ihm zu antworten. „Es war ein Flaschenöffner... Die haben doch dieses Teil, um das Plastik zu entfernen, ... diese Art Messer“, flüsterte ich mir hauchzarter Stimme. Selbst Carlisle müsste Probleme gehabt haben, mich zu verstehen.

Carlisle versorgte die Wunde, bevor er sie erneut verband und seine Utensilien wegbrachte. Danach ließ er sich wieder zu mir aufs Sofa sinken und reichte mir eine frische Tasse Kaffee. „Also Bella. Wie ich sehe, fühlst du dich zur Zeit nicht gut. Das hat sicherlich auch etwas mit Charlie zu tun. Willst du mir verraten, was dich sonst noch dazu bewogen hat, dich selbst zu verletzen? Du sagst, dir ist alles zu viel. Was belastet dich gerade besonders?“

Ich war froh, dass Carlisle nicht versuchte mir einzureden, dass Selbstverletzung in dieser Situation der komplett falsche Weg gewesen war. Vielleicht hob er sich das aber auch nur für später auf. Jetzt jedenfalls fand er mit einen Worten den direkten Weg in mein Herz.

Während ich auf den Dampf meiner Kaffeetasse starrte und nur selten Blickkontakt suchte, versuchte ich ihm zu erklären, was gerade vor mir ging. Es war hart und obendrein wusste ich noch nicht mal, ob Carlisle damit überhaupt etwas anfangen konnte, immerhin hielt ich alles sehr vage.

„Es ist schwierig zu beschreiben. Es kommt einfach so vieles zusammen. Ich will Charlie helfen, aber ich kann und darf es nicht. Er trinkt und jetzt, wo ich Bescheid weiß, kann ich die Augen nicht mehr davor verschließen. Das habe ich schon viel zu lange getan. Jetzt sehe ich die Konsequenzen, aber ich kann nichts tun. Dann ist da die Ablehnung meiner Vorschläge und das Drama hier. Ich mache mir Sorgen um das neue Schuljahr, nehme ständig weiter zu und soll immer mehr essen. Du nimmst mir immer mehr meiner Kontrolle und zwingst mich, nach dem Essen mit dem Sport zu warten. Du lässt mich die Gefühle aushalten, aber ich kann sie nicht aushalten, verstehst du?!“

Schwer atmend ließ ich mich wieder etwas nach hinten sinken. „Ich weiß nicht, ob es jemals wieder gut werden kann, Carlisle und davor habe ich Angst. Denn wenn es immer so bleibt wie jetzt, … kann ich damit nicht leben.“

Mir wurde erst bewusst, wie verzweifelt ich wirklich war, als ich die Worte laut aussprach. Es war nicht einfach nur ein kleines Tief. Meine Worte hörten sich an, als würde ich jeden Moment Suizid begehen wollen. Da war so viel Enttäuschung, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, dass es mir die Kehle zuschnürte.

Ich wollte leben, aber das hier war kein Leben mehr. Ich überlebte, aber das Schöne war längst aus meinem Leben verschwunden. Und wenn sich daran nicht bald etwas ändern würde, wäre vermutlich ich bald aus meinem Leben verschwunden.  



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch einen entspannten Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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