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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
23.10.2021
817
981.481
133
Alle Kapitel
2.464 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
19.11.2020 1.165
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, ihr hattet einen schönen Tag. Morgen ist tatsächlich schon wieder Freitag. Irgendwie habe ich gar nicht mitbekommen, wie die Woche vergangen ist. Es fühlt sich irgendwie noch ein wenig wie Dienstag an haha.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Alice warf mir einen mulmigen Blick zu. „Bella, ich weiß nicht, ob…“, setzte sie an.

Ich hatte keine Lust auf Diskussionen. Ohne auf ihre Bedenken einzugehen schmiss ich mir die Tablette ein und schluckte sie. So ganz ohne einen Schluck Wasser war das zwar ziemlich unangenehm, aber es lohnte sich. Alice war so schockiert, dass sie sich nicht mal gerührt hatte und auch Rosalie stand noch immer dort, wo sie gerade eben noch gewesen war.

„Sei ehrlich: Es ist nichts anders. Es gibt keinen Grund, warum ich das jetzt nicht nehmen sollte“, zischte ich. Ich war einfach so verzweifelt. Mein ganzes Leben schien in Schutt und Asche zu liegen. Ich war es leid zu kämpfen. Mit diesem Medikament gab ich auf. Ich wollte nicht mehr gegen die Gedanken ankämpfen und versuchen zu überleben. Leben konnte ich das schon lange nicht mehr nennen. Dabei wünschte ich mir doch so sehr ein normales Leben, dass mir das Herz blutete. Es war grauenvoll.

„Gewissermaßen hat sie Recht“, fügte Rosalie hinzu. „Können wir dir noch etwas bringen?“, fragte sie, diesmal noch freundlicher. „Nein. Könnt ihr jetzt gehen?“, bat ich sie. Ich wollte nur noch alleine sein. Dieses ganze Drama hatte mich ausgezehrt. Ich wollte mich nur noch in meinem Bett vergraben und weinen. Zumindest, bis die Wirkung des Medikaments einsetzen würde. Dann würde ich hoffentlich schlafen.

„Unter einer Bedingung: Du sagst Carlisle morgen, was los war“, forderte Alice. „Wie auch immer. Ist doch eh schon alles egal“, murrte ich und winkte ab. Das alles war einfach zu verdreht, um jetzt noch alles richtig erfassen zu können. Hoffentlich würde mich das Medikament bald in einen tiefen Schlaf befördern. Ich könnte es schaffen. Irgendwie würde ich bis morgen durchhalten. Die Aussichten waren nicht gerade besser, aber ich hatte die Hoffnung, durch etwas Abstand die nötige Kraft zu haben, um weiterzumachen.

Alice und Rosalie umarmten mich, aber ich konnte ihre Zuneigung nicht erwidern. Es war, als wäre mit dem Blut auch mein Lebenswille aus meinem Körper geflossen. Es war einfach so anstrengend geworden, jeden Morgen aufzustehen und zu kämpfen. Ich wollte nicht mehr kämpfen.

„Bist du sicher, dass wir gehen sollen?“, fragte Rosalie. Sie schien bemerkt zu haben, dass es mir noch nicht mal ansatzweise besser ging. „Ja“, meinte ich mit belegter Stimme. „Leg dich hin. Sobald du eingeschlafen bist, gehen wir raus“, erklärte sie bestimmt und ich hatte nicht die Kraft, mich ihr zu widersetzen. Alice drückte mich in die Kissen und irgendwann schaffte ich es nicht mehr, meine Augen noch länger offen zu halten.

„Danke“, nuschelte ich müde, denn obwohl das alles etwas anders gelaufen war, als ich es geplant hatte, waren die beiden bedingungslos für mich da gewesen – mit vollstem Verständnis und ohne blöde Nachfragen oder Verurteilungen.

Die Sonne kitzelte mich in der Nase. Müde streckte ich mich, als ein unangenehmes Ziepen mich harsch in einen vollkommenen Wachheitszustand zog.

Was…? Es dauerte einen Moment, bis ich vollkommen verstand, was passiert war.

Ich stöhnte. Konnte das wahr sein? Hatte ich wirklich? Oh nein.

Verzweifelt vergrub ich mein Gesicht in den Händen. Was hatte ich nur getan? Carlisle würde mich umbringen! Wie sollte ich ihm nur erklären, was passiert war? Alice und Rosalie hatten mir dieses Versprechen abgenommen. Wie sollte ich das nur überstehen?

Mein erster Gedanke war, einfach wegzulaufen. Meinem Vater könnte ich eh nicht helfen und Carlisle würde sicherlich nicht verstehen können, was passiert war. Er wäre nur sauer und enttäuscht. Das wollte ich nicht. Verdammt, warum hatte ich das überhaupt getan?! Ich hatte noch nicht mal einen klaren Kopf gehabt. Das war einfach passiert, ohne dass ich etwas dagegen hatte tun können. So wirklich konnte ich Carlisle also nicht mal erklären, warum ich es getan hatte. Ich war einfach zu schwach, um das Leben ohne diese Art von Stressbewältigung zu überstehen. Mein Blick wanderte suchend umher. Ich wäre sofort bereit, es wieder zu tun. Ich wollte diese Gedanken, diesen Hass nicht mehr länger ertragen müssen.

Mein Handy klingelte. War das schon Carlisle? Ein Blick aufs Display verriet mir, dass es Alice war und sie würde sicherlich keine Ruhe geben, also nahm ich an. „Hey, wie geht’s dir?“, fragte sie bedrückt. Ich merkte ihr an, dass ihr die gestrige Nacht ziemlich zu schaffen gemacht hatte. „Ich komm klar.“ „Rosalie und ich waren abwechselnd da, in der Nacht. Wir wollten nur sichergehen, dass du okay bist“, erklärte Alice entschuldigend, aber so wirklich konnte ich ihr nicht mal böse sein.

Meine ganze Wut richtete sich gegen mich selbst. Ich konnte nicht verstehen, warum ich das getan hatte. Eigentlich hätte ich doch wissen müssen, dass so etwas die Konsequenz wäre!

„Darf ich hochkommen?“, fragte Alice irgendwann in die Stille hinein. Ich zuckte nur mit den Achseln. Es war mir egal. Hauptsache, ich würde irgendwie aus der Nummer wieder rauskommen. Ich hatte wirklich Mist gebaut. Und nun wollte Alice auch noch, dass ich Carlisle einweihte.

Vielleicht könnte ich sie davon überzeugen, dass das alles gar nicht so wild war und sie sich keine Sorgen um mich machen musste. „Ich komme dann“, warnte mich Alice, sodass ich kaum zusammenzuckte, als sie plötzlich am Fenster stand, es hochschob und in meinem Raum stand. „Du siehst müde aus“, stellte sie fest, als sie ihr Handy wegpackte und sich zu mir aufs Bett fallen ließ.

„Ich kann nicht mehr“, gab ich erschöpft zu. Es wunderte mich, dass ich das tat, aber es reichte nicht aus, um meine Worte zurücknehmen zu wollen. Sie entsprachen der Wahrheit.

„Das kann ich verstehen. Was belastet dich?“ Eigentlich belastete mich alles. „Die Sache mit Charlie, die ewigen Diskussionen mit Carlisle, das hier, die Aussicht, ihm das erklären zu müssen, einfach alles. Ich kann nicht mehr, Alice. Ich will doch einfach nur normal sein. Ich muss noch nicht mal glücklich sein, verstehst du?“

Und dann weinte ich. Ich trauerte um meine Unbeschwertheit, die Normalität. Ich weinte wegen Charlie, dem Essen, dem Gewicht und den Kilokalorien. Die ganze Welt schien auf mich herabzustürzen.

Und Alice war da. Sie zog mich in eine Umarmung und war einfach da. Mehr konnte sie nicht tun und das wusste sie.
„Ich will wieder normal sein. Ich will das alles einfach nur noch vergessen“, schluchzte ich.

„Ich kann nicht mehr!“, schrie ich mit rauer Stimme.

Meine Welt war zerbrochen und würde wohl nie wieder heil werden. Alleine die Aussicht auf die kommenden 24 Stunden sorgten dafür, dass ich mich am liebsten von einer Klippe stürzen wollte. Es würde grauenvoll und anstrengend werden. Am liebsten würde ich mich mit Carlisles Medikamenten zuballern. Nur dann bestand die Chance, das irgendwie zu überstehen.

Aber das ging nicht.

Und genau das war das Problem.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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