Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
28.10.2020
457
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Dieses Kapitel
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17.10.2020 1.209
 
Hallo ihr Lieben,
hoffentlich hattet ihr einen schönen Samstag. Ich habe heute endlich wieder mal meine beste Freundin treffen können. Das war wirklich wunderschön.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Es war merkwürdig, mit Carlisle dort zu sitzen und aus dem Augenwinkel beobachten zu können, wie er stetig trank.

Irgendwie machte es mich aber auch etwas neugierig und ehe ich mich zurückhalten konnte, kamen die Fragen schon aus meinem Mund geschossen: „Stimmst du Rosalie zu, dass es nicht so gut schmeckt wie frisches Blut?“ Fast hätte ich mir die Hand vor den Mund geschlagen. Wie konnte ich nur so taktlos sein?

„Nun ja, gewissermaßen kann ich mich ihren Argumenten nicht entziehen, aber ich finde es nicht so schlimm“, erklärte er und schien sich dabei gar nicht an meiner unpassenden Frage zu stören. „Ihr müsst das nicht tun“, wollte ich klarstellen. „Ich kann verstehen, wenn es euch nicht schmeckt und es ist ja auch ganz anders als sonst. Ihr sollt euch das nicht wegen mir reinzwingen müssen.“

Es war komisch, dass ich nun hier saß und das von ihnen forderte, obwohl ich selbst nach dem Gegenteil lebte. Eigentlich aß ich nur für die Cullens und zwang ich mir das Essen beinahe täglich rein. Und nun wollte ich predigen, dass sie das nicht tun sollten? Ich konnte so eine Heuchlerin sein!

„Das ist in Ordnung. Wir tun das gerne und es schmeckt auch nicht schlecht, eher anders. Mach dir keine Sorgen. Es ist anders, aber mir gefällt diese zivilisierte Art und Weise sehr gut, verstehst du?“ Ehe ich es verhindern konnte, hatte ich schon die nächste Frage gestellt. Wir sprachen sonst nie über die Nahrung der Cullens. Vielleicht konnte ich mich auch deshalb nicht zurückhalten. „Und sonst findest du es unzivilisiert?“

Es schien, als hätte genauso gut Carlisle diese Frage stellen können. Er hatte auch so ein Talent dafür, unangenehme Aspekte herauszugreifen und zielsicher den Finger in die Wunde zu legen. Offenbar tat ich das gerade ebenso.

„Ich wollte nicht taktlos sein, entschuldige“, meinte ich betreten. Warum hatte ich mich auch nicht besser unter Kontrolle? Mein Griff um das Messer verstärkte sich. Ich musste mich besser konzentrieren!

„Mach dir keinen Kopf. Ich kann verstehen, dass du neugierig bist, was unser Leben betrifft. Gewissermaßen würde ich unsere Jagd nicht als unzivilisiert betrachten, aber eben doch als gewaltvoller und dynamischer als diese Mahlzeit hier. Es ist demnach entspannter und gesitteter. Man könnte fast vergessen, dass ich ein Vampir bin, so normal ist dieser Akt.“

Carlisle klang seltsam traurig und auch jetzt, wo all meine Alarmglocken schrillten, schaffte ich es nicht, mich zurückzuhalten. „Aber wärst du denn gerne wieder menschlich?“

Ich wusste, dass Rosalie die Frage wohl wahrscheinlich mit Ja beantwortet hätte. Ich musste unwillkürlich an unser Gespräch im Urlaub denken. Wenn Emmett ebenfalls menschlich wäre, müsste sie wahrscheinlich keine Sekunde lang überlegen. Bei Carlisle war ich mir unsicher. Er wirkte so gefasst und angekommen in diesem Leben, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass er sich etwas anderes wünschte.

„Anfangs wollte ich um jeden Preis mein altes Leben zurück. Gewissermaßen sogar sehr lange, bis ich dann vor ein paar Jahrzehnten Esme wiedersah. Seit wir zusammen sind, kann ich mein Dasein genießen. Es ist einfach schön, Zeit zu haben und sich nicht sorgen zu müssen“, erklärte er und ich bewunderte ihn für seine Offenheit. Es war schön, dass auch er mich mal tief blicken ließ.

Ein Leben als Vampir war also nicht zwangsläufig perfekt. Vielleicht wäre es also gar nicht mal ein Allheilmittel für meine Probleme. Ich beschloss, meine Gedanken mit Carlisle zu teilen. „Und wie ist es mit den anderen? Ich hätte gedacht, ein Leben als Vampir ist perfekt.“ Meine Aussage schien naiv zu sein, denn Carlisle lächelte wohlwollend.

„Nun ja, wie du weißt, sehnt Rosalie sich nach ihrem alten Leben. Auch Jasper musste schlechte Erfahrungen in dieser Welt machen. Alice hat ja die Erinnerung an ihr menschliches Leben nahezu verloren und daher keinen Vergleich. Bei Emmett bin ich mir selbst nicht allzu sicher. Esme ist dankbar, dass es so gekommen ist und sie nun eine zweite Chance hat. Aber trotzdem kann man nicht sagen, ob eine Verwandlung nun Segen oder Fluch ist. Das muss jeder für sich entscheiden“, erklärte mir Carlisle.

Währenddessen hatte ich langsam aber stetig immer weiter gegessen. Kaum mehr drei Gabeln hatte ich noch zu schaffen.

„Das ist merkwürdig. Ich will euch eure Emotionen nicht absprechen, aber für mich macht ihr immer einen so glücklichen und zufriedenen Eindruck, weißt du? Es wirkt nicht so, als könntet ihr jemals etwas anderes wollen“, murmelte ich vor mich hin. So wirklich wusste ich nicht mal, ob ich zu Carlisle oder zu mir selbst sprach.

„Weißt du Bella, auch ein Leben als Vampir ist nicht zwangsläufig perfekt. Es ist gerade anfangs mit viel Schmerz gepflastert, wenn nach und nach Kontakte abgebrochen werden müssen, Angehörige sterben und man sich selbst äußerlich nicht verändert. Dazu kommt der brennende Durst. Natürlich gibt es aber auch schöne Seiten und man kann dieses Dasein genießen. Trotzdem ist es kein Allheilmittel. Vor allem dann nicht, wenn man die eigenen Probleme mit ins neue Leben bringt. Dann gibt es eine Menge zu tun“, meinte Carlisle und schenkte mir einen wissenden Blick.

Vielleicht hatte er ja auch schon mit dem Gedanken gespielt, ob eine Verwandlung all meine Probleme in Luft auflösen würde. In dieser Hinsicht würde ich aber auf sein Urteil vertrauen.

„Ist es dann schwerer?“, erkundigte ich mich und ich hatte das Gefühl, dass wir durch die allgemeinen Inhalte dieses Thema etwas dickeres Eis betraten.

„Gewissermaßen. Du musst wissen, dass es erst dauert, bis sich alle Emotionen eingespielt haben. Als Neugeborener reagiert man gereizter und generell emotionaler. Es ist keine gute Voraussetzung, wenn man den ganzen Ballast aus dem menschlichen Leben mitbringt. Wenn man es sich aussuchen kann, sollte man seine Angelegenheiten geklärt haben“, erklärte er fürsorglich und ich verstand seine Message dahinter ganz deutlich. Auf keinen Fall würde er mich verwandeln, wenn ich das alles nicht hinter mir gelassen hätte. Selbst dann wäre ihm wahrscheinlich noch nicht wohl dabei, aber wenn er die Wahl hatte, würde er abwarten, bis es mir wieder gut ging.

Das brachte mich gleich zur nächsten Frage. Würde es mir jemals wieder gut gehen? Und wann wäre es dann soweit? Obwohl ich wusste, dass mir niemand darauf eine Antwort geben konnte, wünschte ich es mir so sehr. Das alles war so anstrengend, dass ich mich nach einem festen Tag sehnte, an dem endlich alles vorbei wäre.

Dieser Tag lag aktuell noch in weiter Zukunft. Es wirkte nicht so, als würde es mir bald besser gehen – im Gegenteil. Es gab so viel Chaos, so viel Verzweiflung. Es würde niemals besser werden, zumindest war das mein erster Gedanke. Ich wusste, dass Carlisle alles dafür tun würde, aber auch er konnte keine Wunder vollbringen.

Ich sprach mehr zu mir selbst, als zu ihm, aber dennoch sprach ich es aus: „Werde ich denn jemals so weit sein, dass es mir wieder gut geht? Denkst du, dass ich das alles wirklich hinter mir lassen kann?“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend. Übrigens, habt ihr schon gesehen, wie nah wir an den 200.000 Aufrufen sind? Wie cool ist das denn? Danke euch!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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