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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
27.11.2020
487
586.446
100
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1601 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
04.08.2020 1.112
 
Hallo ihr Lieben,
mir geht es gerade nicht so gut, von daher möchte ich euch um Verständnis bitten, dass ich mich erst morgen wieder ausführlicher bei euch melde.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Ein Zischen. Schmerz. Der Geschmack von Blut.

Meine Lippen. Ich durfte nicht laut sein. Das würde es nur noch schlimmer machen.

Salzige Tränen. Schmerz. Ein Aufschrei. Stille.

Wimmern. Ein Lufthauch.

Nein!


Ein markerschütternder Schrei zerriss qualvoll die stille Nacht. Ich brauchte einen Moment, um zu erkennen, dass dieser animalische Schrei von mir gekommen war. Mein ganzer Körper schien zu zittern. Es war so real gewesen.

„Bella!“, tönte es von Alice, die plötzlich in meinem Zimmer stand. „Was ist passiert?“ Ich konnte ihr nicht mehr antworten. Meine Emotionen drohten mich zu überwältigen. Statt mich zu erklären brach ich in Tränen aus.

Langsam trat Alice an mein Bett heran. „Hast du schlecht geträumt?“ Gerade so brachte ich ein Nicken heraus. Vorsichtig zog mich Alice in eine wohltuende Umarmung. Ihre Kälte war angenehm auf meiner erhitzten Haut.

Es fing wieder an. Mit meiner Offenheit hatte ich es heraufbeschwört.

„Ruhig, es ist alles gut“, versuchte Alice mich und meine beschleunigte Atmung etwas zu beruhigen.

Ich hatte Angst. Dieser Alptraum war so real gewesen und ich befürchtete, dass er zurückkehren würde. So wie die Alpträume kurz nach dem Verschwinden der Cullens.

Alice schien zu merken, dass das kein gewöhnlicher Alptraum gewesen sein musste. Wahrscheinlich machte man normalerweise keinen solchen Aufstand. Eigentlich sollte ich zu alt für so einen Mist sein, aber nein.

Ein Klopfen ließ mich hochrucken. Sofort stand ich wieder unter Strom. „Bella, darf ich reinkommen?“ Es war Carlisle. Erleichtert nickte ich. Er würde es verstehen. Er würde wissen, wovon ich geträumt hatte.

„Ich lasse euch alleine“, flüsterte Alice noch und verschwand. Kurz darauf saß Carlisle an meinem Bett. „Darf ich dich umarmen?“, fragte er taktvoll. Als Antwort ließ ich mich einfach an ihn sinken. Leise Schluchzer schüttelten meinen Körper.

„Es fängt wieder an“, stieß ich abgehackt aus. „Hier wird dir nichts passieren. Du bist in Sicherheit“, antworte Carlisle beruhigend.

„Nein! Es fängt wieder an.“ Meine Antwort klang apathisch. Die Angst hielt mich fest im Griff, ließ mein Herz schneller schlagen und meine Hände schweißnass werden.

„Was fängt wieder an?“, fragte er nun nach. „Die Alpträume. Carlisle, ich kann das nicht noch mal“, schluchzte ich. „Wann hattest du diese Alpträume schon mal? Damals?“ Es war klar, dass er das mit dem Auslöser verband, aber damals war es nicht so gewesen.
„Als Edward, als ihr gegangen seid, ging es wochenlang so. Ich habe im Schlaf geschrien. Jede Nacht bis ich irgendwann vor lauter Erschöpfung im Unterricht eingeschlafen bin“, murmelte ich bedrückt.

Ich hatte diese Nächte verdrängt, aber es fühlte sich an wie damals. Ich wollte das nicht noch mal. Die Angst und vor allem die ständige Angst vor dem Schlaf. Die Träume hatten mir meinen Rückzugsort genommen, meine Oase.

Auch jetzt nutzte ich den Schlaf um abzuschalten und zu vergessen. Es durfte einfach nicht wieder anfangen.

„Es wird alles gut, Bella. Es ist verständlich, dass dich das Thema heute in deine Träume verfolgt hat. Das war alles sehr aufregend für dich. Ein schlechter Traum heißt nicht zwingend, dass es wieder so schlimm wird“, versuchte Carlisle, mir gut zuzureden.

„Aber was, wenn doch?“ Die Panik in meiner Stimme ließ selbst mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich konnte das nicht. Nicht noch mal.

„Wir warten ab. Es gibt Mittel und Wege, um damit umzugehen. Es muss nicht wieder so schlimm werden wie damals. Mach dir deswegen keine Sorgen. Ich werde dir helfen, schon vergessen?“ Sanft stupste er mich unterm Kinn an und schenkte mir einen zuversichtlichen Blick.

„Aber was mache ich denn jetzt?“, fragte ich verzweifelt. Wie sollte ich jetzt noch schlafen können?

„Der Traum kann auf ein Trauma hinweisen, was ich bei deinen Erlebnissen am wahrscheinlichsten halte. Wir sollten dringend darüber sprechen, was…“ Ich unterbrach ihn. Das ging einfach nicht: „Ich kann nicht darüber sprechen!“

„Du musst nicht sofort darüber sprechen, aber es würde dir sicherlich helfen. Oder du schreibst es auf. Meistens kann das fürs Erste helfen, aber wir müssen eben auch die Ursache anpacken.“ Die Ursache wollte ich eigentlich nur noch vergessen und reden könnte ich darüber erst recht nicht. Es ging einfach nicht!

Carlisle drückte mich etwas fester an sich und versuchte so, mich aus meinen panischen Gedanken zu reißen. Meine Anspannung wurde etwas weniger. „Soll ich dir Papier und Stift holen? Danach könntest du vielleicht noch mal schlafen. Es ist noch sehr früh“, bot Carlisle an. Vehement schüttelte ich den Kopf. „Ich will es einfach nur noch vergessen“, schluchzte ich.

Carlisle machte sich nicht die Mühe, mir jetzt zu erklären, dass das so nicht funktionierte. Trotzdem hörte ich gedanklich seinen Vortrag. Ich müsste mich dem stellen und dürfte es nicht vergessen. Das hatte ich schon zu oft gehört. Ich kannte diesen Vortrag beinahe schon auswendig.

„Möchtest du dann etwas zum Einschlafen haben?“, bot Carlisle an, aber das kam für mich heute nicht in Frage. Ich hatte Angst, dass es mich in diesem Alptraum gefangen halten würde. „Nein, bitte nicht“, schluchzte ich. „Es ist alles gut. Niemand zwingt dich. Schau dich um. Du bist in Sicherheit. Es ist niemand hier, der dir wehtun wird“, beschwichtigte mich Carlisle.

Carlisle wartete mit mir, bis ich mich zumindest wieder etwas beruhigt hatte. Dann drückte er mich irgendwann sanft in die Kissen, aber ich klammerte mich an seinem Arm fest. „Ich werde hören, solltest du wieder schlecht träumen. Ich verspreche dir, dass ich sofort da sein werde und dich wecke.“

Erst jetzt viel mir auf, dass Carlisle ungewöhnlich leger gekleidet war. Er kam wahrscheinlich direkt von der Jagd. Vielleicht hatte er mich deswegen nicht vorher geweckt.

„Versprochen?“, flüsterte ich und erst als Carlisle seine Aussage nochmals beteuerte, ließ ich seinen Arm los. Er hingegen griff nach meiner rechten Hand. „Schau her“, meinte er väterlich und hob meine Hand etwas hoch. Mein Blick fiel auf meinen Ring, der im Licht der Nachttischlampe silbern glänzte.

„Das ist mein Versprechen an dich. Ich werde da sein, um dir zu helfen. Wir werden dich nicht alleine lassen. Immer wenn du daran zweifelst, schau auf diesen Ring. Er wird dich daran erinnern, dass du ein Teil dieser Familie bist und wir lassen einander nicht im Stich. Es wird alles gut.“

Mit diesen Worten strich er mir über den Kopf und erhob sich. „Gute Nacht, Bella. Es wird alles gut.“

Und obwohl ich selbst nicht daran glaubte, nickte ich ihm zu. Sein zuversichtliches Lächeln gab mir etwas Hoffnung.

Die hatte ich gerade auch bitter nötig.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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