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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
30.10.2020
459
553.335
96
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1484 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
03.08.2020 1.129
 
Hallo ihr Lieben,
leider war es bei mir heute wirklich sehr turbulent und bin noch nicht zur Auslosung anlässlich des Jubiläums gekommen. Morgen wird es leider nicht anders, aber natürlich werde ich es nicht vergessen, keine Sorge.
Nun wünsche ich euch aber ganz viel Spaß beim Lesen!

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Ich hatte gehofft, das Thema mit dem Gespräch hinter mir lassen zu können, aber ich schaffte es nicht.

Stattdessen lag ich in meinem Bett, starrte vor mich hin und dachte nach. Ich blickte auf, als Alice mir mit einem wohlwollenden Lächeln das Abendessen brachte, aber sie verschwand relativ schnell wieder. Wahrscheinlich wollte sie mir meinen Freiraum lassen.

Ich wusste ehrlich gesagt noch nicht mal selbst, was ich überhaupt wollte.

Essen gehörte aber eigentlich nicht dazu. Schwerfällig rappelte ich mich auf. Ich nahm sogar ein paar Bissen. Ehrlich gesagt schmeckte ich das Essen nicht mal richtig. Irgendwie schien es auch plötzlich gar nicht mehr so wichtig zu sein. Ich folgte Carlisles Wunsch, ohne zu protestieren. Obwohl ich kaum etwas davon mitbekam, leerte sich also zusehends mein Teller.

Irgendwann ging es aber einfach nicht mehr. Mir war beinahe schon schlecht und ich stellte die Sachen beiseite. Danach ließ ich mich einfach wieder in mein Bett sinken.

Die Traurigkeit hatte von mir Besitz ergriffen. Es fühlte sich nicht so an, als würde sie mich jemals wieder freigeben. Ich bereute meine Entscheidung nicht direkt, aber ich hatte trotzdem ein ungutes Gefühl. Ich hatte einen riesigen, geheimen Teil meines Lebens preisgegeben. Durch dieses Geständnis hatte ich mich furchtbar verletzlich und angreifbar gemacht. Carlisle wusste nun Bescheid und er würde es nie wieder vergessen.

Ich hoffte nur, dass sich nichts ändern würde. Mit diesem Geständnis hatte ich schon genug kaputt gemacht. Ich hatte das Bild der heilen Familie zerstört. Früher hatte ich immer erzählt, dass ich glücklich war, die perfekte Familie hatte. Damals hatte ich nicht den Mut, das Kartenhaus der Lügen in sich zusammenfallen zu lassen. Immer, wenn die Sprache darauf gekommen war, hatte ich gelogen, ihnen allen eine heile Welt vorgespielt.

Das konnte ich nun nicht mehr. Aber was sollte ich denn nun stattdessen sagen? Ich wollte nicht, dass jemand schlecht von meiner Familie dachte. Ich musste den Schein wahren. Niemand sollte schlecht über sie reden, trotz allem.

Ich nahm Carlisle erst wahr, als er vor meinem Bett in die Hocke ging. Sein Blick glitt von dem Teller zu mir hinüber. „Das beschäftigt dich noch ganz schön, hm?“, fragte er einfühlsam. Ich nickte. Hauptsache, er zwang mich jetzt nicht zum Essen.

„Mir ist schlecht“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Ich nehme an, das war alles einfach sehr viel und aufwühlend für dich. Mach dir keine Sorgen, es wird besser werden“, meinte er aufmunternd. Bedeutete das nun, dass ich später essen musste? So viel war eigentlich auch gar nicht mehr übrig. Ich bekam nur einfach nichts mehr herunter.

„Soll ich dir etwas gegen die Übelkeit geben?“, erkundigte er sich besorgt. Ich lehnte ab. „Es geht schon.“

Noch mehr Schwäche konnte ich mir einfach nicht eingestehen. Ich hatte heute schon so viel geweint, da wollte ich nicht auch noch auf Medikamente angewiesen sein, um mich wieder zu beruhigen. „Das ist keine Schande“, meinte Carlisle, der sich offenbar denken konnte, dass ich aus anderen Gründen ablehnte. „Ich will nicht“, schob ich also hinterher und er nickte. „Das ist in Ordnung. Es war nur ein Angebot.“

Ich sah ihm an, dass er sich sorgte. Mittlerweile konnte ich ihn besser lesen als noch vor einigen Wochen. Seine Augen zeigten mir, dass er nach den Anzeichen suchte, dass ich eine Dummheit machen würde. Aber das würde nicht passieren. Nicht heute. Ich war erschöpft, antriebslos. Ich konnte mir nicht mal vorstellen, aus meinem Bett aufzustehen. Mehr als hier zu liegen wollte ich nicht. Es würde nichts passieren. Carlisle sah das offenbar ähnlich, denn er erhob sich irgendwann.

„Möchtest du versuchen, etwas zu schlafen?“ Etwas planlos nickte ich. Carlisle nahm den Teller an sich. „Mach dir deswegen keine Sorgen. Gute Nacht, Bella.“ „Gute Nacht, Carlisle.“

Es war eine Erleichterung für mich, dass er mich nun nicht auch noch zum Essen zwang. Eigentlich wusste ich ja ganz genau, dass er in letzter Zeit ganz besonders darauf achtete, dass ich regelmäßig aß, nichts übrig ließ und mich nicht drückte. Sein Entgegenkommen fühlte sich gut an. Dabei ging es mir nicht mal so sehr um die eingesparten Kilokalorien und das Hungergefühl, dass sich vielleicht später noch einstellen würde.

Es berührte mich, dass Carlisle nachgab. Er hatte meinen Schmerz gesehen, meine Verzweiflung. Irgendwie schien er zu verstehen, dass ich einfach nicht essen konnte. Mit wollen hatte das ausnahmsweise eher wenig zu tun. Ich war einfach fertig und wollte einfach nur noch schlafen.

Leider drehte ich mich stattdessen von einer Seite auf die andere. Zwischendurch hatte ich schon meine geistigen Fühler nach Jasper ausgestreckt, aber er schien sich heute schwer damit zu tun, mich in den Schlaf zu schicken. Na klar, meine Gedanken waren alles andere als harmlos oder leicht zu bekämpfen. Ob er wusste, was passiert war? Carlisle hatte bestimmt nichts erzählt, aber es gab ja immer noch Alice mit ihren Visionen. Was, wenn sie etwas wusste? Ob sie ihm davon erzählen würde?

Irgendwie war mir diese Sorge aber gerade nicht so wichtig. Vielmehr zählte nun, ob ich mit meinem Vorstoß nun meine Vertrauensbasis mit Carlisle vollends zerstört hatte. Ich machte mir Sorgen, dass ich damit alles verändert hatte.

Veränderungen waren mein Feind. Dann war es meistens immer nur noch schlimmer geworden und ich konnte mir nicht vorstellen, wie ich das überstehen sollte.

Leider würde wohl nur die Zeit zeigen, inwiefern sich dadurch etwas geändert hatte. Wie viel würde ich jetzt dafür geben, so wie Alice in die Zukunft sehen zu können? Vielleicht würde ich auch glauben, dass alles wieder gut werden könnte, wenn ich es sehen würde.

Im Moment erschien mir alles so dunkel, dass jegliche Hoffnung verloren schien. Es wirkte sinnlos, es überhaupt noch zu versuchen. Würden Carlisle und die anderen mir nicht ständig Mut machen und mir beistehen, wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier. Ich konnte nicht sehen, was sie sahen und manchmal zweifelte ich an allem. Ich brauchte ihre Zuversicht, um nicht in meiner ewigen Hoffnungslosigkeit zu ertrinken.

Irgendwann wurden meine Augenlieder immer schwerer. Ich wusste nicht, was Jasper nun anders machte, aber ich kämpfte nicht gegen seinen Einfluss an. Ich hieß die Schwärze willkommen, die mir endlich Ruhe vor meinen Gedanken verschaffen würde. Es war grauenvoll genug, dass ich das alles erzählt hatte. Der Schmerz war immer noch genauso präsent wie während des Gesprächs.

Ich hoffte einfach darauf, dass die Welt wieder anders aussehen würde, wenn ich aufwachte.

Vielleicht hoffte ich sogar ein bisschen, dass ich mir das ganze Gespräch nur eingebildet hatte.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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