Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
29.09.2020
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Dieses Kapitel
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02.08.2020 1.169
 
Hallo ihr Lieben,
vielen herzlichen Dank für eure ganzen Glückwünsche und Reviews zum gestrigen Jubiläumskapitel! Ich habe mich wirklich so sehr darüber gefreut! Ihr seid echt die Besten! Morgen werde ich für eine kleine Überraschung auch noch jemanden auslösen... seid gespannt!
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Ich klammerte mich an Carlisle.

Ich sehnte mich nach seiner Zuneigung und ließ mich von ihm beruhigen. Er vertrieb die Angst und schenkte mir dafür das warme Gefühl von Geborgenheit, welches ich so sehr vermisst hatte.

Wir verharrten lange in dieser Umarmung. Ich hatte meinen Kopf an seine steinerne Schulter gelehnt und Carlisle strich mir beruhigend über den Rücken. Ich merkte, dass er vorsichtig war. Er schien, als wollte er nichts falsch machen, keine Erinnerungen heraufbeschwören.

Davor hatte ich Angst. Ganz lange hatte ich nicht mal einen Gedanken daran zugelassen. Nun hatte ich es ausgesprochen, mich verletzbar gemacht.

„Ich weiß, dass du mir nie etwas tun würdest“, flüsterte ich nochmals. Carlisle sollte sich nicht schlecht fühlen. Er konnte ja auch gar nichts dafür. „Ich weiß. Mach dir keine Sorgen“, war seine gemurmelte Antwort.

Ich war es, die die Umarmung letztendlich beendete. Ich schämte mich irgendwie dafür. Für meine Emotionalität, aber auch dafür, dass mich das immer noch beeinflusste und auch dafür, dass es mir überhaupt passiert war.

Carlisle schenkte mir ein warmherziges Lächeln, dass die dunklen Gefühle etwas weniger werden ließ. Ich war so dankbar, dass er mich nicht wegstieß. Ich hatte fürchterliche Angst gehabt, dass ihn diese Vermutung treffen könnte, dass er mich wegstoßen würde und dass ich dann wieder alleine wäre. Aber es war alles gut gegangen. Wieder mal hatte Carlisle mir bewiesen, dass ich ihm vertrauen konnte. Aber…

„Aber Carlisle, was soll ich jetzt machen? Ich habe versucht, diese Angst in den Griff zu bekommen, habe mir immer wieder versucht einzureden, dass ich mich nicht fürchten muss“, murmelte ich bedrückt. Ich wollte ja auch gar keine Angst vor Carlisle haben. Ich konnte mich nur einfach nicht dagegen wehren.

„Darüber muss ich mir auch erst noch Gedanken machen. Auf jeden Fall werden wir in unseren Sitzungen darüber sprechen müssen, damit du dich davon frei machen kannst. Und es wird dir helfen, auch in kritischen Situationen – in etwa so wie heute – zu sehen, dass alles gut geht. Positive Erfahrungen zu sammeln ist unfassbar wichtig“, erklärte er mir.

Ihm schien noch etwas einzufallen, denn er schob gleich etwas hinterher: „Du kannst das aber auch mit Esme besprechen, wenn dir das leichter fällt.“

Ich dachte nach. Eigentlich wollte ich nicht, dass Esme davon wusste. Aber ob Carlisle mir das erlauben würde? Ich beschloss, ihm zu vertrauen, unseren Draht zu nutzen und mich zu überwinden.

„Ich weiß nicht. Ich will nicht, dass sie davon weiß. Sie würde mich dann bestimmt immer so ansehen. In ihren Augen wäre ich dann noch kaputter, als ich es jetzt schon bin… Ich habe es dir nur gesagt, weil es gar nicht anders ging. Ich wollte nicht, dass du dich schlecht fühlst. Aber Esme muss das nicht wissen. Bitte, Carlisle.“

Carlisle sah es nicht gerne, wenn ich versuchte, derart belastende Geheimnisse für mich zu behalten und bestimmt sah er das diesmal ähnlich. Trotzdem stimmte er mir zu: „In Ordnung. Es ist deine Geschichte. Allein dir steht die Entscheidung zu, wem du davon erzählen möchtest und wem nicht. Ich denke allerdings, dass Esme dir in diesem speziellen Punkt wirklich weiterhelfen könnte. Denk einfach mal darüber nach, das wollte ich dir nur mitgeben. Wie gesagt: Es ist deine Entscheidung und egal, was du machst, ich werde immer furchtbar stolz auf dich sein und dankbar, dass du mir das anvertraut hast.“

Ich erwiderte Carlisles Lächeln, aber innerlich kam ich nicht umhin mich zu fragen, warum gerade Esme mir weiterhelfen könnte. Ob sie etwas ähnliches erlebt hatte? Ich traute mich nicht nachzufragen, aber ich hatte den traurigen Glanz in Carlisles Augen gesehen, als er darüber gesprochen hatte.

Damals hatte sie zwar nichts in der Richtung angedeutet, aber es war Esme gewesen, die die Zeichen erkannt hatte und mich sanft mit ihrer Befürchtung konfrontiert hatte. Trotzdem, es sollte nicht noch jemand davon wissen.

Eigentlich hatte ich mich schon fast zum Gehen gewandt, als mir noch eine letzte Frage durch den Kopf schoss und ich konnte einfach nicht anders. Ich musste sie stellen. Ich musste es einfach hören. Ich brauchte diese Worte.

„Carlisle, wird jemals wieder alles gut werden?“

Mein Gegenüber stieß ein trauriges Seufzen aus. Ja, wahrscheinlich sollte ich mir in meinem Alter über etwas anderes Gedanken machen.

„Bella, wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um dich zu unterstützen. Es wird nicht einfach oder schmerzlos sein, aber du bist schon so weit gekommen. Du kannst das schaffen. Ich glaube ganz fest daran, dass alles wieder gut wird.“

Das Lächeln, das sich auf mein Gesicht stahl, kam von Herzen. Ich genoss es, Carlisles zuversichtlichen Worten zu lauschen. Er gab mir etwas von der Kraft und dem Optimismus ab, den ich vermutlich nie haben würde.

„Danke, Carlisle. Ich möchte mich jetzt gerne etwas ausruhen“, verkündete ich und drehte mich nun endgültig weg. „Selbstverständlich. Und wenn du reden willst, bin ich jederzeit für dich da“, hörte ich ihn noch sagen.

Müde trottete ich die Treppen nach oben. Dieses Gespräch hatte mich ausgelaugt. Ich hätte niemals gedacht, dass ein Gespräch so anstrengend sein könnte. Selbst nach meinen krassesten Sporteinheiten hatte ich mich nie so gefühlt. Ich war erschöpft.

Ich ließ mich auf mein Bett fallen. Aber kaum lag ich, fing das Gedankenkarussell schon wieder an. Ich zweifelte, ob es richtig gewesen war, Carlisle einzuweihen. Ich hatte Angst, dass nun alles anders werden würde. Carlisle sollte mich nicht anders wahrnehmen. Irgendwann würde doch selbst er aufgeben. Wer wusste schon, was noch alles passieren würde?

Vielleicht wäre ihm irgendwann einfach alles zu viel und er würde aufgeben. Auf jeden Fall könnte ich ihm das nicht übel nehmen. Bei dem Chaos, das ich immer auslöste.

Aber wie würde es nun werden? Oder würde sich überhaupt etwas ändern?

Es graute mir davor, diese Themen irgendwann noch mal genauer mit Carlisle zu besprechen. Heute hatte es schon so weh getan. Wie sollte es dann erst werden, wenn er nachbohren würde und all die Gefühle an die Oberfläche zerren würde, die ich feinsäuberlich ganz tief in mir verstaut hatte?

Carlisle würde das tun, da machte ich mir keine falschen Hoffnungen. Oh ja, wahrscheinlich würde es sogar schmerzhafter werden, als die Schläge an sich. Ich könnte ihn bitten das Thema zu vergessen, aber ich kannte ihn. Er wollte immer, dass ich mich solchen Sachen stellte. Immer verlangte er von mir, dass ich mich damit auseinandersetze.

Aber konnte ich das überhaupt? Ich befürchtete, dass es mich brechen würde, sollte ich all das zu nah an mich heranlassen.

Ich hatte Angst, dass auch die Cullens es nicht aufhalten könnten. Sonst hatten sie mich noch immer gerettet.

Aber wer wusste schon, ob sie mich immer retten könnten?



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend! Vielen Dank für eure Unterstützung!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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