Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
04.08.2020
372
453.104
89
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Dieses Kapitel
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01.08.2020 1.612
 
Hallo ihr Lieben!
Ich bin total inspiriert von euren tollen Geschichten und habe mich entschlossen, nun auch endlich mal wieder zu schreiben und hochzuladen. Wohin diese FF geht, kann ich selbst noch nicht genau sagen, aber lasst es uns gemeinsam herausfinden.


Hallo ihr Lieben,
so habe ich vor genau einem Jahr diese Fanfiction begonnen und nun seht, was daraus geworden ist. Es ist total schön zurückzublicken, was in diesem Jahr so alles passiert ist, hier in der Geschichte und im normalen Leben. Ich danke euch von ganzem Herzen für 161.148 Aufrufe, 238 Favoriteneinträge, 88 Empfehlungen und 1.170 Reviews!

Es ist unglaublich, wenn man bedenkt, was seitdem schon alles passiert ist und ich bin so dankbar für jeden, der mich auf dieser Reise begleitet. Eure Begeisterung zu sehen ist für mich eines der größten Geschenke. Das schenkt mir wahnsinnig viel Mut und Kraft. Ich bin euch unfassbar dankbar dafür!
Vielen Dank für eure Unterstützung, egal in welcher Form!

Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen und hoffe auf viele weitere gemeinsame Kapitel!

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„Wenn du mir vorerst nicht mehr dazu erzählen willst, würde ich das Thema für heute so stehen lassen. Ich will dich nicht für deine Ehrlichkeit bestrafen, indem ich nun nachbohre“, verkündete Carlisle und ich nickte dankbar. Das klang schon mal ganz gut.

„Aber es gibt etwas anderes, ganz Entscheidendes. Das ist mir schon länger aufgefallen und ich möchte dich bitten, mich erst ausreden zu lassen“, schob er hinterher.

Sofort begann mein Herz wieder zu rasen. Es fühlte sich an, wie beim entscheidenden 100 Meter Sprint. Was wollte Carlisle nun?

„Ich habe bemerkt, dass du manchmal sehr ängstlich mir gegenüber bist.“

Noch als Carlisle diese ersten, unheilverkündenden Worte aussprach wusste ich, dass er Recht hatte.

„Das ist teilweise bei ganz normalen Gesprächen so, aber auch gerade, wenn es um wichtige Angelegenheiten geht, habe ich den Eindruck, dass du Angst vor mir hast. Du ziehst dich zurück, willst nicht sprechen und zitterst am ganzen Körper. In diesen Momenten lässt du mich kaum an dich heran, stößt mich weg. Ich kann verstehen, dass es schwierig für dich ist, weil ich gewissermaßen Vertrauensperson und Mediziner vereine, aber dennoch. Ich habe das Gefühl, dass da mehr dahintersteckt.“

„Und was?“, presste ich holprig heraus. Ich erkannte meine Stimme kaum wieder. Sie klang rau wie Schleifpapier.

Noch während Carlisle seine Beobachtung vorgebracht hatte, hatte ich sie wieder gespürt. Diese Angst. Ich kannte diese Angst, von der Carlisle sprach. Ich wusste ganz genau, was er meinte. Wahrscheinlich kannte ich sogar den Grund.

„Ich hatte gehofft, dass du etwas Licht ins Dunkel bringen würdest, denn ich kann nur Vermutungen anstellen. Esme stößt du auch manchmal weg, aber du hast keine Angst vor ihr.“

Ich fühlte mich nicht im Stande dazu, etwas anderes zu tun, als zustimmend zu nicken. Ich konnte Carlisle einfach nicht anlügen. Nicht jetzt.

„Ich möchte dir helfen, dass du dich in meiner Gegenwart wohler fühlen kannst. Wenn du mir sagst, was dir Angst macht, werde ich daran arbeiten. Du sollst dich nicht mehr so fühlen müssen“, versicherte er mir mit eiserner Entschlossenheit.

Ich konnte ihn nicht wegstoßen. Ich merkte, dass ihm dieses Thema naheging und er für mich da sein wollte. Es musste schlimm sein, wenn dann jemand immer so reagierte, wie ich es tat.

„Du kannst nichts dafür. Es liegt an mir“, meldete ich mich leise zu Wort.

„Aber irgendwas an mir wird diese Angst doch auslösen? Bella, du kannst mir vertrauen. Ich werde dich nicht verurteilen oder wegstoßen oder sonstiges. Ich will dir helfen.“

Ich wusste, dass er seine Worte ernst meinte, ich wusste aber auch, dass er nichts tun konnte. Zumindest wenn ich mit meiner Vermutung den Auslöser betreffend Recht behalten sollte.

Aber hatte er nicht die Wahrheit verdient? Ich hatte nie wirklich daran gedacht, dass ich auch ihn mit meinem Verhalten verletzen würde. Aber würde er es denn verstehen?

„Ich…“, begann ich, brach aber wieder ab. Ich war zu schwach. Konnte das nicht durchziehen. Was, wenn …?

„Bella, bitte. Ich kann dir helfen, aber ich muss wissen, was dich ängstigt. Bitte vertrau mir. Du bist hier sicher. Ich will, dass es aufhört. Du musst dich nicht so fühlen, nie. Auch jetzt nicht.“

Es merkte es. Natürlich merkte er es! Carlisle sah mir die Angst an, die Panik, etwas falsch zu machen. Die Momente des Grauens.

Diese Ansprache war es, die mich mein Schweigen brechen ließ. Ich hatte Angst, ganz fürchterliche Angst, dass das furchtbar in die Hose gehen würde. Aber selbst wenn: Der Gedanke an einen letzten, endgültigen Ausweg gab mir Sicherheit. Ich müsste es nicht lange ertragen. Ich hätte einen Ausweg, eine Lösung parat. Es würde schnell gehen und ich würde nicht scheitern.

Also, dann. Los.

„Ich fürchte, dass ich nicht ganz ehrlich zu euch war.“

Zitternd presste ich die Luft aus meinen Lungen. Ich war so schrecklich nervös. Die passenden Worte zu finden schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein und außerdem… Konnte ich das wirklich tun? Würde es mich nicht zerreißen, es laut auszusprechen?

„Ich bin hier und höre dir zu. Wir sind ganz ungestört“, ermutigte mich Carlisle und lehnte sich in seinem Sessel nach vorne. Das war das letzte, was er sagte. Er gab mir die nötige Zeit.

Aber gab es das überhaupt? Genug Zeit, um mich auf das Kommende vorzubereiten?

„Ich war nicht ehrlich zu euch“, wiederholte ich mich. Diesmal war es etwas leichter. Nun würde es aber schwerer werden. Verdammt schwer. Mir wurde schlecht vor Angst und ich betete, dass alles gut gehen würde.

Bitte.

„Ich habe wohl… etwas untertrieben, was … das eine Gespräch betrifft. Mit Esme.“

Mit jedem Wort schien mein Herz immer schneller zu schlagen. Es drohte zu zerspringen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Nur mein unsteter, hektischer, fast schon panischer Atem zerhackte die Stille.

Carlisle schien zu ahnen, worauf das hinauslief. Zumindest sah ich, wie fest er seine gefalteten Hände aufeinander presste.

„Es geht nicht um Charlie. Larry, er…“ Alleine sein Name ließ mich erzittern. „Es war nicht... selten… die Gewalt.“

Es war raus. Irgendwie schien es mir nun leichter zu fallen fortzufahren, nun, wo das Schweigen erst mal gebrochen war.

„Es… Er… Es ist oft passiert. Wegen jeder Kleinigkeit. Jeder Sache, die ich falsch gemacht habe. Ich hatte Angst. Solche Angst… Einmal habe ich mich in meinem Zimmer eingeschlossen…“

Hier brach meine Stimme und erste Tränen liefen mir über die Wangen. Die Erinnerung beschwor unbändigen Schmerz. Damals hatte ich genau in diesem Moment begriffen, dass das, was Larry tat, nicht richtig war. Dass etwas schief lief. Und zwar gehörig.

„Er hat den Gürtel knallen lassen. Ich… Das hat er zwar nie gemacht, aber ich musste an die Schmerzen denken, die Schreie. Ich hatte solche Angst... Ich…“

Wieder brach ich ab. Ich schien den seelischen Schmerz auch körperlich zu spüren. Es war, als würde es mein Herz in abertausende Stücke zerfetzen. Ebenso wie die Illusion der perfekten, heilen Familie.

Irgendwie fand ich trotz der Tränen Carlisles Blick und las darin eine unausgesprochene Frage.

„Ja, meine Mutter hat es gewusst. Sie stand dabei. Manchmal hat sie sich entschuldigt, wenn er… es übertrieben hat. Aber sie hat ihn nie aufgehalten.“

Ich hatte das jahrelange Schweigen gebrochen, aber eine Sache musste ich noch loswerden.

„Ich weiß nicht, ob es überhaupt daran liegt. Ich weiß ja auch, dass ich dir vertrauen kann und dass du mir nie wehtun würdest. Aber ich… Ich habe immer so eine Angst, etwas falsch zu machen und dann... Ihr seht euch so ähnlich. Ich weiß, dass du das nie tun würdest. Wirklich. Es tut mir leid.“

Carlisle suchte nach den richtigen Worten. Ich sah ihn immer wieder ansetzen und doch abbrechen. Wahrscheinlich hatte ich es doch wieder falsch gemacht.

Ich hätte schweigen sollen! Wie hatte ich nur so dumm sein können, ihm das zu erzählen?! Gedanklich sah ich mich schon auf der Klippe. Wenigstens wäre es schnell vorbei. Ich müsste nicht mehr kämpfen. Endlich Frieden.

„Bella, lass mich eines ganz klarstellen“, fing Carlisle dann doch an.

Ich hielt den Atem an. Was würde nun kommen?

„Du musst dich nicht für das entschuldigen, was dir widerfahren ist und auch nicht dafür, dass dich das jetzt noch belastet. Das müssen sehr grausame Erfahrungen gewesen sein und ich bedauere aus tiefstem Herzen, dass du das erleben musstest.“

Wieder suchte er nach den richtigen Worten. Es war seltsam, Carlisle mal sprachlos zu erleben.

„Ich weiß, dass ein Versprechen nicht gegen deine Angst hilft, aber ich werde dir nie etwas derartiges antun. Das schwöre ich dir, bei allem was mir heilig ist. Du gehörst zur Familie und ich will dich vor allem Unheil beschützen. Wenn ich es könnte, würde ich es sofort ungeschehen machen.“

Ich versuchte mich an einem Lächeln, aber es war kalt und herzlos. Der Schmerz übertönte es und verzog meine Mundwinkel zu einer gequälten Fratze.

„Ich kann dir aber versprechen, dass ich dir dabei helfe, das hinter dir zu lassen. Es ist möglich, gut damit zu leben und wir können das zusammen schaffen. Ich werde dir immer beistehen, Bella, das werden wir alle. Und es gibt nichts, weswegen wir dich wegstoßen oder bestrafen würden. Wir sind jeden Tag froh, dass du bei uns bist. Du kannst das hinter dir lassen. Ich glaube ganz fest an dich. Du bist eine starke, junge Frau und ich weiß, dass du auch das meistern wirst.“

„Ich… Danke Carlisle“, schluchzte ich und fiel ihm im nächsten Moment in die Arme.

Seine Umarmung vertrieb die Angst, die Panik, die Übelkeit. Ich fühlte mich geborgen und sicher.

Sicher vor allem Übel und sicher vor mir selbst.



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Ich hoffe, dass euch dieses besondere Jubiläumskapitel gefallen hat und bin schon sehr gespannt auf eure Rückmeldungen! Vielen Dank noch mal für euren ganzen Support!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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