Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
17.09.2020
416
503.889
92
Alle Kapitel
1372 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
31.07.2020 1.211
 
Hallo ihr Lieben,
heute ist also tatsächlich schon der 31.07. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich bin schon auf eure Reaktionen morgen gespannt, aber gleichzeitig will ich euch auch warnen: Wenn es euch mit den bisherigen Themen nicht gut geht, lest es lieber nicht. Das morgige Kapitel ist wirklich nicht ganz ohne.
Nun wünsche ich euch aber erst mal viel Spaß beim Lesen!

**************************************************************************


Esme sprach während des Joggens zwar kein Wort, aber ich bemerkte ihren auffordernden Blick.

Eigentlich wusste ich genau, was sie von mir wollte. Ich sollte mit Carlisle sprechen. Dafür war ich zwar auch hergefahren, aber ich wollte nicht über meinen Rückfall sprechen und ihn enttäuschen.

Natürlich wäre er das und niemand könnte mir etwas anderes einreden. Wenn ich mit ihm sprach, würde ich unsere Beziehung zerstören, zumindest ein bisschen.

Dieser Gedanke verfolgte mich, egal wie schnell ich lief. Auch unter der Dusche dachte ich immer wieder daran. Hoffentlich würde Carlisle das nicht von sich aus ansprechen. Ich hatte mir einen Plan zurecht gelegt, aber ich hoffte dennoch, dass es anders kommen würde.

Ich hatte mich wieder etwas abgeregt. Irgendwie konnte ich Carlisle objektiv betrachtet verstehen. Er hatte keine Lust auf die ganzen Diskussionen und irgendwie konnte ich ihn ja auch verstehen. Trotzdem wollte ich ihm nun am liebsten nicht gegenübertreten müssen.

Eigentlich hatte ich noch nicht mal geplant, wirklich auch zu diesem Gespräch zu erscheinen. Es war Carlisle, der irgendwann klopfte und seinen Kopf zu mir ins Zimmer streckte. Gequält lächelte ich ihm entgegen. Es war soweit. „Bella, da bist du ja. Ich lasse dir noch schnell einen Kaffee raus. Treffen wir uns dann gleich in meinem Büro? Ich denke, wir sollten reden.“

Mein Herzschlag schoss in ungeahnte Höhen. Nein, ich wollte nicht reden.

Trotzdem nickte ich. Vielleicht würde er ja auch ein anderes Thema vorschlagen. Wollte er nicht, dass ich mich den Auslösern stellte? Gerade wäre mir so ziemlich alles recht.

Carlisle saß bereits in seinem Sessel, erhob sich aber, als ich das kleine Hinterzimmer betrat. Er musste mir meine Nervosität schon ansehen, denn er schenkte mir ein zuversichtliches Lächeln.

„Verzeih mir meine Strenge vorhin. Wie fühlst du dich heute, Bella?“, fragte er, als wir uns setzten. Es war immer diese eine, harmlose Frage, die den Beginn der Katastrophe einleitete. „Ganz gut.“ Direkt gelogen war es nicht, obwohl es auch nicht ganz der Wahrheit entsprach. Blickkontakt hatte ich bisher vermieden. Ich hatte Angst, dass Carlisle mir meinen Fehltritt einfach von den Augen ablesen würde.

„Gibt es etwas, was du mir sagen willst?“, fragte er freundlich. Er ahnte etwas. Natürlich ahnte er etwas. Trotzdem verneinte ich. Noch hatte ich die Chance, unbeschadet aus der Nummer heraus zu kommen. Ich durfte jetzt nur nicht einknicken.

„Ich habe mitbekommen, dass du einen Alptraum hattest. Offenbar ging es dabei um mich?“, bohrte er langsam nach. Ich wand mich unter seinen wissenden Worten. „Was hat Esme gesagt?“, platzte ich heraus, als ich die drückende Stille nicht mehr länger aushielt.

„Gar nichts. Sie meinte, dass das eine Sache zwischen uns beiden wäre und sie selbst weiß auch nicht, worum es geht. Willst du mir nicht erzählen, wovon du geträumt hast? Du kannst mir vertrauen. Das scheint dich sehr zu beschäftigen“, redete er langsam auf mich ein, allerdings drängte er mich nicht. Stattdessen vermittelte er mir den Eindruck, dass er ehrlich daran interessiert war, mir zu helfen.

Ich wusste, dass er es früher oder später wahrscheinlich erfahren würde, aber trotzdem tat ich mir fürchterlich schwer. „Du wärst total enttäuscht von mir“, hauchte ich kaum hörbar.

„Bella, sieh mich bitte mal an“, erwiderte Carlisle lediglich. „Ich werde mein Bestes geben, dich zu verstehen und dich zu unterstützen. Ich erlaube mir nie ein Urteil über dein Verhalten. Ich bin mir sicher, dass du gute Gründe dafür hast.“

Seine goldenen Augen strahlten mir zuversichtlich entgegen. Ich konnte selbst nicht verstehen, wie er so grenzenloses Vertrauen in mich haben konnte. Carlisle glaubte an mich, immer, egal, was ich angestellt hatte. Und eigentlich konnte ich ihm ja auch vertrauen.

„Ich habe alles kaputt gemacht“, schniefte ich. Ich hatte fürchterliche Angst vor Carlisles Reaktion und wischte meine nassen Hände an meinen Oberschenkeln ab. „Es gibt kaum etwas, dass wir nicht wieder hinkriegen, meinst du nicht auch? Erzähle mir doch einfach mal von deinem Traum“, bat er erneut. Er schien zu spüren, dass ich bereits damit gerechnet hatte, ihm dieses Geheimnis zu offenbaren und nun damit haderte, ob ich ihn wirklich ins Vertrauen ziehen sollte.

Stotternd, stockend, begann ich, ihm von meinem Traum zu berichten: „Ich habe mich so verfolgt gefühlt. Es war wieder so wie damals… Ich weiß nicht, wovor ich weggelaufen bin, aber eine Stimme wollte, dass ich … es dir sage.“

„Ich nehme mal an, dass du dir einen Reim darauf machen kannst, was du mir sagen sollst?“, hakte Carlisle vorsichtig nach, als ich nicht weitersprach.

Ich nickte und wandte den Kopf ab. „Es tut mir so leid“, schluchzte ich. „Bella, dir muss gar nichts…“, setzte Carlisle schon an, aber ich unterbrach ihn. Ich wusste, dass ich nun einfach für fünf Sekunden mutig sein musste. Sobald ich es erst mal ins Rollen gebracht hätte, bräuchte ich den Mut nicht mehr.

„Ich habe mich übergeben. Mit Absicht.“

Für einen Moment herrschte Stille. Totenstille. Vermutlich hätten wir beide nicht mit meinem plötzlichen Vorstoß gerechnet.

Ich wollte nicht, dass Carlisle nun schlecht von mir dachte. Er sollte es verstehen. Hauptsache, er wies mich nun nicht ab: „Ich… Es war, als Charlie … diesen Satz gesagt hat. Ich konnte es nicht kontrollieren. Ich … Es war so grausam. Ich konnte diese Gefühle nicht mehr ertragen… Ich wollte es in dem Moment einfach so.“

„Das ist okay, Bella. Wirklich. Ich kann nur erahnen, wie sehr dich dieser Satz getroffen hat und ich kann gut verstehen, dass du dir in diesem Moment dadurch geholfen hast, um die Kontrolle zu behalten“, meinte Carlisle liebevoll.

Ich wandte meinen tränenumflorten Blick zu ihm, aber ich konnte keine Enttäuschung in seinem Blick ausmachen. Meinte er das ernst?

„Ich habe alles kaputt gemacht. Deine, eure Bemühungen mit Füßen getreten“, schluchzte ich. „Bella, ich weiß doch auch, dass es oft sehr hart für dich ist und manchmal läuft auch nicht alles wie geplant. Wichtig ist nur, dass du weitermachst.“

Ich konnte nicht verstehen, wie Carlisle so sein konnte. So optimistisch. So positiv.

Ich hatte solche Angst vor diesem Gespräch gehabt und er saß einfach hier und sagte, dass er es verstehen konnte. Manchmal überraschte er mich tatsächlich noch. Ich wollte ihm widersprechen, sagen, dass er das gar nicht ernst meinen konnte, aber ich sah es in seinen Augen. Ich sah ihm an, dass er es wirklich auch so meinte. Carlisle war weder böse noch enttäuscht. Er wirkte vielmehr… stolz.

„Danke Bella, dass du dich mir anvertraut hast. Das bedeutet mir wirklich sehr viel und ich weiß es sehr zu schätzen. Das muss dich viel Mut gekostet haben. Ich bin wirklich sehr stolz auf dich. Das hast du großartig gemacht.“

Unter Carlisles Lob richtete ich mich in meinem Sessel wieder auf. Ich war so erleichtert, dass er derart positiv reagiert hatte. Mein Herzschlag schien sich wieder zu beruhigen und die Anspannung wich aus meinem Körper.

Zumindest für den Moment.



**************************************************************************

Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und freue mich schon sehr auf morgen!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
Review schreiben