Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
21.10.2020
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30.07.2020 1.250
 
Hallo ihr Lieben,
heute hätte ich auch wirklich wieder ein paar Stunden mehr gebrauchen können. Ich bin gerade ganz schön erschrocken, als ich auf die Uhr geschaut habe.
Nun wünsche ich euch aber viel Spaß beim Lesen!

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Ich erzählte meinem Vater, dass ich noch keinen Sport gemacht hatte und Carlisle mir das erlauben würde.

Das entsprach ja eigentlich auch der Wahrheit, aber trotzdem nutzte ich mein Wissen und spielte die beiden gegeneinander aus, indem ich meinem Vater anbot, Carlisle anzurufen. Ich wusste ganz genau, dass er das niemals tun würde und so kam ich relativ unkompliziert an mein Ziel.

Schlussendlich hielt ich mich aber an die Vorgabe, die ich meinem Vater genannt hatte. Nach einer Stunde war ich wieder zurück, schweißgetränkt und vollkommen fertig. Da ich mich nicht übergeben hatte, war das nun mein Versuch, irgendwie mit den negativen Gefühlen in meinem Inneren umzugehen. Außerdem hatte Carlisle mir ja auch Sport als Skill vorgeschlagen, also sollte das eigentlich wirklich in Ordnung gehen.

Am nächsten Morgen spürte ich meine überanspruchten Muskeln, aber ich freute mich über den ziehenden Schmerz. Ich wusste, dass ich etwas für meinen Körper getan hatte. Beinahe jede Bewegung erinnerte mich an die gelaufenen Kilometer und die einzelnen Übungen, die ich eingestreut hatte.

Ich spürte eine gewisse Stärke, die ich schon sehr lange nicht mehr wahrgenommen hatte. Den Sport gestern hatte ich vollkommen diszipliniert durchgezogen und fast war ich so weit zu sagen, dass ich sogar ein kleines bisschen stolz auf mich war.

Ich wusste nicht genau, wann ich denn nun bei den Cullens erwartet werden würde. Wahrscheinlich würde ich wieder pünktlich zum Mittagessen da sein.

Außerdem würde heute ja noch ein Gespräch folgen. Eigentlich gab es noch so viele Dinge, über die ich nachdenken musste. Am akutesten war da natürlich das Gespräch mit Carlisle. Eigentlich hatte ich beschlossen, ihm nichts von meinem Rückfall zu erzählen, sollte er nicht eh schon etwas wittern. Vermutlich würde ich aber mit ihm einen Deal ausmachen, sollte er tatsächlich nachfragen. Ich wollte sichergehen, dass ich keine Konsequenzen zu befürchten hatte.

Ehrlich gesagt vermutete ich nämlich schon fast, dass er nachhaken würde. Es war eben Carlisle und wenn ich das ganze realistisch betrachtete, war er mir immer einen Schritt voraus. Es wäre also nicht sonderlich überraschend, wenn es nun genauso wäre.

Da waren aber noch ganz andere Themen, die mich beschäftigen. Nun, wo der erste Stress verarbeitet war, überlegte ich, wie es jetzt weitergehen sollte. Irgendwann würde Carlisle wohl herausfinden, dass ich nicht nur kurz auf Konfrontationskurs gehen wollte, sondern dauerhaft. Ich wollte wieder abnehmen und die lästigen Kilogramm loswerden, die er mir mit seinem blöden Plan verpasst hatte.

Ich wusste um das Risiko, mich gegen ihn zu stellen. Ich war nicht so naiv zu glauben, dass er nicht gegen meinen Willen eine Infusion einsetzen würde oder gar eine Magensonde, wenn es aus ärztlicher Perspektive erforderlich wäre.

Diesmal fühlte es sich fast so an, als wäre ich bereit, ihn auf die Probe zu stellen. Trotzdem blieben die Zweifel, ob ich dafür stark genug dafür wäre. Ich müsste ja nicht nur Carlisle und Esme kontra geben. Die anderen würden zusätzlich auf mich einreden und Jasper würde ja auch noch verstehen, wie ich mich bei dem ganzen fühlte. Wahrscheinlich wäre er einer der gefährlichsten Gegner.

Trotzdem hatte ich noch eine ganz andere Front, an der ich kämpfen müsste. Ich fragte mich unweigerlich, ob ich überhaupt die ganze Zeit überhaupt so lange auf Essen verzichten könnte. Carlisle hatte mich in diesen Rhythmus gepresst und mir damit den Hunger zurückgebracht. Früher war ich es vielleicht gewohnt zu fasten und konnte stark bleiben, aber nun, wo ich “geregelte Mahlzeiten“ hatte, wäre das sicherlich schwerer. Ich hatte mich an diese Zeiten gewöhnt, hatte teilweise sogar schon vorher Hunger.

Aber selbst wenn ich den Belehrungen der anderen und dem Essen widerstehen könnte, war ich wirklich bereit, bis ans Äußerste zu gehen?

Ein weiteres Thema ging mir durch den Kopf, als ich mich auf den Weg zu den Cullens machte. Irgendwie hatte Carlisles erneutes Experiment etwas mit mir gemacht. Ich konnte es nicht benennen, aber manchmal schob sich dieses Bild in meinen Kopf. Ich dachte daran, wie ich den Umfang der Kaffeetasse genommen hatte und den von Carlisles Oberarm. Da war ich so gut gewesen. Es war beinahe richtig gewesen, beinahe perfekt.

Nur bei mir war ich wieder mal gescheitert. Carlisle hatte mich gezwungen hinzusehen. Er wollte mir beweisen, dass meine Zunahme nicht so schlimm war, aber das war sie sehr wohl.

Er wollte einfach nicht sehen, wie fett ich war. Er war eben perfekt und musste sich niemals Sorgen um seine Ernährung oder seinen Körper machen. Carlisle konnte gar nicht nachvollziehen, wie ich mich dabei fühlte, immer unförmiger und unattraktiver zu werden. Manche Leute behaupteten ja, dass man Kurven brauchte und möglichst weiblich aussehen sollte, aber ich verachtete das. Mein Ideal sah anders aus.

Innerlich versuchte ich, etwas Stärke zusammenzukratzen, als ich in den Waldweg zu den Cullens einbog. Heute machte ich mir keine falschen Hoffnungen. Es würde schlimm werden.

Ich rechnete damit, dass Carlisle meinen Alptraum ansprechen würde. Wahrscheinlich hatte sogar Esme mit ihm geredet. Es würde mich treffen, wenn es so wäre. Sie müsste sich denken können, dass ich das nicht wollte. Das würde ich Carlisle fragen, sollte er es tatsächlich ansprechen. Wenn Esme mich verraten hätte, dann würde ich ihm gar nichts erzählen. Ich würde mein Vertrauen nicht einfach so missbrauchen lassen.

Als ich aus meinem Transporter stieg fühlte ich mich nicht wie Zuhause. Ich hatte den Eindruck, mich wappnen zu müssen. Zum einen gegen die Gespräche, aber auch gegen das Essen. Ich war rastlos und vermutete hinter jeder Ecke einen unbezwingbaren Feind.

Den ersten Feind traf ich in der Küche. Essen. Carlisles Blick zeigte mir, dass er heute nicht nachgeben würde, aber ich versuchte es trotzdem.

„Muss ich wieder erst zwanzig Minuten hier sitzen, bevor du mit mir verhandelst?“ Meine Frage war frech und provokant, das war mir bewusst. „Nein, das musst du nicht“, erwiderte Carlisle überraschend. „Es wird kein Feilschen geben. Du isst deinen Teller auf, innerhalb von 45 Minuten maximal. Wenn du länger brauchst oder gar nicht isst, gehe ich eine Infusion holen.“

„Das kannst du nicht machen! Das ist unfair!“, protestierte ich laut. Das konnte er nicht machen! „Bella, bitte. Du weißt, ich stehe zu meinem Wort. Bitte zwinge mich nicht dazu.“ „Ich esse, wenn ich dafür die doppelte Menge Sport machen kann“, versuchte ich, einen anderen Weg zu finden.

Carlisle schüttelte traurig den Kopf. „Ich lasse das nicht zu und ich werde nicht verhandeln, Bella. Du hast 45 Minuten. Die Entscheidung liegt bei dir. Die Infusion hat 1.500 Kilokalorien.“

Damit ließ er mich zurück. Er wusste ganz genau, welche Knöpfe er drücken musste.

Es war ein erbitterter Kampf gegen meinen eigenen Selbsthass, aber ich musste das tun. Er zwang mich dazu. Nie im Leben würde ich 1.500 Kilokalorien akzeptieren. Ich musste das kleine Übel wählen. Innerlich verfluchte ich ihn. Wie stellte er es nur an, dass er immer am längeren Hebel saß?

Mir kamen beinahe die Tränen vor Wut, als ich etwa dreißig Sekunden vor Ablauf der Zeit den letzten Bissen schluckte. Es war eine Qual gewesen.

„Ich gehe laufen“, verkündete ich schniefend. „Zwei Runden.“ Ich hörte Carlisles Stimme nur aus dem Wohnzimmer. Wahrscheinlich hätte ich aus lauter Wut auf ihn eingeschlagen, wäre er hier gewesen.

„Esme kommt mit und ich möchte, dass du noch 15 Minuten wartest.“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen entspannten Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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