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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
Alle Kapitel
2.534 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
26.05.2020 1.374
 
Hallo ihr Lieben,
das ist nun also tatsächlich das 300. Kapitel!
Ich möchte diesen Moment nutzen und euch für eure unglaubliche Unterstützung danken. Jede Empfehlung, jeder Klick, jeder Favorit und jedes einzelne eurer Reviews hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Eure Unterstützung bedeutet mir wirklich sehr viel und ich sehe das keinesfalls als selbstverständlich an. Vielen Dank!  
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Die Atmosphäre in der Bibliothek war heute anders. Sie wirkte nicht mehr ganz so bedrohlich auf mich.

Trotzdem war ich nervös bei dem Gedanken, was nun folgen würde. Meine Hände zitterten kaum merklich, als ich einen Schluck von dem Kaffee nahm und ihn dann zurück auf die Untertasse stellte.

„Also Bella, möchtest du mir sagen, was dich beschäftigt? Oder möchtest du lieber über den Brief reden?“, begann Carlisle einfühlsam und schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln.

Ich konnte seine Frage nicht derart direkt beantworten, also begann ich, meine Gedanken mit Carlisle zu teilen. Wahrscheinlich kam ich damit einfach nicht mehr länger alleine klar. Ich brauchte ihn.

„Es hat sich so viel verändert, weißt du? Die anderen haben mich behandelt, als wäre ich ein rohes Ei.“ Ich musste Carlisle nicht erklären, dass ich damit nicht nur ihre allgemeine Vorsicht meinte. „Sie haben hier deutlich mitbekommen, wie sehr du leidest. Sie meinen es nur gut, aber ich kann verstehen, dass dich das belastet.“

„Wird es denn jemals wieder normal sein?“, fragte ich und spürte schon, wie die Verzweiflung in mir langsam nach oben stieg. „Da bin ich zuversichtlich, Bella. Es ist noch nicht viel Zeit vergangen, seit sie es gesehen haben. Du wirst merken, dass mit jedem Tag ein Stückchen Normalität zurückkehrt. Es braucht nur etwas“, meinte Carlisle aufmunternd und ich schenkte ihm ein zartes Lächeln.

„Also, was ist mit dem Brief?“, wechselte ich das Thema. Mehr wollte ich heute von mir aus nicht preisgeben, obwohl es bestimmt noch so einiges gab, was ich ihm erzählen könnte. Das reichte.

Carlisle nickte verständnisvoll. „Zuerst wollte ich dir noch mal für deine Aufrichtigkeit danken. Esme und ich hatten nicht zu hoffen gewagt, dass du dich uns gegenüber so sehr öffnen würdest und wir sind unglaublich stolz auf dich. Es bedeutet uns sehr viel, dass du uns ins Vertrauen gezogen hast“, begann er anerkennend. Es war schön zu hören, dass mein Geschenk gut angekommen war.

„Mir ist etwas besonders aufgefallen, vor allem als ich den Brief mehrmals gelesen habe“, begann er nun offenbar zum Punkt zu kommen. Ich schluckte schwer. Das könnte nun richtig unangenehm werden.

„Du hast geschrieben, dass du oft Angst hast, aber nicht wovor. Kannst du mir helfen, das besser zu verstehen? Es wirkte nicht so, als ginge es dir nur ums Essen und die Zunahme.“ Ich hatte nicht erwartet, dass er das aus meinen Worten herauslesen könnte. Ich hatte gedacht, dass er so tief nicht graben würde.

Ich hatte mich getäuscht.

„Da irrst du dich“, murmelte ich schlicht. Wahrscheinlich ahnte Carlisle, dass ich ihn belog, aber aus irgendeinem Grund ließ er es mir durchgehen. Er nickte lediglich wissend, so als ahnte er, dass ich es ihm nicht leicht machen würde.

Carlisle streckte die Hand aus und angelte nach dem Brief, der bisher auf einem kleinen Beistelltisch außerhalb meines Blickfelds gelegen hatte. Sorgsam nahm er das Papier heraus und entfaltete es. Einen kurzen Moment lang suchte er nach der richtigen Stelle, bevor er zu lesen begann: „Irgendwie habe ich es wohl verlernt, dass da jemand ist, dem ich bedingungslos vertrauen kann. Ich habe große Angst vor den Konsequenzen. Ich habe immer das Gefühl, mich schützen zu müssen ... – Das sind deine Worte, Bella.“

Es klang seltsam, meine Zeilen aus Carlisles Mund zu hören. Ihm traute man nicht zu, dass er so unsicher war. Er war immerhin ein Vampir, perfekt eben.

„Von was für Konsequenzen sprichst du, Bella?“ Ich schwieg. Ich konnte es ihm einfach nicht sagen. Die Zukunft war zu ungewiss. Konnte ich wirklich die Karten so offen auf den Tisch legen? Es würde alles verändern.

„Du kannst mir vertrauen. Ich werde dich nicht verurteilen oder wegstoßen. Gib dir einen Ruck. Lass für den Moment die Seite gewinnen, die sich nach Besserung sehnt. Wovor hast du Angst, Bella?“, versuchte er es erneut und mit seinen Worten hatte er einen Nerv getroffen. Wahrscheinlich hätte es sonst nicht funktioniert, aber heute bei all der Traurigkeit und Verzweiflung traf er genau ins Schwarze. Ich wollte mich nicht so fühlen müssen. Ich verzehrte mich nach Unbeschwertheit.

Nervös zuckte mein Blick nach oben in seine leuchtend goldenen Augen. Sie strahlten Zuversicht aus und unterstrichen seine vorherigen Worte. Vielleicht könnte ich ihm wirklich vertrauen. Er würde versuchen mich zu verstehen oder nicht? Oder würde ich damit alles zerstören?

„Es ist nur…“, setzte ich an, brach aber sofort wieder ab. Tränen stiegen mir in die Augen. „Du schaffst das, Bella. Ich glaube an dich“, redete mir Carlisle sofort gut zu.

„Das würdest du nicht sagen, wenn du es wüsstest“, erwiderte ich verzweifelt. Ich hatte Angst alles zu verlieren.

„Überleg mal, Bella. Was könnte im schlimmsten Fall passieren?“ „Du würdest mich… hassen… und ihr würdet wieder verschwinden“, stotterte ich verängstigt.

„Bella, ich versichere dir, dass keines deiner Worte Hass in mir auslösen könnte. Du gehörst zur Familie. Ich könnte dich niemals hassen. Niemand von uns könnte das. Du bist ein Teil dieser Familie und es gibt nichts, was daran etwas ändern könnte. Das verspreche ich dir!“ Ich wollte protestieren: „Aber…“ Carlisle unterbrach mich: „Bella, ich sage dir die Wahrheit. Ich werde immer alles tun, um dich zu verstehen und selbst wenn ich es mal nicht schaffe: Ich könnte dich niemals hassen. Du hast einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und ich hoffe, dass wir noch viele Jahrhunderte zusammen verbringen dürfen.“

Er wusste, dass mich das überzeugen würde. Die Tatsache, dass er mich so sehr schätzte, dass er mich nach dem Drama mit Rosalies Verwandlung irgendwann zum Vampir machen würde - sollte ich das denn so wollen - gab mir die Sicherheit, die ich brauchte. Mehr konnte er mir nicht geben. Ich holte tief Luft. Ich würde ihm vertrauen.

„Es gibt einen Grund, weshalb ich nicht zu euch komme mit… alldem. Weshalb ich nicht ehrlich zu euch sein kann, wenn ich mit etwas nicht zurecht komme und euch auch nicht sagen kann warum“, begann ich etwas holprig.

Carlisle lehnte sich vor und ließ mir seine gesamte Aufmerksamkeit zukommen. Es gab mir das Gefühl, dass er meine Angst ernst nahm. Es würde alles gut werden. Ich würde es wirklich tun. Oder?

Schnell sprach ich weiter. Sonst würde ich das nie durchziehen, aber ich ahnte, dass es wichtig war, dass Carlisle davon wusste.

Also sprach ich weiter: „Ich kann das nicht, weil ich Angst habe.“

Mein Blick zuckte wieder zurück zu Carlisle. Er schien meine Angst ernst zu nehmen, mich ernst zu nehmen. Nun wandte ich mich nicht mehr ab. Ich wollte reagieren können und keine Veränderung seinerseits übersehen. Dann könnte ich eine Katastrophe vielleicht noch verhindern, sollte es ihm zu viel werden.

„Ich habe Angst, was passiert, sollte ich die Wahrheit sagen.“ Ich pausierte, testete seine Reaktion.

„Wie meinst du das?“, fragte Carlisle sanft nach. Er verurteilte mich nicht. Er wollte mich wirklich verstehen. Meine Stimme zitterte, als ich weitersprach. Nun kam es darauf an.

„Wenn ich dir zum Beispiel sagen würde, dass ich… am liebsten jede Mahlzeit… wieder loswerden wollen würde, dann würdest du es nicht zulassen. Du würdest mir nicht mehr von der Seite weichen, es verhindern. Oder wenn ich dir sagen würde, dass ich… aus lauer Panik zuzunehmen… vor dem Wiegen am liebsten Wasser trinken würde, um dich zu täuschen, dann… würdest du deine Konsequenzen daraus ziehen.“

Ich atmete tief durch: „Oder wenn ich zu dir komme, wenn es mir schlecht geht… und ich mich für all das… wenn ich den Druck abbauen will, … dann würde sich so viel ändern. Du würdest Konsequenzen daraus ziehen.“

Für einen Moment hielt ich inne. Sein Blick hatte sich nicht verändert.

„Und du wärst enttäuscht. Ihr gebt euch so viel Mühe und ich… Da ist so viel Dunkelheit. So viel Hass, so viel Verzweiflung. Du würdest mich verabscheuen, wenn du wüsstest, was ich denke.“



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und freue mich schon sehr auf eure Rückmeldungen. Auf viele weitere gemeinsame Kapitel!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)

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