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Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
03.12.2021
858
1.033.674
136
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
21.05.2020 1.256
 
Hallo ihr Lieben,
ich hoffe, ihr hattet einen schönen Vatertag im Kreis eurer Familie. Bei uns ist es eigentlich Tradition eine Weinbergswanderung zu machen, allerdings ist in diesem Jahr natürlich vieles anders. Trotzdem haben wir alles aus dem Tag herausgeholt.
Ich wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen!

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„Jederzeit gerne, Bella. Wirklich, du kannst jederzeit zu uns kommen, wenn du etwas besonderes machen möchtest oder etwas anderes vorhast“, versicherte mir Carlisle.

Ich hatte fast den Eindruck, dass er noch mehr sagen wollte, aber er blieb stumm.

„Also, wo möchtest du deinen Tag verbringen?“ Es verschaffte mir große Erleichterung, dass Carlisle nicht sauer war, weil ich einen Tag nur für mich haben wollte. Er bewies mir damit sein Vertrauen, welches ich doch eigentlich verloren geglaubt hatte.

„Ich möchte etwas die Insel erkunden“, erwiderte ich spontan. Eigentlich wollte ich einfach nur meine Ruhe haben, aber etwas Abstand erschien mir nun eine kluge Wahl zu sein.

„Wäre es für dich in Ordnung hier zu essen und wir geben dir dein Abendessen mit?“, erkundigte sich Carlisle wieder unfassbar zuvorkommend. „Ja klar, natürlich“ antwortete ich dankbar. „Sehr gut. Du kannst selbstverständlich ganz frei kommen und gehen. Weißt du schon, wie lange du unterwegs sein wirst?“, fragte Carlisle nach.

„Eigentlich wollte ich mich treiben lassen. Ich habe noch keinen festen Plan.“ „Kein Problem. Ich wäre nur beruhigter, wenn du bis Mitternacht zurück wärst. Du kannst selbstverständlich auch länger bleiben, allerdings hätte ich ein besseres Gefühl, wenn du dich dann kurz meldest. In Ordnung? Selbstverständlich kannst du uns aber auch sonst jederzeit anrufen.“

Ich nickte lächelnd und folgte Carlisle schließlich in die Küche. Esme war gerade dabei, die Crème fraîche in eine Pfanne zu geben. Unwillkürlich blieb ich stehen. Das war bestimmt nicht die fettreduzierte Variante!

Ich zwang mich dazu, am Tresen Platz zu nehmen. Da musste ich jetzt durch, denn ich konnte mir durchaus vorstellen, dass Carlisle meinen Ausflug sofort einschränken würde, sollte ich mich nun wieder quer stellen. Es half ja doch nichts.

Nach dem Essen verschwand ich in mein Zimmer und packte alles mögliche in meinen Rucksack. Vielleicht würde ich wieder zu dem Wasserfall gehen, also nahm ich den Badeanzug und ein großes Handtuch mit. Ansonsten legte ich noch mein Buch dazu und eine wärmere, lange Weste für den Abend. Anschließend cremte ich mich großzügig mit Sonnenschutz ein. Dabei fiel mein Blick auf die samtene Box, die seit Carlisles Besuch in meinem Zimmer stand. Sachte hob ich den Deckel an, aber er rutschte mir aus der Hand und kam polternd auf dem Boden auf.

Ob ich davon etwas gebrauchen könnte? Ich entschied mich spontan dafür, die Gummibänder, eine Chilischote und Esmes Brief einzupacken. Ich wusste noch nicht, ob ich es brauchen würde, aber bei meiner Verfassung in den letzten Tagen würde es wohl niemanden überraschen. Wenigstens wäre ich dann vorbereitet und könnte vielleicht sogar eine Katastrophe verhindern.

Als ich alles eingepackt hatte, machte ich mich auf den Weg in die Küche, wo meine Lunchbox bereits auf mich wartete. Außerdem lag ein Apfel nebenan. Natürlich. Die Zwischenmahlzeit.

„Bella, hast du noch einen Moment?“, bat mich Carlisle, während ich die Sachen zusammen mit einer Flasche Wasser in meinem Rucksack verstaute. „Klar, worum geht’s?“, erwiderte ich locker. Es gab nichts, worüber ich mir Sorgen machen müsste.

„Es tut mir sehr leid, das nun anzusprechen“, begann Carlisle schwermütig. Meine Offenheit erhielt sofort einen Dämpfer. Was war los?

„Ich habe gehört, dass du offenbar an deiner Box warst. Es gibt eine Regel, die ich bisher noch nicht für nötig befunden hatte, dir zu erklären. Wenn du nicht bei uns oder bei Charlie bist möchte ich, dass du meinen Brief mit dem Benzodiazepin nicht mitnimmst, es sei denn, es geht nicht anders. Es kann viel passieren, solltest du unter dessen Einfluss stehen und Auto fahren, Alkohol trinken oder anderweitig unterwegs sein. Ich verlasse mich vollkommen auf dich.“

Daher wehte also der Wind. Carlisle befürchtete, dass ich unterwegs das Medikament nehmen könnte und mich dann die Klippe hinunterstürzen würde. In einem meiner düstereren Momente schien das eine durchaus verlockende Vorstellung zu sein. Trotzdem würde ich es wahrscheinlich auch dann nicht tun. Wenn ich dadurch erfolgreich wäre, würde sich Carlisle ewige Vorwürfe machen. Das wollte ich ihm nicht antun.

Ganz so deutlich konnte ich ihm das allerdings nicht sagen. „Du musst dir keine Sorgen machen. Ich verspreche es!“ Carlisle nickte wohlwollend: „Ich weiß. Danke für deine Einsicht. Das wars schon.“

Mit einer kurzen Umarmung verabschiedete ich mich von Carlisle und machte mich auf den Weg, nachdem er mir nochmals viel Spaß gewünscht hatte. Es war ungewohnt einfach loszugehen, ohne Ziel. Trotzdem war es auch irgendwie schön und befreiend.

Ich folgte einfach meiner Eingebung und lief dort lang, wo es mir am besten gefiel. Es war toll, auch mal kein Ziel vor Augen zu haben und einfach leben zu können. Schon nach wenigen Metern fühlte ich mich viel entspannter und ausgeglichener. Dieses Gefühl kannte ich in letzter Zeit nur noch durch Jaspers Einfluss. Es war merkwürdig, dass das nun einfach so passierte. Lag es daran, dass ich meinem und nicht Carlisles Willen folgte oder daran, dass ich keinen vorgegebenen Weg hatte?

Ich wollte das Gefühl nicht zerstören, also dachte ich nicht weiter darüber nach. Meine Füße führten mich den Rundweg entlang und die Klippen nach oben. Ich erinnerte mich noch genau daran, wie ich hier mit Alice eine kleine Pause eingelegt hatte.

Heute verharrte ich nicht. Ich wollte weiterkommen. Die Natur hier war ganz anders als in Forks. Viele der Pflanzen würden dort wahrscheinlich nicht mal eine Woche überleben. Es war schön, mal etwas anderes zu sehen als die immergrünen, dichten Nadelbäume. Diese Farbvielfalt begeisterte mich einfach.

Mit jedem Schritt, den ich mich weiter entfernte, konnte ich meine Wachsamkeit ein Stück weiter ablegen. Sonst war ich immer darauf bedacht nicht aufzufallen und auch in scheinbar unbeobachteten Momenten glücklich zu wirken. Es war, als wäre ich erst jetzt wieder wirklich ich. Dieses Gefühl war großartig.

Ich machte hier und dort Halt, ganz wie es mir lieb war. Erst am späten Nachmittag lief ich den steilen Weg zu einem kleinen Strandabschnitt hinunter. Der Ort war verwinkelt und abgeschottet, aber genau das gefiel mir. Es weckte Erinnerungen an den kleinen Strand in der Nähe von Forks, an dem ich öfter gewesen war, um nach Ruhe zu suchen. Vielleicht fühlte ich mich gerade deshalb sofort wohl hier.

Unmittelbar nach der letzten Stufe zog ich Socken und Schuhe aus, um meine Zehen im Sand vergraben zu können. Er war warm, aber nicht zu warm.

Erschöpft von der langen Wanderung ließ ich mich in der Nähe des Wassers nieder, das sanft meine Füße umspielte. So verharrte ich einige Zeit, bis ich Lust hatte schwimmen zu gehen. Hier müsste ich nichts befürchten und ich sehnte mich geradezu danach, mal nicht auf meine Kleidung achten zu müssen, sondern einfach den Augenblick genießen zu können. Trotzdem fiel mir das Loslassen schwer. Obwohl ich den Cullens vertraute, so hatte ich doch das ungute Gefühl, dass jeden Moment einer von ihnen hier auftauchen und so meine Verletzungen sehen könnte. Diesen Gedanken schob ich eilig beiseite. Das würde nicht passieren.

Das kühle Wasser an meinen nackten Beinen belebte und erfrischte mich. Es kostete mich ein kleines bisschen Überwindung, bis zu den Schultern einzutauchen. Kaum war das geschafft, konnte ich es richtig genießen. Ich spürte die seichten Wellenbewegungen und lauschte der gleichmäßigen Brandung.

Ich stand einfach nur da. Mehr nicht. Der Moment war zu kostbar, so ruhig und unbeschwert.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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