Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
23.01.2020
178
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60
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Guten Abend ihr Lieben,
hoffentlich hattet ihr heute einen nicht allzu anstrengenden Tag. Für mich wird es morgen wieder ein langer Tag in der Hochschule. Vielleicht lade ich auch wieder von dort aus hoch.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

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Zwar dachte ich, dieses Thema nun hinter mir lassen zu können, aber Jasper hatte mir ziemlich erfolgreich ins Gewissen geredet. Noch immer kreisten meine Gedanken um seine letzten Worte. Ging es mir wirklich besser, weil ich ehrlich mit ihm gesprochen hatte? So viel hatte ich doch gar nicht Preis gegeben, wie konnte mir das helfen?

„Warum denkst du das?“, nagelte ich nun ihn fest. Ich wollte wissen, wie er auf diesen Gedanken kam. Als Jasper mir antwortete, konnte ich das wohlwollendes Lächeln in seiner Stimme ausmachen: „Weil ich diese Erfahrung selbst schon so oft machen durfte. Sie ist ein Geschenk. Ich habe damals in vielen Kriegen gekämpft und schreckliche Dinge getan, von denen ich glaubte, sie nie jemandem erzählen zu können. Es hat lange gedauert bis ich mich Alice öffnen konnte, aber ich habe mich dann so erleichtert und befreit gefühlt. Es hat mit gut getan, mit jemandem über all das sprechen zu können und ich kann mir vorstellen, dass dir das ebenso hilft.“

Ich nickte an Jaspers Schulter. Bisher hatte ich nicht gewusst, dass er in Kriegen gekämpft hatte und ich wollte nicht weiter nachfragen. Bestimmt hatte er aber jemanden getötet und diese Erfahrung stellte ich mir unglaublich belastend vor. Wenn das selbst Jasper geholfen hatte, vielleicht lag er ja dann richtig und es war tatsächlich dieses Gespräch gewesen, dass mir so geholfen hatte.

„Bella, du bist mir so wichtig. Ich bin dankbar, dich meine Freundin nennen zu können“, meinte Jasper nach ein paar Augenblicken. Unwillkürlich liefen mir immer stärker Tränen übers Gesicht. „Was ist? Habe ich etwas Falsches gesagt?“, erkundigte er sich umgehend. Bestimmt konnte ich meine Gefühle auch in diesem Moment nicht zurückhalten, sodass ich ihn mit all dem Schmerz in meinem Inneren konfrontierte.

„Ich mache euch doch nur Probleme“, schluchzte ich. Wie konnte er dafür dankbar sein mich zu haben? Jeder wäre froh, wenn er mich los wäre. „Aber Bella, wie kommst du denn darauf? Wir dürfen so viele tolle Momente mit dir erleben, zum Beispiel den grandiosen Geburtstag von Esme“, widersprach Jasper heftig. Innerlich gab ich mir einen Ruck. Ich würde es auch diesmal mit der Wahrheit versuchen: „Ihr macht euch so viele Sorgen wegen mir. Ständig bereite ich euch ein neues Problem. Wie haltet ihr das überhaupt aus?“ Es tat weh, diese Gedanken auszusprechen, denn mein Herz hing an den Cullens. Egal wie oft ich sie wegstieß, innerlich war ich dankbar, so eine tolle Familie um mich haben zu dürfen. Ich hatte sie nicht verdient und doch waren sie hier.

„Natürlich ist es nicht immer einfach, aber das ist es nie. Auch zwischen Alice und mir läuft nicht immer alles glatt. Aber was zählt ist, dass wir immer füreinander da sind und wenn ich dich nur ein bisschen unterstützen kann, dann bedeutet das für mich so viel“, erklärte Jasper sanft. Es war eine Offenbarung für mich, dass auch zwischen den vermeintlichen Traumpaaren des Hauses nicht immer alles glatt lief. Nicht nur ich haderte manchmal. Das alles machte es irgendwie etwas normaler. Ich machte einen weiteren Schritt auf ihn zu, indem ich einen Arm um ihn legte. „Danke, Jas... ich habe euch gar nicht verdient.“

Auch Jasper legte seinen kalten Arm um mich. Seine Worte überraschten mich: „Doch, Bella, du hast alles Gute in deinem Leben verdient. Kennst du nicht das Sprichwort: Jeder bekommt das, was er verdient. Und wenn ich uns so anschaue, dann musst du echt eine Granate sein!“ Jaspers Witz brachte mich nach diesem katastrophalen Tag tatsächlich etwas zum Lachen.

„Nun mal im Ernst: du hast das alles sehr wohl verdient. Das einzige, was du nicht verdienst ist das, was du deinem Körper antust. Niemand hat so etwas verdient, diese Gefühle, diese Krankheit. Du darfst nicht denken, dass du das Schlechte verdienst. Irgendwann wirst du in deiner Therapie an den Punkt kommen, an dem du das selbst erkennst. Bis es so weit ist, kannst du aber auch einfach mir Glauben schenken“, schob Jasper kurz darauf hinterher. Seine letzten Worte lockten mir wieder ein kleines Lächeln hervor und insgesamt schien die Welt nicht mehr so düster zu sein. Das Verlangen, die Gedanken und Gefühle einfach zu betäuben, war verschwunden. Das Gespräch mit Jasper hatte es tatsächlich verschwinden lassen.

Trotzdem war nicht alles wieder gut. Der Misserfolg blieb und ebenso die bodenlose Enttäuschung, aber der Hass war nicht mehr so stark wie vorher. Es war tatsächlich gut.

Wir blieben noch eine Weile so sitzen, Arm in Arm. Jasper setzte seine Gabe ein und ich ließ meine Gefühle nur allzu gerne beeinflussen. „Möchtest du mal unter die Dusche springen? Nicht, dass du dich erkältest und danach fühlst du dich bestimmt besser“, schlug Jasper irgendwann vor. Gleichgültig nickte ich und ließ mir von ihm aufhelfen.

Während ich die Decke zurück räumte sah ich, wie Jasper die Schere unter meinem Bett hervorfischte und an ihren Platz räumte. Er bemerkte meinen versteinerten Blick und kam auf mich zu: „Das muss dir nicht unangenehm sein. Es ist wirklich okay. Ich bin stolz auf dich und ich bin dankbar, dass du mir zugehört hast!“ Seine Worte erreichten mich, konnten das schlechte Gefühl aber nicht ganz vertreiben. Jasper zog mich in eine Umarmung, die so voller Wärme und Zuneigung war. Dankbar lächelte ich in mich hinein und ließ mich von ihm noch bis zum Bad begleiten.

Das frische Wasser auf meiner Haut belebte und erfrischte mich. Meine schmerzenden Muskeln dankten mir die angenehme Wärme. Ich konnte meine Gedanken einfach schweifen lassen und musste nicht über etwas bestimmtes nachdenken. Dennoch wanderten meine Gedanken oft zurück zum Gespräch mit Jasper. Seltsamerweise schob sich auch die Erinnerung an ein Gespräch mit Carlisle in meinen Kopf. Ich folgte seinem Ratschlag und notierte gedanklich zwischen 7 und 8: mit Jasper sprechen. Das hatte mir wirklich geholfen.

Als ich wenig später aus dem dampfenden Badezimmer trat, fühlte ich mich erholt und ausgeruht. Ich gestand mir ein, dass ich froh war, dass Jasper mir beigestanden hatte. Er erwartete mich an der gegenüberliegenden Wand lehnend und ich schenkte ihm ein zartes, aber ehrliches Lächeln. Sein Gesichtsausdruck wiederum war ernst. „Es tut mir leid, Bella, aber Carlisle erwartet dich unten. Es ist schon spät und er möchte das Abendessen vorher mit dir besprechen“, kündigte er an.

Sofort schien die Entspannung wie weggeblasen und mein Körper schaltete auf Flucht. Jaspers verhärtete Miene zeigte, dass er das am liebsten verhindert hätte. Ich wusste nicht wirklich, wie ich nun reagieren sollte. Was würde Carlisle fordern? „Soll ich mitkommen? Nichts sagen, einfach nur dabei sein?“, bot Jasper fürsorglich an. Er musste meine Angst deutlich spüren. Ich würde ein paar Momente Ruhe brauchen, um meinen Schutzwall wieder aufzubauen.

Einer Eingebung folgend nickte ich. Gerade eben hatte er mir so sehr geholfen, vielleicht würde mir das nun auch etwas zusätzliche Kraft schenken. Jasper lächelte mich an und schritt schließlich hinter mir die Treppen in den ersten Stock hinunter. Mit jeder einzelnen Stufe schien sich mein Puls weiter zu beschleunigen.

Ich erblickte Carlisle mit der Mappe am Tresen sitzen. Ergeben nahm ich neben ihm Platz, allerdings bemühte ich mich um einen ziemlich großen Abstand. Ich spürte, wie Jasper hinter mir Stellung bezog. Überraschenderweise fühlte ich mich nicht eingeengt, sondern beschützt.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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