Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
05.06.2020
312
381.081
80
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Dieses Kapitel
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04.12.2019 1.329
 
Hallo ihr Lieben,
dieses Kapitel ist etwas Besonderes. Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine letzte Verlosung? Damals habe ich der lieben RayaEsmeralda das heutige Kapitel mitgeschickt. Ich bin gespannt, was ihr dazu sagt.
Viel Spaß beim Lesen!

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Nein!“, schrie ich schon fast. Carlisle durfte das auf keinen Fall erfahren! „Bella, das muss sein. Es kann so nicht weitergehen“, meinte Jasper bestimmt. Ich bekam Panik. Er durfte Carlisle nicht anrufen, unter keinen Umständen! „Bitte Jas, tu das nicht“, flehte ich ihn an. „Aber Bella, ich kann doch nicht einfach dabei zusehen wie es dir so schlecht geht“, hielt er beständig dagegen. „Bitte, es ist nichts! Du würdest ihn nur unnötig verrückt machen“, versuchte ich Jasper doch noch zu überzeugen.

Er und Alice tauschten einen ernsten Blick. Vielleicht würde sie ja zu meiner Rettung eilen? Ich spürte, wie mein Körper auf das Adrenalin reagierte. Meine Handflächen wurden schweißnass und mein Herz pumpte das Blut immer schneller durch meine Adern. Diese Spannung war kaum auszuhalten für mich. Ich spürte, wie mir aus lauter Verzweiflung Tränen in die Augen traten. Sollten sie nun Carlisle anrufen, dann wäre ich wirklich geliefert. Nicht auszudenken wie das Gespräch dann verlaufen würde!

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die beiden in ihrer stummen Konversation zu einer Einigung fanden. „Ich kann verstehen, dass dir der Gedanke Angst macht, aber wir entscheiden zu deinem Besten. Ich spüre doch, wie viel Druck zu dir machst. Carlisle hat davon keine Ahnung. Du solltest dich deswegen keinesfalls übergeben müssen. Das geht nicht, Bella“, redete Jasper sanft auf mich ein, doch das einzige was ich wirklich mitbekam war, dass er mich verraten würde.

Als Jasper die Welle meines Schmerzes erfasste, zuckte er sichtbar getroffen zurück. Für einen kurzen Moment hegte ich die Hoffnung, dass er seine Entscheidung revidieren würde, wenn er sah, wie sehr ich darunter litt. Die Tatsache, dass er das nicht tat, schmerzte fast noch mehr. „Es tut mir leid, Bella. Vielleicht verstehst du es irgendwann“, erklärte er schlicht und lief los, um vor der Türe Carlisle anzurufen.

In diesem Moment brannte bei mir eine Sicherung durch. Kaum etwas war in den letzten Monaten so wichtig gewesen, wie Jasper von diesem Telefonat abzuhalten. Ohne zu überlegen schoss ich vor und packte ihn am Unterarm. Sichtbar schwermütig drehte er sich zu mir um. „Bitte, Jas“, flehte ich und gab mir nicht die Mühe, die Tränen in meinen Augen zu verbergen.

Ich sah in seinen Augen, wie sich etwas in ihm änderte. Er begann zu zweifeln. Sein Blick wandte sich von mir ab. Als ich ihm folgte, sah ich nicht nur Alice, sondern auch Rosalie und Emmett dort stehen. „Lasst uns abstimmen“, schlug Emmett diplomatisch vor und für den Moment lockerte ich den Griff um Jaspers Arm. „Wir waren uns einig“, zischte Rosalie. Jaspers Blick musste offenbar ziemlich eindeutig gewesen sein, denn sie verstummte umgehend. „Ich denke, dass Carlisle wissen sollte wie sehr es dich belastet“, meinte Emmett entschuldigend und Rosalie nickte. Verzweifelt wandte ich meinen Blick Alice zu. „Es tut mir leid, aber hier geht es nicht um etwas Sport mehr oder weniger, sondern um deine Gesundheit“, meinte sie und teilte mir dadurch ihre Entscheidung mit.

Flehend sah ich zu Jasper in der Hoffnung, ihn doch noch umstimmen zu können. Wenn er dagegen war, dann hätte ich vielleicht noch eine Chance. Ich sah, wie sehr auch er unter der Situation und den ganzen Gefühlen litt, doch mit einem Mal zerschmetterte er meine letzte Hoffnung: „Es würde keinen Unterschied machen. Es ist entschieden.“ Ich spürte kaum wie er langsam seinen Arm befreite. Ich stand so unter Schock, dass er kaum Kraft aufwenden musste. Wie versteinert blickte ich ihm nach, wie er den Flur entlangging und schließlich durch die großen Flügeltüren nach draußen verschwand.

Es war, als würde alles um mich herum in Zeitlupe ablaufen. So fest ich konnte biss ich mir auf die Zunge, damit ich nicht anfangen würde zu weinen. Ich konnte nicht glauben, dass das gerade tatsächlich passierte. Nie im Leben hätte ich vermutet, dass mir die Cullens tatsächlich mal ihre Unterstützung entziehen würden. Sie hatten mir in so vielen Bereichen geholfen und nun, wo es für mich doch so wichtig war, stellten sie sich plötzlich gegen mich. Ich hatte mich doch nur übergeben, warum mussten sie so eine große Sache daraus machen?

Ich wartete nicht darauf, dass Jasper zurückkam. Ich wollte nicht wissen, was er zu berichten hatte. Ich wollte nicht wissen, wie Carlisle darauf reagiert hatte. Noch immer verharrte ich wie angegossen auf dem Flur und starrte auf die Türen, durch die Jasper noch vor wenigen Augenblicken verschwunden war. Verzweiflung ergriff Besitz von mir. Ich wusste nicht, wie ich nun mit dieser Situation umgehen sollte. Was, wenn Carlisle sofort hier in der Schule auftauchen würde? Würde er das wirklich tun? Eigentlich war ja nichts passiert.

Noch immer schmerzte der Verrat der anderen. „Bella“, wagte sich nun Alice langsam an mich heran und legte eine kalte Hand auf meine ihr abgewandte Schulter. „Lasst mich einfach in Ruhe“, fauchte ich und rauschte ab. Es war ein Segen, dass die Pause sowieso in wenigen Minuten vorbei war. Energischen Schrittes ging ich zurück in die Mensa und schnappte mir meinen Rucksack, den ich in der Eile einfach dort hatte stehen lassen. Als ich mich wieder umwandte, um zu meinem Klassenzimmer zu gehen, sah ich Alice, Rosalie und Emmett am Eingang der Mensa stehen. Ihre Mienen waren ernst, besorgt und teilweise schuldbewusst zugleich. Vor allem Alice sah man an, dass sie mit ihrer Abstimmung haderte, aber nun war daran nichts mehr zu ändern.

Ich spürte die Wut wie Feuer durch meine Adern fließen und war mir sicher, dass sie erkennen konnten, wie traurig, verletzt und wütend ich wegen ihrem Verhalten war. „Bella“, versuchte es auch Emmett als ich auf ihrer Höhe war, doch ich schnaubte nur abfällig. Bewusst rempelte ich ihn mit meiner Schulter an. Er war es gewesen, der als erster seine Meinung mit den anderen geteilt hatte. Rosalie hatte sich ihm natürlich sofort angeschlossen und so hatte er mein Schicksal besiegelt. Der Kontakt schmerzte, doch am liebsten hätte ich mich noch mehr auf ihn gestürzt. Ich wusste gar nicht wohin mit all dem Schmerz und all der Enttäuschung.

Im Klassenzimmer angekommen war ich froh, dass ich hier alleine einen Tisch in der letzten Reihe belegte. Ich wollte ihre Blickte nicht auf mir wissen und schon gar nicht mit ihnen sprechen. Wie hatten sie mir das nur antun können? Warum hatte niemand für mich gestimmt? Konnten sie mich denn gar nicht verstehen?

Deutlich zu schwungvoll knallte ich meinen Rucksack auf den Tisch und ließ ihn dort liegen. Ich wollte gar nicht erst in Versuchung kommen, ihnen nochmals in die Augen zu sehen. Ihre gespielte Traurigkeit half mir nicht im Geringsten. Sie hatten das entschieden. Ich hatte keine Wahl gehabt.

Es war als spürte ich, wie wenig später Alice und Jasper den Klassenraum betraten, doch ich zwang mich meinen Blick auf die Unterlagen gerichtet zu halten, die ich demonstrativ vor mir ausgebreitet hatte, wenngleich ich noch kein einziges Wort davon wirklich gelesen hatte. Sollten sie es tatsächlich wagen mich nochmals damit zu nerven, dann könnte ich wirklich für nichts mehr garantieren. Jasper bemerkte das ebenso, denn er hielt Alice am Arm zurück, wie ich aus dem Augenwinkel mitbekam. Minimal fiel etwas Anspannung von mir ab. Im Moment konnte ich mich nicht auch noch mit ihren scheinheiligen Rechtfertigungen beschäftigen.

Fast war ich dankbar, als mein Lehrer schließlich das Klassenzimmer betrat und mit dem Unterricht begann. Nun musste ich wenigstens nicht mehr befürchten, dass Jasper und Alice mich am Ende doch noch in die Enge treiben würden.

Eigentlich wollte ich nur noch hier raus. Meine Gefühle waren nicht in Worte zu fassen und dank dieser Aktion war meine Angst vor dem Gespräch mit Carlisle gerade ins Unermessliche gestiegen.

Er hätte das doch niemals erfahren sollen!



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Vielen Dank für die ganzen tollen Rückmeldungen zu meinem letzten Kapitel. Ich hoffe, dass es euch heute genau so gut gefallen hat!
Liebe Grüße und bis morgen  ;-)
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