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Endlich Perfekt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
04.02.2023
1286
1.577.168
154
Alle Kapitel
3.058 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
24.01.2023 1.239
 
Hallo ihr Lieben,
mein Tag war heute schön, aber auch ziemlich vollgepackt, sodass ich ziemlich erschöpft bin.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Ich stellte sicher, dass auch wirklich niemand im Restaurant war, den ich kannte und mich auch sicher niemand beobachtete. Manchmal wog es fast schwerer als das Essen selbst, wenn mich andere Leute essen sahen.

Ganz zaghaft spießte ich ein winziges bisschen Salat auf. Es waren kaum mehr als zwei Blätter. Sollte ich das echt tun? Wäre das nicht ein riesengroßer Fehler? Realistisch betrachtet musste ich irgendwann essen, wenn ich keine Ohnmacht riskieren wollte. Ich war mir ziemlich sicher, dass Carlisle kurzen Prozess machen würde, sollte es dazu kommen, daher wollte ich das eigentlich um jeden Preis vermeiden. Aber wäre es nicht klüger daheim zu essen, wenn Carlisle und die anderen sehen würden, dass ich aß?  

Ich hatte die volle Entscheidungsgewalt. Niemand würde mir reinreden, das hatte Rosalie gesagt. Ich war mir unsicher, was ich tun sollte. Hier hätte ich einen weitestgehend geschützten Rahmen, zumindest insofern, dass niemand von den Cullens beobachten oder mitbekommen würde, wie ich aß. Ich wollte abnehmen, aber ich war mir nicht sicher, ob ich auch dazu bereit war, jeden Preis dafür zu zahlen. Das Hungern war schließlich auch nicht der richtige Weg, um langfristig die Kontrolle zu behalten.

Unsicher wand ich mich. Vielleicht einen Bissen. Nur einen. Zaghaft führte ich die bereits vorbereitete Gabel zum Mund. Es wäre okay. Eine Gabel würde mich vermutlich nicht ins Verderben stürzen. Der Salat schmeckte nicht atemberaubend, war aber auch nicht schlecht. Als Nächstes probierte ich eine Tomate. Vom Fleisch hielt ich mich vorerst fern. Ob Carlisle mir erlauben würde, vegan zu essen? Oder könnte er dagegen eigentlich gar nichts sagen? Vermutlich würde er verlangen, dass ich erst wieder normal aß, von daher würde mir diese Forderung wahrscheinlich nur zusätzliche Probleme bringen.

Ich versuchte mich abzulenken, nahm regelmäßig eine abgezählte Anzahl an Schlucken Wasser und tat mein bestes, das Essen so routiniert und regelgeleitet wie möglich durchzuführen. Es war mehr wie eine Aufgabe, ein Wettbewerb, aber bei weitem nichts, was ich auch nur ansatzweise so genießen konnte, wie ich es vermutlich sollte. Wirklich viel schaffte ich von dem Salat allerdings trotzdem nicht. Es war vielleicht die Hälfte, aber auch nur, wenn man großzügig ein Auge zudrückte. Zwar versuchte ich, noch etwas mehr zu essen, aber ich schaffte es nicht. Sicherlich könnte ich mir nun gewaltvoll noch mehr reinzwängen, aber dann würde ich diese Überwindung sicherlich bereuen.

Ich kündigte an, dass ich fertig war, bat die sympathische Kellnerin aber darum, mir den Rest einzupacken. Bis sie die Styroporbox an meinen Tisch brachte, schrieb ich Rosalie, dass wir uns auf den Heimweg machen konnten. Es dauerte kaum zwei Minuten, bis ihre Erscheinung durch die Tür des Restaurants trat. Sie bezahlte, ehe sie zu mir ging und mir bedeutete, dass wir aufbrechen konnten. „Halleluja“, stieß sie aus. „Ich dachte schon, ich muss noch länger mit Carlisle telefonieren.“ Ich fragte mich, was die beiden wohl genau besprochen hatten. Irgendwie musste ich aber auch etwas in mich hineinschmunzeln. Rose tat immer sehr tough und selbstbewusst, aber wenn sie eine Meinungsverschiedenheit mit Carlisle hatte, tat sie meist doch das, worum er sie bat.

Wir machten uns auf den Heimweg und wie versprochen hakte Rosalie auch nicht nach, wie viel ich gegessen hatte und wie gut es gelaufen war. Ich hoffte nur, dass Carlisle Rosalie nicht kleingekriegt hatte und es nach wie vor dabei blieb, dass er mich nicht zu einem weiteren Abendessen drängen würde. Als wir uns dem unebenen Waldweg näherten, der uns zum Haus führen würde, räusperte sich Rose. „Ich habe versucht, in deinem Sinne mit Carlisle und Esme ein paar gute Lösungen zu erarbeiten. Er wollte das gerne selbst mit dir besprechen, aber ich denke, dass es eine gute Lösung ist. Hör es dir einfach an. Es ist deine Entscheidung. Und wenn er zu… überzeugend wird, stehe ich dir gerne bei. Sag einfach Bescheid“, erklärte sie. Etwas unsicher nickte ich. Nun war ich erst mal gespannt, was Carlisle und sie besprochen hatten.  Hoffentlich war das wirklich in meinem Sinne.

Carlisle begrüßte mich ganz freundlich und zuvorkommend. Ich versuchte ihm anzusehen, wie viel meine Psychiaterin ihm wirklich von unserem Termin erzählt hatte, denn ich war mir sicher, dass die beiden bereits gesprochen hatten. Zuvor eröffnete mir Carlisle aber, was er, Esme und Rosalie ausgearbeitet hatten. Zuerst würden mir die Cullens etwas mehr Freiraum lassen und ich durfte mich im Haus wieder ohne Begleitung so bewegen, wie ich es wollte. Lediglich bei meinem Antidepressivum wollte er vorerst weiterhin kontrollieren, dass ich es auch wirklich geschluckt hatte.  

Als wir uns aber meinem Leidthema, dem Essen, widmeten, fegte mich Carlisles Aussage fast von der Couch: „Ich habe mich ausführlich mit meinem Kollegen beraten und mir mit der Familie Folgendes überlegt: Bis Freitagabend hast du die Kontrolle über die Küche. Es gibt eine absolute Mindestanzahl an Kilokalorien, die du nicht unterschreiten solltest. Ansonsten kannst du dir aus den Lebensmitteln das kochen, was du möchtest. Wir waren vorhin extra einkaufen. Es gibt viel Gemüse und ausnahmsweise sogar fettreduzierte Produkte. Wenn dir etwas fehlt, kannst du uns Bescheid geben und wir besorgen es. Wir haben beratschlagt, dass es wichtiger ist, dass du nun isst und wir dich dabei unterstützen. Ab Freitagabend werden wir dann langsam wieder zu unseren üblichen Gerichten zurückkehren. Was denkst du darüber?“

Es überraschte mich wirklich, dass Carlisle mit etwas Derartiges vorschlug. Bisher hatte er mir noch nie angeboten, die Inhalte meiner Gerichte durch fettreduzierte Produkte zu ersetzen. Einerseits war ich überrascht, aber andererseits auch unfassbar dankbar. So würde es mir wahrscheinlich leichter fallen, überhaupt wieder in eine Art Essensrhythmus zurückzufinden. Noch war ich mir zwar nicht sicher, ob ich das  wirklich wollte, aber es wäre sicher hilfreich.

Genau das erzählte ich auch Carlisle. „… Ich will mich nicht mit dir streiten. Das will ich wirklich nicht. Vielen Dank, dass ihr so viel tut, um mich zu unterstützen“, schloss ich. Carlisle schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. „Ich mag es auch nicht, diese Auseinandersetzungen mit dir zu führen. Wir tun das gerne für dich. Und wenn du irgendetwas brauchst oder dir etwas wünschen würdest, was es dir leichter macht, scheu dich nicht, uns darum zu bitten.“ Aus einem Impuls heraus berichtete ich Carlisle knapp von unserem Ausflug nach Port Angeles und meinem Mut im Restaurant. Dabei versuchte er, möglichst neutral zu sein, mir aber gleichzeitig auch knapp zu signalisieren, dass er diese Tendenz wirklich gut fand.

Ich ging erst mal nach oben, um mich etwas zu sammeln und noch etwas für die bevorstehende Prüfung zu lernen. Irgendwie war das durch das Chaos der letzten Tage etwas zu kurz gekommen. Obwohl mir Carlisle geholfen hatte, gab es noch einige Themen, bei denen ich mir unsicher war. Später am Abend bat ich sogar Jasper um Unterstützung. Ich wollte gerade etwas Abstand zu Carlisle und ich wusste, dass Jasper super erklären konnte.

Ich ging erst recht spät ins Bett, aber auch das war okay. Die Cullens ließen mich weitestgehend machen. Dabei gaben sie mir aber nie das Gefühl, dass ich ihnen egal war. Sie interessierte, was ich machte und wie es mir ging, gaben mir aber meine Freiheit. Das wusste ich wirklich zu schätzen.

Vielleicht könnten wir auch noch eine Möglichkeit finden, alles wieder in Ordnung zu bringen.

Das hoffte ich zumindest.



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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