Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
20.01.2020
175
220592
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Guten Abend ihr Lieben,
heute hatte ich einen wirklich grauenvollen und stressigen Tag. Ich freue mich einfach nur noch auf mein Bett. Hoffentlich hattet ihr einen besseren Tag.
Ganz viel Spaß mit dem heutigen Kapitel!

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Die restliche Nacht lag ich wach und machte kein Auge zu. Noch immer grübelte ich und war zu noch keiner Lösung gekommen. Wie sollte ich für mich selbst einstehen und dadurch Carlisle und die anderen einfach so vor den Kopf stoßen können? Ich wollte die Cullens doch nicht verletzen, denn sie taten doch jeden Tag so viel für mich! Ihre Anwesenheit bedeutete mir so viel und doch trieben sie mich manchmal in den Wahnsinn. Aber warum ließen sie mich nicht einfach mein Ding machen? Bevor sie zurückgekehrt waren, hatte doch auch alles funktioniert. Nur Carlisle hatte unbedingt darauf bestanden, dass ich zunehmen musste, dabei ging es mir doch blendend!

Erschöpft rappelte ich mich hoch und begann, mich für die Schule fertig zu machen. Es lag ein harter Tag vor mir. Ich schminkte mich etwas, um die Blässe aus meinem Gesicht zu vertreiben und eben jenes etwas schmaler aussehen zu lassen. Mittlerweile hatte ich das echt nötig. Nach der Mascara trug ich sogar noch einen Hauch von Lippenstift auf und er erfüllte seine Wirkung. Zusammen mit den rot glänzenden Haaren ließ er mich aufrechter gehen. Ich fühlte mich stark und war zuversichtlich, dass ich den heutigen Tag schon irgendwie überstehen würde.

Den Smoothie aus der Küche steckte ich ein mit dem festen Vorsatz, ihn auch wirklich in der Schule zu trinken, aber im Moment fehlte mir die Zeit dazu. Mit einer latenten Anspannung stieg ich wenig später in mein Auto und hoffte, dass ich trotz der Müdigkeit heil die Schule erreichen würde.

Dort angekommen sah ich die Cullens bereits an ihren Autos stehen. Noch immer hatte ich keine Entscheidung treffen können und so war ich mir ebenfalls unsicher, wie ich ihnen gegenübertreten sollte. Da ich um jeden Preis ein Gespräch vermeiden wollte, ging ich mehr oder weniger kommentarlos an ihnen vorbei. Für mehr als eine flüchtige Begrüßung würde meine Kraft auch einfach nicht ausreichen. So verbrachte ich noch ein paar Minuten auf der Toilette um Zeit zu schinden und packte an meinem Platz sofort den Smoothie aus. In so einer Situation würden sie es bestimmt nicht wagen, mich mit ihren Vermutungen zu konfrontieren. Mit dieser Ahnung sollte ich recht behalten. Obwohl ich Jaspers Blicke in meinem Rücken spürte, wagte er es nicht zu mir zu kommen und ein Gespräch zu beginnen. Es tat gut, den Spieß nun endlich auch mal umdrehen und ihre Muster gegen sie selbst verwenden zu können. Das gab mir ein Gefühl von Stärke. Endlich war es mal nicht ich, die durchschaut und manipuliert wurde.

Mit dem Smoothie ließ ich mir Zeit bis wenige Augenblicke vor Unterrichtsbeginn. Dieses gesunde Getränk brachte mich schon lange nicht mehr aus der Ruhe und so konnte ich es kalkulierend einsetzen, um wenigstens für den Moment meine Ruhe zu haben. In den folgenden Minuten gab ich mir die größte Mühe, meine Aufmerksamkeit auf den Unterricht zu lenken, doch meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Egal wie sehr ich mich bemühte, über kurz oder lang drängte sich immer wieder der folgende Nachmittag in meine Überlegungen.

Der Unterricht raste nur so an mir vorbei. Ich wünschte mir, dass ich die Zeit anhalten könnte, denn sie rann mir durch die Finger und dabei brauchte ich doch mehr Zeit, um endlich eine Entscheidung treffen zu können. Mittlerweile war ich mir wenigstens einer Sache sicher: ich war nicht stark genug, um gegen Carlisle Widerstand leisten zu können. Sobald die anderen auch auf mich einreden würden, würde ich bestimmt sofort einbrechen. Außer Kompromisse zu finden blieb mir also keine Möglichkeit mehr, die Zukunft nach meinen Wünschen zu gestalten. Hoffentlich würde sich Carlisle darauf einlassen.

Aber was würde ich fordern? Eigentlich war es ziemlich schnell in Worte zu fassen, was mich unglücklich stimmte. Ich wollte mich nicht ständig so kontrolliert und ausgeliefert fühlen. Ich wollte Sport machen und nicht ständig bei ihnen essen. Ich wollte mich nicht mehr wiegen lassen, das war einfach eine zu große Demütigung. Eigentlich wollte ich all das nur noch abbrechen, aber das ging nicht. Würde Carlisle das jemals zulassen? Alles was ich wollte war abnehmen und er verfolgte genau das Gegenteil. Wie sollten wir da nur zu einer Lösung kommen?

Ich stand alleine auf weiter Flur. Niemand würde mich bei diesem Vorhaben unterstützen – im Gegenteil. Alice, Jasper und die anderen würden nur noch mehr auf mich reinreden, damit ich mich Carlisles Plänen immer wieder aufs Neue fügen würde. Klar akzeptierte Alice, dass ich mehr Sport machte und die anderen verrieten mich nicht, sollte ich nicht alles aufessen, aber es war etwas anderes, offen für mich Partei zu ergreifen. Trotz aller Freundschaft würden sie Carlisle nicht so in den Rücken fallen, aber nur mit ihrer Unterstützung könnte ich überhaupt erreichen, dass Carlisle an der ganzen Sache zu zweifeln begann. Es war aussichtslos.

In Anbetracht der ganzen Überlegungen war es eigentlich kein Wunder, dass mir allein schon vom Gedanken an Essen schlecht wurde. Ich saß an meinem Tisch und starrte in die Dose. Nach einem einzigen Bissen schon legte ich die Gabel wieder beiseite. Ich konnte mir nicht vorstellen, noch ein Stück davon zu essen. Gequält sah ich hinüber zum Tisch der Cullens. Dort war eine rege Unterhaltung in Gange, doch hin und wieder wanderten einzelne Augenpaare zu meinem Tisch. Gerade als Alice Anstalten machte sich zu erheben, griff ich blitzschnell nach der Gabel und schob mir einen weiteren Bissen in den Mund. Ich sah, wie sie sich zurück auf ihren Platz sinken ließ, mich jedoch durchdringend ansah. Von nun an vermied ich jeglichen Blickkontakt und schaufelte stur das Essen in mich hinein. Mit jedem Bissen stieg mein Selbsthass und mir wurde zusehends schlechter. Trotzdem erlaubte ich mir keine Pause, damit nicht Alice oder einer der anderen zu mir herüberkommen würde.

Kurz vor Ende der Pause konnte ich die Übelkeit nicht mehr in Schach halten. Ich wusste, dass ich mich übergeben musste, als ich das erste Mal würgte. Fluchtartig sprang ich auf und rannte in Richtung der Mädchentoilette. Ich betete, dass ich mich nicht vor allen hier auf dem Flur übergeben musste. Mit letzter Kraft rettete ich mich in eine Kabine, bevor auch schon das Mittagessen wieder in der Kloschüssel landete. Es war ungewohnt, diesem Verhalten so machtlos ausgeliefert zu sein. Erschöpft wischte ich mir über die Stirn und trat erst dann heraus, als ich mir sicher war, dass sonst niemand in der Toilette war.

Doch ich hatte mich getäuscht. Regungslos lehnte Alice an der mir gegenüberliegenden Wand und starrte mich an. Wir beide blieben stumm. Angewidert von dem Geschmack trat ich zum Waschbecken und spülte meinen Mund aus. Es war merkwürdig, dass Alice nichts sagte. War sie sauer?

Unsicherheit flackerte in mir auf. Sie reichte mir ein Papiertuch, damit ich mir den Mund abwischen konnte. „Das geht so nicht weiter“, verkündete sie, als wir wenig später aus dem Raum traten. Ich wollte gerade nachfragen, wovon sie denn nun genau sprach, als ich Jasper in kurzer Entfernung zur Türe stehen sah.

Er beantwortete mir meine stumme Frage: „Ich werde Carlisle anrufen. Es kann nicht sein, dass du dich so unter Druck setzt.“



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Ich hoffe, dass euch das heutige Kapitel gefallen hat und freue mich schon auf eure Rückmeldungen!
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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