Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
08.12.2019
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Guten Abend ihr Lieben,
nach einer schier endlosen Fahrt bin ich gerade wieder in meinem Studienort angekommen, daher ist das heutige Kapitel auch etwas später als sonst.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

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Ich war vollkommen außer Atem, als ich etwas später am Haus der Cullens ankam, doch ich ging nicht sofort hinein. Für einen Moment wollte ich noch die Ruhe genießen, in der mich niemand mit Fragen löcherte. Eigentlich wollte ich niemanden sehen und mit niemandem sprechen. Zu laut waren all die Gedanken, die mir keine Ruhe ließen und doch musste ich langsam zu einer Entscheidung kommen. Je nachdem welche Option ich wählen würde, müsste ich unter Umständen noch einiges vorbereiten. In dem Moment, als ich sich mir nähernde Schritte vernahm, flüchtete ich sofort nach oben. Dort sprang ich unter die Dusche und genoss es, dass ich mir keine Sorgen machen musste, dass jetzt irgendwer mit mir reden wollte.

Im Anschluss daran setzte ich mich auf mein Bett und schlug meinen Ordner mit Schulsachen auf, damit ich möglichst beschäftigt wirkte. Meine Augen starrten auf das Papier, aber der Inhalt der Worte zog an mir vorbei. Noch immer ging ich die einzelnen Optionen durch. Flucht, Widerstand oder Kooperation; mehr Auswahl hatte ich nicht. Es erschien mir unmöglich, je eine Entscheidung treffen zu können.

Eigentlich wollte ich nicht weglaufen, aber es war einfach. Ich müsste nicht mehr jeden Tag leiden oder die Kraft aufbringen, mich Carlisle und den anderen entgegenzustellen. Das würde mir nämlich alles abverlangen. Sollten sie sich zusammenschließen und auf mich einreden, dann könnte ich nicht die Stärke aufbringen um weiter zu hungern, obwohl das doch eigentlich alles war, was ich jemals wollte.

Weitermachen war für mich aber aktuell auch keine Lösung. Wie sehr hatte mich das alles schon gefordert? Seit ich dieses blöde Projekt begonnen hatte, war es mir kontinuierlich immer schlechter gegangen. Wegen alldem hatten sich diese Gedanken eingeschlichen, so düster, so dunkel, dass es mir selbst schon Angst machte. Wie würde es erst werden, wenn ich noch weiter zunehmen würde?

Es klopfte und wenige Sekunden später stand Esme in der Tür, als ich nicht reagierte. „Es ist schon spät. Das Essen ist fertig“, meinte sie ruhig und sah mich abwartend an. Ich betrachtete ihre feinen Gesichtszüge und dachte unweigerlich an unser Gespräch auf der Veranda zurück, als sie unsere Körper vergleichen wollte. Unwillkürlich wanderte mein Blick an ihr herunter, jedoch kaschierte ich dies mit einem einfachen Nicken. Esme wandte sich um und stieg bereits wieder die Treppe hinunter, als auch ich mich erhob. Im Moment hätte ich mir einen Spiegel gewünscht, aber ob bewusst oder unbewusst, die Cullens hatten in diesem Zimmer keinen einzigen platziert. So sah ich an mir herunter und versuchte, mich selbst einzuschätzen. Die Zweifel von damals waren geblieben. Es sah so aus, als wäre ich jetzt schon dicker als Esme, oder täuschte ich mich wieder? Ich wusste nicht mehr, wo ich hingehörte.

„Bella?“, riss mich Esmes fragende Stimme von unten aus meinen Gedanken. Mit etwas Mühe löste ich mich vom Fleck und stieg die Treppen hinunter in die Küche. Dort fiel mein Blick sofort auf den Teller mit meinem Abendessen. Wie zum Teufel sollte ich denn jetzt auch noch essen können? Ich war mir sicher, dass ich meinen Ekel nicht verbergen konnte. Es dauerte einen Moment, bis ich mich wieder gefangen hatte. Ein kurzer Seitenblick zu Esme verriet mir, dass ihr diese kurze Unsicherheit meinerseits nicht entgangen war. Trotzdem ging sie nicht darauf ein. Ich ahnte, dass Carlisle sie genau ins Bild gesetzt hatte, wie schwer mir das fiel und so akzeptierte sie das, zumindest für den Moment.

Ergeben ließ ich mich am Küchentresen nieder und griff nach einem Stück Gemüse. Esme zog sich respektvoll zurück und ließ mir den nötigen Freiraum, damit ich wenigstens etwas essen konnte. Wieder mal sah die Portion in meinen Augen unüberwindbar aus, obwohl mir Carlisle bereits mehrmals versichert hatte, dass das vergleichsweise wenige Kilokalorien für ein Abendessen waren. Ich musste ihm glauben, ob ich wollte oder nicht. Natürlich hatte ich im Internet Nachforschungen angestellt, aber ich vermutete, dass ich trotzdem zu viel aß. Bestimmt wäre ich bald schon nicht mehr wiederzuerkennen.

Streng ermahnte ich mich, nicht weiter darüber nachzudenken. Sonst würde ich nicht mehr weiteressen können und dann stünde bereits die nächste Diskussion mit Carlisle vor der Türe. Ergeben zwang ich mich dazu, noch ein weiteres Stück Gemüse zu essen. Später könnte ich noch immer darüber nachdenken, dann würde auch niemand auf die Idee kommen, dass etwas nicht stimmte. Ich verlor den Überblick darüber, wie lange ich dort saß um zu essen, doch ich hatte die Vermutung, dass man mir mehr Zeit einräumte als sonst. War das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Am liebsten wäre ich sofort danach wieder gefahren, doch mittlerweile hatte ich aufgegeben, mit Carlisle darüber zu diskutieren. Kaum war es mir gestattet zu gehen, packte ich meine Sachen zusammen und begab mich auf den Weg zu meinem Transporter. Als ich gerade die Türe zuziehen wollte, sah ich Carlisle an meinem Wagen auftauchen. Ich hatte gehofft, dass genau das nicht passieren würde und doch stand er nun hier. Sofort hielt ich in meiner Bewegung inne. Eigentlich musste ich mir wenigstens anhören, was er von mir wollte. Abwartend sah ich ihn an. Wie viel ahnte er?

„Kann ich dir noch irgendwie helfen?“, erkundigte er sich fürsorglich. Ich wusste es zu schätzen, dass er mir beistehen wollte, aber gleichzeitig verfluchte ich ihn für seine ständige Aufmerksamkeit, die es mir einfach unmöglich machte, etwas vor ihm zu verbergen. „Nein, es ist alles in Ordnung“, meinte ich und versuchte, so viel Selbstsicherheit in meine Stimme zu legen, wie es mir möglich war.

„Bella, bitte. Ich verurteile dich doch nicht. Bitte, lass uns über das reden, was dich so beschäftigt“, beharrte Carlisle auf seinen Vorschlag. „Es ist alles in Ordnung. Ich muss jetzt auch los. Ich wollte noch etwas besorgen“, erklärte ich bestimmt und zog demonstrativ die Tür zu. Carlisle trat noch einen Schritt zurück, teilte mir aber noch etwas mit, was ihm offenbar sehr am Herzen lag: „Ruf mich an, sollte etwas sein oder solltest du reden wollen. Ich bin immer für dich da.“ Es schien ihm nicht zu gefallen, dass er nun kapitulieren musste und mich ziehen ließ.

Tatsächlich hielt ich noch an einem nahegelegenen Supermarkt. Meine Haarfarbe war mittlerweile seltsam verblasst und ich wollte unbedingt wieder zurück zu dem strahlenden dunkelrot, das mir so viel Selbstbewusstsein geschenkt hatte. Wenig später begrüßte ich strahlend meinen Vater und verkündete ihm, dass ich nun meine Haare wieder nachfärben würde. Es schien ihn zu freuen, dass ich mich nicht wieder so gehen ließ wie damals, als Edward und seine Familie mich verlassen hatten.

Das Ergebnis sah einfach fabelhaft aus und ich fragte mich, warum ich mich nicht schon viel eher darum gekümmert hatte. Egal was morgen passieren würde, so würde ich mich zumindest etwas stärker fühlen und meine Interessen besser gegenüber Carlisle vertreten können. Vielleicht würde mir das helfen ein paar Punkte durchzusetzen, die mich wirklich voranbringen würden. Grundsätzlich war Carlisle ja doch sehr kompromissbereit und wenn ich auf meine Position beharren würde, dann würde er mir bestimmt ein Stück weit entgegenkommen. Ich brauchte nur den Mut, endlich mal für mich selbst einzustehen.

Noch immer war unklar, wie ich mich schlussendlich entscheiden würde. Nur eines stand fest: egal was morgen passieren würde, es würde mir eine Menge Kraft abverlangen.



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Habt ihr Vermutungen wie es weitergehen könnte? Ich freue mich immer sehr, mich mit euch darüber auszutauschen.
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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