Endlich Perfekt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
05.08.2020
373
454.268
89
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Dieses Kapitel
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01.12.2019 1.176
 
Guten Abend ihr Lieben,
habt ihr schon das erste Türchen eures Adventskalenders geöffnet? Für mich gehört das zur Weihnachtszeit einfach dazu!
Ich wünsche euch einen besinnlichen 1. Advent und viel Spaß mit dem heutigen Kapitel!

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Am Abend war ich noch immer nicht zu einer Lösung gekommen. Es fühlte sich grauenvoll an, über dieses Thema auch noch beim Essen nachdenken zu müssen. Mit Carlisle und den anderen hatte ich heute kaum ein Wort gewechselt. Ich hoffte lediglich, dass er das nicht wieder so direkt ansprechen würde, vor allem nicht vor Mittwoch. Bereits als ich nur etwas langsamer wurde, spürte ich direkt die wachsamen Blicke der anderen in meinem Rücken.

Kaum waren die obligatorischen 30 Minuten verstrichen, saß ich auch schon wieder in meinem Transporter auf dem Weg nach Hause. Ich war froh, dass weder Carlisle, noch Jasper, noch irgendeiner der anderen das Gespräch mit mir gesucht hatte. Über diesen Konflikt würde ich wirklich mit niemandem reden können. Jeder von ihnen würde es mir ausreden, tatsächlich über so etwas wie Widerstand nachzudenken. Jeder von ihnen wusste, wie schwer mir das alles fiel und doch konnten sie nicht verstehen, wie sehr mich das tatsächlich Tag für Tag forderte. Sie konnten nicht nachvollziehen wie sehr ich litt und dass ich mir nichts sehnlicher wünschte, als dass das alles endlich ein Ende hatte.

Auch nachts ließ mich diese Entscheidung einfach nicht los. Ich verlor den Überblick wie lange ich wach lag, um endlich etwas Klarheit zu bekommen. Irgendwann war ich wohl eingeschlafen, denn mein Wecker riss mich unsanft aus dem Schlaf. Mein ganzer Körper schmerzte und ich fühlte mich wie gerädert. Diese Nacht war alles andere als erholsam gewesen. Erschöpft quälte ich mich aus dem Bett und kümmerte mich lediglich um das Nötigste. Bestimmt sah ich einfach fürchterlich aus.

Mitleidige Blicke begegneten mir, sobald ich auf dem Parkplatz der Schule aus meinem Transporter stieg. Vor allem Alice und Jasper schien nicht entgangen zu sein, wie sehr ich heute wieder mit allem haderte. Ob Alice eine Vision gehabt hatte? Jasper hatte bestimmt bereits gestern bemerkt, dass es mir nicht so gut ging, wie ich vorzugeben versuchte. Manchmal waren ihre Gaben für mich eher ein Fluch als ein Segen.

Der restliche Schultag verstrich ohne nennenswerte Ereignisse. In der Mittagspause saß ich wieder alleine und hatte mich gezwungen die Portion aufzuessen. Heute erschien sie mir besonders kalorienarm. Hatte Carlisle das absichtlich so gemacht? Ich konnte mir gut vorstellen, dass er vermutete, dass ich Angst vor dem nächsten Wiegen haben würde. Auch heute würde ich mir die Zahlen nicht anschauen. Falls es morgen überhaupt zu einem Gespräch kommen würde, dann würde er es mir eh verraten. Noch immer konnte ich keine Entscheidung treffen.

Darüber dachte ich auch auf der Fahrt zu den Cullens nach. Was sollte ich bloß tun? Die Situation erschien mir ausweglos, war beinahe der Innbegriff einer Zwickmühle. Vor dem Wiegen nahm ich mir im Bad noch einen kurzen Moment, um mich zu sammeln. Ich durfte vor Carlisle nicht den Eindruck erwecken, dass es mir in irgendeiner Art und Weise schlecht ging. Sonst würde er wieder anfangen nachzufragen und ich wusste nicht, ob ich ihm würde standhalten können.

Ein letztes Mal atmete ich tief durch, bevor ich die Prozedur so schnell wie möglich hinter mich brachte. Es demütigte mich, dass Carlisle so genau über mein Gewicht Bescheid wusste. Für mich war das Wiegen jedes Mal ein großer Angang, um den ich einfach nicht herumkam. Ich hasste das Geräusch des Kugelschreibers, wie er immer wieder neue Demütigungen auf das Papier kratzte. Stur hielt ich auch heute meinen Blick nach draußen gerichtet bis es endlich vorbei war und ich mich wieder umziehen konnte.

Als ich wieder aus der Tür trat, saß Carlisle bereits in einem der Sessel. Ich erinnerte mich an das Gespräch, das wir nun ja routinemäßig führten. Wieso hatte ich dem nur jemals zugestimmt?

Mit einer gewissen inneren Unruhe ließ ich mich auf dem Sessel ihm gegenüber nieder und versuchte, einen möglichst entspannten und unschuldigen Ausdruck zu vermitteln. „Gibt es etwas, über das du sprechen möchtest?“, begann Carlisle ohne Umschweife. Ich ahnte, dass er bereits vermuten musste, dass etwas im Argen lag. Bestimmt schüttelte ich den Kopf. „Bist du dir sicher? Hat es mit morgen zu tun?“, blieb Carlisle hartnäckig und bescherte mir mit seiner Frage ein flaues Gefühl in der Magengegend. Würde er es auf sich beruhen lassen?

„Es ist alles in Ordnung“, erwiderte ich bestimmt und vollkommen regungslos. Für einen Moment erkannte ich einen besorgten Blick in Carlisles goldenen Augen. „Ich kann dich nicht zwingen, aber ich bin immer für dich da, ok?“, versicherte er mir und ich nickte zum Zeichen, dass ich verstanden hatte. Für einen Moment versuchte ich mich sogar an einem Lächeln, scheiterte jedoch kläglich.

Mir war nicht zum Lachen zumute. Ich wollte schreien, weinen, um mich schlagen! Dieser endlose Konflikt verfolgte mich jede einzelne Sekunde, Tag und Nacht, und ich fand einfach keinen Ausweg. Ich wollte einfach nur noch eine Entscheidung treffen, damit ich mich endlich nicht mehr so fühlen musste. Das alles trieb mich um und ließ mir einfach keine Ruhe. Es war fürchterlich.

Etwas gezwungen versuchte Carlisle nun, das Thema auf etwas anderes zu lenken, doch so wirklich kam kein Gespräch zustande. Viel zu sehr war ich in meine Gedanken vertieft und dachte noch immer darüber nach, was morgen wohl alles passieren würde. Wie sollte ich mich jemals entscheiden?

Nach exakt 15 Minuten beendete ich das Gespräch relativ abrupt. Ich kündigte an, dass ich laufen gehen würde – alleine. Zwar würde mir diese eine Runde keinesfalls ausreichen, aber ich musste alleine sein und mir eine kleine Auszeit von all dem Stress hier gönnen. Das war das Einzige, was mir jetzt noch helfen könnte.

Ich lief nicht, ich rannte um mein Leben; weg von all meinen Problemen. Manchmal versuchte ich mich zu zügeln, war doch die Erinnerung an das letzte Mal, als ich so schnell unterwegs gewesen war, noch allzu präsent. Meine Lunge brannte als würde sie in Flammen stehen und ich hatte das Gefühl zu ersticken. Auch meine Beine würden mich nicht mehr lange tragen, wenn ich weiterhin in diesem Tempo unterwegs wäre.

Ich hatte es tatsächlich bis zur Hälfte der Runde geschafft, als ich mich gezwungen sah, eine kleine Pause einzulegen. Dunkle Flecken tanzten durch mein Gesichtsfeld. Das war schon ewig nicht mehr vorgekommen und ich wollte auf jeden Fall eine Ohnmacht verhindern.

Über den See hinweg sah ich das Haus der Cullens vereinzelt durch die Bäume aufblitzen. Ob wohl gerade jemand auf dem Balkon stand und ebenso zu mir hinübersah? Oder sprach Carlisle gerade mit ihnen? Er hatte mitbekommen, dass etwas nicht stimmte und ich betete, dass er nicht Jasper oder Alice um Rat fragen würde. Ich konnte nicht einschätzen, ob sie auch in dieser speziellen Situation hinter mir stehen würden. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor, der mich nahezu um den Verstand brachte.

Bevor ich jedoch wieder ins Grübeln kam, tat ich das Einzige, was mir jetzt noch helfen könnte: ich lief schneller.



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Bella leidet offenbar ziemlich unter der zu treffenden Entscheidung. Aber ist es das überhaupt - eine Entscheidung?
Liebe Grüße und bis morgen   ;-)
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