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Endlich Perfekt

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Carlisle Cullen Isabella "Bella" Marie Swan Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen
01.08.2019
26.09.2022
1155
1.409.473
149
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
22.09.2022 1.302
 
Hallo ihr Lieben,
wie angekündigt sind heute meine Eltern zu Besuch, daher lade ich nur kurz das neue Kapitel hoch.
Ich wünsche euch ganz viel Spaß beim Lesen!

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Zufrieden drehte ich zusammen mit Carlisle zwei Runden um den See.

Er warnte mich bei unebenem Untergrund und ich verstand langsam, dass seine Vorsicht nicht unbedingt etwas mit meiner Verfassung zu tun hatte, sondern dass es wirklich riskant war, ohne Beleuchtung bei dieser Tageszeit laufen zu gehen. Ich nahm mir vor, in Zukunft nicht mehr so spät daran zu denken, denn gerade bei meiner mangelnden Körperbeherrschung war das wirklich keine gute Idee.

Im Anschluss tat ich noch etwas für die Schule und heute nahm ich mir auch etwas von dem Puffer, den Carlisle und ich gemeinsam festgelegt hatten. Ich war zwar eigentlich gut vorangekommen, aber ich wollte diese Zeit einfach unter keinen Umständen ungenutzt verstreichen lassen. Außerdem tat es mir richtig gut, etwas mehr für die Schule machen zu dürfen. Irgendwie gab mir das das Gefühl, meinen Patzer etwas ausbügeln zu können. Nach einer halben Stunde beendete ich meine Arbeit aber, damit ich morgen auch noch mal die Gelegenheit hatte, etwas länger zu arbeiten, ehe es dann ins Wochenende ging.

Bei diesem Gedanken fiel mir gleich wieder ein, dass ich am Sonntag ja versuchen sollte, mich wieder meinen Dämonen zu stellen und sie herauszufordern. Noch war ich mir nicht sicher, was ich tun würde. Schokolade war einer meiner Angstgegner. Ich hatte es mittlerweile schon mehrmals – wenn auch selten – geschafft, in Eigeninitiative Chips zu essen, aber niemals Schokolade. Das war… zu viel.

Ich hatte Angst, dass mich diese Herausforderung überfordern würde und das alles in einem heillosen Durcheinander enden würde. Vor allem befürchtete ich aber, in einen Fressanfall zu rutschen. Seit ich wieder normaler aß, war das nicht sonderlich oft vorgekommen und bei weitem nicht so oft, wie ich es mir ausgemalt hatte, aber trotzdem bestand diese Gefahr. Carlisle hatte mich schon einmal gestoppt, aber ich sorgte mich, dass er mich dieses Mal vielleicht einfach gewähren lassen würde. Obwohl… Carlisle wusste doch, was das für mich bedeuten würde. Sicherlich würde er das dann nicht einfach zulassen. Oder?

Manchmal tat ich mir wirklich schwer, ihn einzuschätzen. Das war vor allem in solchen Momenten der Fall, wenn es darum ging, ob zugunsten meiner körperlichen und psychischen Gesundheit oder nach meinem Willen gehandelt werden sollte. Er konnte mich viel besser lesen als ich ihn. Eine Tatsache, die mich schon von Beginn an ziemlich gewurmt hatte und leider fehlte mir die Erfahrung, um mir seines nächsten Zuges sicher zu sein. Es würde mir jedenfalls auch nichts bringen, nun noch stundenlang darüber nachzudenken, was Carlisle vielleicht oder vielleicht auch nicht tun würde, wenn ich wirklich in einen Fressanfall abrutschen würde. Es war ja immer noch zu hoffen, dass dieser Fall nicht eintreten würde. Falls ich mich überhaupt dafür entscheiden würde, über meine Grenzen zu gehen.

Jetzt machte ich mich erst mal bettfertig. Während dem Einschlafen überlegte ich mir, wie ich morgen weiter vorgehen wollte. Sollte ich vielleicht noch mal versuchen, mich zu melden oder war es dafür noch zu früh? Ich wollte zwar kein Risiko eingehen, aber mir war eben auch bewusst, dass mit jedem Tag, den ich warten würde, meine mündlichen Noten weiter abrutschen würden und das konnte ich mir eigentlich nicht erlauben. Seufzend entschloss ich mich dazu, noch den morgigen Tag und das folgende Wochenende abzuwarten. Danach würde sich bestimmt niemand mehr an meinen Patzer erinnern und dann könnte ich mich auch wieder mit einem guten Gefühl melden. Wenn ich das nämlich nicht hätte, würde es sicherlich nur wieder schiefgehen. Außerdem würde ich mir dadurch auch etwas Ruhe gönnen und ich könnte nicht sagen, dass ich das nach den letzten Tagen nicht bitter nötig gehabt hatte.

Über all diesen Überlegungen zum kommenden Schultag war ich irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen. Es fühlte sich aber so an, als hätten mich diese Themen auch in den Schlaf verfolgt, denn ich fühlte mich wirklich alles andere als erholt. Trotzdem half es nichts. Ich machte mich fertig und fuhr dann zusammen mit Jasper zur Schule.

„Ich kann es kaum erwarten, endlich Wochenende zu haben“, stieß ich aus. „Das stimmt. Hast du schon Pläne? Was möchtest du denn an deinem halben freien Tag machen?“ So wirklich hatte ich darüber noch nicht nachgedacht, daher zuckte ich nur mit den Schultern. „Solange ich nicht direkt wieder shoppen gehen muss. Davon hatte ich in der letzten Zeit nun erst mal wirklich genug“, lachte ich. Zwar mochte ich es wirklich, mit Alice und den anderen Zeit zu verbringen, aber das Einkaufen war eben auch immer eine Zerreißprobe für meine Nerven.

„Was hältst du davon, wenn wir mal wieder Boxen gehen? Ich müsste erst mal Carlisle fragen, ob er wegen deinen kürzlichen Verletzungen damit vollkommen einverstanden ist, so aus ärztlicher Sicht, aber wenn er nichts dagegen hat, könnten wir doch das machen. Ich bin mir sehr sicher, dass Emmett auch mal gerne sehen würde, wie du dich so schlägst. Natürlich nur, wenn du Lust hast“, schlug Jasper vor. Ich hatte tatsächlich schon sehr lange nicht mehr geboxt, weshalb ich erst einen kurzen Moment in mich hineinhören musste, ob ich Lust dazu hatte.

„Das klingt wirklich gut. Ich würde das gerne mal wieder machen, aber vielleicht will Emmett lieber ein andermal mitkommen. Ich bin etwas aus der Übung und möchte ihm eine gute Show bieten können“, sagte ich zu. „Klar, gerne! Aber sagst du das, weil du es auch so meinst oder hat es einen anderen Grund, weshalb du Emmett nicht dabeihaben willst?“, fragte Jasper sofort nach. Etwas in meiner Aussage hatte ihn offenbar hellhörig werden lassen. „Ich will mich nur nicht vor ihm blamieren. Ich weiß, wie gerne er es sehen würde, dass ich richtig abräume und ich will ihn einfach nicht enttäuschen. In der letzten Zeit war ich kaum sportlich aktiv und ich… ich will mich einfach nicht vor ihm blamieren“, bekannte ich.

„Hat das womöglich noch etwas mit der Sache in der Schule zu tun?“, bohrte Jasper nach und ich spürte, wie sich meine Geduld für dieses Gespräch langsam dem Ende zuneigte. „Vielleicht, aber selbst wenn, was ist daran so schlimm? Kannst du meine Meinung nicht mehr akzeptieren, nur weil etwas vorgefallen ist, was das hervorgebracht hat?", stellte ich ihm etwas gereizt meine Gegenfrage. „Nein, so ist es natürlich nicht. Ich will nur sichergehen, dass dich das nicht zu sehr mitnimmt, Bella.“

Für einen Augenblick schwiegen wir beide. Nur die leise Musik des Radios war noch zu hören. „Und tut es das?“, bohrte Jasper noch mal nach. „Nein, mir geht es wirklich schon besser. Ich werde noch das Wochenende abwarten und danach werde ich mich auch wieder melden. Es ist mir nur wichtig, auf Nummer sicher zu gehen. Aber es ist wirklich alles gut, Jas.“ Damit ließ er es glücklicherweise auf sich beruhen. Ansonsten hätte mir vermutlich auch die Geduld gefehlt, dieses Gespräch noch weiterzuführen. Für mich machte es keinen Unterschied, weshalb ich mich nicht vor Emmett blamieren und ihn stolz machen wollte. Hoffentlich würde Jasper das nun auch so sehen und mich nicht mit seinen Vermutungen und Spekulationen verrückt machen.

Fast war ich sogar etwas dankbar, als wir an der Schule ankamen und somit nicht mehr der Rahmen für derart vertraute Gespräche gegeben war. Bis zur Mittagspause war hoffentlich auch Jasper davon überzeugt, dass es mir gut ging und kein Grund zur Sorge bestand. Mir ging es ja auch gut. Ich war bloß noch etwas erschöpft von der wenig erholsamen Nacht und ich würde eben noch etwas abwarten, bis ich wieder riskieren würde, mich vor der Klasse zu melden.

Es war ja nicht so, dass ich mich gar nie wieder trauen würde. Nur heute eben noch nicht. Da war ja auch nichts dabei. Oder?



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Ich hoffe, dass euch das Kapitel gefallen hat und wünsche euch noch einen schönen Abend.
Liebe Grüße und bis morgen!
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