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Reise durch Cyrodiil

von OmaGrusel
KurzgeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
01.08.2019
13.01.2021
29
95.210
5
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13.01.2021 1.974
 
Wohin mit den Siegelsteinen?



Warnung: Diese Geschichte ist nur etwas für Oblivion-Nerds. Sollte man allerdings die Kapitel 24,25,26 und 28 dieser Sammlung gelesen haben, kann man sie auch als absoluter Oblivion-Nichtversteher gut nachvollziehen.


Ilend sprang von der Plattform auf den Metallring. Dann griff er nach der pulsierenden Kugel.
Eine Weile verharrte er, dann drehte er sich um.
„Bittneld! So komm doch endlich! Ich will hier nicht ewig warten!“, rief er dem Gefährten zu, der auf der Ebene unter ihm vor der Leiche eines Dremora Markynaz' kniete.
„Ich komme gleich!“, rief der Nord zurück. „Lass mich den Kerl noch durchsuchen. Bei den Neun, er hat jede Menge Tränke in den Taschen! Sein Herz sollte ich auch mitnehmen. Igitt, das ist eklig …“
Ilend wandte sich ab, betrachtete wieder den Siegelstein, verdrehte die Augen, seufzte, zählte bis zehn, bis zwanzig...
„Bin schon da!“, hörte er Bittnelds Stimme, als der Nord neben ihn auf den Ring sprang und ebenfalls nach dem Siegelstein griff.
„Hast du ihn?“, fragte Ilend.
„Jepp!“, antwortete Bittneld.
„Dann auf drei!“, befahl der Held von Kvatch.

Er zählte. Bei drei rissen die Gefährten die Kugel an sich. Gleißende Helligkeit nahm ihnen die Sicht, sie flogen, sie fielen und landeten zwischen schwarzen Felsen auf harter Nirn.
Ilend hielt den Siegelstein fest, Bittneld verlor den Halt und rollte über den Boden.

„Ich schwör dir, das nächste Mal lasse ich dich einfach drüben!“, sagte Ilend.


*



Ilend Vonius und Bittneld Fluchbringer saßen in Haus Arborwatch, dem Anwesen Vonius' in Chorrol nebeneinander auf dem Sofa in der Bibliothek und sahen auf die Regalwand gegenüber.
„Das ist  - echt – absolut - mega - geil!“, sagte Bittneld.
Ilend sagte nichts.

In den Regalen lagen Kugeln, ungefähr so groß wie ein Männerkopf, sie hatten eine feurige, aber durchsichtige Oberfläche, darunter befand sich absolute Schwärze. Jede der Kugeln gab einen sirrenden, summenden Laut von sich.

Es waren Dutzende Kugeln, die Regale, die die ganze Wand einnahmen waren voll davon. Das Summen und Sirren war unerträglich laut.

„Was machst du mit ihnen?“, fragte Bittneld.
Ilend zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung!“
„Zu irgendwas müssen sie doch gut sein!“, beharrte der Nord.
Wieder zuckte Ilend mit den Schultern.
„Ja, kann schon sein. Aber ich habe keine Ahnung zu was.
Vielleicht sollte ich einen Fachmann fragen!“


*



Zwei Tage später saßen Ilend und Bittneld erneut nebeneinander auf dem Sofa in der Bibliothek von Haus Arborwatch und betrachteten die Siegelsteine im Regal.
Zwischen ihnen saß, nachdenklich und ebenso betrachtend, ein kleiner, gedrungen gebauter, braunhaariger Bosmer, Athragar von der Magiergilde.

„Eine erstaunliche Sammlung!“, stellte Athragar fest.
„Ja, nicht wahr!“, bestätigte Ilend.
„Was genau sind diese Siegelsteine?“, wollte Bittneld wissen.
„Morpholithische Kristalle, die mit einem Deadra-Siegel versehen wurden, einer magischen Inschrift, die ihnen bestimmte Fähigkeiten verleiht, magische Fähigkeiten.“
„Ja, ich weiß!“, antwortete Ilend.
„Häh?“, äußerte Bittneld.
„Diese magischen Fähigkeiten können auf einen anderen Gegenstand übertragen werden“, fuhr Athragar fort.
„Häh?“, äußerte Bittneld.
„Wie funktioniert das?“, wollte Ilend wissen.
Athragar schwieg eine Weile, zuckte dann mit den Schultern und antwortete:
„Weiß ich nicht!“
Bittneld grunzte zustimmend, doch Ilend gab sich nicht zufrieden.
„Wer könnte das wissen?“
Athragar ergriff erneut das Wort:

„Die Übertragung von magischen Fähigkeiten wie Schutz- oder Schadenszaubern auf Gegenstände nennt man Verzauberung.
Nur sehr mächtige Magier haben die Kraft diese zu wirken.
Seit Bestehen der Magiergilde versucht man die Verzauberung auch weniger talentierten Magiern zu ermöglichen. Deshalb entwickelte man Geräte, die diese Technik vereinfachen. Ich möchte euch nicht mit der Geschichte dieser Forschung langweilen, nur soviel:
In der Arkanen Universität in der Kaiserstadt gibt es eine Schule, die sich mit diesem Thema beschäftigt.
Hier können auch Anfänger oder weniger Talentierte die Verzauberung erlernen und durchführen. Man benötigt nur einen Verzauberungsaltar, einen gefüllten Seelenstein, einen Gegenstand den man verzaubern möchte und das Wissen um den Zauberspruch, auch wenn man nicht die Fähigkeit hat Letzteren aus eigener Kraft umzusetzen. Das Gerät erledigt das dann.

Die Magiergilde macht seit jeher eine Menge Geld mit der Herstellung und dem Verkauf von verzauberten Rüstungen, Waffen, Kleidung oder Schmuck.
Mein Fachgebiet ist Veränderung. Vom Wesen der Verzauberung weiß ich nicht viel, aber ich nehme an, dass diese Siegelsteine wie Seelensteine funktionieren.“

„Aha!“, bemerkte Ilend.
„Häh?“, äußerte Bittneld.
„Dann wäre es wohl angebracht, wenn wir uns zur Arkanen Universität in der Kaiserstadt begeben würden!“, fügte Ilend hinzu.


*



„Erstaunlich! Wirklich erstaunlich!“, sagte Delmar, der Rothwardonenmagier. Er saß auf dem Sofa in seinem Arbeitszimmer im Chironasium, der Schule für Verzauberung der Arkanen Universität in der Kaiserstadt und blickte auf das Dutzend Siegelsteine, das aufgereiht vor ihm auf dem langen Tisch lag.
Links und recht von ihm saßen Ilend Vonius und Bittneld Fluchbringer, sahen ebenfalls auf die Siegelsteine und schwiegen.

Delmar, der Dekan der Schule für Verzauberung, erhob sich und trat an den Tisch. Bedächtig nahm er eine der Kugeln, drehte sie in den Händen und betrachtete sie.
„Eine flammende Oberfläche,“ murmelte er. „Darunter das Nichts, das absolute Nichts. Das zeugt davon, dass dieses Artefakt in zwei Dimensionen existiert.“

„Ja, das sagte Divayth Fyr auch!“, bemerkte Ilend trocken.
Delmar wandte sich sich erstaunt zu dem Helden von Kvatch um.
„Divayth Fyr? Ihr kennt Divayth Fyr?“ Die Frage klang äußerst überrascht.
„Nein!“, sagte Ilend lakonisch. „Ich kannte mal jemanden, der ein Buch von ihm gelesen hat.“

Delmar lächelte herablassend.
„Ja, ich besitze selbst einige Bücher von Divayth Fyr, und ich habe sie alle gelesen“, sagte er beiläufig. Dann wandte er sich wieder der Kugel in seinen Händen zu.
„Sie ist warm, pulsierend, dieses sirrende Geräusch ….
Hmhmhmhmhm, sie trägt magische Energie in sich, wie ein Seelenstein, nur Hunderte Male so stark wie der stärkste Seelenstein.
Ja, man kann mit ihr Dinge verzaubern.“
„Aha!“, bemerkte Ilend.
„Häh?“, äußerte Bittneld.
„Ich werde sie Euch abkaufen, zu Studienzwecken“, antwortete Delmar. „Ich gebe Euch hundert Septime für jede. Was denkt Ihr darüber?“
„Ich werde es mir überlegen“, antwortete Ilend.


*



„Du musst verrückt sein!“, rief Bittneld Fluchbringer.
„Ja, das hast du mir schon öfter gesagt“, bemerkte Ilden sarkastisch.
„Jetzt fang doch nicht schon wieder mit den alten Kamellen an!“, rief der Nord. „Du bist der nachtragendste Mensch, der mir jemals begegnet ist!
Nein, ich meine du musst verrückt sein, dieses Angebot von Dekan Delmar auszuschlagen. Hundert Septime für eine der Kugel. Und er will alle! Das wären 1200 Septime! Vielleicht nimmt er uns auch noch die anderen ab, die wir zu Hause gelassen haben!“
„Du meinst wohl 'vielleicht nimmt er MIR die anderen ab, die ICH zu Hause gelassen habe.'
Bei den Neun!
Bittneld!
Schalte doch einmal, nur einmal, dein Gehirn ein!
Wenn der Alte so bereitwillig hundert Septime anbietet, dann sind die Dinger mit Sicherheit noch viel mehr wert.
Aber darum geht es gar nicht. Ich bin reich, ich habe genug Gold.
Ich möchte wissen, was man mit den Siegelsteinen machen kann. Ich werde mit Dekan Delmar verhandeln!“


*



„Ich werde Euch die Siegelsteine überlassen!“,  verkündete Ilend.
„Unter einer einzigen Bedingung: Ihr zeigt mir, wie die Verzauberung geht. Ich werde es ausprobieren, und Ihr könnt die restlichen Kugeln behalten. Umsonst! Was denkt Ihr darüber?“
Ilend hatte diese Forderung bestimmt und selbstbewusst geäußert.
Natürlich erwartete er nicht, dass Delmar zustimmen würde.
Nein, eigentlich dachte Ilend, dass der Zauberer ihm sagen würde, dass nur magisch Begabte diese Kugeln nutzen könnten.
Umso überraschter war der Held von Kvatch, als der Dekan nach kurzem Überlegen nickte.
„Gut, machen wir es so!“


*



„Es benötigt kein magisches Talent“, erklärte Delmar.
„Seht, Ihr legt das Artefakt vor Euch. Dann umfasst Ihr es mit beiden Händen. Es wird Euch sagen, welche magische Eigenschaft in ihm gespeichert ist. Diese hier hat 'Eisfrost widerstehen'.  Dann nehmt Ihr die Kugel und positioniert sie auf dem Gegenstand, den Ihr verzaubern wollt.“

Der Dekan setzte den Siegelstein auf ein weißes, gefaltetes Kleidungsstück.
„Nun müsst Ihr es benennen: EISSCHÜRZE!“
Die Kugel flammte kurz auf und erlosch. Die Schwärze wurde kleiner und war innerhalb einer Sekunde in sich zusammengefallen.
Der Dekan nahm das neue Artefakt, es war eine Robe, die nun bläulich leuchtete und hielt sie empor.
„Seht, so einfach ist es. Nun probiert selbst, Meister Vonius. Nehmt einen Gegenstand, den Ihr verzaubern wollt.“

Ilend überlegte. Die Teile seiner Ausrüstung waren bereits alle arkan manipuliert. Bittneld hielt ihm seine Gauntlets entgegen.
„Echtes Stadtwachenstahl!“, bemerkte der Nord. „Ein kleiner Zauber würde ihnen sicher guttun.“

Ilend nahm einen der Siegelsteine in die Hände, wie der Magier es ihm gezeigt hatte. Er war warm und pulsierte. Der Held von Kvatch konzentrierte sich auf das Artefakt, hörte in sich hinein …
„Ich kann nichts spüren“, bemerkte er. „Es gibt mir seine Eigenschaft nicht preis!“
„Das ist Übungssache!“, erklärte der Dekan. „Ihr könnt jetzt eine halbe Stunde hier verharren, oder Ihr wagt die Verzauberung. Spätestens beim dritten Gegenstand werdet Ihr die Fähigkeit erkennen.“

Ilend seufzte, legte die Kugel auf die Gauntlets und sagte:
„HELDENFÄUSTE!“
Es zischte, flammte kurz auf, die Schwärze zog sich innerhalb einer Sekunde in sich zusammen und verschwand.
Die Stahlgauntlets hatten einen grünen Schimmer angenommen.
„Magieresistenz!“, sagte Delmar bedächtig.

„Jetzt wird der Run auf die Obliviontore losgehen!“, flüsterte Bittneld in Ilends Ohr.
„Du hättest das Geheimnis für dich behalten sollen!“
Ilend sah ihn verächtlich an.
„Ich habe gleich nach meinem ersten Tor dem Hauptmann in Kvatch erklärt, wie es geht, und was es mit den Siegelsteinen auf sich hat. Das war nur rechtens, denn die Tore öffnen sich im ganzen Land und bringen Gefahr.
Je mehr Leute wissen, wie man sie schließt, desto besser! Es hat trotzdem bis jetzt noch keinen Run gegeben! Aber bitte nur zu! Das Volk von Cyrodiil wird dir dankbar sein.“
„Pedantische Spaßbremse!“, murmelte Bittneld.


*



Dekan Delmar hatte Recht gehabt. Bereits beim zweiten Versuch zu Hause in Arborwatch war es Ilend gelungen, die Fähigkeit der Kugel zu erkennen.
Bittneld Fluchbringer hatte weit mehr Mühe.
Er saß auf dem Boden der Bibliothek, von Dutzenden Siegelsteinen umgeben, nahm einen nach dem anderen in die Hände, lauschte, schüttelte den Kopf, legte die Kugel beiseite, nahm die nächste …
„Die Dinger wissen anscheinen, wem sie gehören!“, konnte sich Ilend nicht verkneifen spöttisch zu bemerken.
Fluchbringer warf ihm einen bösen Blick zu und nahm den nächsten Siegelstein.

„Feuerresistenz!“, sagte er und warf dem Helden von Kvatch einen triumphierenden Blick zu.
„Hier“, Ilend  schleuderte eine Leinenhose in Richtung des Nords.
„Probier es gleich mal aus.“
Bittneld nahm das Kleidungsstück, legte aus auf den Boden und setzte die Kugel darauf. Er wartete. Nichts geschah.
„Du musst sie benennen!“, belehrte ihn Ilend.
„Einen Namen für deine alte Hose?“, entgegnete Fluchbringer.
„Wie wäre es mit
'Buxe der feurigen Winde'?“
Ilend sah in verächtlich an und knurrte.
„Na dann eben nicht!“ Der Nord zuckte die Schultern und wandte sich wieder seinem Werk zu.
„HEISSES HÖSCHEN!“, sagte er.
Der Siegelstein flammte auf, erlosch und die schwarze Kugel sank in sich zusammen. Die Hose schimmerte rötlich.


*


Ilend hatte bereits die Hälfte aller Siegelstein untersucht, als er etwas äußerst Interessantes fand.
„Levitation!“, murmelte er befriedigt.
„Was sagtest du? Levitation?“, fragte Fluchbringer, der gerade mit dem Nachmittagstee den Raum betrat.
„Da habe ich doch gleich den richtigen Gegenstand.“
Er stellte das Tablett auf den Tisch, nahm das Milchkännchen und hielt es dem Helden von Kvatch grinsend entgegen. „MY PRECIOUS!“
Ilend sah ihn entgeistert an.
Der Nord lachte:
„Es wäre doch lustig, wenn beim Teetrinken das Geschirr selbständig herum schwebte. Man bräuchte nicht aufzustehen, wenn man sich nachschenken möchte ...“
Der strenge Blick des Helden ließ den ehemaligen Kommandanten verstummen.
„Dann eben nicht!“, knurrte er beleidigt. „Ich werde dir ein paar Stiefel besorgen.“

„Nein“, entgegnete Ilend. „Ich habe eine bessere Aufgabe für dich. Du wirst alle Kugeln sortieren und beschriften. Dann machst du einen Katalog, schreibst hinter den magischen Fähigkeiten alle möglichen Gegenstände auf und überlegst dir Namen. Vernünftige Namen!“
„Und was machst du in der Zwischenzeit?“, wollte der Nord wissen.
„Ich? Ich besorge neue Siegelsteine. Wir wollen doch nicht, dass dir die Arbeit ausgeht!“
Jetzt war es an Ilend zu grinsen.
Der betretene Ausdruck in Fluchbringers Gesicht war zu köstlich.
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