Urban legend Fanfiction Projekt

von Der Wulfi
CrossoverMystery, Übernatürlich / P18 Slash
01.08.2019
23.11.2019
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Der Mann mit dem schwarzen Mantel und dem großen Regenschirm.

Der Samstagmorgen des 11. November des Jahres 1987 war ein gar schrecklicher für mich. Ich kann mich an diesen Morgen noch erinnern, als wäre alles, was damals Geschah, gerade erst passiert. Ich war damals erst 10 Jahre alt, also noch ein relativ kleines Mädchen und wohnte über das Wochenende hinweg bei meinen Großeltern, da meine Eltern beide auf dem Nachhauseweg von einer Feier am Freitagabend mit dem Auto verunfallt waren. Aber es ist nichts weiter passiert, und meine Eltern wurden auch nur leicht verletzt, dennoch mussten sie für 48 Stunden unter Beobachtung im Krankenhaus verbleiben. Aber dies war nicht alles, was geschehen ist, den noch in der Nacht zum Samstag verstarb, meine geliebte Großmutter überraschend an einem Herzinfarkt. Und das, obwohl sie mir am Abend zuvor noch eine Gutenachtgeschichte vorgelesen hatte und es ihr noch sehr gut zu gehen schien. Es regnete so stark da draußen vor dem Haus meiner Großeltern, und der Himmel war so finster an jenem Novembermorgen, dass es scheinbar gar nicht mehr hell werden wollte. Ich stand an diesem Morgen ganz allein am Fenster in der Küche des Hauses. Großmutter wurde bereits in der Nacht abgeholt und meine Eltern über ihren Tod telefonisch von meinem Großvater unterrichtet. Ich war mit meinem Großvater an jenem Morgen allein im Haus und hörte ihn im Schlafzimmer einsam vor Trauer Weinen. Ich hatte Angst und fühlte mich ebenfalls sehr einsam und auch sehr traurig. Meine tränen kullerten mir nur so von meinen Wangen, so wie die  Regentropfen draußen von den Scheiben des Fensters rannen.

Nur mein Teddybär Fridolin leistete mir Gesellschaft und versuchte, mir Trost zu spenden. Unter der Straßenlaterne auf der gegenüber liegenden Straßenseite bemerkte ich auf einmal einen Mann. Dieser war bekleidet mit einem dunklen Anzug sowie einem schwarzen Mantel und trug einen etwas altmodischen und seltsam wirkenden Hut. Ich sah, dass er einen sehr großen Regenschirm dabei hatte, um sich vor dem Regen zu schützen, dieser nun immer stärker zu werden schien. Niemand sonst befand sich auf der Straße, und alles dort draußen wirkte nun zutiefst friedlich und still. Der Mann sah mich nun freundlich an und begann auch zu lächeln, als er mich ansah. Er streckte dann seinen großen Regenschirm etwas in die Höhe und lud mich offenbar zu sich ein, damit ich mich ihm unter seinem Regenschirm anschließen konnte. Ich weiß nicht mehr, warum oder weshalb, aber ich verließ die Küche und ging bekleidet nur mit meinem Nachtkleid sowie meinem Teddy unter dem Arm in den strömenden Regen und die Kälte hinaus. Warm und geborgen fühlte ich mich nun unter seinem Schirm, und ich vertraute diesem fremden Mann aus mir heute noch unerfindlichen gründen zutiefst. Ich war ihm sogar dankbar dafür, dass er mir Platz für mich unter seinem großen Regenschirm frei gemacht hatte. Wir standen nun beide einfach nur zusammen da und starrten auf den starken Regen, der auf den Boden um uns herum niederprasselte. In diesem Moment erinnerte ich mich an eine Geschichte, die mir meine Großmutter immer erzählt hatte:

Es gibt eine urbane Legende namens, der Mann mit dem großen Regenschirm, diese erzählt von einem Mann, der vor Menschen erscheint, die Schutz und Geborgenheit vor starken Regenfällen brauchten und zudem sehr, sehr traurig sind und sich einsam fühlen. Meine Großmutter warnte mich immer sehr eindringlich vor diesem Mann, besonders aber in letzter Zeit. Vermutlich, weil sie schon ahnte, welches Schicksal sie wohl bald ereilen sollte. Meine Großmutter hatte schon immer Dinge gewusst, bevor sie geschahen. Dafür hatte sie eine Begabung. Jedenfalls sagte sie zu mir:

Ich solle niemals unter den Regenschirm des Mannes treten und den Platz darunter mit dem Regenschirmmann teilen.

,,Denn sobald du dies tust, mein Kind ist es nämlich sehr, sehr schwer, ihm wieder zu entkommen. In diesen Moment wirst du dich sehr geborgen und zufrieden fühlen. Es wird dir gut gehen bei ihm so gut, das du keine Gedanken daran verschwenden willst, wegzugehen oder gar wegzulaufen. Der Regen und die Kälte werden sich nur verschlimmern und versuchen, dich zu zwingen, unter dem Regenschirm des Mannes zu verbleiben.‘‘

Ich fühlte mich tatsächlich ziemlich wohl, als ich dort stand und mich an die alte Geschichte erinnerte. ,,Ist das nicht seltsam?" Überlegte ich mir. Ich konnte kein Geräusch von prasselndem Regen auf dem Regenschirm hören.


Draußen regnete es zwar sehr stark, aber innerhalb dieses Schirmes konnte ich kein Geräusch vernehmen, geradezu totenstille herrschte und nichts war zu hören, nicht ein kleinster Laut. Als ich nun versuchte, etwas zu sagen, hallte meine Stimme wieder zu mir zurück. So wie ein dunkles Echo, das von den Felswänden einer Höhle widerhallt. Ich erinnerte mich jetzt an etwas anderes, was mir meine Großmutter über den Regenschirmmann erzählt hatte. ,,Wenn ich mich jemals unter seinem Regenschirm wiederfinden sollte, sollte ich so schnell wie möglich raus. Egal, wie sehr der Regenschirmmann versucht, mich dort zu halten. Hatte sie mir gesagt.‘‘ Es wurde aber immer schwieriger, es zu versuchen, denn je mehr ich es versuchte, desto stärker wurde der Regen, und umso stärker prasselte dieser auch auf den Boden nieder. Der Wind nahm ebenfalls zu und blies den Regen jetzt zu einer Gischt, aber dennoch blieb irgendwie der Raum unter dem Regenschirm trocken, und ich konnte die Böen des Windes nicht fühlen. Mein Nachtkleid flatterte nicht einmal, und alles blieb so warm, friedlich und still wie zuvor. Bald vernahm ich nun leise Geräusche, diese begannen wie ein Weinen, sich anzuhören und auch irgendwie aus der Ferne zu kommen schienen. Langsam schienen diese Geräusche nun auch lauter zu werden, und als ich in den Regen sah, der vom Himmel um uns herum herabströmte, stellte ich mir vor, dass dieser warm und salzig sei, genau wie menschliche Tränen.

„Ich muss gehen!“ Schließlich konnte ich die Worte laut aussprechen, und ich fand nun auch die Kraft, um das Echo zu ignorieren.

"Du musst nicht gehen!" Antwortete der Mann darauf mit leiser und sanfter Stimme.

In diesem Moment, in dem der Mann seine Worte sprach, nahm sein Regenschirm sogar noch an Größe zu. So, als würde er uns beide darin einschließen wollen und die Ränder seines Regenschirms begannen, sich zu schärfen. Meine Sicht schien sich jetzt zu trüben, aber als ich mich umsah, sah ich, dass der Regen rot wurde, rot wie Blut, und ich fragte mich, war dies etwa wirklich Blut? Ich wollte jetzt absolut nicht mehr aus dem Schutz seines Regenschirms entkommen, aber dann sah ich meine Großmutter und auch andere Menschen, die ich im Regen erkannte und wie diese mich anstarrten und mit so leeren wie traurigen Gesichtern zu mir hinüber sahen. Als ich sie beobachtete, bemerkte ich, wie meine Großmutter draußen im Regen zu Weinen begann und stellte jetzt fest, dass es unmöglich so sein konnte, da sie doch erst letzte Nacht gestorben war. Sie schrie mich an:

,,Mein Kind, Bitte! Gehe weg von seinem Regenschirm und verschwinde von dort!“

Ich hörte jetzt, wie ihre Stimme durch den Schleier seiner Magie hindurchdrang und spürte nun, wie ich wieder langsam zu meinen Sinnen zurückfand. Ich rannte unter seinem Regenschirm hindurch und aus dem magischen Schleier hinaus, der diesen Umgab. Auf und davon schnell wie der Wind, und es war mir nun gleich, was auf mich fiel. Völlig egal, ob Regen oder Blut. Kaum heraus aus dem magischen Schleier geriet ich nun Schnell in schreckliche Angst und Panik rannte nun so schnell wie ich konnte und kam schließlich erst an der Türe des Hauses meiner Großeltern wieder zum Stehen, bevor ich nun doch zurückschaute.

Der Regen hatte plötzlich aufgehört. Die Sonne kam jetzt heraus, und ich konnte sogar einen Regenbogen am Himmel sehen. Der Mann mit dem großen Regenschirm war weg. Sogar die Straßen waren trocken und die Vögel zwitscherten. Alles war so, als hätte es nie geregnet oder gar gestürmt. Menschen und Tiere waren unterwegs, und niemand schien auch nur irgendetwas Außergewöhnliches bemerkt zu haben. Auch ich und mein Kleid waren trocken so, als wenn ich nie im Regen gewesen sei. Was war geschehen? Mir wurde nun klar: Meine Großmutter musste wenige Tage vor ihrem Tod eine ihrer Vorsehungen gehabt haben und wollte mich wohl warnen. Doch ich ignorierte ihre Warnungen, und so musste sie mich persönlich vor dem Mann mit dem großen Regenschirm retten. Ich verspürte nun einen große und tiefe Erleichterung in mir und auch Trost, als mein Großvater endlich auf mein Sturmklingeln an der Türe reagierte und mich wieder mit zurück in sein Haus brachte. Ich erzählte ihm noch ganz außer Atem vor Angst, was ich gerade erlebt hatte, und er schenkte mir tatsächlich Glauben den auch, er hatte Großmutter gerade gesehen, und auch ihm war sie erschienen. Sie hatte ihm erklärt, sagte er, dass es ihr gut ginge und das er nicht traurig sein müsse über ihren Tod, denn sie würden sich schon bald wiedersehen. Dann können sie für immer zusammen sein.


Großvater erklärte mir noch, dass Großmutter ihm erzählte, das auch sie, als sie von ihrem baldigen Tod erfuhr, dem Regenschirmmann begegnete und mich deshalb beschützen wollte, da auch sie ihm beinahe auf den Leim gegangen wäre. Der Regenschirmmann, so sagte sie, sei ein Todesengel, der versuche, Seelen für den Teufel zu Ernten und dazu Menschen in eine Falle lockt. Beide fielen wir uns nun zugleich erleichtert in die Arme und weinten. Es waren aber keine tränen der Trauer, sondern tränen des Trostes und der Freude, den nun wussten wir, dass es Großmutter gut ging und das sie immer noch bei uns ist und auch nie verlassen wird.  

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